Sturmtef, schwere Schauerböen, Sch.-Wetter

Von Wangerooge übers Watt nach Langeoog und von dort dann weiter nach Norderney. Vielleicht schafft man es ja noch in die holl- resp. niederländischen Kanäle bevor das Wetter richtig schlecht wird.
Nein, man schafft es nicht. Nur noch bis Langeoog, mit einer Wettervorhersage, die SW–S 6-7, in Böen 8 lautet. Was etwas kurzfristiger vorhergesagt ist, ist der Wasserstand. Die Vorhersage lautet dann: Hochwasser an der deutschen Nordseeküste 2-4 dm weniger als normal. Sabine findet das ¨zu viel zu wenig Wasser¨, um über das Baltrumer Watt zu kommen. Das Wattenhoch bei Baltrum ist wirklich hoch, vor allem für Segler. Selbst für solche Flachgänger wie uns. Die Aussicht, dort festzukommen mit Böen von 8 Bft finden wir nicht allzu verlockend und bleiben dann lieber auf Langeoog.
Das war gut so, inzwischen lag die Prognose bei 7-8 Bft, Böen 10 Bft, schwere Schauerböen. Und sie traf zu. Im deutschen Seewetterbericht wird Regen ja nur erwähnt, wenn der die Sicht behindert. Tut er kaum, aber er macht nass. Und man kann sich im Freien auch schlecht davor schützen, weil er fast waagerecht kommt.
Lesen und Warten. Oder vielleicht im Netz rumsurfen und diesen Bericht hochladen, wenn denn im Langeooger Hafen das WLAN ginge. Geht aber nicht. Oder die Datendienste vom Telefon. Tun sie aber auch nur schlecht.
Nachtrag: Die Vorhersage wurde gerade auf Böen mit 11Bft aktualisiert. Das wären dann orkanartige Böen.

Alternative Fakten

Alles erledigt, Ersatzteile eingebaut, Fenster wieder abgedichtet. Auch die elektronische Seekarte so aktuell, wie sie geliefert werden konnte. Also leider nicht wirklich aktuell. Weil, zwischen Wangerooge und Harlesiel sieht die Welt neuerdings anders aus. So, wie wir die Welt an dieser Stelle der Welt kannten, gab es ein Fahrwasser von der Nordsee nach Harlesiel. Da war die Harle, die Tonnen dazu hießen Hxx (mit xx aus der Menge der natürlichen Zahlen) und führte dicht an Wangerooge vorbei. Der kurze Abstecher zum Hafen war mit den Tonnen W2 und W4 bezeichnet.
Mit diesem Wissen und einem, zugegeben, kurzen Blick in die Karte sind wir also von Wangerooge nach Harlesiel gestartet. Die Tonne vor dem Hafen haben wir nicht allzu intensiv betrachtet, schließlich liegt da schon ewig eine. Dem gewohnten Wege gefolgt und ….
Überraschung!!! Die Tonne, die eigentlich Hxx heißen sollte, hieß plötzlich W3! Die nächste dann W5. Verwirrung macht sich breit. Wo gehts hier hin? Nachdem der Vorrat an W-Tonnen aufgebraucht ist dann ganz vorsichtig zur nächst gelegenen. Ziemlich flach hier! Die hat dann wenigstens ein H im Namen und die Welt ist wieder halbwegs in Ordnung.
In der Schleuse in Harlesiel werden wir dann aufgeklärt, dass die Fahrwasser verlegt sind, was nicht so schlimm ist, und die Bezeichnungen geändert, was schon eher verwirrt. Information ist in der Seefahrt eine Holschuld, aber man muss ja erstmal auf den Trichter kommen.
Also, zusammengefasst: W heißt jetzt DH und führt vom Harle-Fahrwasser in den Wangerooger Hafen. W ist jetzt das, was ein Teil von H war, H ist jetzt da, wo vorher ein Teil von OB (Otzumer Balje) war. Raider ist jetzt Twix, und Lügen sind alternative Fakten. Und Negerküsse jetzt Schokoschaumgebäck mit Migrationshintergrund. Und neue Karten sind nicht unbedingt richtige Karten.

