Kunst und Katastrophen

Nach nur wenig mehr als 30 Jahren haben wir es endlich geschafft: Die Wasa in ihrem Museum in Stockholm zu besuchen. Beim letzten Mal, als wir zusammen hier waren, stand das zwar auf unserem imaginären Plan, hat aber nicht geklappt, weil das Museum wegen Umbau oder Renovierung geschlossen war. So genau weiß ich das heute nicht mehr.

Wer noch nicht da war: 1628 war Gustav Adolfs prunkvolles Linienschiff Wasa nach der langen Reise von 1300 m im Hafen von Stockholm gekentert und gesunken. Wurde dann vergessen, gesucht, wiedergefunden und 1961 gehoben. Ich kann mich noch an die Berichte erinnern, Interesse für Schiffe war damals schon da.

Als wir vor 2 Tagen hier hereingefahren sind, sind wir ziemlich genau über die Stelle gefahren, wo die Wasa über 300 Jahre gelegen hat. Wir wussten es nur nicht.

Das Wrack der Wasa hat man auf eigenem Kiel in ein Trockendock gebracht, konserviert und dann ein Museum darüber gebaut. Teile des Trockendocks schauen heute an den beiden Seiten des Baus noch heraus und sind so Teil der Architektur geworden.

Wenn man als Besucher das Museum betritt, beeindruckt sofort die Größe des Schiffs und sein hervorragender Erhaltungszustand. Aber das hier ist ein Schiff! Die Größe beruht auf den Vorgaben seiner Majestät Gustav II Adolf, der Erhaltungszustand auf der Wasserqualität der Ostsee. Denn erstens ist der Salzgehalt so niedrig, dass Entenmuscheln oder auch Schiffsbohrwürmer nicht überleben können und zweitens haben die Stockholmer ihren Müll etc. über Jahrhunderte in ihren Hafen gekippt, so dass der Sauerstoffgehalt bei 30 m Tiefe bei nahezu 0 lag. Und tiefer als 30 m lag sie nicht, die Wasa.

Ich meine, noch nie so viel Zeit in einem Museum verbracht zu haben, das sich nur mir einem Gegenstand beschäftigt. Kann man nur jedem empfehlen.

Der Rest des Tages reichte noch für einen Gang durch die Stadt, den Besuch beim Järnpojke (auch “kleiner Junge, der auf den Mond sieht”, der ist wirklich sehr klein, man muss ihn schon ein bisschen suchen) und einen Besuch bei der Tunnelbahn/U-Bahn. Nein, wir sind nicht völlig abgedreht, Stockholmer U-Bahn-Stationen sind manchmal sehr sehenswert, +- 100 Künstler haben sie im Laufe der Jahre gestaltet. Welche andere Stadt kann das sonst noch von ihrem ÖPNV sagen?

Stengt?

Viele Wege führen nach Stockholm. Wieviele es sind, hängt von Breite und Tiefgang ab. Unserer führte von Dalarö über sehr unterschiedlich breite Wasserweg. Teils so, dass man schön darauf segeln konnte, wenn der Wind auch mal hin kam. Teils auch durch Engen, die gesteigerte Aufmerksamkeit erforderten. Zumal man sie sich mit anderen Yachten, Ausflugschiffen und Badenden teilen musste. Kurz vor Stockholm vereinigt sich das Schleichfahrwasser für Yachten dann wieder mit dem breiten für alle, inklusive Kreuzfahtschiffen und Fähren. Dort gibt es dann auch keine Geschwindigkeitsbeschränkungen mehr, und die Vielzahl von Speedbooten mit “Hebel on the Table” macht die Fahrt etwas unkomfortabel. In einem Land, in dem überall Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Straße gelten, brauchen manche wohl Speed auf dem Wasser.


