Kurze Pause

Liebe Leser, von uns war mal weniger zu hören, weil wir noch ein paar Termine zu Hause hatten. Zum Beispiel die Corona/Covid119-Impfung des Skippers. Genau am ersten Tage nach der STIKO-Empfehlung, sich mal so, mal so Impfen zu lassen. Was dann auch so geschah. Entbindet einen aber auch nicht sofort von der Nasenbohr-Pflicht, die man ja de facto hat, bevor man einen Hafen anläuft. Noch nicht, in 2 Wochen ist sowieso schon wieder alles anders.

Jetzt also wieder zurück an der „north coast“. Der hier zuständige Revierfunk heißt tatsächlich „north coast radio“ und sitzt offenbar auf Norderney. Oder hat dort zumindest seine Messgeräte stehen.

In Norddeich lag in unserer Nähe eine andere Westerly in hervorragendem Pflegezustand. So gut, dass ich mich genötigt sah, unsere Scheuerleisten auch mal zu schrubben, bislang allerdings nur steuerbords. (Muss uns demnächst auch mal mit der schlechten Seite an den Steg legen.) Gleicher Hersteller, gleiche Größe, gleiche Zeit, anderes Konzept. (Für Mit-Westerly-Owner: Merlin gegen Konsort) Wir durften mal reischauen, die Nachbarn haben uns besucht. Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Nette Begegnung. Vielleich trifft man sich wieder. Soviele Konsorts gibt’s hier ja nicht, und nach dem Arbeitsaufwand zu urteilen wird das Boot wohl länger bei den Eignern bleiben.

Wir sind bei Regenwetter nach Hause gefahren und bei Sonnenschein zurück zum Boot. Mit dem Erfolg, dass unsere leichten Regenjacken jetzt zu Hause hängen. Sowas gibt es in Norddeich am Sonntag auch nicht zu kaufen (Montag bis Samstag vermutlich auch nicht.) Also nochmal nach Norderney. Wettervorhersage: Morgens Süd 2, abends Gewitterböen bis 8 Bft aus Süd. So hat uns die Wetterentwicklung, zumindest im Hintergrund, eigentlich den ganzen Tag beschäftigt.

Anfang: Süd 2 bei 2 kn Strom nach Nord (= aus Süd): Kein scheinbarer Wind, glattes Wasser, unter Motor nach Norderney.

Ende: Wie Wolken, dumpfes Grollen und ferne Donner. Viel Show, aber wenig Aktion. Die Ruhe vor dem Sturm ging sanft in die Ruhe nach dem Sturn über. Der Sturm war woanders.

Und heute, Montag: „Süd 4, zunehmend 5-6, Schauerböen.“ Stimmt!

Autobahn?

Norderney ist nicht nur das älteste Seebad an der ostfriesischen Küste, es ist auch so etwas wie das industrielle Zentrum. Was sicher daran liegt, das es von Norden (der Stadt) gut zu erreichen ist, einen tiefen Hafen hat und das Fahrwasser durch das Seegatt keine Barre hat. Das eine jedenfalls, es gibt hier deren zwei.
All das führt dazu, dass der Hafen von Norderney funktioniert, aber nicht über das Ambiente verfügt, das  Boatpeople oder Touristen im Allgemeinen mögen. So wurde ich denn auch um 3 Uhr nachts bei babylonischer Finsternis durch laute Geräusche geweckt. Sabine hat es nicht gestört. Ein mittelgroßer Frachter legte an. Offenbar voll beladen und mit so viel Tiefgang, das er mit dem Höchststand der Tide kommen musste. Den ganzen Vormittag hindurch wurde er dann entladen. Ein Bagger hat die Reste von, anscheinend, mehreren Kilometern abgerissener Betonautobahn, grob gesiebt, auf den Kai geschafft, wo ein Radlader sie nochmal zusammen geschoben hat. Ab und an ein lautes Poltern, wenn offenbar die Restberge im Laderaum eine neue Verteilung angenommen haben.
Wir haben uns dann bei halber Tide noch Norddeich davon gemacht. Es waren Gewitterböen von 8 Bft vorhergesagt. Wir wollten lieber in Norddeich sein, bevor es losgeht. Also 1 1/2 Stunden unter Motor, freiwillig. Mit dem bisschen Wind wären wir wahrscheinlich auch nicht  weit gekommen.
Nun liegen wir in Norddeich und es regnet sich richtig schön ein.

Norddeich

Nach dem Regen: Norddeich ist eigentlich ein Fähr- und Fischereihafen, bereichert um ein paar Windpark-Versorger, mit viel Beton und Asphalt. Aber wenn man an einem windigen Tag auf dem asphaltierten Deich oder am Ansatz der Mole steht und Richtung Watt schaut: Hat was!
Die Gewitterböen sind bis jetzt, 19:30 nicht gekommen. Der Nieselregen sieht auch nicht gewitterträchtig aus und der Nordostwind ist wieder da.