Nachtrag

Die Reise war nicht auf den ostfriesischen Inseln zu Ende, natürlich nicht. Aber dort setzte sich die gefühlte Normalität, das Zu-Haus-Gefühl, durch. Und über die Normalität berichtet es sich so schlecht. Weshalb der Chronist das Nicht-Fertig-Gefühl lange verdrängt hat, sogar gegen die Ermahnungen seiner besseren Hälfte.
Jetzt also der Abschluss, zumindest für die Saison 2017: Wangerooge, Hooksiel, Bremerhaven, Weser rauf bis Elsfleth. Letzter Halt vor dem Heimathafen. Besuch der nächsten (nicht alle) und übernächsten (alle) Generation. Spielplatz, Strand – fast so wie damals.

Die übernächste Generation

Zurück im zum Ausgangshafen. Letzte Aktion dieser Reise: Im heimatlichen Bächlein, der Ochtum, einmal trocken fallen lassen und nachsehen, warum das Ruder so fürchterlich zu einer Seite zieht. Gefunden: Relativ wenige Algenfäden an einer Seite. Nach Abbürsten der Selbigen alles wieder in Ordnung. Das so wenig Grünzeug solch einen Einfluss haben kann, ungläubiges Erstaunen. Aber außer zu den Vereinsveranstaltungen wurde das Boot nicht mehr bewegt. Das war bislang immer so, seit wir längere Reisen mache: Wenn man wieder zu Hause ist, okkupieren einen die „sonstigen gesellschaftliche Verpflichtungen“.  Und natürlich auch die familiären. „Boot“ ist dann eigentlich nicht mehr. Außer, um daran zu arbeiten. Aber das ist ein anderes Kapitel.

 

 

 

Die letzten Inseln

Ganz offensichtlich sind wir wieder in mehr oder minder heimischen Gewässern. Man merkt’s an verschiedenen Kriterien: Das Wasser wird flacher. Die Zahl der bekannten Boote wird größer. Die Zahl der bekannten Menschen wird größer. Die Zahl der Seehund auch. Und leider: Die Zahl der Probleme mit der Seefahrt wird auch größer. Zum Glück nicht unsere, aber um uns her. Auf Borkum eine Yacht, die sich völlig ver-navigiert hatte und mit Hilfe der DGzRS in den Hafen geleitet wurde. Auf Nordeney begrüßte der Hafenmeister eine einlaufende Yacht mit: Ward ihr das vor Wangereooge? Ihr steht schon in der Zeitung! Vor Spiekeroog hat ein ortsfremder seine 40-Fuß Yacht so auf die Sände gepackt, dass sie ihren Kiel verloren hat und leckgeschlagen ist.

Schadendurch Strandung im Seegat. Das war ein Kielboot! Vorher.
Schaden durch Strandung im Seegat. Das war ein Kielboot! Vorher.

Ein andere hat sich in der Einfahrt seine Ruderanlage verdängelt – OK, das war nur ein bayrisches Leichtbauschiff. Alles innerhalb weniger Tage. Hier ist wirklich was los zur Zeit. Und hier sind zur Zeit zahlreich Mitglieder einer deutschen Landsmannschaft unterwegs, die als verstärkt beratungsresistent gelten. Vielleicht ja nicht völlig zu Unrecht. Unter ihnen auch eine Gruppe mit einem Wasserfahrzeug, das nach Meinung des Autors absolut revierungeeignet ist. Scheint aber nichts passiert zu sein.