Einen Liegeplatz in Stockholm zu finden, hatten wir uns schwieriger vorgestellt. Von Navishafen hatten wir gelesen, dass er ganzjährig, von Wasahafen, dass er aus aktuellem Anlaß gesperrt (stengt) sei. Versuche, bei “Herrn Navis” anzurufen, hatten keinen Erfolg. Von einer Unterhaltung mit dem schwedisch sprechenden Automaten musste ich absehen.  Beim Wasahafen hat es dann geklappt, da ging ein Hafenmeister ran. Ja, ab 14:00 Uhr können wir kommen. Ob man einen Platz reservieren könne? Nein, einfach herkommen, “there is plenty of space”.
Wirklich war der Hafen fast leer, eine Regatta “Round Gotland” war gerade zu Ende gegangen und die Rückstände der anschließenden Fete wurden beseitigt oder harrten der Beseitigung.
Wir haben dann den Abend auf “unserer” Insel, Djurgarden, verbracht. Eine der Inseln, auf denen Stockholm liegt und einst ein Jagdrevier der Könige. Auch heute noch leben, obwohl zentrumsnah, auf Djurgarden nur ein paar hundert Menschen. Dafür gibt es hier aber zahlreiche Museen wirklich aller Art, darunter das angeblich älteste Freilichtmuseum der Welt und das Wasa-Museum, einen Vergnügungspark beträchtlicher Größe und viel Grün.

An der Insel hängt noch ein Inselchen “Beckholmen“, auf der sich drei etwas angejahrte Trockendocks befinden, die noch in Betrieb sind.

Beckholmen

Ein neuer Morgen: Besuch in der Altstadt “Gamla Stan” per Fähre, vorzeitig abgebrochen, weil sich das Gewitter nicht an die Wettervorhersagen gehalten hat und bereits Mittags aufgetreten ist, einschließlich Hagel und mehrerer Platzregen.

Irgendwie haben wir es geschafft, nicht wirklich nass zu werden.
Nachmittags dann Besuch im Wrack-/Vrakmuseum – liegt dicht bei unserem Liegeplatz und nicht weit vom thematisch ja verwandten Wasamuseum. Da werden keine Wracks (BSH-deutsch “Wracke”) ausgestellt, sondern Bedeutung und Methoden der Unterwasserarcheologie werden dargestellt. Sehr eindrucksvoll gemacht, allerdings nicht für kleinere Kinder geeignet.

Morgen kommt das DAS Wrack dran, die Wasa.

Vorspiel

Richtigstellung:
Ich war der irrigen Meinung, die Insel auf der der Leuchtturm Landsort steht und vor der das Landsort-Tief liegt, hieße Landsort. Richtig ist: Die Insel heißt Ojö, der Ort dort heißt Landsort. Wieder etwas Unnützes dazugelernt.

Von Ankarudden, das auf Torö liegt, das Ojö gegenüber liegt, auf dem Landsort liegt weiter Richtung Hauptstadt. Da das als Tagesziel recht sportlich ist noch eine Übernachtung in Dalarö. Das liegt so gut 20 Meilen (nautisch) vor Stockholm, wenn man die trickreichen Nebenfahrwässer durch die Schären nutzt. Und ca. 4 1/2 Meilen (schwedisch), wenn man die Straßen nutzt. Also gut innerhalb der Reichweite der Stockholmer.

Das erste, was man von Dalarö sieht, wenn man mit einer Yacht hier herkommt, ist ein massiver Festungsbau. (Wenn man als Kriegsschiff herkommt natürlich auch. Deshalb steht er ja da.)

Dalarö selbst wäre eine kleine, ländlich wirkende Ortschaft auf einem langgestreckten Felsen und ist es den größten Teil des Jahres wohl auch.

In der Ferienzeit allerdings verzehnfacht sich so etwa die Bewohnerzahl. Und gar mancher zeigt sein Geld dann mit Ferraries, Porsches  oder Cigaretten. Die Motorboote meine ich, nicht die Tabakwaren, obwohl die ja mittlerweile preislich auch schon in den Bereich kommen und genauso unnütz sind. Und so ein Ferrari wirkt auch ganz anders, wenn er vorm ICA (schwedisches Gegenstück zu Aldi) steht.


Was dem einen oder anderen bei uns sein Sylt ist, ist anscheinend manchem Stockholmer Dalarö. Die Liegegelder berücksichtigen die Beschallung durch Ferraries, Porsches und Cigaretten. Wer gesehen werden will, muss dafür schon etwas einsetzen.

Leider werde ich es wohl nicht schaffen, mir Dalarö außerhalb der schwedischen Ferien anzusehen.

