Am Rande des Universums

Das Gerücht, ich wolle oder würde unter vollen Segeln durch die Schären rasen, ist mit zu Ohren gekommen. Es stimmt nicht. Bei viel Wind wird man eben auch mit wenig Fläche etwas schneller.

Bei wenig Wind von hinten allerdings mit knapp 2 Knoten durch die Schären zu schlendern ist dann auch nicht richtig. Wie man’s macht ist es falsch.

Von Karlshamn nach Ekenäs vor dem Wind, kurzer Abstecher nach Tjarö, um es mal gesehen zu haben. Da wir aber gerade erst los sind, bleibt es bei einer Besichtigung im Vorbeifahren. Wenn man mal zeitlich anders hier ankommt, so nachmittags etwa, sicher auch ein Ort, den man in seine Liste der zu besuchenden Häfen aufnehmen kann. 

Stora Eköen, die ehemalige Lotseninsel von Rönneby lassen wir aus. Man kann hier zwar zwischen einer kleinen Steinmauer und einer Heckboje gut und naturnah liegen. Sollte das aber nur bei ruhigem Wetter tun, denn die Insel ist so klein, das die Wellen ziemlich ungestört um sie herum laufen. Da wird es bei den gegebenen Windverhältnissen etwas unruhig.

Ekenäs, der Yachthafen von Rönneby, ist in der Aufwachphase. Ein Bornholmer, der hier irgendwas einkaufen wollte – ich hab hier außer vielleicht Eis und Cola noch nie was gesehen, was man kaufen könnte – ist gleich wieder weg gefahren. Immerhin kann man zahlen, die Sanitäreinrichtungen sind offen und in Ordnung und es sind reichlich Gästeplätze frei. Auch dann, wenn es heftig windet, liegt man hier in der Regel ruhig. Nach Rönneby rein sind wir nicht, das sind hier ein paar Schritte mehr und gefühlt ist es noch nicht so lang her, dass wir dort waren.

Also Aspö und Tjurkö: Damit die Bösen (siehe oben) da nicht einfach durchfahren können, hat man schon um 1700 auf jeder Seite eine Festung mit vielen Kanonen angelegt.



Weiter innen Richtung Karlskrona noch eine, falls es doch mal einer geschafft haben sollte.



Und um die Gemeinheiten abzuschließen, wurde im 19. Jhdt. noch ein Damm zwischen Aspö und Tjurkö angelegt, mit einer Lücke in der Mitte. Der Damm liegt knapp unter der Wasseroberfläche, so dass man ihn nicht sieht, und die Durchfahrt wäre im Krisenfalle nicht markiert gewesen.

Weiter nach Aspö. Das ist eine Insel und gehört zum Stadtgebiet von Karlskrona. Und es war bei der Einrichtung des schwedischen Marinehafens von Karlskrona ein wichtiger Ort. Karlskrona ist ja, so um 1680/90, als Marinehafen gegründet worden und war lange Zeit eine geschlossene Stadt. Nur Marineangehörige und ihre Familien durften da rein.

Damit der böse Feind (= die Dänen) da nicht rein konnte, wurden alle Einfahrten, durch die ein Segelschiff vielleicht in die Schären hätte einfahren können, versperrt. Fast alle, denn natürlich musste man selber ja raus können. Das geht durch die Vordertür zwischen Aspö und Tjurkö, den zwei großen Inseln südlich Karlskrona. Aspö ist noch eine richtige Insel, man kommt nur mit dem Schiff hin. Darf auch die Fähre sein, die kommt von Karlskrona und ist vom schwedischen Steuerzahler schon bezahlt. Tjurkö ist über mehrere Inseln und Brücken inzwischen mit dem Festland verbunden. Und die meisten dieser Brücken sind so niedrig, dass sie für unsereinen nicht passierbar sind. (Es sei hier mal wieder an den russischen Uboot-Kommandanten erinnert, der meinte, durch die Schären schleichen zu können und jämmerlich gescheitert ist)

Heute sind die ganzen martialischen Konstruktionen außer Betrieb und sogar UNESCO Kulturerbe. Weil sie nämlich nach ihrer Errichtung nie verändert wurden. Sie haben offenbar ihren Zweck von Anfang an erfüllt. (Die letzten Minen in der Durchfahrt wurden angeblich aber erst 2000 entfernt)

Der Schreiber dieses hat in früheren Zeiten mehrfach gesehen, dass neben der Festung auf der Aspö-Seite ein kleiner Yachthafen liegt. Den wollte er mal aus der Nähe sehen. Hat er jetzt: Sehr klein, sehr ordentlich, sehr freundliche Gastgeber. Und offenbar sehr wenige Gäste. Der normale Karlskrona-Besucher fährt hier wohl eher selten hin.

