Contender legen

Das Wetter hat sich etwas geändert: Der Wind kommt jetzt aus Südwest. Weniger ist es aber nicht geworden, im Gegenteil. Die Regenschauer verteilen sich jetzt etwas anders über die Zeit. Alles in allem so, das die normalen Freizeitsegler immer noch im Hafen bleiben und sich landgestützten Tätigkeiten widmen. Z.B. dem dänemarktypischen Krabbenrennen: Es werden Krabben gefangen und auf eine eigens dazu eingerichtete Rennbahn gesetzt, die Richtung Wasser führt. (Die einzelnen Bahnen sind abgetrennt, damit sich die wenig sozialen Tierchen nicht sehen können und aufeinander los gehen.) Dann wird der Start durch heben eines Bretts freigegeben, und wessen Krabbe zuerst ins Wasser fällt, hat gewonnen. Vorzugsweise geeignet für Mitmenschen unter ca. 14.

Direkt neben der Krabben-Rennbahn warten die Bahnmarken für die Regatta auf ihren Einsatz. Hier läuft die Contender-Weltmeisterschaft, für den heutigen Tag sind 3 Wettfahrten geplant. Dank Internet kann man sich ja gut auf dem, einigermaßen, Laufenden halten, auch wenn man für diesen Bootstyp zu alt oder zu ungeschickt oder zu unsportlich ist. (Der Autor fällt leider in alle drei Kategorien)

Bahnmarken vor ihrem Einsatz

Wir gehen mal, mit Regenkleidung und Kamera, zum Molenende. Zum neuen Molenende – der Hafen wurde im letzten Winter modernisiert und vergrößert, und statt wie bisher 2 Einfahrten hat er nur noch eine. Meine elektronische Karte weiß das schon, die aus Papier und die Handbücher wissen es noch nicht. (Manch anderer Segelkamerad schein es auch noch nicht zu wissen.)

Molenkopf Kerteminde mit Kapitänsbank und Hobby-Kommentatoren

Nun die Contender: Bei der Steuermannsbesprechung wurde offenbar etwas von viel Wind und Böen gesagt, den einer der Ersten derer, die die Hafeneinfahrt verließ, rief in uns vertrauter Mundart: „Wo ist denn der Wind, wo sind denn die Böen?“ Nun ja, erstens nahm der Wind noch langsam, aber stetig zu und zweitens war er ablandig. Da kann man sich schon mal verschätzen, lernt aber meistens schnell dazu.

Die Frage wurde recht schnell beantwortet. Ob es überhaupt zu einer Wertung gekommen ist, ist uns bislang nicht bekannt. Laut Reglement werden Contender-Regatten bei mehr als 25 Kn Wind abgebrochen. Røsnæs meldete 29 Kn, für Kerteminde liegen uns keine Messwerte vor. Aber die ersten kamen bereits wieder zurück in den Hafen, als die letzten noch beherzt hinaus fuhren.

Und auch wenn Contender richtig schnell sind, in der gefühlten Zeitspanne können sie eigentlichg nicht bis zur Bahn, eine Wettfahrt und wieder zurück gesegelt sein.

Ferienhaus in Dänemark ?

Wir sind schon wieder, oder immer noch, in Kerteminde und bewegen das Boot nicht. Allerdings sind wir da nicht die einzigen. In den letzten 2 Tagen habe ich genau zwei Bewegungen von Yachten gesehen: Vorgestern ein Paar, dass trotz des Sauwetters eine gecharterte Hallberg klar gemacht hat und abgelegt hat, und gestern eine größere X-Yacht, die unter Motor rein kam, mit drei offensichtlich belastbaren Seglern an Bord, aber ohne Segel. Beim Chartern ist der Leidensdruck natürlich etwas höher: Man hat ja für ein Boot bezahlt und will es auch nutzen. Ob dass immer zu der optimalen Entscheidung führt, sei mal dahin gestellt.

Ansonsten bleiben alle am Steg. Der Wind ist sehr unstet und die Böen sind schon ganz schön ausdrucksvoll und vor allem unvorhersehbar. Von den unlängst beschriebenen Flaggenmasten steht keiner mehr, die hat man alle niedergelegt – sonst stünden sie vermutlich aber auch nicht mehr.

Kerteminde als Ort zum eingeweht sein ist aber gar nicht so übel. Man hat einen sehenswerten alten Ortskern, einen großen Yachthafen mit genügend Liegeplätzen und noch soviel Fischereihafen, dass ein bisschen Ambiente bleibt. In unserem Uralthandbuch (Jan Werner, erste Auflage) steht noch was von öden Betonplätzen und hohen Silos, aber so sieht es hier nicht mehr aus. Der Bootstourismus ist hier wohl zu einem der wichtigeren Wirtschaftszweige geworden. Hier wurden auch jahrelang Folkeboote gebaut und sind weiterhin gut vertreten. (Die „richtigen“, nordischen.)

Z.Z. läuft hier eine Contender-Meisterschaft. Allerdings ist, auf Grund des Wetters, noch nicht klar, ob überhaupt gesegelt werden kann. Contender sind ja nicht unbedingt Boote für offene See bei 8 Windstärken. Da die Hoffnung noch lebt, werden die Boote vermessen, poliert etc. Ein Teilnehmer hat uns heute Morgen erzählt, er fahre jetzt mit dem Bus nach Kopenhagen – eine nachvollziehbare Entscheidung.

Die Bäume sind schief vom Wind, die Masten müssen so sein!