Das Restaurang am Ende des Universum


Es war so ziemlich alles am Ende, nach mehreren Tagen und Nächten in kleinen Häfen oder vor Anker. Auf Hasselö und Harstena gab es zwar je eine “Handelsbod”, aber das Angebot dort war doch eher kioskhaft und spärlich. Also gingen die Vorräte zu Ende, das Trinkwasser wurde knapp und die Dusche rief. Wir haben uns einen Ort rausgesucht, der diesen Kriterien entsprechen sollte: Günstige Entfernung für segelnde Spätaufsteher, Einkaufsmöglichkeiten, Anlegeplätze in günstiger Entfernung zu letzeren. Die Lösung hieß Oxelösund
Unser Handbuch berichtet nur die nötigsten Fakten zu den drei Sportboothäfen, nichts über den Ort selbst. Und das zu Recht.

Der Name hätte uns stutzen lassen sollen. Aus segeltouristische Sicht bietet Oxelösund genau das und nicht mehr: Liegeplätze und Einkaufsmöglichkeiten. Aus ökonomischer Sicht auch einen Industriehafen, ein Chemiewerk und ein Stahlwerk. Einen Ortskern mit dem Charme der Wiederaufbau-Architektur der 50 Jahre. Obwohl die Schweden da ja eigentlich nichts wieder aufzubauen hatten. Der größte Teil des alten Ortes lag wohl da, wo jetzt die Chemiefabrik steht. Erinnert etwas an unseren Heimathafen. Da gibt es auch ein Stahlwerk, das da steht, wo vorher ein Ort war.


Im neuen Ortskern von Oxelösund, wenn man denn diese architektonische Einöde so nennen will, sprachen mich unabhängig voneinander zwei Wahlkampfhelfer an. Ich konnte ihnen klar machen, dass ich 1) in Schweden kein Wahlrecht habe und 2) ihre Partei auch bei uns nicht wähle. Daraufhin konnte man sich wichtigeren Themen zuwenden. Der eine sprach Deutsch und kannte Bremen, oder zumindest kannte er die Stadtmusikanten. Die andere war, gleich mir, der Meinung, dass man Okelösund nicht unbedingt kennen müsse und doch lieber nach Nyköping weiter fahren solle.
Das mit Nyköping trifft sicher zu, ist aber mit 12 Meilen rein und 12 Meilen raus für Segler schon ein Abstecher, den man nicht mal so eben einschiebt. Vielleicht auf dem Rückweg.

Nach einer Nacht mit Blick auf Chemiewerk und ein- und auslaufenden Schiffen und dem Aroma von heißem Asphalt – das war wohl das Chemiewerk – haben wir uns dann (vorläufig) von den Anouks verabschiedet. Die wollten nach Nynäshamn, wir nach Ankarudden. Das sind ein paar Meilen weniger, wir sind nicht so schnell.
Kann kein Schwedisch, aber Udde ist wohl sowas wie Spitze, weil alle möglichen Landspitzen xx-udde heißen, und Ankar ist halt phonetische Schreibung. Wir sprechen es ja eigentlich auch so aus.

Vollständig heißt es Ankarudden Fiske Hamn, und genau das ist es: Ein Fischereihafen auf Torö, besser auf einem Torö. Die Schweden haben so viele Inseln, dass der eine oder andere Name schon mal wiederverwendet werden muss. Torö und Torrö sind uns schon mehrfach begegnet.   

Die Plätze für Sportboote im Ankarudden Fisk Hamn sind recht begrenzt und waren, als wir ankamen, auch noch schlecht genutzt. (Anders ausgedrückt: Manche Boote blöd angebunden, so das sie 2 Plätze belegten.) Bei einem Steg mit freien Plätzen war uns nicht klar, ob er privat war oder nicht. Angelegt, gefragt: War ein Restaurant (oder eben Restaurang) und wir durften bleiben. Haben direkt auf dem Steg gespeist: Es war ein gutes Restauran(t/g).

Ankarudden, im Nebel Landsort

Ach ja, Torö: Das war das Torö, dessen Verlängerung dann Landsort wäre. Und Landsort gibt es wohl nur einmal.