Aller Anfang ist holprig

Jetzt segeln sie wieder. Später als in den vergangenen Jahren und nach Westen.
Dass wir, für unsere Verhältnisse, so spät los sind, hat diverse Gründe. Der angenehme ist, dass ein neues Enkelkind angekommen ist. Es gab und gibt auch noch weitere Angelegenheiten, die zu regeln waren und teils auch noch zu regeln sind.
Nun endlich Aufbruch in den letzten Maitagen. Sehr warm und windig. Abends also von Bremen bis Elsfleth, wenig Strecke, aber wenigsten ein Anfang. Dann Bremerhaven. Sehr warm, sehr windig. Die letzten Reste der Großseglerveranstaltung werden abgeräumt. Unter anderem die ¨Mir¨. Durch die Klappbrücke vom Neuen Hafen zum Kaiserhafen I. Und die ist nicht unbedingt für Schiffe dieser Größe geplant gewesen, vor allem nicht für solche, die oben so weit in den Wind ragen. Trotz zweier Schlepper ging es dort erstmal an die Wand. Der Schlepper in der Durchfahrt kann natürlich auch nur nach vorne und nur begrenzt gegen den Wind ziehen. Also ein spannendes Manöver, das Ding da durch zu kriegen. Und mit jeder Menge Zuschauer (nicht Gaffer!), einige an Land und ganz viele an der Reling der Mir.

Mir an die Wand gefahren
Mir an die Wand gefahren

Da hast du einen Plan
Der Plan war gar nicht gut. Oder doch, der Plan war schon gut, aber die Verhältnisse, die war’n nicht so. Der Plan war der: Von Bremerhaven die Weser runter mit ablaufendem Wasser, und mit auflaufendem nach Wangerooge West. Leider verschlechterten sich die Wetteraussichten von einem Wetterbericht zum nächsten. Von Gewitterböen bis 8 Bft war die Rede. Auch wenn die Gewitter ja meist über Land entstehen, doch lieber in geschützten Gewässern bleiben. Also nicht außen herum, sondern übers Watt. So’n Gewitter auf dem Watt ist zwar auch nicht unbedingt lustig, und man kann auch schlechter ausweichen, aber dafür holperts auch nicht so bei Starkwind. Hat auch geklappt, dafür mußte das Ziel allerdings angepasst werden. Horumsersiel statt Wangerooge. Besondere Ereignisse unterwegs: Unter Segeln mit dem stehenden Propeller eine treibende Pricke eingesammelt. Sabine hat uns mit Hilfe des Bootshakens wieder befreit. Wir haben sie NICHT!!! abgefahren, die Schnittflächen am unteren Ende waren gerade und sauber. Die ist aus freiem Willen auf Wanderschaft gegangen. Leider hatten wir keine Möglichkeiten, sie ihrem Herrchen wieder zuzuführen und mussten sie notgedrungen wieder in Freiheit setzen. Kein Wunder, dass vor Fed-siel die Fahrwassermarkierungen problematisch sind: Die Pricken schwimmen weg!
Nächster Tag: ¨Die schwül-warme Tropenluft wird durch kühlere, trockene Lust ersetzt¨. OK, stimmt. Die Front ist durch, es ist Rückseitenwetter: Himmel blau, wolkig, gute Sicht und etwas kühler, so um die 12° bei Sonnenschein. Auch Deutschland kann so kalt sein. Dafür ist der kräftige WNW-Wind gut geeignet, die Jade bis zum Minsener-Oog-Wattfahrwasser runter zu segeln, mit Reff. Weniger gut um von dort nach Wangerooge zu kommen. Da muss fossiler Brennstoff herhalten, leider.
Und nun leider nochmal mit Öffies nach Bremen, diverse Restpunkte erledigen, so z.B.: Sika kaufen, neue Klopumpe kaufen, an die falsche Adresse geschickte Seekarte abholen, Brille abholen, Auto in die Werkstatt, und und und …
Fängt alles etwas holprig an dieses Jahr.

