Omø

Der natürliche Weg des Nordseeseglers Richtung Kopenhagen oder Schweden geht von Kiel aus um die Südspitze von Langeland und dann durchs Smålandfahrwasser. Natürlich auf der Südseite, das ist der kürzeste Weg und hier liegen auch etliche nette Inseln. Darum haben wir uns von Vordingborg aus auf der Rückfahrt an der Nordseite des Smālandfahrwassers gehalten. Da, wo man in der Regel nicht hinkommt. Vor dem Wind von Vordingborg, unter größtmöglicher Schonung fossiler Energieträger, bis dort, wo das Smålandfahrwasser in den Großen Belt übergeht. Dort liegen zwei Inseln, die von den Hafenhandbüchern als idyllisch angegeben werden, Agersø und Omø. Es gibt auch einen Festlandshafen dazu, der liegt aber in einem Industriegebiet, neben Dänemarks größtem Kraftwerk, und ist vermutlich nicht ganz so idyllisch. Festland ist relativ, aus Sicht der kleinen Inseln ist Seeland eben so-gut-wie Festland.

Omø läßt sich etwa so beschreiben: Ein Dorf, 168 Einwohner (die kennen einander vermutlich alle), eine Kirche, ein Leuchtturm, ein Fischerhafen, ein Yachthafen. Ein Köpmand und ein Hotel. Straßen und Autos gibt es, es wird aber am Hafen darauf hingewiesen, dass die Einwohner nicht gewohnt sind, zur Rettung ihres Lebens zur Seite zu springen.
Die Idylle hat aber ihren Preis. An vielen, gepflegt aussehenden Häusern mit ¨Til salg¨,“Kan købes“  oder ähnlichen Aufschriften.
Am Hafen gibt es Leihfahrräder. Gegen Diebstahl sind sie gut geschützt, denn man bekommt sie nicht über die Fähre, ohne ertappt zu werden. Zudem haben sie Vollgummireifen, sind gruselig instabil, unbeleuchtet und unbequem und haben eine Übersetzung, mit der man nur gut bergauf fahren kann. Die klaut keiner, und wenn, bringt er sie wieder zurück. Aber für die wenigen Kilometer Wege, die man auf einer 4 km² großen Insel mit viel Moor hat, reichen sie aus. Auf unserer Inselbesichtigungsradtour sind wir, weil wir wohl etwas planlos in den Plan geschaut haben, von einem schon etwas betagteren Einheimischen angesprochen worden, der uns zu den Attraktionen der Insel weisen wollte, selbst allerdings im Umgang mit Karten eher unbeholfen wirkte – um es mal vornehm auszudrücken. Und die Karte ist, aus guter Nachbarschaft und wegen der geringeren Kosten, eine Karte von Omø und Agersø. Heftform, rechts Omø, links Agersø. Was unseren Amateur-Fremdenführer veranlasste, die linke Hälfte nach hinten umzuschlagen und zu erklären, das brauche man nicht, das läge ganz woanders. Wohl den Inseln, die noch echte Lokalpatrioten hervorbringen.

Omö

Sabine meint, die Insel sei ideal für kleine Kinder und möchte am liebsten nächstes Jahr mit den Enkeln her kommen. Natürlich gibt es einen Spielplatz am Hafen, und einen Strand gibt es auch.

Ein Geheimtip ist Omø allerdings wohl nicht mehr, jedenfalls war der Hafen, obwohl wir früh da waren, schon recht voll. Wir sind im Fischerhafen untergekommen, als dritter im Päckchen. Neben einem Motorbootfaher, der uns morgens um 5 vor 9 mitteilte, um 9 müsse er los. Aber verpeilte gibt´s überall, jede Nation hat ein Anrecht auf einen gewissen Prozentsatz an Stoffeln.

Der folgende Tag sollte ebenfalls Ostwind 4 Bft bringen. Was gut passt, um über den Großen Belt, um die Nordspitze von Langeland und in den Svendborgsund zu segeln. Ich hatte mir eine Liste von Häfen zurechtgelegt, die man abends anlaufen könnte. Je nach realen Windverhältnissen. Es gibt im und westlich des Sundes etliche Möglichkeiten. Leider kam zwar die große Hitze, der Ostwind kam aber erst gar nicht, dann mit maximal 2 Bft aus Norden. So ist es dann der erste aller möglichen Häfen geworden, Lundeborg. Und dort wieder im Päckchen. Der versprochene Ostwind kam dann doch noch. Abends, nachdem wir im Hafen fest waren.

Summer in the City

Es fing ganz ruhig an. Mit einer Windstille, wie es sie in dieser Form an der Nordsee nicht gibt. Nicht nur kein Wind, sondern auch die Wasseroberfläche  absolut eben. Bei uns sorgt die Tide eigentlich immer dafür, dass das Wasser an unterschiedlichen Stellen verschieden strömt. Eine ganz glatte Oberfläche gesehen zu haben,  kann ich mich nicht erinnern. Hier, an der Ostsee gibt es das.
Die Befürchtung, durch den ganzen Grönsund motoren zu müssen, war unnötig. Der angesagte Ostwind fing zwar ganz langsam an, aber dann reichte er, um bis zwischen die Brücken von Vordingborg zu kommen. Und mit dem Ostwind wurde es sehr, sehr warm.

Vordingborg ist das Zentrum einer flächenmäßig sehr großen Gemeinde – etwa die doppelte Fläche von Bremen – und ein verkehrstechnisch wichtiger Ort. Hier überqueren die Bahn und die Autobahn der ¨Vogelfluglinie¨ den Storstrøm, das Wasser zwischen Falster und Seeland. Es hat auch eine historische Bedeutung. Die Reste einer der größten Burgen Skandinaviens zeugen davon, errichtet unter König Valdemar Atterdag. Von den Außenmauern ist noch vieles zu sehen und ein Turm steht noch, der Gänseturm, das Wahrzeichen von Vordingborg. Mehrere Friedensverträge wurden hier ausgehandelt und abgeschlossen.

Die Vordingborg in Vordingborg

Abgesehen von der Burg ist der Ort, meiner Meinung nach, nicht sehr attraktiv. Er ist aber ein guter Platz, um sich zu versorgen. Unser Wäschesack war voll, im Kühlschrank hingegen wurde schon recht viel Luft gekühlt. Beim Anlegen hat der Schiffsführer den Platz danach ausgesucht, das im Cockpit Schatten war und der Wind hindurch ging. Leider hat er übersehen, dass bei Ostwind auch die Wellen ungehindert in den Hafen laufen können. Einkaufen und Waschen. Zum Waschen gehört auch Trocknen. Im Cockpit war´s windig und warm, optimal zum Wäschetrocknen. Nur sitzen kann man dort dann nicht mehr. Das mit dem Schatten war damit für die Katz.

Über die Toppen beflaggt

Und die Wellen, die nachts ans Boot klatschen, haben Sabine aus der Kammer in den Salon vertrieben. Und mich an Land, zum Schreiben. Schlafen kann ich nicht mehr, weil´s zu laut ist. Sabine kann es anscheinend. An Bord sitzen und schreiben geht auch nicht, weil etliche noch nicht ganz trockene Textilien alle freien Plätze belegen.

Die Reinigungskolonne tobt hinter mir durch die Anlage.

Guten Morgen, die Sonne geht auf.