Völlig überlaufen ?

Man hatte uns gewarnt: Harstena sei ein beliebtes Ausflugsziel und man müsse sich auf viel Trubel im Hafen und im Ort einstellen. Zumindest in der Saison.
Harstena ist die Hauptinsel einer Gruppe von Schären und Inseln. In Ost-West-Richtung dicht am äußeren Rand des Schärengürtels, in Nord-Süd-Richtung etwa da, wo es zum Göta-Kanal links ab geht.

Der Hafen ist Teil eines Sundes, der die Hauptinsel von ihrer unbewohnten Nachbarinsel trennt. Und der Trubel hält sich, zumindest zur Zeit noch, für mitteleuropäischen Geschmack, in überschaubaren Grenzen. Allerdings hat hier die Ferienzeit noch nicht angefangen, das geht erst übermorgen los.

Harstena hatte zu seiner “Blütezeit” etwa 70 Einwohner, die sich durch Robbenschlagen, Seevögel umbringen und Vogeleier einsammeln ernährten. Alles Dinge, die heute verboten sind und zudem auch nichts einbringen würden.
Heute liegt die Zahl ständiger Einwohner bei etwa 12. Allerdings gibt es etliche Sommerhäuser, die aber nur bei genauem Hinsehen als solche zu erkennen sind. Der Ort hat sein Aussehen seit dem vorvorigen Jahrhundert nicht wesentlich geändert. (Ich hörte hierzu “Wie Bullerbü”.) Und das ist wohl, neben der großartigen Landschaft, ein Grund für die vielen Touristen, die hierher kommen.

Die beiden Kreuzfahrtschiffe


Touristen sind natürlich die anderen, nicht wir!

Man merkt aber schon, wenn die beiden Kreuzfahrtschiffe wieder abgelegt haben. Dann kehrt mehr Ruhe ein. Und das Inselmuseum schließt pünktlich zur Abfahrt. Was wir nicht wussten und somit die Trankocherei nicht besichtigen konnten. Die steht nämlich am äußersten Ende des Ortes, verständlicherweise. Stinkt aber nicht mehr, kein Mensch braucht heute noch Robbentran.

Schären schleichen

Wir schleichen uns durch die Schären. Die Beiträge werden ein bisschen seltener, weil vor schauen, planen und Landschaftserlebnis das Schreiben etwas zurück treten muss.
Immer noch zusammen mit der Anouk. Wobei “zusammen” nicht für die Zeiten gilt, in denen wir wirklich segeln. Da sehen wir uns nur von ferne oder gar nicht. Anouk ist deutlich länger und schneller. Wir sprechen die Ziele ab und treffen uns wieder  – oder auch nicht.

Nicht kam so: Wir haben das Ziel abgesprochen, Ralf hat mir den Zielhafen in seinem schlauen Buch gezeigt. Ich hab es mir in meinem schlauen Buch angeschaut, bin zu mir an Bord gegangen und habe eine Route zu den Koordinaten  vorbereitet, die in meinem Buch gedruckt standen. Das Ziel war ein Steg vor einem Strand.

Das verhängnisvolle Buch



Als wir schon nah am Ziel waren, sahen wir aber zwar Steg und Strand, aber keine Anouk. Dafür relativ freier Blick auf den Hafen von Vestervik.

Wir haben uns gewundert, geärgert, telefoniert, sind wieder ein Stück unter Motor zurück und dann nochmal ein ca. 8  Meilen gesegelt zum richtigen Hasselö. Eine Insel mit 30 Einwohnern, die wohl alle vom Tourismus leben. Leider wenig davon gesehen, weil wir durch unser Missgeschick so spät angekommen sind.

Da wollten wie eigentlich nicht hin!

Heute sind wir auf Bokö, einer kleinen Insel mit ca. 12 Einwohnern, aber ein paar mehr Häusern, einschließlich einer Informationsbude in der Nähe des Steges. Da kann man u.A. auch lesen, dass so um 1840 “die Einwohner freundlich miteinander umgingen und das Personal das tat, was es sollte”.  Heute sind es zwar weniger Einwohner, aber ansonsten soll das Gesagte immer noch zutreffen.