Nahbereich

Ab und an gibt es so Stellen, die man nur bei bestimmten Wetterlagen passieren möchte. Oder auch bei bestimmten Wetterlagen nicht passieren kann. Kap Horn oder das Kap der Guten Hoffnung oder Land’s End oder …
Habe einmal die Elbe vor Scharhörn, beziehungsweise die Wetterentwicklung eben dort, unterschätzt. Das mache ich nie wieder! Anbei (gut, nich‘ ?) ein Ausschnitt aus dem aktuellen Wetterbericht. Wir sind ganz froh, das wir schon weit drinnen sind, in Elsfleth.


Seewetterbericht für Nord- und Ostsee
herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst, Seewetterdienst Hamburg
am 20.08.2016, 05.27 UTC.

Wetterlage 20.08.2016 00 UTC :
Uralhochkeil 1020 Karelien, abschwächend. Tief 1015
Westrussland, vertiefend, nordziehend. Sturmtief 981
Westirland, abschwächend, nordostziehend. Ausläufer 1002
Pentlands, 1010 Norddeutschland, nordostschwenkend,
kommende Nacht 1013 Öland. Kommende Nacht neues Hoch 1021
Weißrussland. Tropischer Sturm "FIONA" 1007 auf etwa 18
Nord 44 West, etwas abschwächend, langsam
westnordwestziehend.

In den naechsten 12 Stunden ist in folgenden
Vorhersagegebieten mit Starkwind oder Sturm zu rechnen:
Deutsche Bucht
Südwestliche Nordsee
Ijsselmeer
Fischer
Dogger
Forties
Viking
Utsira
Engl. Kanal Westteil
Engl. Kanal Ostteil


(Warum nicht gleich: In allen)

Vorhersage gültig bis heute Nacht:

Deutsche Bucht:
Südwest 4 bis 5, Westteil zunehmend 6, süddrehend,
Schauer- später Gewitterböen, See zunehmend 2,5 Meter.
IJsselmeer:
Süd bis Südwest um 4, zunehmend 5 bis 6, Schauer- später
Gewitterböen, See 0,5 Meter.
Südwestliche Nordsee:
Südwest bis Süd 5 bis 6, zeitweise zunehmend 7, Schauer-
oder Gewitterböen, See zunehmend 2,5 Meter.
Engl.Kanal-Ost:
Südwest 6, strichweise 7, westdrehend, Schauer- oder
Gewitterböen, See 3 Meter.


.
. (Inhalt dem Autor bekannt und auch Bäh!)
.

Aussichten gültig bis morgen Mittag:

Deutsche Bucht:
Süd 4 bis 5, strichweise 6.
IJsselmeer:
Südwest 5 bis 6, etwas abnehmend.
Südwestliche Nordsee:
Südwest um 6, westdrehend, etwas abnehmend.
Engl.Kanal-Ost:
West 6 bis 7, etwas abnehmend.


Der Reihe nach: wir haben noch ein ruhiges Ankerplätzchen in der Außenweser gefunden.
Um Hochwasser herum nicht ganz so ruhig, eine Zeit lang steht natürlich der Tidenstrom gegen die Windrichtung, dann wackelt das Boot etwas vor Anker. Wenn das Wasser wieder gefallen ist, liegt man hier aber ruhiger als in manchem Hafen. Wo das genau ist, möge sich der Interessierte selbst anhand der Seekarte suchen.
Akustisch war es ruhig bis zum nächsten Morgen. Dann kam der Heavy-Metal-Kutter. Offenbar sind/ist Garnelen/Granat/Krabben/Porren – alles das gleiche – stocktaub. Wenn so’n Krabbenkutter seine Netze schleppt, hat sowieso die Maschine das sagen. Dem sind die Fischer offenbar durch Einbau einer leistungsfähigen Lautsprecheranlage begegnet. Das bordeigene Beschallungsprogramm war jedenfalls auf eine halbe Seemeile problemlos zu verfolgen. Scheint aber ja das Ergebnis, das aus dem Netz kommt, nicht zu beeinflussen. Oder Krabben sind auch Heavy-Metal-Fans.

