Schritt für Schritt

Zurück zu Tunö. Der Verfasser fühlt sich gehalten, zu erwähnen, dass er noch nie eine so große Gruppe reisender Menschen erlebt hat, die sich so diszipliniert und unaufdringlich verhalten haben wie die Damen und Herren der bereits erwähnten Efterskole. Und die sind in einem Alter, wo das nicht selbstverständlich ist. Natürlich gab es, nachdem alle von Bord der diversen Boote waren, eine Versammlung auf der grünen Wiese, die auch der des dänischen unkundige Fremdling als „Vergatterung“ erkannt hat. Aber das allein muss ja nicht Wirkung zeigen. Großes Lob den Teilnehmenden, Lehrer auch.

Von Tunö ging es weiter an der Westseite Samsös entlang nach Grenaa (sprich ungefähr „Grenno“). Für den Yachtie günstig als Zwischenhafen, sowohl auf den Weg nach Anhold/Göteborg als auch Richtung Nordjütland. Großer Handelshafen und, völlig getrennt davon, großer Yachthafen. Eher etwas zu groß. Außer Yachties liegen noch ein paar Fischer drin und ein Lotsenversetzboot. Aber trotz Saison gibt es doch sehr viele leere Plätze. Das ist einerseits ganz gut, weil der durchreisende Yachtie immer einen guten Liegeplatz findet. Andererseits ist es nicht gut, weil die vielen Immobilien, die wohl mal für Restaurants, Läden, Kneipen und sonstige Belustigungen gebaut wurden, leer stehen und das Ganze daher etwas trostlos wirkt. Im Bemühen, etwas Essbares zu finden, sind wir ein Stück aus dem Hafen raus. Da gabˋs dann ein Würstchen-Pommes-Bier-Grill-Lokal an der Landstraße. Mit vielen Parkplätzen und Trucker-Atmosphäre. Das war voll und hatte Wartezeiten. Yachtie, kommst du nach Grenaa, bring dir was zu essen mit.

Das wirklich sehenswerte Kattegat-Zentrum in Grenaa haben wir ausgelassen. Da waren wir aber vor ein paar Jahren schon mal drin und können es weiterempfehlen.

Da die Etappe von Tunö bis Grenaa etwas länger war oder uns, wegen der Temperaturen etwas länger vorkam, haben wir als nächste eine kurze geplant.

Bönnerup

Von Bönnerup hatten wir vorher auch noch nie etwas gehört. Liegt an der Nordseite von Djursland und war ursprünglich ein Fischereihafen. Ein großer Teil ist das auch noch. Kleine Fischereifahrzeuge teilen sich den Yachthafen mit den Yachten. Beide Hafenbecken teilen sich wiederum eine Zufahrt, die sich den Raum zwischen den sehr langen Molen mit einer weiteren Einfahrt teilt, die aber nirgendwo hin führt. Die Molen teilen ihre Funktion als Hafenmolen dann noch mit der als Windkraftanlagenfundament.
Falls das jetzt jemand nicht ganz überblickt, wir mussten uns auch ein bisschen anstrengen.

Bönnerup hat seinen Charakter als Fischerdorf nicht ganz verloren. Die Sanitäranlagen des Hafens sind großenteils immer noch Fischereihafenstandard: einfach aber funktionell. Nur einen Spiegel hätte man sich evt. gewünscht. Den gibts oben beim Seglerheim, dafür aber keine Duschen.

In Hafennähe gibt es eine große Wiese. Und da wir am St.-Hans-Abend, Vorabend der Sommersonnenwende, in Zentralgermanien früher St. Johannis, dort waren, durften wir der entsprechenden Feier beiwohnen. Einwohner und Besuch locker verstreut über besagte Wiese und dann etliche Worte in getragener Sprechweise. Verstanden haben wir nichts, dem Duktus nach kann es aber nur die Pastorin oder die Bürgermeisterin gewesen sein. Und im Anschluss an die gewichtigen Worte dann die zeremonielle Hexenverbrennung. Natürlich keine echte Hexe, sondern eine sehr rustikale Nachbildung.

Der Verdacht, dass unseren Segelkameraden die Tränen kämen, wenn so dicht an der Bootshalle ein solches Feuer abgebrannt würde, ist wohl nicht ganz unberechtigt.

Nächste Etappe auch kurz. Das Wetter legte es uns nahe.

Udbyhöj

Falls das jemand noch nicht kennt, wir kannten es vorher auch nicht. Dabei gibt es das sogar zweimal: Udbyhöj N und Udbyhöj S. Liegen bei Udby. Was wiederum am Eingang des Randers Fjord liegt. Damit man von Udbyhöj (N/S) nach Udbyhöj (S/N) kommt, gibt es zwischen beiden eine Kabelfähre. Über Randers wären es etwa 30 km rein und dann wieder 30 km raus. Lohnt sich kaum.

