Weil wir Anholt so schön fanden, haben wir uns dort noch einen Tag gegönnt. Den dann allerdings überwiegend lesend unter Deck verbracht. Anholt ist natürlich auch schön, wenn es regnet. Aber da man ja anerkanntermaßen nass wird, wenn es regnt, und man dann die Sachen unter Deck schlecht wieder trocken bekommt, habe wir das Ende des Regens lieber abgewartet. Und sind daher erst am späten Nachmittag hervor gekrochen gekommen. Hat dann nur noch für einen Gang am Weststrand – diese Insel hat eigentlich auf allen Seiten Strände – bis zum Südberg gereicht. (Anmerkung der Lektorin: Wir waren 3/4 hoch!) Und da hinauf hat dann die Kombination von Lust, Schuhwerk und Motivation nicht mehr gereicht. Ein „Berg“ ist ja auch für uns Flachländler eigentlich genug!
Heute also zur anderen Seite, zur schwedischen. Ganz undramatisch, alles unter Segeln und ohne Kreuzen.
Auf dieser Strecke, Anholt – Varberg, merkt man schon an der Landschaft, wo man ist: Anholt Sand, Varberg Felsen. Mit Leuchttürmen, Stugas (Schwedisch für Wochenendhaus ohne Strom und mit Plumsklo) und der zugehörigen rustikalen Infrastruktur.

Eben so, wie es in einem Reiseprospekt über Schweden auch stehen würde. (Das mit dem Klo steht natürlich nicht drin.)
Wenn man auf Varberg zufährt, fällt vor allem die Festung auf. Im 14. Jahrhundert gegründet, und um 1830 „aus der Liste der königlichen befestigten Orte gestrichen“. Was hieß, man durfte die Steine als Baumaterial anderweitig verwenden. Tatsächlich ist die Feste im Verhältnis zum Ort so groß, dass gar nicht auffällt, dass da etwas fehlt. Auch nachdem einiges davon Hafenmole geworden ist, ist immer noch reichlich Festung da. Und heute leben sie in friedlicher Koexistenz, der Hafen und die Festung.

Wärend dieser Bericht zu Bildschirm gebracht wird, geht draussen gerade die Welt unter. Was wir morgen machen werden, ist vom Zustand der Atmosphäre abhängig. Und der ist im Moment hochgradig instabil – blitz, donner, schütt.
Monat: Juni 2016
Eine Insel mit zwei Bergen ..
.. und dem weiten blauen Meer.
Ohne Tunnel, ohne Geleise, ohne Eisenbahnverkehr …
Das Wetter hat nicht nur nicht gehalten, was der Wetterbericht am Sonntag Morgen versprochen hat, es war sogar noch gruseliger als es der Wetterbericht vom Sonntag Abend vorhergesagt hatte. Den Montag haben wir überwiegend an Bord verbracht, gelesen, in den Regenpausen mal auf die Hafenmole geschaut. Mehr war nicht drin: Kalt, Regen, viel zu viel Wind zum Segeln. Sogar ein Fischerboot hat Schutz im Hafen gesucht, und die sind ja sonst schon hart im Nehmen.
Heute dann nur noch 4 Bft aus West, ab nach Anholt. Zwischen Grenaa und Anholt liegt der größte Offshore-Windpark Dänemarks und einer der größten überhaupt. Aus den Karten (1 mal Papier, 2 mal elektronisch) ging nur hervor, dass man da nicht ankern und keine Dinge über den Boden schleifen lassen darf. Daraus haben wir geschlossen, das man hindurch fahren darf. Ob sich das nun gelohnt hat, ist eine andere Frage, vielleich wären wir außen herum mit ungestörtem Windfeld auch nicht länger unterwegs gewesen.
Die einschlägigen Handbücher – wir haben natürlich nur einschlägige an Bord, andere kennen wir gar nicht – schlagen alle einhellig vor, auf Anholt früh anzukommen, da der Hafen oft überfüllt sei. Was einleuchtet, schließlich liegt die Insel so schön zentral in der Mitte des Kattegats, dass man hier einfach einlaufen muss. Außerdem soll Anholt landschaftlich sehr schön sein.

Nun sind wir hier. Erstens: Anholt ist nicht überlaufen. Jedenfalls jetzt nicht, außerhalb der Ferien.
Zweitens: Die Insel ist sehr schön. Es gibt einen hohen Teil, dessen höchsten Punkte von den Eingeborenen Nordberg und Südberg genannt werden. Und es gibt einen niedrigen Teil, der hier unter ¨Wüste¨ läuft. Diese Wüste soll entstanden sein, weil im Laufe der Anholter Geschichte alle Bäume verbraucht wurden, um ein Warnfeuer für die Seefahrt zu unterhalten. Brennendes Holz als Lichtquelle hat ja nun auch wirklich keinen besonders guten Wirkungsgrad.
Heute leben die Anholter, es gibt ihrer nur etwas mehr als 160, im Wesentlichen vom Tourismus. Und das zu Recht, denn die Landschaft, die Vegetation und die langen Strände sind schon etwas besonderes.
Anholt sei jedem Segler empfohlen, vorzugsweise außerhalb der dänischen und schwedischen Ferienzeit – es ist von hier aus nach Schweden kaum weiter als nach Dänemark.
Wir werden wohl einen zusätzlichen Anholt-Tag einlegen, schießlich kommt man nicht so oft hierher.