Damit die geschätzten Leser nicht anfangen, sich zu sorgen: Es ist nichts berichtenswertes vorgefallen. Enkelkinder sind wieder zu Hause. Boot nach Kiel gesegelt, nächsten Tag durch den NOK alias Kiel-Kanal bis Brunsbüttel. Man kann das machen, die knapp 100 km am Stück unter Motor.
NOK: Falscher Dampfer trifft echten Dampfer
Normalerweise machen wir das nicht so, dieses Mal hat es sich aus Tide und Langfrist-Wetterbericht so ergeben. Ein wenig klingeln da schon die Ohren, wenn man in Brunsbüttel ankommt.
Liegen jetzt in Cuxhafen. Wenn das Wetter so sein wird wie Windfinder es voraussagt, geht es morgen nach Wangerooge. Leider sind die Wetterfröschinnen und -frösche sich wieder sehr uneins. Falls, wie die Frösche des Deutschen Wetterdienstes annehmen, morgen Nachmittag nur noch Schwachwind ist, gleich unter Motor in die Weser. Diesel haben wir genug, Lust dazu aber keine.
Die Planung gehört auch zum Segeln. Und die ist in der tidenfreien Ostsee wesentlich einfacher als bei uns. Besonders das Umplanen. Wir haben offengelassen, wo wir abends sein wollten. Je nachdem, was das Wetter so anbietet: Marstall, Bagenkop, Albuen. Schleimünde/Maasholm war nicht vorgesehen, die Wettervorhersagen waren unterschiedlich, aber um Nordwest sollte es bei allen sein. Da liegt die Schleimündung von Kiel aus dann in Windrichtung. Morgens noch Diskussionen, ob nicht doch vielleicht zu viel Wind sei oder sein könne. Was wir schon kannten: Man kann sich als Ortsfremder in der Kieler Förde arg verschätzen. Drinnen ist der Wind ganz friedlich und draußen kachelt´s dann. Es kachelte aber nicht, es flaute, und zwar soweit ab, dass wir uns entschlossen haben, unter Motor Richtung Schlei zu fahren. Schlei muss bei uns sein, wenn wir in der Ostsee sind, eigentlich. Bei einer Windstärke nach Beaufort ist es schließlich egal, aus welcher Richtung sie kommt. Als dann eine halbe Stunde später doch etwas Wind aufkam nochmal Planänderung, neue Richtung Bagenkop. Auf halber Strecke hat uns der Wind dann doch wieder verlassen und der Diesel (ja, sowas ungehöriges haben wir) musste doch ran.
Track Kiel-Bagenkop mit Schleimünde-Haken
Bis zwei Meilen vor Bagenkop, da gab´s dann endlich Wind. Und am Abend dann eine ganz Menge Wind. Aber das hilft jetzt nichts mehr.
Nächster Morgen: Immer noch eine ganze Menge Wind. Aber bis zur Südspitze von Langeland ist nur ein kurzes Stück, und an der Ostseite hat man dann ablandigen Wind mit entsprechend ruhiger See. Ab 11 Uhe soll es laut Windfinder weniger werden. Dann kann man weiter nach Osten, aus der Abdeckung hinaus und ins Smaland-Fahrwasser. So der Plan. Etwa 32 Meilen, bei 4,5 bis 5 Knoten gut zu schaffen. Die Realität war dann etwas anders, aus den 4 1/2 bis 5 Knoten wurden etwas mehr als 2 1/2. Nun weiss der Segler ja, dass im Großen Belt Strom stehen kann. Den vorher zu sagen ist nicht ganz einfach, weil da Windrichtung und -stärke, Dauer des Windes, Luftdruck und ein Bisschen auch die Tide der Nordsee mitmischen. Da ist die Planung auch hier nicht sooo einfach. Bislang war der Strom immer so, dass er keine Probleme gemacht hat. Heute schon, bei Gegenstrom zwischen 2 und 3 kn werden 30 Meile sehr lang. Herrlicher Sonnenschein, Temperatur zwar im unteren zweistelligen, morgens sogar im oberen einstelligen Bereich. Mit entsprechender Kleidung trotzdem angenehm, zumindest in der Sonne. Wir sind flott durchs Wasser gesegelt, nur das Szenario am Ufer hat sich ungewohnt langsam geändert. Den Plan, ins Smaland-Fahrwasser zu kommen haben wir aufgegeben. Auf Langelands Ostseite gibts´s nur einen Hafen, Spodsbjerg, und da sind wir gelandet.
Spodsbjerg in der Vorsaison, viel Platz
So langweilig, wie man im Hafenführer lesen kann, finden wir´s nicht. Fähre, Lotsenstation, Supermarkt, WLAN und Fischereihafen. Und am Horizont ziehen die großen Schiffe vorbei. Reicht doch als Unterhaltungsangebot. Bücher haben wir auch.
Lotsenstation Spodsbjerg, mit Bäumen vor den Fenstern
Die Lotsen halten offenbar schon lange nicht mehr durch Blick aus dem Fenster nach Kunden Ausschau. Was man an den Bäumen vor der Lotsenstation gut erkennen kann. Es gibt sie hier aber noch, was man wiederum an den Versetzbooten erkennen kann, die hier auslaufen und dann den Hebel auf den Tisch legen.
Morgen soll ein Trog durchziehen, gegen 8 Uhr soll es losgehen. Wir haben noch zu lesen, und übermorgen geht´s dann weiter. Wenn der Wetterbericht stimmt.