Udbyhöj N und S am Randers Fjord

Damit man als Bootsmensch oder sonstiger Seefahrender überhaupt zum Randers Fjord kommt, hat man das Fahrwasser zwischen den Flachs und Sandbänken mit Tonnen, gelegentlich auch Baken, markiert. Nach Landessitte allerdings eher unauffällige schmale Tönnchen, meist in Stangenform und gegen die Sonne oft subjektiv schwarz. Will sagen: Farbe gegen die Sonne schlecht zu erkennen.
Wenn der oder die geneigte Lesende allerdings meint, da seien nur kleine Boote unterwegs, das stimmt nicht. Hier gehen ab und an ansehnliche Frachtschiffe von mehreren tausend Tonne durch. Und das nicht langsam.

Hafeneinfahr Udbyhöj Nord, im Hintergrund Ubbyhöj Süd

Randers haben wir ausgelassen. Wegen der Entfernung von der Küste und der Hitze. Vernünftige Busverbindung gab’s auch nicht. Vielleicht kommen wir ja nochmal vorbei.

Nächstes Ziel:

Hals

  1. Körperteil zwschen Kopf und Schultern
  2. Bauteil von Saiteninstrumenten
  3. Luvseitige untere Ecke eines Segels.
  4. Name zahlreicher Orte und Höfe in Norwegen
  5. Bestandteil dänischer Ortsnamen, z.B. Lohals, Hirthals

Und auch einfach Hals, ohne Präfix. Liegt am Ostausgang des Limfjords, hat ca. 3500 Einwohner, einen Hafen und eine Festung aus dem 17. Jahrhundert. Aus der Zeit, als dänische Könige meinten, das Land zur Ostsee-Großmacht machen zu müssen. Was ja bekanntlich nicht geklappt hat und worüber die Dänen froh sein können. Schweden hats geschafft und ist dadurch für Jahrhunderte zum Armenhaus Europas geworden. Lohnt sich also nicht.

Den Mariager-Fjord haben wir ausgelassen, der liegt doch arg nah am Randers Fjord. Die Hitze und Windarmut ist dort genauso, und man kann sich ja noch ein paar Ziele lassen.

Navigatorisch ist die Ostseite des Limfjords noch ungewohnter als der Randers Fjord. Erst fängt es ganz groß an, mit Leuchtturm als Ansteuerung.

Dann kommen Tonnen, die nicht nur das sowieso schon reduzierte Normmaß dänischer Seezeichen haben, sondern noch kleiner werden und im Strom evt. auch unterschneiden. Dann sind sie noch etwa kniehoch.

Kleine Stb-Tonne, Bb auch nicht größer

Zur nächtlichen Navigationsunterstützung gibt’s dann noch etwas, was wir so noch nirgendwo sonst gesehen haben. Zwei Baken mit Sektorenfeuer nebeneinander, die eine nur für den grünen, die andere nur für den roten Sektor. Vielleicht kann man so die Farben auf große Entfernung noch auflösen?
Laut einem der in nordischen Ländern so häufigen Schilder heißen sie hier vor Ort Salz- und Pfefferstreuer. Und sehen auch so aus.

Salz- und Pfefferstreuer

Und auch hier gilt: Man kann von kleinen Seezeichen nicht auf kleine Schiffe schließen!

Noch ein paar Bilder zu Hals.

Wegen vorhergesagtem und dann auch eingetretenem Schwachwind und immer noch sehr hohen Temperaturen sind wir mit dem Bus in die große Stadt gefahren:

Aalborg

Erstens ein bekannter Schnaps.

Zweitens die viertgrößte Stadt Dänemarks. Kann es leider, nach unserer nicht repräsativen Meinung, an Charme mit ihren größeren Schwestern Kopenhagen, Aarhus und Odense nicht aufnehmen. War natürlich nur ein Kurzbesuch. Kunstmuseum zu weit weg, Aussichtsturm auch. Im Stadtbild einige historische Bauten, aber sehr verstreut. Der Dom leider eingerüstet. Etwas mehr Zeit haben wir im Jörn Utzon Zentrum verbracht. Und dann die heute leider viel zu heiße Stadt wieder verlassen.

Daher hier nur ein paar Bilder.

Das Schloss, erste Bauphase 1539-1555, sollte eine Festung werden, hat sich aber sehr schnell als militärisch wertlos herausgestellt und wurde dann Verwaltungssitz.