Der Heavy-Metal-Kutter
Der Heavy-Metal-Kutter

Sabine war allerdings wenig begeistert davon, das der seine Netze doch arg dicht an unserem Anker vorbei gezogen hat. Ich hab mich mit der Überlegung getröstet, das ein Netz deutlich teurer ist als ein Anker und der Fischer ja wohl weiß, was er tut. Unser „Tuut“ wird sein Ohr sowieso nicht erreicht haben.

Meyers Türme
Meyers Türme, links alt 1887, rechts neu 1905

Über das letzte Wattenhoch, vorbei an den alten Leuchttürmen von Meiers Legde, und bis Bremerhaven. Weiter hat es nicht gereicht, weil das Wattenhoch dort so hoch ist, dass wir erst etwa 2 ½ Stunden vor HW drüber gekommen sind. Es war allerdings, trotz Springtide, 1 dm weniger Wasser als normal da. Zeitweise haben uns zwei Schweinswale begleitet. Damit ist meine Wertschätzung der Schweinswale, alias Kleine Tümmler, wiederhergestellt. Die sind doch nett. Die im Kleinen Belt haben uns ja, geradezu empörend, völlig ignoriert.

Und der Rest: Gegen den Südwind bis Elsfleth. Siehe oben. Heute am späten Nachmittag bis zur Ochtum. Wir hoffen, dass das Wetter solange hält. Ebenfalls siehe oben.
Auch in Elsfleth gab es Beschallung. Italienisches Grillfest: „Volare, O, O, cantare, o-o-o-o, …“, und „italienisch“ heißt ja oft auch „laut“.
Auch wenn der Verfasser nicht unbedingt ein Fan von Alleinunterhaltern und deren Standardprogramm ist, er muss zugeben, dass der sein Handwerk verstand.

Das dicke Ende

Die fünf Freunde – drei Männer, eine Frau, ein Hund, die Martha-Crew nicht mitgerechnet – sind wieder auseinander gegangen. Je nach sonstigen Terminen und Möglichkeiten, zwei nach Cuxhaven, einer durch den Hadelner Kanal, und die Marthas mit der Bahn nach Hause und zu Freunden, „runden“ Geburtstag feiern. Feiern können wir noch so lang wie früher, nur die Rekonvalezens dauert im Alter etwas länger. Aber auch davon erholt man sich.
Die Marthas also zurück nach Rendsburg, mit der Bahn. Ausnahmsweise mal gelesen, was auf der Fahrkarte stand – man hat ja Zeit dafür, von Bremen bis Rendsburg. Erstaunen macht sich breit ob eines URLs, vulgo Webadresse, der oder die dort abgedruckt ist: „www.diebefoerderer.de“. Angesicht der florierenden Internetkriminalität leuchtet es ja ein, dass das altüberkommene Geschäft der Taschen-, Eier-, Tage- und sonstigen Diebe unter Druck steht, aber was bitte hat die Bahn mit den Dieben zu tun, und warum muss sie diese Sparte fördern? Die haben doch bei sich selbst genug in Ordnung zu bringen? Der Aufruf genannter Seite gibt Aufschluss: Es ist eine gemeinsame Seite der Betriebe, die die Fahrgäste befördern, im Behördendeutsch: „Die Beförderer“. Durch wieviele Hände ist wohl die Bezeichnung „Diebefoerderer“ gegangen, ohne dass die Stilblüte gepflückt wurde? Ein Bindestrich kann Wunder wirken!
Abfahrt Rendsburg Richtung Brunsbüttel. Nicht mehr im Pulk, aber auch nicht einsam. Auf dem Kanal ist viel los. Direkt vor uns ein Schleppverband, bestehend aus einem Ponton mit großen Röhren und je einem Schlepper vorn und hinten. Heute nicht so windig, und man kann und darf den Verband sogar bei Audorf überholen, als er dort an einer der Ausweichen liegt.

