Scharfer Ausguck

Eigentlich wollten wir heute das kleine Stück von Ärösköping nach Marstal, damit die Etappe zur Schlei kürzer wird. Und weil Marstal als die Seefahrerstadt von Ärö auch einen Vesuch lohnt. Eigentlich. Am Morgen war es immer noch windig, immer noch warm, und es sah nach Gewitter aus. Strichweise Gewitter war im Wetterbericht angesagt. Nur weiß man damit ja nicht, wo die Striche liegen. Also besser warten, wie das Wetter sich entwickelt.

Wird das nun ein Gewitter?

In der Zeit kann man auch mal mit dem Bus nach Söby, dann haben wir alle Städte auf Ärö durch. Söby gibt allerdings, vom Hafen abgesehen, als Sightseeing-Ziel nicht allzu viel her. Kirche, Windmühle, Hafen, alles schnell durch. Am Hafen eine Plastik aus Schiffbau-Schrott, die anscheinend einen Seemann beim ¨scharfen Ausguck¨ darstellt.

Windmühle Söby

Sabine und ich haben von allen möglichen Standpunkten aus und in allen möglichen Körperhaltungen versucht, die Galeriewindmühle vollständig aufs Bild zu bekommen. Geht nicht, das Grundstück ist einfach zu klein, die Mühle zu groß oder der Weitwinkel nicht weit genug.
Die Gewitterwoken sind inzwischen verschwunden. Zurück mit dem Bus nach Ärösköping. Dort läuft das Hafenkino, ständig kommen Boote herein und suchen einen Platz. Dabei ist der Stadthafen der kleinere der beiden Häfen. Wenn aber hier schon so ein Betrieb ist, hat es wenig Sinn, nach Marstal zu fahren und dort selbst zum Suchenden zu werden. Also den Rest des Tages hier verbracht und morgen etwas früher los zur Schlei. Da soll der Wind auch etwas gemütlicher werden. Hoffentlich nicht zu gemütlich.


Diejenigen meiner geschætzten Leserschaft, die des dænischen mæchtig sind, møgen mir verzeihen, daß ich mich der deutschen Sonderzeichen bediene. Sonst krieg ich mit der deutschen Tastatur ´n Hørnchen!

Vom Winde verweht ..

Für Dienstag hat sich Bersuch der nächsten und übernächsten Generation angekündigt. Das freut Oma und Opa sehr, bringt aber auch Anforderungen mit sich. Weil man kleine und nicht mehr ganz so kleine Kinder ja nicht allzu lange in ein Auto einsperren kann. Also müssen Oma und Opa mit dem Boot dahin kommen, wo man auch mit dem Auto von Bremen aus schnell hin kommt. Dänische Inseln sind da nicht ganz die optimale Wahl. Unser Ansatz ist, an die Schlei zu kommen. Halbwegs auf unserem Weg, kinderfreundlich, mit dem
Auto gut zu erreichen.
Das Wetter ist allerdings zur Zeit so, dass man seine Navigationsplanung schon etwas verstärkt darauf einstellen muss: Ost bis Nordost 5 bis 7 Bft. Wobei die 7 nicht wirklich Böen sind, jedenfalls bis jetzt. Es bläst einfach mal etwas weniger, mal etwas mehr. Insgesamt aber schon recht ausdrucksvoll. Plan also: Durch
den Langeland-Sund (Schutz durch Langeland) in den Svendborg-Sund (Schutz durch Land in Luv), dann je nach Windlage einen Hafen suchen..

Svendborg

Am Westausgang des Sundes haben wir dann festgestellt, dass es mit gerefftem Vorsegel vor dem Wind ganz gut geht und haben das Ziel auf Ärösköping geändert (Schutz durch die Inseln und Flachs der ¨dänischen Südsee¨).
Der kräftige Ostwind hat uns ermöglicht, auf das Verbrennen von Dieselöl weitestgehend zu verzichten. Mit Diesel: Vom Liegeplatz Lundeborg zur Hafenmole Lundeborg. Ohne Diesel Hafenmole Lundeborg bis Hafeneinfahrt Yachthafen Ärösköping. Mit Diesel in den Yachthafen von Ärösköping, durch den Yachthafen von Ärösköping, raus aus dem Yachthafen von Ärösköping und
rein in den Stadthafen von Ärösköping. Yachthafen war uns zu voll und zu eng.
Wir waren uns unschlüssig, wann wir hier zum letzten Mal waren. Es könnten schon 20 Jahre oder mehr sein, und es hat sich nicht viel geändert. Dass sich hier nicht viel ändert ist überhaupt das Charakteristische an Ärösköping. Hier hat sich in den letzten mindestens 250 Jahren nichts geändert.

Ärösköping

Ehemals war hier das Zentrum der Insel Ärö, die Wirtschaft – Werften, Fischerei, Schifffahrt samt Zulieferern – hat sich nach Marstal und Söby verlagert. Ärösköping ist das malerische Stadtbild geblieben und der Anspruch, eine Stadt zu sein.

Marktplatz Ärösköping

Einwohnerzahl dieser Stadt, Stand 1.1.2019: 948.
Heute lebt der Ort vom Tourismus und gilt als einer der malerischsten
Dänemarks. Es kann auch von Vorteil sein, von der Geschichte vergessen zu werden. Was man hier im Winter macht wissen wir nicht. Immerhin sind die Fährverbindungen nach Svendborg gut.
Eine Besonderheit des Hafens von Ärösköping ist das Kochhäuschen: Zu Zeiten der hölzernen Schiffe mit den eisernen Matrosen war im Hafen kochen an Bord verboten. Wegen des Brandschutzes.

Das Kochhäuschen

Da mussten die Schiffsköche ins Kochhäuschen an Land umziehen. Ein solches Häuschen, das zusätzlich auch noch ein Leuchtfeuer
beherbergte, ist hier erhalten. Dient heute allerdings als überdachter Grillplatz, ohne Leuchtfeuer. Und steht unter Schutz, aber das gilt fast für den ganzen Ort.