Die Ruhe vor dem Sturm

Unser ursprüngliches, aber unverbindliches Ziel, bis Skagen (sprich Skän) zu segeln, haben wir aufgegeben. Nicht ohne Murren des Skippers, aber aus evt. nachvollziehbaren Gründen. Als da sind: Treffen mit Kindern und Enkeln, solang die auch an der Ostsee Urlaub machen. Revision der Schleuse vor unserem heimischen Liegeplatz – entweder sind wir rechtzeitig zurück oder wir werden mehrere Wochen ausgesperrt, weil die Schleuse nicht geöffnet werden kann. Geburtstag und Silberhochzeit, zu denen wir zugesagt haben und die wir gerne mit der Bahn und nur endlich vielen Umsteigestationen erreichen möchten. Und der Hauptgrund: Der Langzeitseewetterbericht. Für die nächsten Tage sind gleich zwei Starkwind- und/oder Sturmphasen angesagt.

Zur Zeit sieht der Seewetterbericht so aus:

Seewetterbericht 2.7.2026

Es ist hoffentlich nachvollziehbar, dass wir uns da einen sicheren und nebenbei auch schönen Hafen weiter südlich gesucht haben.

Und nun der Reihe nach: Eine laue nordische Sommernacht in Hals.

Abfahrt von Hals, vorbei an den Sänden. Sieht ein bisschen anders aus als unsere Sandbänke. Wegen des geringen Tidenhubs wächst hier Gras drauf. (Wo bei uns die Tide zuschlägt, wächst ja bekanntlich kein Gras mehr.)

Wind genug und auch aus der richtigen Richtung für Bönnerup. Das kennen wir zwar schon, aber bei einigermaßen zielgerichteter Navigationsplanung gäbe es nur noch Grennaa. Was aber noch ’ne Ecke weiter und fast vor dem Wind wäre. Da ein Mitglied der Besatzung mit einer Kinetose (vulgo Seekrankheit) zu kämpfen hatte, war Bönnerup die bessere Wahl. (Für Nichtsegler: Vor dem Wind = Wind genau von hinten. Vor dem Wind schaukelt’s am meisten.)

Der kleine Umweg gibt Gelegenheit, das Rätsel von Bönnerup zu dokumentieren:

Das Rätsel von Bönnerup: Wo geht’s hier rein?

Die Einfahrt in den Hafen Bönnerup vom westlichen Molenkopf aus. Sieht irgendwer, wo’s weitergeht? (Auflösung siehe z.B. Google Maps mit Satellitenbild . Auf der Karte allein ist nicht alles drauf.)

Nächster Tag: Weiter nach Grenaa, soweit wie möglich unter Segeln, ist ja nicht so weit. Die letzten Meilen dann noch mit dem Motor, ohne Wind ist es doch so weit. Einkaufen, übernachten, weiter.

Weiter. Fast kein Wind, noch mehr Diesel verbrannt. Leider.

„Kein Wind“ hat natürlich nicht nur uns betroffen. Vor der Aarhus Bucht fuhren wir auf seltsame Strukturen auf dem Wasser zu, die sich beim Näherkommen als eine Sammlung gar erlesener Traditionssegler erwiesen. Man versuchte offenbar, eine Regatta zu veranstalten. Nachdem erkennbar wurde, dass die beabsichtigte Richtung nach Norden, Richtung Aahus, ging, haben wir das ganze schwimmende Seefahrtsmuseum respektvoll im Süden passiert. Zu dem Zeitpunkt war es aber durchaus noch nicht allen Teilnehmern gelungen, wenigstens den Bug in die richtige Richtung zu drehen. Man muss das ja mit Hilfe des Windes machen, sonst wird man disqualifiziert. Wenn kein Wind da ist, kann das dann seeeehr lang dauern.

Die Dänen haben offenbar ein etwas lockereres Verhältnis zur Traditionsschifffahrt und erwürgen sie nicht mit evt. überzogenen Sicherheitsvorschriften, die diese Schiffe dann nicht erfüllen können. Wie das anscheinend bei uns geschieht. Darum gibt es sie hier noch.

Inzwischen sind wir in unserem kleinen, schönen Lieblingshafen südlich Aarhus angekommen, es ist Donnerstag und das Wetter schickt sich an, so zu werden, wie der Seewetterbericht es vorhergesagt hat.

Gleich geht’s los

Es regnet, das Schiff schaukelt schon etwas am Steg und wir ziehen uns etwas wärmer an.

Bücher haben wir genug und oben im „Seglerheim“ gibts WLAN. Die Hälfte der WoMos ist schon abgereist, die Segelschule auch. Hoffentlich müssen die nicht so weit und sind da, bevor es richtig los geht.

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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