Tiefland

Wenn man die Tideneider, also das Stück von der Ansteuerung über Tönning und Friedrichstadt bis Nordfeld, landeinwärts befahren will,  macht man das natürlich am besten mit dem Tidenstrom. Heißt, man kommt etwa bei Hochwasser in Nordfeld an und schleust dann abwärts.

Man kommt in ein landschaftlich schönes, ruhiges und, soweit man das beobachten und mit Logge und GPS schätzen kann, nahezu strömunsfreies Gewässer.

Alle paar hundert Meter steht ein Schöpfwerk, und wenn man sich ein bisschen schlau macht, etwa unter den Stichworten Treene, Sorge, sieht man, dass die ganze Wasserwirtschaft hier über Jahrhunderte gewachsen ist. Nicht immer in die gleiche Richtung und nicht immer erfolgreich, aber ohne diese menschlichen Eingriffe wäre hier heute vermutlich Watt und Sumpf.
Erklärt auch warum man vom NOK an so vielen Stellen nach unten auf die Landschaft guckt, obwohl man doch mit einem Schiff zwangsläufig auf Meereshöhe in den Kanal eingefahren ist.

Giselauschleuse z.Z. in Betrieb, ist ja des Öfteren mal nicht so. Die Abschmiermannschaft war bei der Arbeit während wir durchschleusten. Dort die enormen Kanalgebüren für die Teilstrecke entrichtet (7 €).

Giselausschleuse mit Abschmierern

Weiter  durch den NOK ohne besondere Ereignisse, außer das wir in Kiel Holtenau so ankamen, dass das Schleusentor gerade zu ging.

Baustelle Rendsburger Hochbrücke

Der freundliche Schleusenwärter hat uns dann angewiesen, an den Wartesteg zu gehen, er werde mal sehen, was er machen könne. Er werde Bescheid sagen. Hat der dann auch nach einer halben Stunde und wir hatten eine fast Einzelschleusung. Ein kleines Boot in der Südkammer, wo sonst beidseitig je mehrere Frachter rein passen. „Fast“, weil dann doch noch ein weiteres Sportboot kam und etwas unelegant festmachte.  Haben uns aber trotzdem nicht allzu bedrängt gefühlt. So viel Schleuse für so wenig Boot erlebt man ja auch nicht alle Tage.

Aus versorgungstechnischen Gründen (Obst und Gemüse) diese Mal nicht nach Stickenhörn, sondern nach Heikendorf/Möltenort. Jetzt ist Dienstag Mittag, wir liegen weiterhin in Möltenort. Es waren 5 Bft angesagt, es wurde schon in der Nacht sehr windig, inzwischen liegen veröffentlichte Messwert (Windfinder) und Vorhersagen bei 6 Bft, Spitzenwerte 8 Bft, und es wackelt sogar am Steg. Und wir haben schon gelernt, wenn’s in der Innenförde gerade noch geht, NICHT rausfahren. Draußen ist es dann nicht schön!

Gedrängte Wochenübersicht

Es soll endlich losgehen. Zu Pfingsten? Zu viel los, Häfen voll. Wir warten bis Montag. Montag am Boot. Unser schwerindustrieller Nachbar hat das Boot leider etwas verschmutzt, besser abwarten, bis der Gutachter das beurteilt hat. Mittwoch ist sowieso noch Generalprobe der Bigband, da will und soll der Skipper hin. Donnerstag ist er wieder an Bord. Am Freitag erst der Gutachter, dann die Unwetterwarnung. Dann die sehr ausgeprägte Gewitterfront mit Sturmböen von beeindruckender Ausdruckskraft.

Am Sonnabend nach Bremerhaven, leider nur etwa eine halbe Stunde unter Segeln, der Rest mit Wind aus dem Tank. Man muss eben im Tidenrevier zu bestimmten Zeiten an bestimmen Orten sein. Nicht auf die Minute, aber irgendwie ganz grob schon. Das nächste tidenspezifische Probem: Hochwasser am frühen Nachmittag oder ganz früh am Morgen. Ganz früh ginge, um nachmittags in Cuxhaven zu sein. Geht aber doch nicht, weil die Sportbootschleuse erst ab 6 Uhr schleust. Früher Nachmittag ginge, wenn man ganz spät und im Dunklen in Cux ankommen will. Kann man machen, muss an aber nicht. Dann also so: Früh am Nachmittag raus und zu Deutschlands einziger Hochseeinsel (angesagter Wind SW3), am nächsten Tag mit Südwind (gesagt S4-S5) zur Eider.

Der Südwest blieb leider aus, noch mehr Diesel verbrannt. Zur Eider ging es dann aber wenigstens überwiegend unter Segeln bis auf das letzte Stück mit den vielen engen Kurven. Kurz vor Niedrigwasser ab Helgoland, etwa zu Hochwasser in Tönning. Am Dienstag hat sich der Skipper wieder nach Bremen abgesetzt, um den Gig zu obig erwähnter Generalprobe dann auch zu spielen. Und dann am Donnerstag wieder zurück nach Tönning zu kommen. Und den Freitag auch noch in Tönning zu bleiben.

Irgendwie sind wir da gerne. Das „Multimar“ besucht. Der Name ein bisschen daneben, die Einrichtung selbst aber sehr sehenswert. Hatten erst Bedenken, da die meisten Nationalpark-Häuser ja doch mehr oder weniger das Gleiche zeigen, aber Multimar bietet doch einiges darüber hinaus. Können wir empfehlen, wenn jemand mal nach Tönning kommt.

Am Sonnabend dann mit auflaufender Tide die Gezeiteneider hinauf. Alle drei beweglichen Brücken ohne große Wartezeiten passiert und das Tor der Schleuse Nordfeld stand schon für uns offen. Allerdings hatten wir, oder hatte Sabine, uns auch überall angemeldet und wir haben unsere Geschwindigkeit ein bisschen an den Eisenbahnfahrplan angepasst.

Jetzt liegen wir im kleinen, einfachen aber netten Hafen des Wassersportclubs Lunden, sitzen unter Deck, während es draussen, den Vorhersagen entsprechend, regnet, und werden hier auch bis morgen früh bleiben.