DIe Bucht ist gut geschützt, am Steg liegen einige Boote mit Heckanker und eins katholisch, weil der berichtende Skipper keine Lust hatte, seinen zweiten Anker zusammen zu bauen und die lange Leine unten aus der Backskiste zu wühlen und das Wasser nach Aussage eines freundlichen Ortskundigen am Steg 4 Meter tief ist.

Charlotte (6) von der Anouk hat bei der Buchtbereisung im Schlauchboot eine “echt coole, krasse Klippe” bestiegen, von der man einen schönen Blick auf die Boote am Steg hat.

Ohne die drei Anouks wären wir jetzt nicht hier.

Mittsommer

Das oben ist der Sonnenaufgang, morgens um 4:00.

Figeholm hat einen wunderschönen Gästehafen – eigentich drei kleine, alle in Sichtweite voneinander, ~600 Einwohner und ein gut im Wald verstecktes Kernkraftwerk.

Heute wird hier Mittsommer gefeiert. Immer am Freitag nach Sommeranfang.

Die Feier, jedenfalls der öffentliche Teil beim Bootclub, war ein bisschen wie der schwedische Sommer selbst: Sehr schön und recht kurz. Außerdemwar sie gut vorbereitet,schon gestern waren Tische, Stühle und all das Material vorbereitet, dass man so braucht für die Fete.

Aus dem vorbereiteten Material entsteht dann “life” vor den Augen der Figeholmer und der reichlich anwesenden Yachties etwas, was einem Maibaum bei uns nicht unähnlich ist.

Wie das Ding heißt, was die Kränze daran bedeuten – wir wissen es nicht. Um diesen Baum herum wird dann getanzt, die größe der Begleitkapelle entspricht der Größe des Ortes. Leider verstehen wir die Texte nicht. Und alle die Lieder haben wir schon gehört, offenbar wir da das gleiche an der Ost- wie an der Westküste gesungen und gespielt. Jedenfalls klang das in Varberg genauso. Nur lauter.

Des Königs neuer Hafen

Karl hatte schon einen, Friedrich auch. Wilhelm bekam ihn erst später, Oskar bekam ihn 1856: einen Hafen, der seinen Namen trug. Bei Oskar I war es so, das der Ort schon da war, ~2200 Einwohner hatte und von Flecken zur Stadt befördert wurde – und bei der Gelegenheit wurde aus Döderhultsvik eben Oskarshamn. Etwas von seinem Marktfleckencharakter hat sich Oskarshamn auch bis heute erhalten. Auch wenn von hier die Fähren nach Gotland fahren und deren Ausmaße schon recht beträchtlich sind. (“Immer ein bisschen wie Venedig” Aussage eines Oskarshamner Hafenmeisters).

Außerdem steht hier ein großes schwedische Automobilwerk. (Volvo ist in Göteborg, Saab gibt’s nicht mehr, was bleibt da noch? Die großen Autos!)

Der Yachthafen von Oskarshamn – nicht der Stadthafen, der andere – ist eine eigenwillige Mischung: Eine große Wasserfläche, von der aber nur ein Teil befahrbar ist. Man hat einige Schären mit einem Damm verbunden, im Hafen gibt es diverse Untiefen und daher auch etliche Tonnen. Nach vorn hat man einen Blick auf Teile des Industriegebiets, nach hinten auf eine malerische Schärenlandschaft. Platz für Gäste gibt es genug.

Stadthafen

Einen Hafenmeister gab’s zunächst nicht. Mit dem Bezahlen ist das hierzulande für Ausländer manchmal etwas schwierig, weil die Schweden oft und gerne mit einer Bankapp bezahlen, die aber nur mit schwedischen Bankkonten funktioniert. Sabine hat dann jemanden gefragt, und siehe, dass war der Hafenmeister. Der hatte uns schlicht nicht gesehen.


Dafür hat er Sabine aber zu dem Thema “Wohin sollte man zur Mittsommerfeier fahren?” eine Liste mit drei Orten gegeben. 1. Figeholm, 2.Krakelund, 3. Idö. Wir sind seinem Rate gefolgt, und das war gut so.
Wir haben uns entschieden, am nächsten Tag nach Figeholm zu fahren und Oskarshamn von dort aus mit dem Fahrrad zu besuchen. Das war nicht so gut so. Es gibt einen sehr schönen Radweg von Figeholm nach Oskarshamn. Wirklich, landschaftlich toll. Aber leider ~20 km Schotter und ständig rauf und runter. Das hat die mittelsportlichen älteren Herrschaften etwas gefordert.

