Endlich

Dienstag: Der Motor steht endlich (wieder) auf eigenen Füßen. In der Tat haben sich die Schwingungen und Resonanzen deutlich verändert. Was ein wenig darauf hin deutet, das die Aufhängungen wohl schon länger ihre jugendliche Frische verloren hatten. Und nochmal ein Lob den freundlichen und kompenten Monteuren. Die noch etliche Dinge gefunden haben, die mir als Laien offenbar immer entganegn sind. („Da scheuert was.“, „Das würde ich mal wegbinden“, „Der Schlauch ist schon ein bisschen weich.“, „Da sollten neue Dichtungen rein,wenn das da rostet, dann leckt das schon etwas.“)

Das der Skipper dann vor lauter Freude beim Ablegen zur Probefahrt die schon fast klassische Slapstick-Nummer mit dem Kabel …. Nun ja, shit happens, und Schaden ist keiner entstanden, außer am Selbstbewusstsein.

Mittwoch: Schön rund lief er, der Motor, wenn auch nicht lang, weil Wind zum Segeln war. Ziel ließen wir offen, wegen Nordwinds und Mittagshochwasser war Bremerhaven unter Segeln nicht drin. Für Berne schon zu wenig Wasser, dito die ganzen Sielhäfen an der Unterweser. Elsfleth Yachthafen ist unter der Woche ein bisschen kompliziert, weil die Schleuse dann nur zu bestimmten Zeiten und nach Anmeldung schleust. Bleibt als Elsfleth Stadthafen.

Dort zwischen allerlei eigenwilligen Schwimmteilen übernachtet, bekannten und unbekannten, dafür aber skurilen.

Urlaub am Steg

Die Fachfirma war da, in Gestalt ihrer Monteure natürlich. Nach erfreulich kurzer Zeit war der Motor vom Fundament gelöst und hing über dem selbigen. Und nach Demontage der vier Motorfüße stellte sich heraus, nicht einer, nicht zwei, nein drei von vieren waren gerissen. Soweit so gut noch, Ersatz war ja da, aber… Vor den vorderen Motoraufhängungen läuft ein Bügel von einer Seite zur anderen. Der Sinn der Konstruktion hat sich mir nicht unmittelbar erschlossen, die Fachleute ließen das Wort „Blockversteifung“ fallen, ich hab’s wieder aufgehoben, konnte aber trotzdem nichts damit anfangen. Vielleich kann mich da ja ein maschinenbaulich Gebildeterer aufklären. Jedenfall meinte der Fachmann: „Da haben wir ein Problem.“ Eine Schweißnaht beginnt gerade aufzureißen. Ich seh nichts. Da! Ich seh nichts. Foto, Vergrößerung betrachtet. Ich seh immer noch nichts. Teil umgedreht, mit der Fingerspitze drauf gezeigt. Ich ahne einen mikroskopischen Riss an einer ziemlich schlecht zugänglichen Stelle. Können sie das schweißen? Wenn’s mein Boot wäre, würde ich’s machen. Aber nicht, wenn ich Garantie geben muss. Kann ein Jahr halten oder vier. Habt ihr hier jemanden, der gut schweißen kann? Naja, wenn sie das nicht können, kann es hier auch keiner. Also Ersatzteil. Anruf bei der Firma: Haben wir beim letzten Aufräumen weggeworfen. Ärgerlich. Also bestellen. Teuer ist das Ding auch noch. Es ist der Freitag vor Pfingsten. Dienstag nach Pfingsten soll das Teil da sein, dann geht’s weiter.

Der schwebende Motor

Derweilen Urlaub am Steg. Machen wir das Beste daraus. Für die nächsten Tage:

Sonnabend: Fahrradtour mit den Bordklapprädern: Nach Lemwerder, mit der Fähre zur anderen Weserseite nach Vegesack, zur Moorlosen Kirche(1), durchs Biotop-Reservat (oder wie immer das heißt) zur Lesum, zurück nach Grohn, Jimmi an Bord besucht. (Dessen Boot ist auch fast fertig. Fast fertig sind wir ja hoffentlich auch.) Und wieder mit der Fähre zurück.

Sonntag: Besuch der Enkelkinder. Die erforschen mit anderen, etwas älteren Vereinskindern die Ochtum bei Niedrigwasser.

Alles zumindest viel besser als zu Pfingsten bei strahlendem Sonnenschein auf der Autobahn im Stau zu stehen. Und eigentlich auch besser, als sich in überfüllten Yachthäfen rum zu treiben. Und zu Pfingsten sind sie eigentlich alle voll.

Think positiv!


(1) Für ortsfremde Mitmenschen: Die Kirche ist keineswegs moorlos, sondern mutterlos. Weil sie dereinst mal durch eine Verlagerung des Flussbetts von ihrer „Mutterkirche“ abgeschnitten wurde. Ein bisschen verballhornt, das Ganze.