Und die Jomfru Ane Gade hat wohl wenig mit Jomfru und nichts mehr mit St. Anna zu tun. Mehr mit weltlichen Dingen, und die sehr geballt.

Ganz warm

Kurz bevor der kleine Belt ins Kattegat übergeht, liegt die Insel Fänö drin und teilt den Belt. Der westliche Arm führt, wenn man von Süden kommt auf das Kraftwerk und die Industrieanlagen von Skärbäk zu. Das sieht nicht wirklich schön aus, außer, vielleicht, wenn man zu den Aktionären des Kraftwerks gehört. Der östliche Arm, an dem auch der Yachhafen von Middelfart liegt, hat etwas von einer romantischen Flusslandschaft.

Idylle am kleinen Belt

Als am Ende der Eiszeit die skandinavischen Gletscher abschmolzen, ist das sicher mal ein Fluss gewesen. Nur hat damals keiner die Idylle bewundert, falls es eine war.

Kommt man dann dort, wo die beiden Arme wieder zusammen kommen, um die Ecke, hat man die Brücken von Middelfart vor sich.

Mittlerweile ist der Sommer auch hier angekommen, mit noch angenehmen Temperaturen und leider wenig Wind. Der gemeine Ostseesegler ist ja durchaus in der Lage, auch mit wenig Wind recht lang zurecht zu kommen. Er muss ja, im Gegensatz zu unserem heimischen Revier, nicht oder kaum auf die Tide achten. Da kann man die Hoffnung auf Wind lang aufrecht erhalten .

Die Hoffnung (auf Wind) stirbt zuletzt

Juelsminde: Der Hafen ist groß, besteht aus mehreren Becken und böte viel Platz. Wenn nicht gerade das Jahrestreffen der X-Jacht-Besitzer statt fände. Mit Regatta und allem, was sonst zu einer solchen Veranstaltung gehört. Wussten bislang nicht, dass es so viele so große X-Jachten überhaupt gibt.

Wir wollten weiter nach Norsminde, haben diesen Plan aber wegen akuten Windmangels und extremer Übertemperatur aufgegeben. Bahnverkürzung: Statt Norsminde Hov. Viel Yachthafen, Fährhafen nach Samsö und Tunö. Es gibt dort eine kleine Bootswerft. Ob die noch in Betrieb ist, war für uns nicht so recht erkennbar. Sieht alles noch betriebsbereit aus. In einer der Hallen fand offenbar eine Hochzeit statt, mit Live-Beschallung. Ein Trio (git, b, dr, 2*voc), gab eine Sammlung der Hits der 60er und 70 Jahre. Haben sie auch gar nicht schlecht gemacht, allerdings auch so kräftig, das man auch mit Bettdecke über den Ohren nicht zum Schlafen kam. Die Feiernden oder gefeiert Habenden haben erstaunlich wenig materielle Rückstände hinterlassen.

Der nächste Versuch, nach Norsmine zu kommen, führte uns, flautenbedingt, nach Tunö. Wenn man sowieso unter Motor weiterfährt, ist es egal, ob man die gleiche Strecke in die eine oder andere Richtung fährt. Auf Tunö waren wir noch nie.

Eine Insel zwischen Samsö und Jütland. 3 1/2 Quadratkilometer, 74 Einwohner. Ein Fähr- und Yachthafen. Bis in die 70 Jahre hat die Fähre Tunö nicht angelaufen, sondern nur die Fahrt reduziert. Dann konnten die Tunöer längseits gehen, Fracht und Passagiere austauschen und wieder ablegen. Mit dem heutigen Verkehrsaufkommen und heutigen Sicherheitsvorschriften wäre das wohl nicht mehr zu machen.

Es geht das Gerücht, das der Pastor von Tunö jahrelang mit der Frau des Leutturmwärters ins Bett gegangen ist.

Wie man sieht, war das ganz in Ordnung. Der Pastor war der Leutturmwärter und der Leuchtturm war der Kirchturm und ist es auch immer noch.

Außerdem hat Tunö einen Yacht- und Fährhafen. Der Yachthafen ist z.Z. sehr voll, weil die „Hov Maritime Idraetsefterskole“ hier mit viele Booten und noch mehr Teenagern festgemacht hat. Nachdem der Hafenmeister einige Umsortierungen vorgenommen hat, um das überhaupt möglich zu machen,

Autos gibt es nicht auf Tunö, Transportaufgaben werden mit dem trecker erledigt. Die gibts.

Mietfahrräder gibts auch. Und bemerkenswerte Aussagen. Wenn einer der werten Leser der dänischen Sprache hinreichend mächtig ist, könnte er bitte in die Kommentare schreiben, wie der folgende Satz zustande gekommen ist:

Kryptische Anweisung