Für die Seefahrt ungeeignetes Wasserfahrzeug auf Baltrum
Für die Seefahrt ungeeignetes Wasserfahrzeug auf Baltrum

Man wünscht sich, das ihnen eine Gewitterböe mit Wind gegen Strom erspart bleibe.
Es waren aber auch Niederländer und Skandinavier unter den Akteuren zu vermelden. Ansonsten: Die Ostfrieseninseln sind ein schöner Ausklang dieser Fahrt. Schon mehrfach hatten wir vor, unseren Sommertörn hier ausklingen zu lassen. Diesmal haben wir es auch geschafft. Borkum (Hafen – Na ja), Norderney, Baltrum, Spiekeroog. Wangerooge hatten wir auf der Hinfahrt, ist aber nochmal geplant. Langeoog hatten wir auch auf der Hinfahrt. Juist fällt aus.
Und im Moment warten wir auf das angesagte Gewitter. Mit Böen bis 9 Bft. angesagt. Da muss man ja nicht unbedingt im Watt unterwegs sein. Wir haben im Laufe der Jahre schon mehrere Ausdrucksstarke Gewitter auf Spiekeroog erlebt. Und auch wenn mehrere von der Kapitänsbank – die Stühle vor’m Clubhaus, wo immer die besten Kapitäne sitzen – sagen, heute komme kein Gewitter mehr: Wir möchten es nicht ausprobieren.Da schauen wir uns lieber die kleineren und größeren Lebensformen an, die für dieses Revier so typisch sind.

Kleinere Lebensform: Einsiedlerkrebse
Kleinere Lebensform: Einsiedlerkrebse
Größere Lebensform im Watt: Dergemeine Wattwanderer, von uns auch Pinguine genannt
Größere Lebensform im Watt: Gemeine Wattwanderer, von uns auch ¨Pinguine¨ genannt

Und ganz oben: Das unbefahrbare Seegat, die Wichter Ee bei Niedrigwasser. Die Einheimischen fahren da manchmal trotzdem durch, aber das sollte man besser nicht nachmachen.

Innen weiter

Wenn es auf See so richtig ¨nicht komfortabel¨ (Zitat eines einheimischen Seglers) ist, kann es im Kanalnetz sehr komfortabel sein. Deshalb wurde der anfängliche Plan, bei Lauwersoog wieder ins Watt zu fahren geändert und wir haben den Rest des Nordteils der Staande Mast Route auch noch abgefahren. Obwohl wir den eigentlich schon gut kennen, er ist immer wieder reizvoll, man findet noch neue Orte. Und überwiegend unter Segeln haben wir ihn vorher auch noch nicht befahren. Ab und an mal ein Stückchen schon. Aber wegen des sehr ausdrucksstraken Westwind der letzten Tage konnten wir dieses Mal wirklich große Strecken segeln. Was ja auf teils engen Kanälen nicht so häufig ist.

Schonung fossiler Brennstoffe!
Schonung fossiler Brennstoffe!

Geht natürlich nicht durchgehend, nicht in Ortsdurchfahrten, nicht an Brücken und Schleusen und besser nicht an unübersichtlichen Stellen – es bremst sich so schlecht unter Segeln, besonders wenn der Platz zum drehen nicht reicht. Und natürlich nur unter Vorsegel, damit man notfalls schnell genug den Antrieb abschalten kann. Damit ist man aber bei diesem Wetter allemal schnell genug. Manchmal sogar mehr als genug.

Also Lauwersmeer – Reitdiep – Groningen Eemskanal – Delftzijl. Es gibt zahlreiche ¨naturnahe¨ Liegeplätze, an denen man bis zu drei Tage bleiben darf.

Viel Wind auch im Binnenland
Viel Wind auch im Binnenland

Die Wassertiefe war bislang für uns immer ausreichend. Die Infrastruktur ist begrenzt auf eine Kante zum Festmachen, Poller zum Anbinden und manchmal beschilderte Wanderwege. Alles andere ist mitzubringen und natürlich auch wieder mitzunehmen.

Naturnahe Liegeplätze
Naturnahe Liegeplätze

Für die, die noch nicht mit dem Boot hier waren: Zeit ist ebenfalls mitzubringen. Erstens, weil die Strecke durchs Binnenland erheblich länger ist als über See. Man nicht schnell fahren darf und sollte. Die Brücken teils nicht bedient werden: Auf freier Strecke Mittagspause der Bediener.

Mittagspause! Zweimal rot.
Mittagspause! Zweimal rot.