Auf dem Rückweg wollten wir schlauer sein und sind der Wegempfehlung von Google gefolgt. Das war gar nicht schlau. Google Maps wollte uns auf die E22 locken. Voll des Vertrauens haben wir angenommen, dass es dann da ja wohl einen Radweg geben müsse. Diese Annahme war leider irrig. Nun ist es zwar legal, mit dem Velo hierselbst eine solche Straße (so zwischen gut ausgebauter Bundesstraße und Autobahn) zu benutzen. Aber Spaß macht das nicht. Immerhin es wird angezeigt, wo der Radweg von der Autobahn abzweigt – manchmal.

Nicht schön

Wieder in Figeholm waren wir jedenfalls etwas geschafft. Und die “Anouks” waren da. Was aber kein reiner Zufall war.

Die dunkle Seite der Macht

Jetzt nicht das Wetter, das war zwar dunkel, feucht und kalt, bis Mittag. Aber das ist ja dem norddeutschen Segler nicht völlig unbekannt. Und das segelunfreundliche Wetter hat uns bewogen, den helleren Nachmittag zu nutzen und das Bauwerk, das Borgholm den Namen gegeben hat, zu besuchen: die Burg/das Schloss. Oder das, was davon übrig geblieben ist.

Im Mittelalter, 12 Jhdt., als Burg angelegt, an einer Stelle, die für eine Burg optimal ist: Über dem Kalmarsund auf einem Felsvorsprung, so dass sie an drei Seiten durch steile Hängen  geschütz ist. Im Laufe der Zeit hat sich die Burg dann in ein Schloss verändert, wobei die Funktion als Burg/Festung aber immer bestehen blieb.

Seine Glanzzeit erlebte das Schloss als Jagdschloss der schwedischen Könige. In absolutistischen Zeiten war ganz Öland königliches Jagdrevier. Das war zwar schön für die Könige, aber gar nicht für die Öländer. Denn erstens mussten sie die Herrscher samt ihrem sehr zahlreichen Gefolge versorgen, was bei der kargen Vegetation der Insel schon eine Zumutung war. Zweitens hatten sie kein Recht, zu jagen, zu fischen oder Holz zu schlagen. Als Gipfel absolutistischer Perversion war es ihnen nur erlaubt, dreibeinige Hunde zu halten. Die kann man ja schlecht als Jagdhunde einsetzen. Königs wiederum haben einen so opulenten Hof geführt, dass gar mancher frühzeitig das Zeitliche mit dem Ewigen verrechnet hat. Man munkelt von 3-4 Litern Bier und Wein (je!) pro Person niederen Standes, höhergestellte entsprechend mehr. Und von einem Leibesumfang eines Monarchen – welcher, hat der Schreiber vergessen – von 2 Metern. Ein Kleidungsstück des betreffenden Herren ist im Schloss ausgestellt, wurde aber von einer Besucherin gar nicht als solches erkannt. Auch der Berichterstatter geht davon aus, dass solche Größen heute nicht im regulären Handel zu erhalten sind.

An dem Schloss haben sich die bekannten schwedischen Barock-Architekten abgemüht, u.a. der aus Karlskrona bekannte Nikodemus Tessin. (Nikodemus I war gar kein echter Schwede. Der kam aus Stralsund, also ein Beuteschwede.) Fertig geworden ist das Monster nie.
Nachdem der heutige Süden Schwedens eingemeidet war, hat die Schlossburg (oder das Burgschloss) seine strategische Bedeutung verloren und wurde anderweitig genutzt, auch als Fabrik, ist dann 1806 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Heute steht die Ruine weithin sichtbar über dem Kalmarsund. Schon die Lage und die beeindruckende Größe machen einen Besuch lohnend. Und die Ausstellung bietet reichlich Material und Information.