Wenn man hier schon ist und das Wetter so ist, wie es ist, bietet sich an, auch noch einen andern Ort zu besuchen, den man immer schon mal sehen wollte und wo man noch nie war: Utklippan. Der Ort, der das ist, was der Name sagt: Die Außenklippen. Die Insel am Rand des Universums, mit Leuchtturm. Eigentlich nur ein paar Schären, die sich weit vor die übrige Küste verirrt haben. Da sie dort ein arges Verkehrshindernis bilden, wurden sie 1836 mit einem Leuchtturm versehen. Zur Versorgung des oder der Leuchtturmwärter gab es wohl ein paar Nutztiere, für diese aber wenig Futter. Der Ziegenbock des letzten Leuchtturmwärters soll diesem bis auf den Turm gefolgt sein. (Schön, dass die Schweden solche Sachen aufschreiben und den Touris zugänglich machen).
1940 wurde dann zwischen den beiden Hauptschären ein richtiges Hafenbecken angelegt.

Utklippan


Da es zwischen den zwei Hauptschären zwei Zufahrten gibt, hat der Hafen auch zwei Einfahrten (siehe Karte oben). Dadurch ist eine Insel zwischen den Inseln entstanden. Dort gibt es dann gar nichts außer einem Klo und einem Papierkorb. Aber der nordische Schärensegler hat natürlich ein Beiboot.


An den zwei Einfahrten zum Hafenbecken gibt es Tore, die man schließen kann, wenn der Schwell zu arg wird. Besser, man konnte sie mal schließen, als sie neu waren. Der eine oder andere Boots- oder Schiffsführer hat dann nämlich das Tor hinter sich geschlossen, das Hafenbecken aber auf der anderen Seite verlassen. Was beim nächsten Besucher Ärger erzeugt hat, weil er umdrehen, den Hafen verlassen und die Insel von der anderen Seite anlaufen musste. Also gab es Beschwerden, die Obrigkeit wies den Meister von Leuchtturm und Hafen an, für mehr Disziplin zu sorgen. Dem blieb nichts anderes, als solches zuzusagen, es war ja die Obrigkeit.

Seitdem sind die Ketten zum Schließen der Tore abgesägt, und die Tore stehen immer offen. Undiszipliniertes Verhalten kommt nicht mehr vor.

Viel Steine, wenig Strom

Von Skillinge nach Hanö. Vorhergesagter Wind SW 4 morgens, SW 4-5 nachmittags. Um 9 aus dem Hafen. Realer Wind: fast nichts. Ab und an mal so ein paar Katzenpfötchen. Die Versuche, damit zu segeln, bestätigen, was man schon weiß: 2kn +-. Das würde bei 38 sm Entfernung 19 Stunden Fahrzeit bedeuten und ist beim Rest der Besatzung nicht durchzusetzen. Also 2 Stunden unter Motor, fast genau geradeaus – Das Schießgebiet, das heute leider auch  aktiv ist, berührt man so nur am Rande. Außerdem wird heute sowieso nur 12500 m weit gesperrt, davon sind wir weit entfernt.

Nach den zwei besagten Stunden setzt dann endlich der Wind ein, genau von hinten. Bis kurz vor Hanö nimmt er langsam zu und die letzten Meilen wieder ab, ohne je die Richtung zu ändern.
Dicht vor der Hafeneinfahrt von Hanö liegt ein ziemlich großes Schiff. Wir haben das für einen Ankerlieger gehalten, beim näher kommen aber gesehen: Der baggert. So viel Schiff für so einen kleinen Bagger? Was auch immer der gemacht hat, jedenfalls kamen volle Baggerschaufeln aus dem Wasser und wurden ins Schiff entleert.