In den Ortsdurchfahrten Sperrzeiten, wenn der Berufsverkehr läuft. Und in Groningen an Sonn- und Feiertagen nur im Konvoi zu festen Zeiten. Wir waren Sonnabends da und bekamen vollen Service: Drei Brückenwärter, einer macht hinter einem die Brücke zu, einer vorne auf und der dritte radelt schon mal zur übernächsten. Alles auf Staatskosten. (Bei uns wären die Grachten vermutlich schon zugeschüttet.)
Nach Groningen ist die Fahrt dann nicht mehr so spannend, der Kanal ist breit, gerade und höchstens dadurch interessant, das er so hoch über der umgebenden Landschaft liegt.

Ein sehr Niederländisches Motiv am Eemskanaal
Ein sehr Niederländisches Motiv am Eemskanaal

Themenwechsel: Im heimische Watt haben wir an einem Tag mehr Meeressäuger gesehen als auf der ganzen Fahrt vorher. Vorher: Ein Delfin, und den habe nur ich gesehen, dafür allerdings in ganzer Länge und kurzfristig vollständig in der Luft, zwei oder drei Schweinswale und ein paar Seehunde im Haringsvliet. Vor Borkum siehe Bild oben. Das neue Fahrwasser führt ganz dicht an den Seehunden vorbei, und das scheint die nicht sonderlich zu stören. Ein paar schauen schon mal auf – neugierig sind die eigentlich ja immer -, aber die Mehrzahl hebt nicht mal mehr den Kopf.

Erstens kommt es ..

Klang irgendwie anders, der Auspuff, als wir aus Makkum raus sind. Muss mal trocken fallen und schauen, ob der Kühlwasserzulauf frei ist. Durch die Schleuse bei Kornwerderzand. Danach nochmal festmachen, um auf die Autobahnbrücke zu warten. Die sammeln da die Boote aus mehreren Schleusungen, bis sie die Brücke öffnen. Und dann flott durch die Brücke. Genau unter der Autobahnbrücke geht die Alarmpiepse dann los: Übertemperatur. Links raus, festmachen, Wasserpumpe aufmachen. Inhalt: Das Mittelteil des Impellers ohne Öhrchen und 5 Öhrchen. Ersatzteil rein, und unter Segeln nach Harlingen. Terschelling wird so nichts.

Wo ist das sechste Ohr ?
Wo ist das sechste Ohr ?

In Harlingen ganz vorsichtig durch die Schleuse und in den Yachthafen innen. Anmelden. Frage an den HM: Wo kriege ich hier Volvo-Penta Ersatzteile und einen Fachkundigen? (Der Ersatzimpeller hat ja auch schon eine unbekannte Zahl von Betriebsstunden in seinem ersten Leben hinter sich gebracht.) Antwort des HM: ¨Bei dem jungen Mann hinter ihnen¨. Der wollte dann die ganze Pumpe mitnehmen. Auch OK, wenn man da schon ran muss, dann kann man gleich alle Dichtungen erneuern. Dass er dann eine übersehen hat in der ihm übergebenen Teilesammlung und nochmal los musste, nun ja. Jedenfalls haben wir am nächsten Vormittag wieder eine betriebsfähige Kühlwasserpumpe. Das sechte Ohr ist dann zum Glück auch da aufgetaucht, wo der Volvokundige es vermutet hatte.

