Unsre Fa-ha-ha-hane nicht

„Wir sind schon der Meere so viele gezogen ..“
Über Deutschland tobt Bernd das Tief, und sorgt für Katastrophenmeldungen. Hier kommt nur der Wind an, seit gestern ist es durchgehend sehr windig, aber kaum ein Tropfen Regen ist bislang gefallen. „Eiskalte Winde“ nicht, „rauhes Gesicht“ schon. Raus auf See oder auch nur aufs Watt wollten wir wegen des Starkwinds nicht. Da es auch noch mindestens einen weiteren Tag so bleiben soll, haben wir uns in die friesischen Kanäle verkrochen. Wir entfernen uns von der Zee und fahren übers (Lauwers-)Meer

Nicht, dass wir nicht schon mehrfach dort gewesen wären. Ist aber auch beim n-ten Male immer noch reizvoll.

Das Restaurant am Ende des Universums
Jedes Mal ein kleines bisschen mehr ..

Und bei soviel Wind kann man, zumindest streckenweise sogar auf dem Tief segeln. Wenn auch nur mit Rollgenua, weil es zum Aufschießen zu eng ist und alle paar Kilometer eine bewegliche Brücke liegt, an der es kurze Wartezeiten gibt. Und ohne Aufschießer kriegen wir das Groß nicht runter.

Durchs Lauwersmeer und das Dokkumer Sieltief nach Dokkum. Der Ort, an dem man Bonifazius erschlagen hat.
Obwohl der Schreiber eine gesunde Abneigung gegen religiöse Eiferer und Missionare nicht leugnen kann, hat es letztlich nichts gebracht.

Dokkum

Heute sind die Dokkumer Fremden gegenüber jedenfalls deutlich toleranter und verkaufen ihnen lieber Kaffee, Kuchen und Käse.

Luftschiff

Nach dem recht harmlosen Gewitter eine ruhige Nacht, am nächsten Morgen dann ganz ruhiges Wetter – kaum Wind und diiiesig, wie der Delta-Papa sagen würde. Was an Wind da war, kam auch noch genau aus Norden, so dass wir die ganze Strecke nach Lauwersoog mit „Wind aus dem Tank“ zurückgelegt haben. Dafür konnten wir dann in Lauwersoog wieder „Wind in den Tank“ einfüllen. Den guten, der nicht stinkt und nicht rußt und in dem man keine Antibiotika hinzu fügen muss. Dafür allerdings zusätzliche Euros in die Tankstelle.

Lauwersmeer diiiiiesig

Nach unserer Seepocken-Entfernungs-Aktion lief Martha zwar wieder so schnell, wie sie das sollte und auch kann, allerdings mit einer deutlichen Tendenz nach Backbord. Nach längerer Diskussion haben wir uns entschieden, mal bei einer Werft oder einem Marineservice anzufragen, was es kosten würde, das Schiff aus dem Wasser zu nehmen und wieder hinein zu setzen. Eine Stunde sollte genügen, um schlau zu werden und evt. übersehene Pocken zu entfernen. Die Werft in Zoutkamp konnte das nicht, weil deren Lift zwar große Fischereifahrzeuge, aber keine kleinen Segler heben kann. Der Mast ist im Weg oder die Traverse zu tief, wie man will. Die haben uns aber den Hafen von Lauwersoog empfohlen, dort sei man auf Segler eingestellt. Die konnten das auch und waren zudem vergleichsweise günstig. Wobei wir selbst ja gar keinen Vergleich haben, wir haben das ja noch nie machen lassen. Andere freundliche Wassersportkollegen haben das so gesagt. Grob gerechnet hätte man auch mit 2 – 3 Personen dafür essen gehen können.

Luftschiff, Martha mit Mast schwebend über festem Land

Das Ergebnis war doch recht verblüffend: Ganz offensichtlich hatten wir vor Juist 97.531% der Seepocken entfernt. Das die verbleibenden 2,469 % soviel Unsinn machen können! (Bekanntlich liefern 88.54321 % aller Statistiken nicht die Genauigkeit, die sie vorgeben!)

Der Hafenmeister wird sich auch fragen: „Was wollten die Moffen eigentlich im Travellift?“ Natürlich auf Niederländisch. Na ja, wir wissen jetzt jedenfalls, wie’s unten aussieht.

Für die nächsten Tage sind Gewitterböen und viel Wind angesagt. Wir bleiben noch einen Tag hier und schauen uns an, wie sich das Wetter wirklich entwickelt. Die Wetterberichte ändern sich zur Zeit stündlich, das Wetter auch. Einig sind sie sich nur darin, dass das Böse aus dem Osten kommt. So wie wir hier auch.

Lauwersoog besteht aus zwei Teilen, dem inneren mit Süßwasser, der so gut wie ausschließlich der Freizeitindustrie gewidmet ist, und dem äußeren, der einen ganz wesentlichen Teil der Niederländischen Fischereiflotte beherbergt. Der hat den Charme einer Betonplatte mit Pollern zum Anbinden von Fischereifahrzeugen. Ein paar Fischlokale, die Fähre nach Schiermonnikoog, ein Ausrüster und viele Fisch verarbeitende Betriebe. Und dann gibt’s noch die Schleuse „Robbengat“ und in der Nähe die Entwässerungsschleusen des Lauwersmeers.