Wohnungsnot

Nachdem wir, unserer Meinung und Kenntnis nach, so ziemlich alles, was man um Bremerhaven erradeln kann, auch besucht haben und auch noch ein paar Termine zu Hause abgehakt haben, geht’s endlich Richtung See. Wegen die Tide früh raus aus Bremerhaven, Weser runter, bei Niedrigwasser in den Fedderwarder Priel und den ganz gemütlich rauf. Schneller segeln ginge schon, bringt aber nichts, da man sowieso nur nahe Hochwasser über den Hohen Weg kommt. Für Ortsfremde: kein Weg, sondern ein Wattrücken zwischen Weser und Jade, den man nur bei hohem Wasserstand überfahren kann.


Auf der Jade dann deutlich mehr Wind als angesagt. Nachdem wir schon in Horumersiel im Hafen waren, haben wir im Revierfunk gehört, dass in Wilhelmshaven Bft 6 gemessen wurde. Ach ja, so kam es uns auch vor.


Dass in Horumersiel am nächsten Tag eine Regatta stattfinden sollte, hatten wir nicht auf dem Plan. Der Hafen war voll, wir hatten keine Reservierung, wurden aber von der freundlichen (und in der ganzen Umgebung bekannten) Hafenmeisterin noch untergebracht. (Der, für den der Platz eigentlich reserviert sein sollte, wurde dann, als er später doch noch kam, woanders untergebracht. Er soll ein bisschen böse geguckt haben, haben wir gehört.)

Am nächsten Tag unmittelbar hinter dem Fahrzeug mit den Wendemarken aus dem Hafen und Richtung Helgoland. Die Regatta haben wir dann nur noch in weiter Ferne gesehen, damit aber immerhin auch nicht gestört.

Wind genug und Richtung so, dass wir durchgehend anliegen konnten. Spitzengeschwindigkeit über Grund 9,2 Kn, Durchschnitt trotz zwischenzeitlicher Flaute immerhin 5 Kn, für unsere Verhältisse nicht schlecht.

Auf dem Fuselfelsen natürlich, wie ortsüblich, im Päckchen. Auch ortsüblich, Rundgang übers Oberland.

Die Tölpel werden immer mehr. Die, die durch die Luft kommen. Auf dem sogenannten Lummenfelsen besteht ein sehr angespannter Wohnungsmarkt. Denn so ein Basstölpel braucht ja deutlch mehr Wohnfläche als eine Lumme. Und der ist ja auch durchsetzungsfähiger. Was bleibt den armen Lummer anderes übrig, als sich in die Tinyhouses zurück zu ziehen.

Abends kräftiger Ostwind, es knirscht und quietscht im Päckchen. Aber so ist das eben, Helgoland live.

Auswirkungen

Unser Problem mit den Gummifüßen, auch wenn es so schnell behoben war, wie es nur irgendwie ging (war ja Pfingsten!), hat die ganze Planung doch etwas durcheinander gewirbelt. Statt, wie gedacht, von Rendsburg oder Kiel wieder nach Hause zu fahren, ging’s mit dem Nahverkehr. Wie liegen (mal wieder) in Bremerhaven und kommen nicht raus, weil der Wind aus Nordwest kommt, die Tide ungünstig ist und so weiter.

Unterweser mit Strom gegen Nordwest

Also Naherkundungen mit den Klappfahrrädern.

Ostufer: Um das Hafengebiet samt allen Containerterminals herum nach Norden. Gegen Nordwest bis Wremen. Kann man da eigentlich mit dem Boot hin? Jan Werner (der mit den Büchern) sagt ja, Sabine sagt „nein“, oder besser „Du kannst ja“, was soviel heißt wie „Da komm ich nicht mit“. Der heimische Fischer, den ich gefragt hab, sagte „Besser nicht“ wegen des Untergrunds. Also lassen wir es wohl.

Kutterhafen Wremen bei Niedrigwasser

Zwischen Bremenhafen und Wremen gibt es den Ochsenturm. Von See ausgut zu sehen, hatte er wohl mal Bedeutung als Landmarke für die mehr oder weniger christliche Seefahrt und hat den Abriss der Kirche, von der er mal der Turm war, darum überlebt. Heute steht er etwas unmotiviert in einem Friedhof und ist einfach nur noch der Ochsenturm. Den man aber besichtigen und besteigen darf.

Westufer: Mit der Fähre nach Blexen und dann hinterm Deich nach Burhave und Fedderwardersiel. Burhave hat gar keinen Haven/Hafen, zumindest nicht mehr. Dafür aber eine „Seebrücke“, die die schlickgeplagten Besucher so bis etwa ans Wasser führt.

Die „Seebrücke“ von Burhave

Fedderwardersiel hat (noch) einen Hafen, der aber, vermutlich wegen der Fahrrinnenvertiefungen der Weser, arge Verschlickungsprobleme hat.

Nähe Nordenham haben die Tourismusförderer einen „Weserstein“ aufgestellt, der dem Unbedarften in übertrieben schlichten Worten mitzuteilen versucht, in Nordenham-Blexen sei die Weser zu Ende.

Weserstein Blexwn

Was ja nach landläufiger Konvention erst bei der Schlüsseltonne der Fall ist. Und die liegt noch etliche Meilen weiter nordwärts.

Von Stein zu Stein,
So soll es sein.
(Das ist fein,
Für groß und klein,
So prägen sie sich's ein, 
Nein?)

Der Teil in Klammern wurde vom Autor sinngemäß und im Stile passen ergänzt.

Bremerhaven: Hier gab’s ein Drachenfest. Allerdings, soweit wir das beurteilen können, mit einem eklatanten Mangel an Drachen. Die paar, die da waren, waren aber ganz nett. Fanden wir.