Für die, die nach uns kommen: Verlasst euch nicht auf Google-Maps, das kennt den richtigen Fußweg nicht. Von Borgholm zwischen den Schulen durch, hinter der gelben Sporthalle rechts rum und dann immer geradeaus. Ist schöner und kürzer.

Am nächsten Tag haben wir zur anderen Seite gewechselt. Zur anderen Seite des Sundes, 6 Meilen, und selbst dafür haben wir zur Hälfte Wind aus dem Tank nehmen müssen. Und wenn Borgholm sowas wie Kreisstadt und, für schwedische Verhältnisse, geschäftiger Badeort ist, gegenüber, an der Festlandseite, ist es sehr idyllisch. Viele Inselchen, Holme, Schären, Buchten. Wenn’s nicht so abgedroschen wäre: eine andere Welt. Siehe Bilder unten.

The Riddle of the Tvättmaskin

Bei gutem Segelwind von Utklippan nach Bergkvara. Das liegt auf der Westseite des Kalmarsunds und ist einer der Orte, die wir noch nicht besucht hatten. In früheren Zeiten ein wichtiger Hafen und vor allem Werftenstandort. Obwohl davor ein ausgedehntes Flach liegt, aus dem hier und da ein Inselchen und insgesamt viele Steine durch die Wasseroberfläche schauen. Entsprechend unübersichtlich sind die Zufahrten.

Bergkvara soll, ethymologisch betrachtet, “Stand mit Birken” bedeuten. Und so sieht es hier aus.

Der Yachthafen ist hier ein Anhängsel eines großen Campingplatzes und wird von diesem mitverwaltet und -betreut. (Hier mal so rum. Sonst schlüpfen ja meist die WoMos bei den Yachties unter)
Zur Infrastruktur gehören auch zwei Waschmaschinen und Trockner. Und so wurde beschlossen, die schiffseigene Bettwäsche einer Maschinenwasch- und -trocknung zu unterziehen. Also wurde die Tvättmaskin morgens um 8:00 Uhr Ortzeit, entspricht 6:00 UTC, beschickt, aber nicht gestartet. Weil, diese Maschine ist dem Personal vorbehalten und nicht mit dem Bezahlomat verbunden. Also alles wieder raus und in die andere Tvättmaskin. Die zeigt nach Programmstart eine Restlaufzeit von 2 Stunden an.

Also ein Gang entlang der Küste nach Norden, ein Kaffee (gut trinkbar, das ist in diesem Lande leider nicht immer so), ca. 1 1/2 Stunden sind vergangen, Kontrolle der Tvättmaskin. Restlaufzeit  +/- 1 1/2 Stunden. Gang zur anderen Seite, nach Süden. Lotsenstation – hier wird heftig am Holz gearbeitet, der Zahn der Zeit hatte reichlich Zeit zum nagen, seit hier professionell gelotst wurde. Ein Sjöfarts-Museum – klein, mit Patina (soweit das bei einem Holzbau geht) und zu.
Von der alten Seefahrts-Infrastruktur sind hier und da noch Reste zu sehen. Bergkvara war früher (19.Jhdt.) der Standort mehrerer Werften. Wobei man – schön, dass überall Schilder stehen – für eine Werft nicht viel brauchte: Leute, die etwas davon verstanden, eine ebene Fläche (hier ist alles eben) und genügend tiefes Wasser, in das man das fertige Schiff setzen konnte (Das ist hier eher knapp)

Besuch der Tvättmaskin, Restlaufzeit 1 1/4 -Stunde. Anscheinend hat hier die Stunde 200 Minuten. Irgendwann hat Sabine dann die Campingplatzverwaltungsbesatzung gebeten, dem grausamen Spiel ein Ende zu bereiten. Die haben uns mitgeteilt, sie würden immer nur das Programm “XY” nutzen. Woher sollen wir sowas aber auch wissen. Und die Beschriftung hätte uns vermutlich auch nicht weiter geholfen, wenn wir Schwedisch gekonnt hätten. Also haben wir die feuchte Wäsche eingepackt und uns auf den Weg gemacht.

Da inzwischen der Nachmittag schon deutlich angefangen hatte, nächste Etappe bis Kalmar. Da gibt es fast alles: Lebensmittel, Seekarten gedruck(!) und sogar Wäschetrockner, die irgendwann fertig werden.

