Der Kongress tanzt nicht

Auf dem Kullen, oder Kullaberg, versammeln sich alle Tiere, um einen Kongress abzuhalten und sich zu amüsieren. Steht jedenfalls so im Standardwerk über die Geografie Schwedens von Selma Lagerlöf. Besser bekannt unter ¨Nils Holgersons wunderbare Reise mit den Wildgänsen¨.
Der Kullaberg ist ein Gebirgszug, der mit seinem Westende ein Stück ins Kattegatt hinausragt und so eine Halbinsel bildet. Zu Zeiten der Wildgänse ein abgeschiedener Ort, heute ein Naturschutzgebiet. Am Rande des Kullen gibt es zwei Häfen, Arild im Süden und Mölle nördlich. Von Arild sagt das Hafenhandbuch, dass man als Ortsunkundiger nicht hinfahren soll, weil der Hafen klein und flach sei und wenig Platz biete. Von Mölle sagt es, dass es malerisch sei. Somit haben wir Mölle als Ziel gewählt. Wind gut, Stärke und Richtung OK. Zumindest bis vor die Spitze von Kullen. Dann mit Wind genau von hinten Richtung Mölle, was nicht jeder gut verträgt. Die Stützwirkung der Segel entfällt und das Boot rollt dann mehr.
Und Mölle? Vom Malerischen verschwindet leider ein großer Teil, wenn man in den Hafen einfährt und dieser einem überfüllten Campingplatz ähnelt. Vermutlich wollen die alle auf den Kullaberg. Da laufen heute 500 000 Leute pro Jahre rum und die Tiere haben sich vermutlich ein anderes Konferenzzentrum gesucht.

Mölle mit dem Kullaberg

Unseres Bleibens war dort nur kurz. Weiter Richtung Süden kommen noch zwei Häfen, von denen das Handbuch abrät. Der nächste empfohlene heißt Höganäs, der Service dort sei gut, aber es fehle an Charme. Stimmt teilweise. Zwei Klos für hunderte Schiffe und Duzende Wohnmobile ist zwar auch nicht ganz das, was man sich unter gutem Service vorstellt, aber man findet auch in der Urlaubssaison einen Platz.
Besser so, was hilft der malerischste Hafen, wenn man nicht rein kommt.

Die Containerbrücke von Höganäs

Offenbar hat der Welthafen Höganäs mal gemeint, am weltweiten Boom der Containerschifffahrt teilhaben zu können. Jedenfalls gibt es eine Containerkaje. Mit einer Containerbrücke, genau einer. Dieser Service hat die Reedereien wohl nicht überzeugen können. So ist hier auch im Containerhafen Platz.

Halmstad

Die Beschreibung im Begleitheft der Seekarten las sich gut. Der Liegeplatz nahe dem Zentrum von Halmstad wurde als gar lauschig, vor Bäumen und alten Häusern beschrieben. Wollten wir uns man ansehen. Wind war reichlich, von hinten, und wir waren richtig schnell – für unsere Verhältnisse. (Wenn man richtig schnell sein will, ist eine Segelfahrzeug eine sehr ungünstige Wahl. Und je kleiner, desto ungünstiger.)
Halmstad versteckt sich, wie auch andere schwedische Küstenorte, hinter seinem Hafen. Dafür liegt dann der Gästehafen dicht am Ortskern, ist aber doch nicht so malerisch wie die Beschreibung glauben machen will.
Halmstad ist Provinzhauptstadt, etwa dreimal so groß wie Helmstedt 😉 und offenbar stolz auf seine Geschichte, seine Skulpturen, sein Schloss und sein Stadtbild.

Eine der Halmstader Skulpturen

Um 1600 als Festung gegen die Schweden ausgebaut vom dänischen Christian IV. Dem eigentlich politisch glücklosen König, dessen Bauten man von Glückstadt bis hier überall findet, wo mal Dänemark war. Und das war vor C4 eben viel mehr als nach C4. (Die Abkürzung hat er selbst erfunden, steht in Schloß Helsingör an jeder zweiten Wand)
Von der Festung ist noch ein Tor erhalten,und das ganze Befestigen hat ja, wie man sieht, nur Geld gekostet und nichts gebracht. Heute gehört die Stadt trotzdem den Schweden.

Das Festungstor von Halmstad

Das Schloss ist geblieben, auch von C4 und gut erhalten. Die Skulpturen bereichern das Stadtbild wirklich. Nur das Stadtbild selbst begeistert nicht so vollständig. Zumindest Nicht-Schweden nicht. Es gibt zwar einzelne interessante Altbauten, aber sie sind locker über die Innenstadt verstreut, so dass man keine zusammenhängende Bereiche findet. Was eine Besonderheit ausmacht, ist, dass es hier, nach dänischer Tradition, Fachwerkhäuser gibt. Die kommen, soweit wir es gesehen haben, in Schweden eher selten vor. Entweder Holz und Stein, nicht so eine seltsame Zwischenlösung.

Verstreute Altbauten

Und noch ein kleiner, aber ärgerlicher Unfall. Bei der Suche nach einem Standpunkt, von dem aus man das Schloss mit dem alten Segelschiff, aber ohne hässliche Motorboote fotografieren kann, hat der Bordfotograf leider die Kaikante übersehen. Die Fallhöhe auf den davor liegenden Steg war nur etwas kniehoch, hat aber ausgereicht, den Operateur umzuwerfen und die Kamera nachhaltig zu schädigen. Das ist ärgerlich, nachdem er endlich gelernt hatte, sie halbwegs ordentlich zu bedienen. Ab jetzt gibt´s nur noch Handy-Fotos.