Es gibt Wetterlagen, da sind die Vorhersagen schwierig. Eine solche haben wir wohl gerade. Nach Vorhersage – Windfinder, DWD, DMI – hätte das eine Motorbootfahrt werden sollen. Die Hälfte der Strecke Marstal – Schleimünde konnten wir dann aber doch segeln. Nicht rasend schnell, aber immerhin. Irgendwann muss man es ja einsehen und den Diesel anlassen, wenn die Geschwindigkeit dauerhaft unter 2 Knoten bleibt. Man möchte ja auch noch einen Platz im Hafen finden.
Abfahrt von Ärö
Schleimünde gehört eigentlich zu unserem Standardprogramm, wenn wir in der Ostsee sind. Da es hier statt der üblichen und langweiligen Plastikbänder ein farbiges Wollfädchen als Nachweis dafür gibt, dass man bezahlt hat, haben wir davon eine bunte Sammlung am Bugkorb hängen. Letztes Jahr waren wir nicht in dieser Gegend, davor war der Hafen etwas von der Sturmflut im Oktober 23 gebeutelt und zeitweise sogar geschlossen. Inzwischen funktioniert er wieder, ist wiederhergestellt und auch etwas anders organisiert. Die Spuren des Hochwassers sind aber immer noch zu sehen.
Handlauf hält Steine, die den Handlauf halten sollten
Schleimünde alias Lotseninsel
Da es uns bei Ostwind in Schleimünde etwas zu sehr geschaukelt hat, sind wir nach Maasholm, gleich nebenan. Laut Vorhersage sollte die Ostwindlage mit Gewittern und Böen bis 10 Bft zu Ende gehen und dem Westwind Platz machen. Der Westwind kam, wenn auch später als angesagt, die Böen blieben aus. Leider wurde der Westwind dann aber kräftiger als vorhergesagt und wir warten jetzt auf eine Wetterlücke, um nach Kiel zu kommen. Heute sind Böen 8 Bft vorhergesagt, zumindest beim DWD, und die sind hier wirklich unterwegs.
Draußen auf der Ostsee sind kaum Boote unterwegs und die Rettungskreuzer der Umgebung hatten heute gleich mehrere Einsätze.
Die Geschwaderfahrt geht weiter. Zumindest fahren wir vom gleichen Hafen aus los und haben den gleichen Zielhafen.
Um die Bremerhavener mal zu trösten, denen ja vor nicht allzu langer Zeit eine Mole samt „ikonischem“ Leuchtturm ins Wasser gekippt ist: Die Kerteminder haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen:
Da die Boote sich im Gewicht kaum, in der Länge aber um gut 2 m unterscheiden, ist eigentlich schon vorher klar, wer zuerst ankommt. Von Kerteminde also aus der Bucht raus und Richtung Süden, durch die Große-Belt-Brücke nach Nyborg. Am CPA (Closest point of approach) wurde fotografiert und zurück fotografiert.
MarthaSeute Deern (die andere, schwimmt)
Das im Großen Belt manchmal etwas mehr Strom stehen kann, als man gemeinhin erwartet, war schon bekannt. Trotzdem waren wir überrascht, wieviel Strom hier steht. Da unsere Logge an zweifelhafter und unzuverlässiger Kalibrierung litt und auch immer noch leidet und die von Anna und Tom es vorzog, gar nichts anzuzeigen, haben wir keine Werte. aber zwei Knoten sollten es schon gewesen sein.
Schelllaufende Tonne im Großen Belt
Die Brücke über den Belt besteht aus zwei Teilen, dem östlichen mit der Hängebrücke und dem westlichen aus vielen Stahlbetonteilen. Der reicht mit 17 m Höhe für uns völlig aus. Man weiß es. Aber es ist trotzdem ein eigenartiges Gefühl, weil aus der Froschperspektive einer Segelyacht die Höhen von Mast und Brücke visuell nicht zu erfassen sind.
Passt das?Natürlich passt das!
Da wir Nyborg in dieser Reihe auch schon bearbeitet haben, siehe hier, nur ein paar Ergänzungen.
Nyborg hat eine ganz ansprechende Innenstadt mit viel historischem und einen weitgehend erhaltenen Festungsgürtel. Wenn auch nicht so einheitlich wie Frederica, mehr so vom Typ „beim Machen so geworden“. Mit Beiträgen aus mehreren Jahrhunderten. So kann man gut sehen, wie sich der Festungsbau im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und verändert hat.
Schloss NyborgMilitärische MeinungsverstärkerIn der Abendsonne können auch Raffinerie gut aussehen
Als nächstes Ziel hat Tom Dagelökke vorgeschlagen. Da waren wir noch nie. Weil: Wenn man aus dem Svendborg-Sund kommt, ist es zu nah. Wenn man aus dem Smallands-Fahrwasser kommt, ist es zu weit. Wenn man allerdings aus Nyborg kommt und Kinder dabei hat, ist es genau richtig. Und wie wir jetzt wissen: Es gibt auch sonst gute Gründe, dort anzulegen. Auch wenn es nicht ganz billig ist und manche Teile der Infrastuktur dem vereinten Ansturm von Yachties und Wohnmobilisten/Wohnmobilierenden nur knapp gewachsen sind: Wir weden Dagelökke in die Liste unserer dänischen Lieblingshäfen aufnehmen. Nicht nur wegen der Frösche.
Wir haben 5 der Schein-Bronzen gezählt. Plus ein Betonfrosch. Und zwei Strände, ein Restaurant und einiges mehr. Alles sehr ansprechend. Nur nicht viele Liegeplätze.
Die nächste Etappe hat unser Geschwader dann zerrissen. Oma und Opa haben etwas früher abgelegt, die Jüngeren sind ja sowieso schneller. Treffpunkt war Strynö, zwischen Rudköbing und Marstal. Die jüngeren sind dort nicht angekommen, weil der oder die eine oder andere seekrank wurde, und sind in den Svendborgsund abgebogen. Oma und Opa sind nicht angekommen, weil sie wegen günstigem, nicht vorhergesagtem Wind gleich weiter nach Marstal sind. Wären gerne nach Strynö, haben aber leider noch andere Termine und daher vorgezogen, etwas näher an die deutsche Küste zu kommen.
Das so eine Flottille oder ein Geschwader ausieinander fällt, ist aber auch schon Magellan und Columbus passiert. Nur so zum Trost für uns selber.