Für Donnerstag und Freitag sind Windstärken von 6 und mehr angesagt, also Weiterfahrt binnen, Nordteil  Staande Mast Route mit Seiteneinstieg: Harlingen – Van Harinxmakanaal – Leeuwarden – Dokkum – Lauwersmeer. Dann mal sehen, wie das Wetter bis dann ist.
Leeuwarden als erste Übernachtung. Ist zu schade, da einfach nur zu übernachten, auch wenn man da schon des
Öfteren war. Darum bieten wir heute:
Oldehove, der schiefe Turm von Leeuwarden.
Die Leeuwardener konnten es damals, im 16. Jht., einfach nicht verknusen, dass die Groninger eine größere Kirche hatten als sie und haben ein ehrgeiziges Projekt gestartet: Noch größer, noch höher. Ganz großer Turm! Leider hat man schon bei einer Bauhöhe von 10 Metern festgestellt, dass da was nicht stimmte, und versucht, den Turm zu stabilisieren. Und hat dann auf dem schiefen Unterteil gerade weitergebaut. Hat sich aber nicht bewährt. Der Nachfolger des ursprünglichen Baumeisters hat das Projekt dann gestoppt, und so steht der Turm heute noch da. Die Kirche ist längst abgerissen, und am Turm wird immer wieder mal gearbeitet, um die, na ja, Bauruine zu erhalten. Sie hat aber immerhin Funktionen, die sie erfüllen kann: Uhrenturm, Glockenturm, Wahrzeichen. Nur Kirchturm ist sie nie gewesen. Alles nachlesbar unter ¨Leeuwarden, Oldehove¨.

Der schiefe Turm von Leeuwarden: Oldehove
Der schiefe Turm von Leeuwarden: Oldehove

Weiter durch die Kanäle, Ziel Dokkum. Aus den angesageten 6 Bft draussen sind deutlich mehr geworden. Einen erheblichen Teil der Strecke konnten wir auf dem Kanal segeln, nur mit der gereffter Genua. Auf etwa halber Strecke mussten wir es allerdings aufgeben. Nicht, weil  wir zu langsam, sondern weil wir zu schnell waren und auf die Fahrzeuge vor uns aufgelaufen sind. Und ein bisschen auch aus Sorge um das Segel.
Jetzt liegen wir in Dokkum, siehe Bild oben. Versuchen, das Straßennetz zu verstehen, wenn wir an Land sind. Und lassen uns vom Wind durchschaukeln, wenn wir an Bord sind. Morgen soll der Wind nicht unbedingt weniger werden.
Nederlands Kustwacht hat Sturmwarnungen mit Bft 8 für alle Gebiete herausgegeben. Den Helder Rescue ist fast permanent auf 16 zu hören. Da ist es im Binnenland doch entspannter.

An Hoorn gescheitert

Amsterdam hatten wir hier schon des Öfteren. Natürlich kann man schlecht im Sixhafen auf besseres Wetter warten und nicht nach Amsterdam gehen/fahren. Als Stellvertreter etwas, was es vermutlich nur in Amsterdam gibt: Die Oude Kerk (gotisch), vermutlich die einzige der Welt, die im Zentrum eines Rotlichtviertels liegt. An der Südseite Kneipen, an der Nordseite Puffs. Aber die Kirche soll ja zu denen kommen, die sie bekehren will. Wenn ich denn das Konzept verstanden habe.

Oude Kerk Amsterdam
Oude Kerk Amsterdam, mitten im Rotlichtviertel

Wir sind uns nicht ganz sicher, ob der Rotlichtbetrieb nicht vom Fremdenverkehrsverband mit finanziert wird, um die Touristenströme in Gang zu halten. Aber vermutlich würden die auch so fließen.
Sixhafen: Da gibt es die schöne Regelung, dass man bis 12:00 nicht reinfahren darf und nach 12 nicht raus. Das wußten wir, und es ist bei der Enge auch sinnvoll. Nicht alle Fahrzeuge, die da manövrieren, sind so zierlich wie unsere kurze dicke Martha. Was wir noch nicht kannten, ist das geordnete, vom Hafenmeister koordinierte Auslaufen. Geht aber wohl nur so, ohne Plan würde sich der ganze Bootsbrei vermutlich hoffungslos verklemmen und bis 12 gar nicht aus dem Hafen kommen.
Mein Ziel wäre Hoorn gewesen, einfach, weil ich da lange nicht mehr war. Unser Stegnachbar hat uns vor den dort im Hafen üppig gedeienden Wasserpflanzen gewarnt. Sabine meinte, wir hätten jetzt genug Stadt. Und wollte gerne wieder in ihren Lieblingshafen am Markermeer. Außerdem wäre man bei dem steifen Südwind zwar gut nach Hoorn rein, aber schlecht wieder raus gekommen. Also nach Broekerhaven. Und dann mit dem Fahrrad Richtung Hoorn, 12 Km. Nach 3 oder 4 davon, siehe oben, steifer Südwind, haben wir festgestellt, das wir uns den Weg nach Hoorn nicht antun müssen. Am Hoorn sind schon ganz andere gescheitert.
Mit dem Wind nach Enkhuizen ging besser. Erstens nur 4 Kilometer, und auch nicht so offen. Zum erstenmal von Land aus gesehen: Den hier schon früher beschriebenen Naviduct. Jenes Wasserbauer-Wunderwerk, das gleichzeitig Autobahnbrücke und Schleuse ist. Sogar mit zwei Kammern. Und funktioniert, was ja bei Schleusen auch nicht mehr selbstverständlich ist.

