Crescendo-Decrescendo

Nach der Nacht im teil-idyllischen Hafen unterhalb Bohus wieder zurück auf den Göta Älf/Trollhätte Kanal. Die Idylle wurde etwas getrübt durch die Beschallung. Auf dem Parkplatz von Bohus war Oldtimer-Treffen mit dutzenden amerikanischer Blechmonster und wenigen europäischen Autos der 50er und 60er Jahre, auch Saab ¨Blechtroll¨ alias ¨Nordkapschüssel¨, entsprechend untermalt mit Elvis und anderem Rock ´n´ Roll von Konserve. Im Hotel ein Stückchen weiter verdiente ein Tom-Jones-Imitator sein Geld. Immerhin hat er das ganz ordentlich gemacht. Ab 23:00 war Schluss und die Idylle dann viel idyllischer.

Ein großes Schiff?

Zu Bohus und seiner Geschichte haben wir noch ein Detail gefunden: Als das Ganze noch den Norwegern gehörte, haben die Schweden, so um 1570, einen Turm der Festung besetzt. Nicht wissend, dass dort die Munition der Festung gelagert war, oder zumindest ein größerer Teil davon. Den haben die Norweger dann gezündet. Damit hatten sie keinen Turm mehr, aber auch keine Schweden. Letztere sollen ¨wie die Krähen¨ durch die Luft geflogen sein. Konnten aber danach nichts mehr dazu berichten. Raue Sitten hier.

Boshus vom Göta Älf

Wieder zurück auf den Göta Älf – ich weiss nicht, wie man das korrekt schreibt, man findet´s mit großem und mit kleinem ¨Ä¨. Je weiter man sich seiner Mündung nähert, um so mehr Industrie und Verkehr zeigt sich an den Ufern, besonders am linken. Rechts teils ursprünglich wirkende Natur – zwischen Kanal und Autobahn, da kommt kaum einer hin, um zu müllen oder zu bauen.
Die Nähe zu Großstadt hat den Vorteil, dass die Brücken jetzt immer besetzt sind und auf Anruf auch geantwortet wird. Hilft aber nichts, denn wegen des Verkehrs wartet man genau so lang wie weiter oben. Man weiss jetzt aber immerhin, dass man zur Kenntnis genommen wurde.
Und dann, nach der letzten Eisenbahn-Drehbrücke die furiose Steigerung: Mit dem Boot mitten durch Göteborg. Welches vom Wasser aus einen beeindruckenden Anblick bietet.

Göteborg, vorwärts

 

Göteborg, rückwärts
Göteborg seitwärts: Ostindienfahrer-Replik

Auf Landgang haben wir verzichtet: Zu heiß zum Pflastertreten in der Großstadt. Wir waren vor drei Jahren das letztemal hier, das muss reichen. Link: symartha.de/grossstadt-halbtrocken

Da haben wir die Stadt allerdings nicht vom Wasser aus gesehn, das haben wir jetzt nachgeholt. Damals sind wir mit der Fähre nicht so weit hinauf gekommen, da steigt man weiter draußen in die Straßenbahn um.
Zu Göteborg gehören ja zahlreiche Inseln und Schären, und dort haben wir angelegt, in Styrsö. Was den Hamburgern die Elbchausse und den Bremern Oberneuland ist den Göteborgern ihr Schärengarten. Nur viiiel schöner. Und nach der Steigerung in der Stadt ein ruhiger Ausklang.

Schären bei Göteborg

Naja, nicht ganz so ruhig, viele Boote und Fähren, und dicht besiedelt. Eben Stadtgebiet.

Der andere Kanal

Im Prinzip ist das Meiste vom Trollhättan Kanal der Fluß Göta Älf. Die gegrabenen und gesprengten Teile beschränken sich auf die Einfahrt von Norden und die Umgehung der Wasserfälle.

Der Fluss hat so etwa die Breite der Mittelweser, vielleicht ein bisschen mehr. Nur stehen hier Häuser am Ufer, die nach Pippi Langstrumpf, Micha aus Löneberga oder Petterson und Findus aussehen. Und der Fluß/Kanal wird von Schiffen bis 5000 Tonnen befahren und ist entsprechend tief und dicht betonnt. Wobei die Betonnung allerdings so aussieht, das am Rand Dalben stehen, von denen Stangen waagerecht zur Flußmitte zeigen, und an deren Ende ist dann die eigentliche Markierung. Ein ebenso aufwändiges wie gewöhnungsbedürftiges System .Wahrscheinlich geht es aber bei dem felsigen Untergrund nicht anders.

Trollhättan Schleuse: Juno muss noch mit rein

Funktioniert hat das Unternehmen ¨Kanal¨ heute nur mittelgut. Mal war eine Brücke nicht anzusprechen, mal die Schleuse nicht. Das ist angesichts der hohen Gebühren schon ärgerlich.

Trollhättan Kanal

So sind wir nur bis Kungälf, bis dahin, wo der Göta älf sich in seine beiden Mündungsarme teilt. Der Hafen ist so klein, dass dort nur recht kleine Fahrzeuge hinein kommen. Wir sind hier ausnahmsweise einer der großen. Dafür liegen wir mal wieder historisch wertvoll: In unmittelbarer Nähe die Festung Bohus. Obwohl zeitweise schon als Steinbruch freigegeben steht noch viel und natürlich heute unter Denkmalschutz. Eigentlich mal von den Norwegern zum Schutz vor den Schweden gebaut. Später von den Schweden zum Schutz vor den Norwegern genutzt. Sie mögen sich halt, die Skandinavier.
Von Kungälf haben wir nur das kleine Stück gesehen, das in Richtung Festung reicht. Erst zu heiss, jetzt wird es dunkel und wir sind müde. Man kann nicht alles mitnehmen.