Segeln ist ja so vielseitig, Teil 1

..und wir hatten die Pest an Bord
Die Dieselpest. Vielleicht auch was anderes. Weil, wenn man so in Netz schaut, sind die entsprechenden Rückstände meist gelb. Was bei uns im Tank war, ist eindeutig schwarz. Vor zwei Jahren haben wir zum letzten mal den Sumpf geleert, zwecks Abscheidens von Kondenswasser und sonstigen Bodensatz. Ganz sauber war das auch nicht, was da unten aus dem Tank kam. Aber dieses Jahr kam gar nichts, außer 3 – 5 Tropfen Diesel. Erst energisches Nachstochern mit einem umgebogenen Draht führte zum Austritt von ziemlich hochviskosem Schlamm. Leider wohl nur von dem, was sich in der Nähe der Ablassschraube befand. Was da noch so drin ist, wissen wir noch nicht.
Konsequenz: Diesel raus, Tank ausbauen, und wenn man schon dabei ist, werden wir wohl die Leitungen gleich mit erneuern.
Wie haben die damals den Tank, und vor allem die angeschlossenen Leitungen, dahin bekommen, wo sie sind? Oder haben die das Schiff um den Tank gebaut? (Leider gilt das nicht nur für den Tank. Wie man an das Aggregat des Kühlfachs kommt, ist mit völlig schleierhaft. Den Dieseltank sieht man ja immerhin noch.)
Wenn’s Dreck ist, den wir uns beim Tanken eingefangen haben – was ich annehme – werden wir wohl nie erfahren, von welcher Tankstelle er kommt.
Immerhin, besser man stellt sowas im Winterlager fest als im Fahrwasser der Elbe oder im Verkehrstrennungsgebiet.
Segeln ist ja so vielseitig!
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Seefahrt virtuell

Auf Grund gelaufen in der Elbe, unsichere Geschwindigkeit, zu viele Leute auf der Brücke und viel zu lange unterwegs. Was sind das für Seeleute?
Das waren Sportschipper, die die Unterelbe zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel „Neue Süd“ unsicher gemacht haben. Und viel dabei gelernt.
Ich hatte das Glück, mit dabei zu sein – im Ship Handling Simulator der Hochschule Bremen, die ja jetzt „University of Applied Science“ heißt.
Hat sich so ergeben, es waren noch Plätze frei und ein Freund und Auch-Segler hat mich benachrichtigt.
Der Start war etwas mühsam, für den Nutzer komplexer IT-System aber keine allzu große Überraschung: Instruktor ein paar Tage nicht da, neues Update, irgendwas geht nicht mehr, oder anders, oder wie auch immer.
Nach System-Restart und schließlich Auswahl eines anderen Eigenschiffs konnte es losgehen – die Wartezeit war sinnvoll zur Einweisung der Teilnehmer genutzt worden.
Die Aufgabe: in Cuxhaven Amerikahafen ablegen, drehen, raus, bis Brunsbüttel, und dort in die neue Schleuse Süd. Die Studenten müssen noch ein bisschen weiter in den Ölhafen – aber die können das ja schon besser.
Auch wenn der Chronist – also ich – schon hin und wieder auf der Brücke mittelgroßer Schiffe gestanden hat und die Nautiker bei der Arbeit beobachtet hat – zwischendurch, eigentlich sollte er ja auch arbeiten – das hier ist eine andere Perspektive.
Ich war der erste simulierte Kapitän und durfte das Ablegen und Drehen in Cuxhaven fahren. Ohne Funkverkehr nach außen, also abmelden im Hafen, anmelden bei Elbe Revier etc., fast ohne Wind, und auch mit freundlichen Hinweisen des Instruktors. Natürlich entsteht kein Schaden, wenn man etwas falsch macht, aber man entspannt sich doch merklich, wenn man auf der Elbe auf den Kurs eindreht und dem nächsten Teilnehmer Platz macht.
Und damit es nicht langweilig wird, wurden noch ein paar Extras eingebaut: Ein Mitläufer, der zu überholen war und dann den Kurs nach Backbord gewechselt hat, als wir schon neben ihm waren. Ich fand, wir waren auch reichlich dicht dran, aber trotzdem … Hupen hat geholfen.
Ein Überholer, der dann vor uns Fahrt weggenommen hat – sollte natürlich so nicht unabgesprochen passieren.
4 Meter Wellenhöhe – auf der Elbe vielleicht nicht ganz realistisch, aber beeindruckend. Obwohl dieser Simulator fest auf deutschem Boden steht, also ohne reale Bewegung des Decks/Fußbodens arbeitet, durch die realitätsnahe Panoramawirkung fängt man an, Ausgleichsbewegungen zu machen. Und dann fühlt sich das auch wirklich an wie auf einem rollenden Schiff: Das Gleichgewicht stimmt nicht mehr.
Zwischendurch eine Grundberührung, was aber nicht am übenden Freizeitkapitän lag, irgendwo war dem Simulator die Wassertiefe abhanden gekommen, Der Instruktor hat das wieder korrigiert, und der Seenotfall war weg definiert. Wäre das ja wohl gewesen, bei 4 Metern Wellenhöhe.
Und schließlich Brunsbüttel „Neue Süd“. Bb-Seite, einer liegt schon drin. Auch das haben wir irgendwie hingekriegt. MIt Lotsen, der allerdings nicht mehr gemacht hat, als an Bord zu kommen. Und mit „Hilfe von oben“: Strom aus, Wind aus. Und viel Zeit. Und auch mit dem einen oder anderen Tipp „von oben“.