Kalmar gehört auch nicht zu den Orten, wo wir noch nie waren. Aber durchaus zu den Orten, wo es noch viel neues für uns zu entdecken gibt. So z.B. einen Straßenabschnitt, an dem es nur Süßigkeitengeschäfte und Spielwarenläden gibt. (Eltern, überlegt euch genau, ob ihr da mit euren Kindern durchgehen wollt!) Oder einen Brunnen, auf dem oben David einen nicht signifikant größeren Goliath massakriert, während unten in mehreren Reliefs dargestellt wird, wie der (gute) schwedische Anführer Gustav Erikson (Nachnamen gabs noch nicht) die Stadt Kalmar von den (bösen) dänischen Besatzern befreit. Nach seinem Tode wurde er, der Gustav, in Gustav Vasa umbenannt, und noch später nach ihm dann ein Schiff und ein Knäckebrot. Und Gustav wurde zu einem der beliebtesten schwedischen Königsnamen.

Kalmar hat auch davor und danach eine wichtige Rolle in den etwas angespannten Beziehungen zwischen Dänen und Schweden gespielt (Kalmarkrieg, Frieden von Kalmar, Kalmarer Union).

Ab Kalmar wird der Kalmar-Sund dann ein etwas kompliziertes Fahrwasser, zumindest für größere Schiffe. Das die Fahrrinne vor Kalmar nur wenige hundert Meter breit ist – heute, im ausgebauten Zustand – hat sicher bewirkt, dass hier die Stand entstanden ist. Eine der ältesten Schwedens und einmal umgezogen (~1640), weil man nach einem Stadtbrand die Gelegenheit genutzt hat und die Stadt auf der Nachbarschäre wieder aufgebaut hat. Die war besser zu verteidigen, und so ist das Kalmar von heute eine barocke Planstadt: Übersichtlich, rechteckig, mit einer Kirche in der Mitte und einem Schloss am Rand. Das Schloss ist geblieben, wo es immer war, die Stadt ist weiter gezogen.

Nach Seekartenbeschaffung und Stadtrundgang bei wieder gutem Segelwind (Vorhersage SW4, max 6 Bft) nach Timmernabben. Da waren wir noch nicht, es liegt in der richtigen Entfernung und an der Festlandsküste, also geschützt bei Westwind. Wegen der vielen Untiefen und Hindernisse im Kalmarsund geht das betonnte Fahrwasser an der Ölander Seite entlang, für die Häfen an der Westseite gibt es dann “Stichstraßen”. Da wo die Stichstraße nach Timmernabben abgeht, hat uns der Wind überzeugt, lieber abzubrechen und den nächsten Hafen anzulaufen. Mithin sind wir (mal wieder) in Borgholm gelandet.

Borgholm lebt vom Tourismus, auch Schwedens Könige haben in der Nähe ihre Sommerresidenz. Die namensgebende Schloss/Burgruine ist schon von weitem zu sehen. Der Ort selbst ist, nun ja, wie viele in Schweden, rechteckig und übersichtlich. Der Hafen hier ist nicht an den Campingplatz, dafür aber an ein Hotel angeschlossen. Das auch die notwendige Infrastruktur stellt.

Und in nämlichem Hotel fand die Versammlung der schwedischen Chevrolet Corvette-Fahrer (brumm brumm) statt. Ganz viele (röööhr) von den Dingern können (brubblbrubblbrubbl) jedenfalls in Schweden nicht mehr herumfahren, denn die (drööööhn) waren alle hier und haben gefeiert. Mit einer Rock’n’roll-Band (rööööaaaar), die zwar bis nach Mitternacht durchhielt, aber bei weitem nicht der Saaaooouunnd ihres Publikums erreichte.

“Loud pipes save lives” – No Corvettes save even more lives!

Gestern war Juni, heute ist April: Tiefe Temperaturen im oberen einstelligen Bereich, wiederholt Wasser von oben und bleiern bedeckter Himmel.
Anmerkung der Lektorin: “Dass der Wind uns die ganze Nacht durchgeschüttelt hat, steht hier nicht.” Jetzt steht’s!