Der, die oedr das Naviduct von Land aus
Der, die oder das Naviduct von Land aus. Unten Schnellstraße, oben Scheuse

Ab selbiger Schleuse dann vor dem Wind übers Ijsselmeer nach Makkum. Neben uns unter Anderem dort unterwegs: Ein Ostindienfahrer. Oder war’s der fliegende Holländer?

Sovereign oder der fliegende Holländer
Sovereign oder der fliegende Holländer

Übrigens trotz kräftigen Winds viel langsamer als erwartet.
Makkum ist viel sehenswerter als (von mir) erwartet. Liegt wahrscheinlich daran, dass man, wenn man über den Abschlussdeich fährt, von Makkum nur die klotzigen Werfthallen sieht. Die gibt’s da auch. Aber dahinter ein nett anzusehendes westfriesisches Städtchen.
Diverse Sportboothäfen und Marinas davor, aber man kann auch bis in den Ortskern mit dem Boot fahren. Durch eine Schleuse und eine oder mehrere Brücken, je nachdem, wo man hin will. Kassiert wird vom Hafenmeister/von der Hafenmeisterin mit dem landesüblichen Holzschuh, 5€. Bitte passend bereithalten.

Ortsübliche Inkasso-Methode: Holzschuh an der Angel
Ortsübliche Inkasso-Methode: Holzschuh an der Angel

 

Lichter der Großstadt

Coastal waters
The weatherforecast for Netherlands coastal waters and adjacent lakes and estuaries.

Issued: 28 july 2017 03:21 UTC
A warning to shipping:

Flushing Hook of Holland
southwest 7
Zierikzee IJmuiden Texel Rottum Delfzijl Harlingen IJsselmeer Marken
southwest 6

Other districts:
no warning

Forecast valid from 06:00 to 18:00 UTC:

Flushing Hook of Holland
southwest 5-6, occasionally 7,risk occasional showers, visibility good, moderate in precipitation
Zierikzee ... dito
Jmuiden …
Texel …
Rottum Delfzijl …
Harlingen …
IJsselmeer Marken …
Ja wo sind sie denn, die ¨other districts¨ ?

Nach intensiver Betrachtung des Wetters und der dazugehörigen Berichte haben wir uns entschlossen, in der Großstadt zu bleiben. Zugeparkt sind wir sowieso, und keiner derer, die wir auf Anweisung des Hafenmeisters unsererseits zugeparkt haben, will raus. Der HM ist hier freundlich, kompetent und mit einer weißen Schirmmütze gekennzeichnet. Amsterdam Centrum ist 10 min entfernt, 5 davon auf der Ij-Fähre.

Sixthaven Amsterdam:Zugeparkt
Sixhaven Amsterdam:Zugeparkt

Man kann schlechtes Wetter auch schlechter abwarten als hier.