Viel Verkehr auf dem Kanal
Viel Verkehr auf dem Kanal

Zwischendurch die Überlegung, ob man über den zur Zeit wieder bedingt passierbaren Giselaukanal zur Eider wechselt. Wir haben aber beschlossen, dass das Wetter zur Zeit nicht stabil genug ist und wir keine Lust haben, dann in der Eidermündung fest zu sitzen. Ansonsten einfach nur viel Verkehr auf dem NOK.
NOK, Blick von unten
NOK, Blick von unten

Da auch viele Sportboote auf dem Weg nach Westen sind, fragen wir uns, wie voll der Yachthafen an den Kanalschleusen wohl sein wird.
Brunsbüttel. Der Yachthafen ist nicht voll. Was uns dadurch an Hafenkino entgeht, wird durch einen echten Jahrmarkt ausgeglichen. Zum Hafen hin ist der Jahrmarkt durch ein Riesenrad abgeschlossen. Das erfreut den Berichtenden denn 1) macht das nicht so viel Lärm wie z.B. ein Autoskooter und 2) ist das eine Gelegenheit, mal Fotos von oben zu machen.
NOK, Brunsbüttel, Yachthafen von oben
NOK, Brunsbüttel, Yachthafen von oben

Sowohl vom Yachthafen mit dem eigenen Boot – sowas freut jeden Bootseigner, kriegt er ja nicht alle Tage – als auch von der Baustelle für die fünfte Kammer.
Stunden später kommt dann auch der Schleppverband an und man kann in die Röhren gucken.
Beim Schleppverband in die Röhren gucken
Beim Schleppverband in die Röhren gucken

Am nächsten Morgen auch noch die Antwort auf die Frage: Wie wird so ein Riesenrad eigentlich abgebaut. Alles ganz durchdacht, aber den Job oben auf der Leiter möchte man trotzdem nicht unbedingt machen. Das ist nichts für Menschen mit Höhenangst.
Halbes Riesenrad
Halbes Riesenrad

Mit Hochwasser raus und nach Cuxhaven.
Und dann, der Tide wegen, am folgenden Tag über den Weser-Elbe-Wattweg bis vor Dorum. Vor Sonnenaufgang los, damit man noch mit ablaufendem Wasser nach Neuwerk kommt. Bei Schwachwind leider die ganze Strecke bis Dorum unter Motor.
Kugelbake bei Sonnenaufgang
Kugelbake bei Sonnenaufgang

Immer noch besser als außen rum die ganze Strecke unter Motor. Jetzt liegen wir im Padingsbüttler Tief, jetzt ist Wind. Und natürlich gegen die Stromrichtung. Und der Strom ist schon ganz ordentlich hier. Vielleicht nachher noch ein ruhigeres Plätzchen suchen, wenn man den Anker ohne Schwerarbeit wieder herauf bekommt – wir haben noch eine handgekurbelte Ankerwinsch.

Meteorologischer Frühling, Teil 2

Als Student hatte ich mal einen Kommilitonen, der die These vertrat, dass Gegenden jenseits des 50. Breitengrades nicht nur für den Weinbau, sondern auch für die Besiedlung im Allgemeinen nicht geeignet seien. Er kam aus Venezuela und hatte einen ungarischen Namen.

Manchmal glaube ich, er hatte recht. Heute zum Beispiel.

April an der Ochtum, ..
April an der Ochtum, ..
.. kurz vor dem Ansegeln.
.. kurz vor dem Ansegeln.

