Familiengeschwader

Jetzt sind wir auf die jungen Leute gestoßen und haben uns frech mit an das Ankerpäckchen gelegt. Naja, die jungen Leute waren Tochter Anne mit Schwiegersohn Tom und Kindern Jonna und Smilla und deren Freunde Gesche und Steffen mit Gotje und Ettje. Anna und Tom haben jetzt auch ein urlaubsgeeignetes Boot. Sie hatten schon einees, das war aber für längeren Urlaub zu viert einfach zu klein.

Auf sie gestoßen auch nicht wörtlich, verabredet und entgegen gefahren. Nochmal zurück durch die Brücken von Middelfart, gemeinsam an der Boje übernachtet und wieder durch die Brücken.

Gesche und Co. sind weiter nach Anholt.

Plan: im Uhrzeigersinn um Fünen, um sich dann zu trennen. Annas Boot bleibt den Rest der Saison in Hörup Havn auf Als, wir müssen zurück nach Bremen.

Rund Fünen im kinderfreundlichen Etappen. Fänö – Bogense. Bogense hatten wir schon mal auf diesen Seiten, Link hier.

Bogense – Korshavn fast ohne Wind, meist unter Motor und bei glattem Wasser.
Korshavn ist erstens eine Bucht, in der man gut geschützt ankern kann, was auch viele tun, Und zweitens eine Steganlage, die einem Odenser Segelklub gehört und an der man für einen für dänische Verhältnisse bescheidenen Obulus liegen kann. Die Landschaft ist sehr schön, Fyns Hoved, die Nodostspitze von Fünen, ist nicht weit. Sonstige Infrastruktur eher zurückhaltend: Wasser, Strom, öffentliches Klo in 250 m Entfernung. An einem zweiten Steg ein paar Fischereifahrzeuge, die schon etwas aufgebraucht aussehen.

Nächste Etappe Korshavn Kerteminde. Kerteminde kenne wir schon und haben auch schon etwas dazu geschrieben. Link hier.

Morgen soll’s weiter nach Nyborg gehen, wenn der angesagte Regen vorbei ist. Dem Skipper „un sine Fru“ ist das ganz recht, nach mehreren Malen ungewohnt frühen Aufstehens kann man dann ja mal ausschlafen.

Kerteminde

Geht’s noch?

Die Fahrt

Nach Tagen voll mit „gale warnings“, Trögen und Sturmtiefs haben wir einen ruhigen, aber verregneten und windarmen Tag genutzt, um nach Süden zum kleinen Belt zu kommen. Segeln kann man nicht wirklich sagen, die meiste Zeit lief der Motor mit, um überhaupt von der Stelle zu kommen. Das Wetter unangemessen herbstlich nass, die Sicht teils eher schlecht durch Nieselregen. Da wir nicht die einzigen waren, die diese Lücke zwischen den Starkwind- und Sturmphasen genutzt haben, war eigentlich viel los auf dem Wasser. Man merkt es nur nicht, wenn die Sichtweite unter einer Meile liegt. Die andern kommen nur, nach den ersten Sichtung, erstaunlich schnell näher. Dabei sind Segler doch eigentlich gar nicht so schnell. Wir haben uns den Ausguck dann aufgeteilt, einer Backbord-, eine Steuerbordseite.


Und die „gale warning“ kam dann auch. Die (der, das?) gale auch, unmittelbar vor der Einfahrt in den kleinen Belt, in Sichtweite der Hafenanlagen von Fredericia.

Fredericia


Eine Festungsstadt, gegründet um 1650. Von einem König, der natürlich Frederik hieß, der Dritte seines Namens. Wohl vor allem, um die Einfahrt in den kleinen Belt und evt. auch den Zugang nach Fünen zu schützen. Wie bei Planstädten so oft, alles quadratisch und, nun ja, nüchtern. Die Wälle und Befestigungsanlagen sind noch fast vollständig erhalten. Im Laufe der Jahre mehrfach modernisiert, immer noch eindrucksvoll.
Was man nicht bei Wikipedia findet, dafür aber in unserem Hafenhandbuch: Um Menschen zu finden, die bereit waren, in eine solche neu gegründete Festungsstadt zu ziehen, hat man Leute mit Straferlass und ähnlichen Methoden gelockt. Was dann leider zu einer Ansammlung von „religiösen Minderheiten, Mördern, Räubern und Steuerhinterziehern“ (1) geführt hat. Weshalb man dieses Modell nach wenigen Jahren wieder aufgeben musste.  Die Anbieter des Wachturms stehen heute noch auf den Wällen und bieten ihre Druckerzeugnisse feil.

Der Hafen

Nun ja, nicht der schönste unter den Yachthäfen in Dänemark.  Etwas eingeklemmt zwischen dem Handelshafen und einer vierspurigen Ein-/Ausfallstraße von Fredericia. Der Handelshafen soll übrigens der größte Dänemarks sein und bestimmt das Bild so sehr, dass man die Stadt kaum wahrnimmt, wenn man von Süden aus dem Belt kommt.


Die Anlagen des Yachthafens sind sichtlich noch recht neu und auch gepflegt. Bezahlen muss man per App oder über ein Webseite. Da ich nur begrenzt bereit bin, mir für alles und jedes eine App herunter zu laden – man weiß ja nie, was alles übrig bleibt, wenn man sie wieder deinstalliert. Liegegeld bezahlen geht ja noch. Verlängern geht schon nicht mehr. Sonstige Leistungen – Strom, Dusche, Waschmaschine, Trockner – müssen alle einzeln gebucht und bezahlt werden. Mit je 8 – 10 Klicks und Eingaben und Texten, die offensichtlich von sprachlich minderbegabten mit Umwegen über Suaheli und Italienisch mit Hilfe einer Gratisapp in die Zielsprache  übertragen wurden. Allerdings nur teilweise. So dass sich Unverständlichkeit mit mangelnder oder nicht vorhandener Funktionalität vereint. Immerhin bekommt man nach dem Zahlen 2 oder drei Emails von verschiedenen Absendern, in denen man informiert wird, dass man bezahlt hat. Alles dänisch, aber das versteht man ohne dänische Sprachkenntnisse besser als das Gemurkse  der Übersetzungen.
Das spärliche Personal ist freundlich und hilfsbereit, alllerdings meist nicht vor Ort, und kommt mit dem System auch nicht viel besser zurecht.
Der Hersteller (oder Vertreiber) des Systems heißt Harba und hat seine Hausaufgaben zumindest hier noch vor sich. So, wie es jetzt ist, ist es einfach Sch…

Morgen wollen die Kinder und Kindeskinder nach Middelfart kommen und wir werden ihnen entgegen segeln, dreieinhalb Meilen. Wenn die Waschmaschiene fertig ist, mit deren  Aktivierung wir gefühlt 20 Minuten verbracht haben. Dann 1 1/2 Stunden auf die Öffnungszeit der freundlichen Hafenmeisterin gewartet, ihr das Problem erklärt. Sie kam mit zur Maschine, wir wollten vorführen, was nicht ging, da gings. Man kommt sich ja ein bisschen blöd vor. Wie schon erwähnt, merkt euch „Harba“ und meidet es!

(1) Per Hotvedt, Hafenguide Dänemark und Südwestschweden