Auf Hanö ins Päckchen als zweite. Landseitig liegt eine Halberg aus DK mit drei freundlichen Damen. Ob wir ein Stromkabel über ihr Vordeck legen dürfen? Dürfen wir natürlich, aber “you need a very long line”. Haben wir. Stöpseln wir ein – keine Spannung.  Sicherungen alle OK, Schutzschalter nicht zu finden. Zum Bezahlen müssen wir sowieso zur Hafenmeisterin. (Inzwischen geht das sogar auf Hanö per Karte. Beim letzten Besuch wollte man dort noch Bares sehen –  ungewöhnlich in Schweden)
Zum Thema Strom: Geht hier nicht, da nicht und dort nicht. Wir wissen auch noch nicht, warum. Wir sammeln unsere “Lange Linie” wieder ein, die Damen von nebenan ihre  auch.

Wir haben bei unseren letzten Besuchen Hanö vernachlässigt. Das sollte man nicht tun, es ist schade drum. Einmal sind wir stumpf daran vorbei gesegelt, einmal haben wir zwar übernachtet, aber abends haben wir nichts mehr unternommen und morgens sind wir gleich weiter. Daher diesmal: Ausflug zum Leuchtturm bevor es dunkel wird.

Wieder unten haben wir das Bedürfnis, die Wasserversorgung der Insel in Anspruch zu nehmen. Geht aber nicht, alles geschlossen.
So langsam bemerken wir, dass nirgendwo Licht brennt. Es gibt kein Wasser. Das Mobilfunknetz funktioniert nicht mehr. Das Richtfeuer ist aus. Der Leuchtturm leuchtet nicht.

Wir wissen es nicht genau, aber der Verdacht liegt nahe, das der Bagger wohl die Stromversorgung, vielleicht auch noch die Wasserversorgung von Hanö weg gebaggert hat. Es geht ein Raunen um, dass es wohl zwei Wochen dauern  könnte, bis alles wieder läuft.

Der Bösewicht

Wir sind dann am nächsten Morgen nach Karlshamn. Da gibts Strom und Wasser, dafür funktionieren andere Dinge nicht. Ist halt Vorsaison.

Die Steine schweigen

Auf der Fahrt von Skillinge Richtung Hanö. Soll: SW 4. Ist:kein Wind, Diesel rattert. Auf dem Wasser ist auch nichts los. Da kann man gut texten.

Gestern von Abbekås über Kåseberga nach Skillinge. Wenn Kås wirklich “kleiner Hafen” bedeutet, dann ist Kåseberga zutreffend: Kleiner Hafen am Berg. Wobei der Berg natürlich nur die Geestkante ist. So richtige Berge gibt es ja in Schonen nicht wirklich.
Weil die Kante aber doch in einer ansonsten mehr flachen Landschaft hervorgehoben ist, hat schon in halbwegs grauer Vorzeit ein (neu?)-reicher Einheimischer sich hier ein Denkmal gesetzt: Ales Stenar. Nicht “alles Steine” sondern “Ale’s Steine” – Ale soll sein Name, keine Biersorte sein. So genau weiß das aber keiner, in der Region heißt das Objekt auch anders. Ales Stenar sind ein  Haufen senkrecht stehender Stein in Form eines Schiffes – die größte Schiffssetzung ganz Skandinaviens. Und noch gar nicht so alt, wie es aussieht: Per C14 datiert auf 800 – 1050. Was ja gut in die gängige Datierung der Wikingerzeit 800 – 1066 passt. Die Steine selbst sind wohl wesentlich älter. Als Teil eines Bauwerks, meine ich natürlich, die Steine sind Granit und Gneis, noch älter. Als Baumaterial wurden sie, so steht zu lesen, der einen oder andern megalithischen Konstruktion entnommen. Derer es in dieser Gegend ja auch reichlich gibt.


Das Schöne an Ales Stenar: Obwohl nationales Denkmal, kein Zaun, kein Eintrittgeld. Relativ naturnah: Die auch in der Vorsaison schon zahlreichen Besucher dürfen sich die Wiese kollegial mit einer Herde Kühe teilen – was gut funktioniert, wenn man ab und zu nach unten schaut. Und der Blick von oben über Steine und Kühe auf die blaue Ostsee ist schon eindrucksvoll. Und der Grund, nach Kåseberga zu fahren.

Schweigende Steine

Eine der freundlichen Informationstafeln, die man dort findet, fordert den Besucher auf, auf die Sprache der Steine zu hören. Sabine und ich sind der Meinung, die Steine sagen gar nichts. Die stehen nur stur rum, und das seit Jahrhunderten.
 
