Wattwürmer und Pinguine

Bitte Abstand halten!

Ende eines schönen Tages

Wärend wir auf dem Watt kein Problem haben, Abstand zu möglichen Infektionsträgern zu halten, ist das an manchen Bereichen der Touristenorte nur bei sehr weiter Auslegung der Bestimmungen möglich. Das Tragen der Masken bewirkt nicht unbedingt, dass das Krisenbewusstsein aktiviert bleibt. Der Berichtende kann sich da nicht ausnehmen.

Abstand einhalten!

Von einer der Fähren tönt eine Lautsprecherdurchsage übers Watt: ¨ .. und achten sie auf ihren Abstand .. ¨. Auch für die Fähren ist das Abstand halten in der Enge des Fahrwassers nicht ganz einfach.

Zumindest auf dem Watt könnte man die Abstände ja einhalten. Bei manchen Lebensformen geht das aber einfach nicht, z.B. bei Pseudo-Pinguinen.

Pseudo-Pinguine

Wie alle Pinguin-Arten wird er meist in Habitaten beobachtet, für die er nur unzureichend ausgestattet ist.

Schon bei früheren Aufenthalten auf Juist ist mir aufgefallen, dass die Fähren sich mit voller Maschinenleistung durch die Rinne schieben, statt eine Viertelstunde zu warten, bis genug Wasser da ist. Inzwischen hab ich den Verdacht, dass das Absicht ist, um die Rinne frei zu halten. Der Hafen liegt ja an einer Stelle, wo die Natur keinen Hafen will.

Der Skipper hatte gemeint, bei diesem ruhigen Wetter würde der Draggen, also unser ¨Kaffee-Anker¨ ausreichen. Tut er aber nicht.

Dieser Anker ist für diesen Grund nicht geeignet

Zumindest nicht auf diesem festen Grund.

Der feste Untergrund gab aber die Gelegenheit, die Fahrwasserverhältnisse näher zu untersuchen. Ergebnis: Im Nordland-Fahrwasser, der alternativen Zufahrt zum Juister Hafen, kann man bei Niedrigwasser in der Mitte gut stehen. Die Knöchel werden nicht nass.

Nordland-Fahrwasser bei Niedrigwasser

Zweitens kommt es auch oft anders

Aus dem Hafen von Spiekeroog raus mit recht viel Wind. Sollte aus Südwest kommen, kam aber dann doch mehr aus West. Ziel war Norderney, in erster Linie, weil in unserem Sprittank der Pegel schon deutlich gefallen war und wir des Nachschubs bedurften. Und auf Norderney gibt es eine Schiffstankstelle.
Schon nach wenigen Meilen raus aus der winddichten Kleidung, dann aus den nächsten Lagen, und auf dem Baltrumer Wattenhoch waren wir schon beim Segeln im Tshirt angekommen. Wenn´s auf dem Wasser schon so warm ist, wie wird das erst im Hafenkessel von Norderney? Da kommt ja kaum ein Windhauch hin. Also Planänderung, Baltrum statt Norderney.

Ostende Norderney

Neuer Plan für den nächstenTag: Baltrum – Tankstop Norderney – Juist. Der Juister Hafen ist deutlich offener, da kommt ja wohl ein bischen Wind hin.
Die Tanke war natürlich in der Mittagszeit nicht besetzt, also mit dem Kanister vom Tankautomaten, der dann auch noch zickt. ¨Beide Zapfstellen in Gebrauch¨ – vielleicht nicht wörtlich, aber dem Sinne nach. Nur hingen beide Zapfpistolen brav an der Säule. Sabine hat das dann geklärt und wir haben Sprit bekommen. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, wegen des tollen Service nicht mehr auf Norderney zu tanken, nur gibt es so wenig Alternativen.

Rohre verlegen im Watt, quer über´s Fahrwasser

Weiter nach Juist, und dort war der Hafen voll bis auf den letzten Platz. In´s Päckchen direkt neben dem Niedergang zum Steg.
Am nächsten Tag morgens zum Strand, gegen Mittag raus und auf dem Watt vor Anker.

Hafenzufahrt Juist bei Niedrigwasser

In einem der Gebiete, wo man das noch darf und kann. Hier liegen wir jetzt mit ca. 50 cm Wasser unter den Kielen. Vor Heckanker, damit in der Plicht Schatten ist und der Wind von hinten durchs Boot gehen kann. Gegen Abend werden wir hier trockenfallen. Aber dafür ist dieses Boot ja gebaut, ¨she can take the ground¨. Andere fanden die Idee wohl auch nicht so schlecht und liegen jetzt um uns herum. In durchaus höflichem Abstand. Und so viele Boote, wie wir in den Hafen fahren sehen, können da gar nicht unterkommen.

Auf dem Juister Watt
Was ist das denn? Das stand vorhin doch noch nicht hier?
Frechheit!