Von Tür zu Tür

Vlissingen ist nicht nur ein wichtiger Seehafen im Süden der Niederlande und Sitz der Verkehrslenkung für die Schelde. Was wichtig ist, denn da oben liegt mit Antwerpen einer der größten europäischen Häfen. Vlissingen ist auch Badeort. Ein bisschen abwechslungsreicher bebaut als das im Nachbarland so üblich ist, aber teils auch ganz schön hoch. Und der Strand von Vlissigen ist ein Südstrand. Der einzige in den Niederlanden. Ideal für Leute, die Schiffe gucken wollen. Denn eines der Fahrwasser der Schelde führt sehr dich am Strand vorbei.

Einziger Südstrand der Niederlande: Vlissingen
Einziger Südstrand der Niederlande: Vlissingen

Aus der richtigen, der Westerschelde raus und, Wetter, Tide und Entfernungen legen es so nahe, in die falsche, die Osterschelde, wieder rein. Die Osterschelde ist, ihrem Namen zum Trotz, gar kein Mündungsarm der Schelde mehr. Sie war es früher mal, heute ist es nur noch eine langgestreckte Bucht, die zudem mit einem Sperrwerk versehen ist und so bei Sturmfluten von der Nordsee getrennt werden kann. Das Sperrwerk besteht aus zwei Abschnitten, in der Mitte liegt eine künstliche Insel und auf der eine Schleuse. Roompotsluis. Angeblich weder ein Rum- noch ein Rahmtopf, sondern ein Rest von ¨romanorum portus¨, also der Römer Hafen. Die waren hier wohl, aber besonders glaubwürdig scheint mir die Erklärung eigentlich nicht.

Roompotsluis
Roompotsluis

Das waren jetzt Eingang 1 und 2.
Die Roompotsluis ist für unsereinen sehr nützlich, wenn die Tide und das Wetter bis hier reichen, und bei Niederländern, so hab‘ ich gelesen, auch beliebt als Ausgangshafen für Besuche an der englischen Ostküste. Ansonsten aber eher unspannend.
Nächster Abschnitt: Roompotsluis – Goereese Sluis. Oder auch Haringsvliet-Sluis. Oder Stellendam-Sluis. Wobei Goeree (Aussprache nach Auskunft HM Hellevoetsluis: ¨Chure-i¨) die Insel ist, auf der die Schleuse liegt, Stellendam der Ort bei der Schleuse und Haringsvliet das Gewässer, in das man kommt, wenn man durch die Schleuse fährt. Siehe hierzu auch unter: ¨Festungshaft¨.
Das war Eingang 3.
Hier hat uns das komplexe Tiefdrucksystem eingeholt, das, so konnten wir lesen, in Deutschland einiges an Schäden angerichtet hat. Was uns Gelegenheit gab, Stellendam zu besichtigen. Was schnell erledigt ist, da gibt’s nicht viel. Was wiederum die Versorgungsmöglichkeiten einschränkt. Was dazu geführt hat, dass wir wieder in Hellevoetsluis sind. Diesmal nicht im Stadthafen, sondern in der Marina.

Windmühle hinter Festungswällen: Hellefoetsluis
Windmühle hinter Festungswällen: Hellevoetsluis

Hier kennen wir auch schon vieles, aber es ist doch erheblich mehr da als in Stellendam. Und dem Wetterbericht nach werden wir noch mehr von Hellevoetsluis kennen lernen.
Über Eingang 4 haben wir als Ausgang nachgedacht. Das wäre der Nieuwe Waterweg gewesen, also der eigentliche Hauptmündungsarm des Rheins, der aber, bevor er Nieuwe Waterweg wird, Nieuwe Maas heißt, was aber nicht zu bedeuten hat, weil das meiste Wasser der Maas sowieso woanders fließt und er in Wirklichkeit eine Verlängerung des Lek ist, der eigentlich ein Rheinarm ist. Ganz einfach, oder?