Da das für uns nur ein Zwischenstop war, waren wir auch schon zu einere Zeit im Hafen, zu der üblicherweise wenige einlaufen. Nach uns erst noch einer, der dritte kam dann von der Ochtum, aus unserem Nachbarverein. Die Welt ist manchmal klein, und mit den Ochtumer Booten ist es wie mit den Berlinern: Man trifft sie überall.

Der leere Hafen Kåseberga



Nach Aufenthalt in Kåseberga bei den Steinen vor dem Wind nach Skillinge. Ein Fischerhafen, in den Yachties auch rein dürfen. Entsprechend rustikales, aber nicht unsympatisches Ambiente. Leider hapert da noch einiges an der Infrastruktur, die Saison hat hier aber auch nicht begonnen. Dafür gibts ein gutes, bodenständiges “Restaurang” direkt am Hafen. Zitat: “Habe die Scholle unter 5 Pfund Butter gefunden!” Kommentar des Chronisten: Die war nicht klein, die Scholle. Und die Zitierte neigt mitunter zu Übertreibungen.

Skillinge

Zu!

Die Wetterberichte widersprachen sich mal wieder ein wenig. Wir haben uns dann entschieden, dem zu glauben, der am besten zum Plan passte, weiter nach Osten zu kommen. Morgens Ost, mittags schwachen Südwind, nachmittags SW 4 Bft. Morgens stimmte. Erstens waren sie sich da ja auch noch einig, die Meteorologen, und zweitens konnte man ja die Nase in den Wind halten und den Ist-Zustand feststellen. Der Schwachwind war aber dann wirklich schwach und dauerte auch bis zu Abend. Also bis Abbekås, die eine Hälfte aufgekreuzt, die andere mit Wind aus dem Tank.

Der Hafen ist klein, ganz nett anzuschauen und zu. “Zu” heißt hier: Der größte Teil der Infrastruktur ist außer Betrieb. Duschen, Tankstelle, Bezahlautomat, alles abgeklebt und außer Betrieb. Gestern war das Klo noch auf, da hat aber nebenan die Feuerwehr geübt und die hatten anscheinend aufgeschlossen. Heute morgen jedenfalls auch: zu.

Was gibt es sonst noch zu Abbakås? “Kås”, die Silbe kommt hier in mehreren Ortsnamen vor, soll bedeuten “kleiner einfacher Hafen”. Stimmt!

Vorsaison!

Nils Holgerson: Der Hof, von dem er stammt, soll hier in der Nähe liegen. Und seine Gänseschar soll am Ende der Geschichte hier Schweden Richtung Süden verlassen haben. Was hier durch einige Hausgansplastiken “Martin” gewürdigt wird.

Martin


Auch Martin

Dann gibt es hier noch einen Golfplatz. Den hat der Chronist aber, selbst aus eher golf-fernen Bevölkerungsschichten stammend, weder gefunden noch gesucht.

Beitragsbild oben: Schwedens Südende.

Sabine ermahnt mich beim Korrektur lesen, auf den Bäcker direkt am Hafen hinzuweisen. Der hat nämlich ganz tolle Sachen und nicht zu!

Come Rain or Come Shine

Nach Möglichkeit wollten wir uns, da nicht zum ersten Mal mit dem Boot in dieser Gegend, Orte ansehen, an denen wir noch nicht waren. Trelleborg ist auch so ein Ort. Den kennt man allerdings außerhalb seiner näheren Umgebung vor allem deshalb, weil man dort aus der Fähre nach Schweden aussteigt oder in eine Fähre aus Schweden einsteigt. In der Stadt selbst waren wir bislang noch nicht und hatten es auch nicht vor. Nun hat es sich aber doch ergeben, weil ein Zahn des Schiffsführers beschlossen hat, abzuheuern und von Bord zu gehen – mit Hilfe eine Zahnarztes. Und bei der Suche nach einem solchen kam Trelleborg heraus – in Ystad hätte der Kollege wahrscheinlich schon zu gehabt, und dazwischen ist vermutlich keiner aufzutreiben.
Wie das bei Zufallsbekanntschaften so ist, haben wir nur einige Aspekte Trelleborgs kennengelernt, aber die waren besser als der Ruf der Stadt. Wie auch schon anderen Orts in Schweden beobachtet, sind auch hier öffentliche Räume mit allerlei humorvollen Plastiken verziert, die uns durchaus gefallen haben.
Heute Abend wollen die “Anouks” auch hier sein. Die sind uns nach Nyord gefolgt, haben Rödvig dann aber ausgelassen. Gislövs Läge ist, wenn man von Dänemark nach Schweden segelt, ja auch ziemlich naheliegend. Gibt zwar Häfen, die noch näher liegen, aber alle haben irgend ein Verkehrstrennungsgebiet davor.