Seefahrt virtuell

Auf Grund gelaufen in der Elbe, unsichere Geschwindigkeit, zu viele Leute auf der Brücke und viel zu lange unterwegs. Was sind das für Seeleute?
Das waren Sportschipper, die die Unterelbe zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel „Neue Süd“ unsicher gemacht haben. Und viel dabei gelernt.
Ich hatte das Glück, mit dabei zu sein – im Ship Handling Simulator der Hochschule Bremen, die ja jetzt „University of Applied Science“ heißt.
Hat sich so ergeben, es waren noch Plätze frei und ein Freund und Auch-Segler hat mich benachrichtigt.
Der Start war etwas mühsam, für den Nutzer komplexer IT-System aber keine allzu große Überraschung: Instruktor ein paar Tage nicht da, neues Update, irgendwas geht nicht mehr, oder anders, oder wie auch immer.
Nach System-Restart und schließlich Auswahl eines anderen Eigenschiffs konnte es losgehen – die Wartezeit war sinnvoll zur Einweisung der Teilnehmer genutzt worden.
Die Aufgabe: in Cuxhaven Amerikahafen ablegen, drehen, raus, bis Brunsbüttel, und dort in die neue Schleuse Süd. Die Studenten müssen noch ein bisschen weiter in den Ölhafen – aber die können das ja schon besser.
Auch wenn der Chronist – also ich – schon hin und wieder auf der Brücke mittelgroßer Schiffe gestanden hat und die Nautiker bei der Arbeit beobachtet hat – zwischendurch, eigentlich sollte er ja auch arbeiten – das hier ist eine andere Perspektive.
Ich war der erste simulierte Kapitän und durfte das Ablegen und Drehen in Cuxhaven fahren. Ohne Funkverkehr nach außen, also abmelden im Hafen, anmelden bei Elbe Revier etc., fast ohne Wind, und auch mit freundlichen Hinweisen des Instruktors. Natürlich entsteht kein Schaden, wenn man etwas falsch macht, aber man entspannt sich doch merklich, wenn man auf der Elbe auf den Kurs eindreht und dem nächsten Teilnehmer Platz macht.
Und damit es nicht langweilig wird, wurden noch ein paar Extras eingebaut: Ein Mitläufer, der zu überholen war und dann den Kurs nach Backbord gewechselt hat, als wir schon neben ihm waren. Ich fand, wir waren auch reichlich dicht dran, aber trotzdem … Hupen hat geholfen.
Ein Überholer, der dann vor uns Fahrt weggenommen hat – sollte natürlich so nicht unabgesprochen passieren.
4 Meter Wellenhöhe – auf der Elbe vielleicht nicht ganz realistisch, aber beeindruckend. Obwohl dieser Simulator fest auf deutschem Boden steht, also ohne reale Bewegung des Decks/Fußbodens arbeitet, durch die realitätsnahe Panoramawirkung fängt man an, Ausgleichsbewegungen zu machen. Und dann fühlt sich das auch wirklich an wie auf einem rollenden Schiff: Das Gleichgewicht stimmt nicht mehr.
Zwischendurch eine Grundberührung, was aber nicht am übenden Freizeitkapitän lag, irgendwo war dem Simulator die Wassertiefe abhanden gekommen, Der Instruktor hat das wieder korrigiert, und der Seenotfall war weg definiert. Wäre das ja wohl gewesen, bei 4 Metern Wellenhöhe.
Und schließlich Brunsbüttel „Neue Süd“. Bb-Seite, einer liegt schon drin. Auch das haben wir irgendwie hingekriegt. MIt Lotsen, der allerdings nicht mehr gemacht hat, als an Bord zu kommen. Und mit „Hilfe von oben“: Strom aus, Wind aus. Und viel Zeit. Und auch mit dem einen oder anderen Tipp „von oben“.

ANfahrt auf "Kiel Canal" von Westen.
Anfahrt auf „Kiel Canal“ von Westen.

Wenn wir auch das Schiff heil gelassen haben – die Grundberührung war ja ein Software- oder Datenbasisproblem – der Reeder hätte uns zum Teufel gewünscht, bei der Fahrzeit für die paar Meilen von Cux nach Brunsbüttel.

Sportboote auf der Elbe ? Die waren im Modell nicht vorgesehen, und die hätten uns auch gerade noch gefehlt! Sportboote im Fahrwasser? Die hätten wir unter Umständen gar nicht gesehen von der Brücke aus! Und ausweichen? Kannste vergessen bei den Reaktionszeiten.

Wenn wir sonst nichts gelernt haben sollten: Zwinge die Großen nicht, auf dich Rücksicht zu nehmen. Und verlasse dich auf keinen Fall darauf, dass sie dich sehen! OK, das wissen wir alle, aber es selber zu fühlen ist schon noch was anderes.