Weil das ganze Gewässersystem hier doch etwas unübersichtlich ist, haben wir uns also ein Spezialkartenheft gekauft. Damit man weiss, wie man vom Haringsvliet über Spui oder Noord oder Merwede oder … und so weiter … über Dortrecht und die Alte oder Neue Maas zu Ein/Ausgang 4 (Nieuwe Waterweg, s.o.) kommt. Und dann das ganze Unternehmen aufgegeben, nachdem wir mit unserem ortskundigen Stegnachbarn darüber gesprochen haben. Das ist ein Projekt für sich, nicht mal eben eine Alternativroute bei schlechtem Wetter. Gleiches gilt wohl auch für den ganzen südlichen Teil der ¨Staande Mast Route¨. Immerhin haben wir jetzt schon mal die Karten dafür.

Viel Wasser in der Atmosphäre
Viel Wasser in der Atmosphäre

Bezüglich des Wetters halten sich hier die Verbesserungen noch in engen Grenzen.

Kleine Fische, große Fische

Eigentlich wären die Niederlande an der Schelde zu Ende. Eigentlich, hätten im 80-jährigen Krieg die Generalstaaten den Spaniern nicht ein kleines Stück Flandern abgenommen. Heute ganze 3 Gemeinden, die zu Zeeland gehören, aber auf dem Westufer der Schelde liegen. Das war damals von großem Nutzen, weil man damit die ganze Scheldemündung  unter Kontrolle hatte und die Zufahrt in’s katholische Antwerpen sperren konnte. Was man natürlich auch gemacht hat. Was den Niedergang Antwerpens und den Aufstieg Amsterdams durchaus befördert hat. Der 80-jährige Krieg, das ist der Krieg der heutigen Niederlande, damals Generalstaaten, gegen die spanisch-habsburgischen Niederlande, heute Belgien. Nachdem Philip II alle Niederländer wegen Häresie de facto hatte zum Tode verurteilen lassen. Die letzten 30 Jahre fallen mit dem zusammen, was bei uns 30-jähriger Krieg heißt. Auch nicht besser als religiöse Fanatiker heute. Und bei dem lag der Wahnsinn ja auch in der Familie, siehe unter Johanna von Kastilien.

Das seeländische Flandern ist ein bisschen ab vom Schuss, obwohl hier mit Terneuzen sogar die größte Stadt der Provinz Seeland/Zeeland liegt. Heute gibt es einen Autotunnel unter der Schelde, früher kam man hier nur mit der Fähre hin. Antwerpen liegt 45 Meilen die Schelde aufwärts, das ist schon ein beträchtlicher Umweg. Die Scheldemündung ist auch so ein Fall für sich. Der Fluß selbst ist im Oberlauf eher klein, die Mündung ist zwar breit, aber voller Sandbänke. Er wird geraten, die unmarkierten Nebenfahrwasser den Einheimischen zu überlassen – siehe Bild oben.
An der Mündung der Schelde liegt die wichtige Hafenstadt Vlissingen, englisch merkwürdigerweise Flushing genannt. Und gegenüber, auf der seeländisch-flämischen Seite Breskens. Das sich durch Fischereiwirtschaft und einen Strand auszeichnet und mit Vlissingen durch eine Personenfähre, Typ Swath, verbunden ist. Da liegen wir. Und sind auch einen weiteren Tag dort geblieben. Der Wetterbericht hat 6 Bft mit Böen bis 8 Bft vorhergesagt. Und er stimmte auch.

Der Trog ist da. Schauerböen und Starkwind - von Land aus
Der Trog ist da. Schauerböen und Starkwind – von Land aus

Statt also auf eigenem Kiel uns durchschütteln zu lassen haben wir besagte Swath-Fähre genutzt, um Vlissingen zu besuchen. Mit Hafen, historischer Innenstadt, Befestigungsanlagen an der Schelde und zur Zeit großem Jahrmarkt. Und Unmengen von Kneipen und Restaurants.
Breskens ist zu klein, um aufregend zu sein. Und im Krieg zu sehr zerbombt worden, um wirklich interessant zu sein. Erst von den Amerikanern, um die Deutschen zu vertreiben, dann von den Deutschen, um die Amerikaner aufzuhalten. Dafür hat man die Stadt mit lustigen Fisch-Skulpturen verziert. Was auch durchaus reizvoll ist und zum Fischereihafen passt.