Die Zahnarztpraxis kann der Käpten durchaus empfehlen. Die Damen arbeiten schnell, kompetent und freundlich. Und machen schon um 8 Uhr auf.

Rübermachen

Nachtrag zu Nyord: Auf der Karte sieht die Insel wie eine Insel aus. Wegen akuten Windmangels haben wir mit den Klapprädern Stege, die “Hauptstadt” von Mön besucht und sind dabei zwangsläufig zweimal über die Mön-Nyord-Brücke gefahren. Eine One-Way-Brücke über den kleinen Sund zwischen den Inseln. An einer Stelle laut Karte zwar 9 Meter tief, aber sonst hat er mehr das Aussehen einese Seerosenteichs.

The One Way Bridge

Wenn man aus dem Bogöstrom Richtung Sund ausfährt, befindet man sich ja zwischen Möns Klint auf der Stb- und Stevns Klint auf der Bb-Seite. Und die Kalk/Kreide-Formation ist dazwischen deutlich sichtbar. Der helle Untergrund lässt das Wasser leuchtend grün erscheinen.

………. Absatz ………

Eigentlich weiß ich es und meist berücksichtige ich dieses Wissen auch: Wenn das Netz wackelig ist nicht online schreiben, sondern offline vorbereiten und dann den Text am Stück hochladen. Trotz regelmäßigen Klickens auf “Entwurf speichern”: Text weg.
Drum jetzt die Kurzfassung: Wind flau, fauler Tag in Rödvig, bisschen im Hafen ordentlichen Leuten beim Arbeiten zugesehen. Etwas am Kieselstrand, etwas ganz vorne am Kliff rumgetrieben, sonst nichts sinnvolles gemacht.

….. Absatz Ende …..

Und dann zur Abwechslung mal früh aufgestanden, abgelegt, auf Bb-Bug zum 1. Verkehrstrennungsgebiet, auf Bb-Bug zum 2., auf gleichem Bug im spitzen Winkel ins VTG, am Ende wieder raus und auf gleichem Bug bis Gislöv Läge. Keine Wenden, keine Halsen, kein Ein- oder Ausreffen. Zweimal ein ganz kleines bisschen nachgetrimmt, weil der Wind stärker/schwächer geworden ist. Sowas hat man selten.
Und nach dem Anlegen kam der große Regen.

Geschwindigkeitsunterschiede

Von Agersö gemeinsam – 5 Leute, 2 Boote – nach Vordingborg. Wind genug von Westen, teils raumschots, teils vor dem Wind. Wasser auch ab und zu, von oben. Und immer noch für die Jahreszeit zu kalt. Zwei Boote, die in die gleiche Richtung fahren, verleiten dazu, ein bisschen Regatta zu spielen. Bei unserer Konstellation allerdings ziemlich hoffnungslos, bei viel Wind laufen eben alle Rumpfgeschwindigkeit, und gegen 7 Fuß mehr kommt man nicht an. Wir sind etwas früher los, in der Gewissheit, eingeholt zu werden. Was dann auch gar bald so war. Anouk war dann auch eine halbe Stunde vor uns in Vordingborg, obwohl sie eine etwas längere Route gewählt hatten. Und wir waren auch nicht langsam, nach unseren Maßstäben. Aber Rumpfgeschwindigkeit ist eben Rumpfgeschwindigkeit. (Für die Nichtsegler: Wenn ein Verdränger genau in seine eigene Welle passt. Hängt nur von der Länge des Bootes ab. Je länger, desto schneller. Noch schneller geht nicht.)
Aus den Segelklamotten hatte sich aber die Anouk-Familiencrew auch noch nicht so ganz geschält.