ANfahrt auf "Kiel Canal" von Westen.
Anfahrt auf „Kiel Canal“ von Westen.

Wenn wir auch das Schiff heil gelassen haben – die Grundberührung war ja ein Software- oder Datenbasisproblem – der Reeder hätte uns zum Teufel gewünscht, bei der Fahrzeit für die paar Meilen von Cux nach Brunsbüttel.

Sportboote auf der Elbe ? Die waren im Modell nicht vorgesehen, und die hätten uns auch gerade noch gefehlt! Sportboote im Fahrwasser? Die hätten wir unter Umständen gar nicht gesehen von der Brücke aus! Und ausweichen? Kannste vergessen bei den Reaktionszeiten.

Wenn wir sonst nichts gelernt haben sollten: Zwinge die Großen nicht, auf dich Rücksicht zu nehmen. Und verlasse dich auf keinen Fall darauf, dass sie dich sehen! OK, das wissen wir alle, aber es selber zu fühlen ist schon noch was anderes.

Meteorologischer Frühling

Der soll ja am ersten März ausbrechen, der meteorologische Frühling. Der Bauer spannt seine Rösslein an, oder seine Trecker oder so, und der Wassersportler in Tidengewässern bringt seine Steganlagen aus. Zumindest diejenigen, die, wie wir, die Auflage haben, sie im Winter aus den Fließgewässern zu entfernen.

Der segelnde Blogger, oder bloggende Segler, schaut nach, ob seine Seite inzwischen bei Google gefunden werden kann – kann sie jetzt – und findet bei der Gelegenheit etwas ganz anderes: http://www.welt.de/reise/article2273029/Dieser-Toern-ist-echt-nichts-fuer-Warmduscher.html

Warm duschen können wir in der Tat nicht an Bord. Von Leuten, die mit Whiskyglas in der Hand segeln, sollte man auch weiten Abstand halten. Nicht nur in Schottand, auch auf der Weser zu empfehlen. Außerdem ist es doch schade um den Whisky.

Aber zum Wetter: Es gibt durchaus schlechtes Wetter in Schottland. Vielleicht auch öfter als bei uns, und besonders im vergangenen Jahr (2015). Da war’s aber in Deutschland, zumindest im Norden, auch nicht so dolle.

ABER: Wenn man sich mal so die Statistik anguckt, dann ist es ja so schrecklich auch wieder nicht, wie es hier beschrieben wird. Die durchschnittlichen Regenmengen sind z.B. auf Islay nicht höher als in Hamburg oder Bremen (wo es im Augenblick allerdings auch regnet) und die Durchschnittstemperaturen entsprechen etwa denen von Braunlage im Harz. Beides Orte, die man nicht unbedingt wegen des Wetters meidet. Der Ort mit den meisten Sonnenstunden im Vereinigten Königreich, so hab‘ ich mal gelesen, soll Tiree sein.

Meist ist es so, dass es dort am feuchtesten ist, wo die Berge stehen und Steigungsregen bringen. Und der fällt dann meist auch auf der Leeseite. Also: Wenn’s zu feucht ist, muss man weite nach Westen. Hilft oft. Von Oban (sehr nass) bis Tiree (siehe oben) sind es knapp 50 Meilen Luftlinie.

Alle die Regensorten kennen wir von zu Hause auch. Mich haben mehr die verschiedenen Arten von Nebel beeindruckt: Hochnebel, warmer Nebel, Morgennebel, löchriger Nebel, Nebel in dünnen Streifen, Nur-über-dem-Wasser-Nebel, In-Luv-der-Insel-Nebel (Leeseite klar) etc.

Colonsay mit Nebel auf der Luvseite
Colonsay mit Nebel auf der Luvseite

Empfehlung: Für alle Arten von Wetter bekleidungsmäßig gerüstet sein. 2013 wurde der Mangel an kurzen Hosen als lästig empfunden, 2015 haben wir die warme Kleidung zeitweise durchaus genutzt.