Die Fahrt
Nach Tagen voll mit „gale warnings“, Trögen und Sturmtiefs haben wir einen ruhigen, aber verregneten und windarmen Tag genutzt, um nach Süden zum kleinen Belt zu kommen. Segeln kann man nicht wirklich sagen, die meiste Zeit lief der Motor mit, um überhaupt von der Stelle zu kommen. Das Wetter unangemessen herbstlich nass, die Sicht teils eher schlecht durch Nieselregen. Da wir nicht die einzigen waren, die diese Lücke zwischen den Starkwind- und Sturmphasen genutzt haben, war eigentlich viel los auf dem Wasser. Man merkt es nur nicht, wenn die Sichtweite unter einer Meile liegt. Die andern kommen nur, nach den ersten Sichtung, erstaunlich schnell näher. Dabei sind Segler doch eigentlich gar nicht so schnell. Wir haben uns den Ausguck dann aufgeteilt, einer Backbord-, eine Steuerbordseite.





Und die „gale warning“ kam dann auch. Die (der, das?) gale auch, unmittelbar vor der Einfahrt in den kleinen Belt, in Sichtweite der Hafenanlagen von Fredericia.
Fredericia
Eine Festungsstadt, gegründet um 1650. Von einem König, der natürlich Frederik hieß, der Dritte seines Namens. Wohl vor allem, um die Einfahrt in den kleinen Belt und evt. auch den Zugang nach Fünen zu schützen. Wie bei Planstädten so oft, alles quadratisch und, nun ja, nüchten. Die Wälle und Befestigungsanlagen sind noch fast vollständig erhalten. Im Laufe der Jahre mehrfach modernisiert, immer noch eindrucksvoll.
Was man nicht bei Wikipedia findet, dafür aber in unserem Hafenhandbuch: Um Menschen zu finden, die bereit waren, in eine solche neu gegründete Festungsstadt zu ziehen, hat man Leute mit Straferlass und ähnlichen Methoden gelockt. Was dann leider zu einer Ansammlung von „religiösen Minderheiten, Mördern, Räubern und Steuerhinterziehern“ (1) geführt hat. Weshalb man dieses Modell nach wenigen Jahren wieder aufgeben musste. Die Anbieter des Wachturms stehen heute noch auf den Wällen und bieten ihre Druckerzeugnisse feil.










Der Hafen
Nun ja, nicht der schönste unter den Yachthäfen in Dänemark. Etwas eingeklemmt zwischen dem Handelshafen und einer vierspurigen Ein-/Ausfallstraße von Fredericia. Der Handelshafen soll übrigens der größte Dänemarks sein und bestimmt das Bild so sehr, dass man die Stadt kaum wahrnimmt, wenn man von Süden aus dem Belt kommt.


Die Anlagen des Yachthafens sind sichtlich noch recht neu und auch gepflegt. Bezahlen muss man per App oder über ein Webseite. Da ich nur begrenzt bereit bin, mir für alles und jedes eine App herunter zu laden – man weiß ja nie, was alles übrig bleibt, wenn man sie wieder deinstalliert. Liegegeld bezahlen geht ja noch. Verlängern geht schon nicht mehr. Sonstige Leistungen – Strom, Dusche, Waschmaschine, Trockner – müssen alle einzeln gebucht und bezahlt werden. Mit je 8 – 10 Klicks und Eingaben und Texten, die offensichtlich von sprachlich minderbegabten mit Umwegen über Suaheli und Italienisch mit Hilfe einer Gratisapp in die Zielsprache übertragen wurden. Allerdings nur teilweise. So dass sich Unverständlichkeit mit mangelnder oder nicht vorhandener Funktionalität vereint. Immerhin bekommt man nach dem Zahlen 2 oder drei Emails von verschiedenen Absendern, in denen man informiert wird, dass man bezahlt hat. Alles dänisch, aber das versteht man ohne dänische Sprachkenntnisse besser als das Gemurkse der Übersetzungen.
Das spärliche Personal ist freundlich und hilfsbereit, alllerdings meist nicht vor Ort, und kommt mit dem System auch nicht viel besser zurecht.
Der Hersteller (oder Vertreiber) des Systems heißt Harba und hat seine Hausaufgaben zumindest hier noch vor sich. So, wie es jetzt ist, ist es einfach Sch…
Morgen wollen die Kinder und Kindeskinder nach Middelfart kommen und wir werden ihnen entgegen segeln, dreieinhalb Meilen. Wenn die Waschmaschiene fertig ist, mit deren Aktivierung wir gefühlt 20 Minuten verbracht haben. Dann 1 1/2 Stunden auf die Öffnungszeit der freundlichen Hafenmeisterin gewartet, ihr das Problem erklärt. Sie kam mit zur Maschine, wir wollten vorführen, was nicht ging, da gings. Man kommt sich ja ein bisschen blöd vor. Wie schon erwähnt, merkt euch „Harba“ und meidet es!
(1) Per Hotvedt, Hafenguide Dänemark und Südwestschweden