Vorläufig zumindest trennen sich hier unsere Wege wieder, die Anouk-Crew muss verübergehend nach Hause, wir ziehen weiter.
Das Weiterziehen am nächsten Tag war dann etwas ruhiger. Erst mittags los, wenig Wind, nachmittags richtig Sonne – es gibt sie doch noch – und sehr gemütlich. Sabine sagt, ich fühlte mich erst wohl, wenn wir mit 2 1/2 Kn dahin dümpeln. Dass stimmt nicht! Ich fühle mich nur nicht unwohl, wenn ich in Ruhe die vorbeiziehende Landschaft betrachten kann. So haben wir dann nur eine Tagesstrecke von ca. 14 Meilen geschafft und nach einer fruchtlosen Diskussion über die Schönheit einer Nacht vor Anker einen Hafen gefunden, von dem wir noch nie gehört hatten. Auf einer Insel, von der wir auch noch nie gehört hatten: Nyord.

Ein kleiner Hafen, ein paar Bauernhöfe, die alle sichtbar nicht mehr als solche bewirtschaftet waren. Einen Laden, der nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck entsprechend genutzt war. Eine Kirche, ein paar Bundgarnnetze – die wurden noch bearbeitet und ein Lotsenmuseum. Unter den vielen kleinen Museen, die wir schon gesehen haben, dürfte diese das allerkleinste sein. Es besteht aus dem sehr kleinen Lotsenhäuschen mit Sicht auf dem Bogöstrom. Da passt ein Stuhl und mit viel gutem Willen noch ein ziemlich kleiner Tisch hinein. Und eine Tafel, die dem erstaunten Besucher berichtet, dass in früheren Zeiten ein jeder Landbesitzer auf Nyord auch Lotse auf dem Bogöstrom war.
Dabei, so sagt uns die Tafel, gab es Wettrennen, denn “wer als erster an Bord war – wie auch immer – gewann das Recht, das Schiff zu geleiten und die Gebühr zu kassieren”. Wie das “wie auch immer” zu interpretieren ist, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. (Durfte man seine Konkurrenten über die Kante schubsen?)

Das Lotsenmuseum

Ferner steht zu lesen: “Die Lotsen konnten offenbar für lange Zeit selbst die Regeln für ihre Lotsendienste bestimmen. Nach und nach begannen die Seefahrer, ihren Unmut darüber auszudrücken.” Jedenfalls wurde diese Form von Monopol/Piraterie irgendwann abgeschafft und die Lotsen wurden Staatsdiener. Heute alles nicht mehr von Bedeutung, hier fahren nur noch Kleinfahrzeuge.

Stationäre Unwetter

Von Strynö bei schönem, segelfreundlichem Westwind westlich von Langeland nordwärts. Vorbei an Rudköping und durch die Brücke. Vor uns ein finsteres Wolkengebilde, das nach sehr viel Niederschlag in kurzer Zeit aussah. Und dann, als wir es erreichten – ausweichen kann man hier ja nicht – sein Versprechen auch einlöste. Sehr viel Regen, so einer, dessen Tropfen von der Wasseroberfläche wieder hoch zu spritzen scheinen. In manchen Kreisen auch “Männchen machender Regen” genannt. Trotz der bedrohlich aussehenden Wolkenfront – unter der Wolke war völlige Flaute bei prasselndem Regen. Nach einer gewissen Zeit muss dann auch der sturste Segler einsehen, dass es kein Sinn mehr hat, bei mieser Sicht in kalten Sturzbächen darauf zu waren, dass der Regen weiterzieht.

Das Unheil schon hinter uns.

Hinter dem Unheil war wieder etwas Wind, aber wirklich auch nur etwas. Soviel, dass wir noch um die Ecke und zu 2/3 über den großen Belt gekommen sind, die letzten Meilen bis Omö dann aber doch mit dem neu gekauften GTL-Diesel. Auf Omö waren wir zwar vor 3 Jahren schon (siehe hier), aber erstens ist es dort wirklich schön und zweitens liegt der Hafen sehr bequem direkt am Fahrwasser Richtung Osten, Richtung Vordingborg. Der Hafen ist klein, nett, adrett, bietet um diese Jahreszeit genug Liegeplatze. Genauer: Er ist halb leer. Die Regenwolke haben wir von Omö aus noch deutlich gesehen. Sie lag immer noch an der gleichen Stelle.

Für Omö schon grenzwertig. Sie konnten es aber.