Kleine Fische
Kleine Fische
Große Fische
Große Fische
Kein Fisch!
Kein Fisch!

Noch wackeln die Böen am Schiff, morgen früh sollen nur noch 4 Bft sein, dann gehts weiter.

Für die Großen und die Kleinen

Es hatte eigentlich Oostende werden sollen. Die Lust hat dann aber nur bis Nieuwpoort gereicht. Erstens, weil die Tide so ist, dass man, will man nicht gegen den Strom fahren, entweder ganz früh aufstehen oder ganz spät ankommen muss. Und zweitens, weil wir festgestellt haben, das all die durchaus zahlreichen Liegeplätze in Oostende entweder neben der Straße oder hinter einer Schleuse sind. Also doch wieder Nieuwpoort, 8 Meilen vorher. Da wir Nieuwpoort als Stadt mit Geschichte schon hatten, diesmal Nieuwpoort als belgischer Badeort.

Im Gegensatz zu Brighton, wo nur sehr vereinzelt Menschen zu sehen waren, die sich in die Nähe des Wassers begaben, gibt es die hier schon: Leute, die in einem Badeort auch baden. Der Strand mit der entsprechenden Infrastruktur ist vom eigentlichen gewachsenen Ortskern ein ganzes Stück entfernt, aber durch eine Promenade entlang der Ijser/Yser damit verbunden.

In diesem Strand-Nieuwpoort gibt es Unterhaltung für groß und klein.

  1. Für die ganz kleinen: Da der Strand lang und die dahinter verlaufende Strandpromenade ebenfalls lang ist, und kleine Kinder auf einer langen Straße schnell nölig werden, kann man hier Kinderbeförderungsmittel jeglicher Art mieten. Und man sieht sie alle in Bewegung. Mag sein, dass der eine oder andere heimische Zwerg bei diesem Angebot neidisch wird, aber die Dinger funktionieren natürlich nur auf der gepflasterten Promenade und nicht auf unseren heimischen Sandstränden. Schade eigentlich.

    Für die Kleinen: Belgische Kinderbelustigungsfahrzeuge
    Für die Kleinen: Belgische Kinderbelustigungsfahrzeuge
  2.  Für die etwas größeren, aber auch kleinen und manchmal ganz großen: Bei uns spielen Kinder im Hafen auch mit Senken. Hier sind die Senken wesentlich größer, entsprechend mit einer kleinen Winde versehen und fest an der Hafenmole montiert. Man kann sie mieten, für 2.10€ die Stunde. Plastiktüte für den Fang extra. Dass die Ausbeute nicht besonders hoch ist ergibt sich natürlich aus der Konkurrenz der Nachbarsenken.

    Für die Mittleren: Senken auf der Hafenmole
    Für die Mittleren: Senken auf der Hafenmole
  3. Für die Großen oder fast Großen: ¨Laser 4.7 Youth World Championship¨ oder so ähnlich. Die Reihenfolge der Begriffe könnte evt. leicht variieren, nur ¨Laser¨ und ¨4.7¨ gehören zusammen. Die Teilnehmerschaft ist wirklich international. Bei den über 300 Teilnehmern ist der Raum vor der Hafeneinfahrt voll, es ist schwierig, in den Hafen und aus dem Hafen zu kommen, ohne irgendeinen Laser zu behindern oder zu belästigen. (Für die Überhauptnicht-Segler: Ein Laser ist eine Einmannjolle mit hohem sportlichen Anspruch. Ganz einfach aufgebaut und ganz schön schnell. So leicht, dass es auch auf ein Autodach passt).

Für Morgen haben wir uns vorgenommen, mal doch früh aufzustehen und gegen Wind und Strom zu fahren. Mal sehen, wie weit die Lust reicht. Segelgarderobe ist schon umgebaut.