Freunde von uns kamen von Norden durch den Belt und haben uns überzeugt, uns auch Agersö anzusehen. Das liegt nämlich – siehe Link oben – doch nicht ganz woanders. Und teilt viele Eigenschaften mit Omö – malerisch, beschaulich, entspannt, hat einen Leuchtturm. Der Hafen ist klein, nett, adrett, bietet um diese Jahreszeit genug Liegeplatze.

Von manchen Orten auf Agersö kann man Richtung Langeland schauen. Die Regenwolke liegt immer noch an Ort und Stelle. Morgen geht es gemeinsam nach Vordingborg. Wir hoffen, dass die Wolke dann immer dort auch bleibt, wo sie ist. Oder sich mal zur Ruhe setzt.

Diesel, den man gerne hätte

Im NOK haben wir etliches an Treiböl – vulgo Diesel – verbrannt. Manche Dinge ändern ja auf wunderliche Weise ihre Bezeichnung, wenn sie an Bord eines Schiffes/Bootes gebracht werden. Bei der Abfahrt aus Kiel haben wir den Yachthafen von Strande angelaufen, weil es dort eine Tankstelle gibt. Die war aber leider geschlossen und hätte erst 2 Stunden später geöffnet und hat das vermutlich dann auch. Da waren wir aber nicht mehr dort, sondern sind nach Bagenkop auf Langeland weiter gesegelt. Jedenfalls ungefähr bis Kiel Leuchturm gesegelt, dann war der Wind so schwach geworden, dass wieder Diesel herhalten musste bis Bagenkop.

Dort am Abend noch einen Gang unter anderem zur Tanke, wo auf dem Display in klaren, freundlichen Buchstaben zu lesen stand: “Out of order”. Oder etwas entsprechendes auf dänisch, man hat’s aber verstanden.

Im Hafen wurde uns dann mitgeteilt, dass man SELBSTVERSTÄNDLICH dort tanken könne. Nach spätem Aufbruch am nächsten Morgen, spät wegen saukalt und Regen, wieder an der Tanke vorbei. Hatte immer noch schlechte Laune, die Tanke. Allerdings kam heute alsbald auf einem Schwimmteil mit Außenborder – Boot möchte man das Ding vielleicht nicht unbedingt nennen,- ein ebenso freundlicher wie zuständiger Herr über das Hafenbecken. Schaute sich die Tanke an, schimpfte auf das Zahlungsgerät und die verantwortliche Firma, sagte etwas von “Ärger”, “schon wieder” und “zur Saison muss das laufen” und klemmte sich an sein Mobiltelefon bzw. selbiges ans sein Ohr. Nur kam bei diesem Gespräch nichts heraus. Wofür er sich entschuldigte.

Die Ladungsoffizierin und der freundliche, aber hilflose Tankwart

Nächste Tankstelle auf unserer geplanten Route wäre in Spodsbjerg gewesen. Nur: Die haben, sagt der Tankmann, den gleichen Betreiber und das gleiche System und vermutlich den gleichen Ärger. Also Planänderung, nicht südlich um Langeland herum sondern nördlich und über Marstal. Dort gibt es an der Werft auch eine Tanke, die dann nicht vom EC-Karten-Gebrechen betroffen war und sogar GTL-Diesel führte. Der ja außerhalb unseres Heimatlandes ganz normal verkauft werden darf.

So liegen wir jetzt, am Abend, im Hafen von Strynö (siehe Bild oben), mit vollem Tank, und haben auf der ganzen Fahrt fast keinen Diesel verbraucht. Denn heute war Wind genug. Und für März wären die Temperaturen auch OK gewesen.

Fender, die keiner haben will

Wegen weit fortgeschrittenen Verfalls wurden die alten Schleusen in Holtenau ja mit Sand zugeschüttet. Daneben gibt es noch eine Wasserfläche, die vom Vorgängerbau des NOK, dem Eider- oder Schleswig-Holstein-Kanal, übrig geblieben ist. Da drin liegen jetzt die unsäglichen Flöße, die in früheren Jahren den Besatzungen kleinerer Fahrzeuge (aktueller Schleusenmeisterjargon: Sporties) nach Schienbeinen und trockenen Hosen getrachtet haben. Der Autor fleht hiermit die Kanalverwaltung an: Macht es mit ihnen wie mit dem Eiderkanal: Lasst sie Geschichte werden! Oder stellt sie ins Gruselkabinett der Kanalgeschichte.