Gilleleje

In Odden nachts Nordwind, und davon nicht zu wenig. Was bei der Hälfte der Besatzung Beschwerden verursachte, die morgens erstmal überwunden werden mussten. Danach dann ein halbwegs normaler Tagesbeginn. (Sabine sagt: um halb drei). Den Rest dieses Tages haben wir dann in Odden verbracht und anderen beim rausfahren zugesehen. Einer ist gleich wieder zurück gekommen, kluger Weise. (Gar nicht erst raus zu fahren wäre evt. noch klüger gewesen.)

Nächster Tag: Der Wind hatte von Nord auf West gedreht und abgenommen. Dadurch wurde es im Hafen ruhiger, allerdings hatten wir ihn, den Wind, jetzt auf unserem weiteren Weg nach Osten genau von hinten. Der Segler weiß natürlich: Da ist man/frau/boot erstens langsam und zweitens schaukelt’s. Seeemännisch korrekt: Das Boot rollt. Weil die stützende Wirkung der Segel wegfällt. Da auch noch die Welle von letzter Nacht lief, waren wir heftig in Bewegung, was das Rollen anging, und weil der Wind von hinten kam, eher gedämpft, was das Strecke machen anging. Mit etwa 4,3 Knoten und des öfteren mal schlagenden Segeln in 7 3/4 Stunden von Odden nach Gilleleje. Aber mit Sonne!

Gilleleje (sprich Gillaj) liegt da, wo Sjælland am weitesten nach Norden reicht. Wenn ich der elektronischen Seekarte vertrauen darf, ist die Spitze der Hafenmole der nördlichste Punkt Sjællands. Der Ort lebt von Fischerei, vom Tourismus, vom Schiffbau und offensichtlich auch von Geld, das anderswo verdient wird. Ähnlich, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in Dragør, fallen hier mit offensichtlich viel Geld schön gemachte traditionelle Häuser auf.

Die Mischung von Werften, Fischerei und Yachten gibt dem Ort ein eigenes Flair, was offenbar erfolgreich sowohl Touristen zu Lande und zu Wasser als auch Grundstückskäufer anzieht. (Kopenhagen ist ja auch nicht weit und es gibt eine Bahnvebindung. Helsingør ist fast schon um die Ecke.)

Auf der Werft waren einige ungewöhnliche „Projekte“ zu sehen, die hier aber professionell angegangen werden. Der Begriff „Projekt“ steht bei uns sonst mehr für Schwimmteile, an denen viel gearbeitet wird oder werden müsste, die aber nicht so wirken, als würden sie jemals fertig. Hier gibt’s da noch Hoffnung, hier arbeiten Profis dran. Ob das nun Lösungen irgend eines Problems sein werden, sei dahingestellt. Schafft jedenfalls Arbeitsplätze.

Das Wetter hat sich so entwickelt, dass wir beschlossen haben, den heutigen Tag lieber bei Nieselregen in Gilleleje als auf dem Wasser zu verbringen.

Für die nächsten Tagen ist dann viel Westwind angesagt, da werden wir uns dann von der etwas exponierten Nordküste in den Öresund verkriechen. Wohin, wissen wir noch nicht, da gibt’s ja so alle 5 Meilen einen kleinen Hafen.

Sjællands Odde

Noch mehrere Tagen in Norsminde, verbracht mit Krebse fangen (und wieder freilassen), am Strand herum laufen etc..

Kurzes Segeln vor Nordminde mit Anna und Tom. Da sah man mal, wer wohin sieht: Die Regattaseglerin Anna gefühlte 70% der Zeit auf die Trimmfäden, der Eigener – äh, ja auch manchmal, doch eher sporadisch. Allerdings tut es beim Fahrtensegeln ja auch nicht weh, wenn man mal 2,3 Sekunden verschenkt.

Mit dem Boot zur Egå Marina. Wenig Wind, zwei Enkelkinder an Bord. Die letzten Meilen so gut wie ohne Wind, dafür mit Enkelkind auf dem Vordeck. Das andere im bootstypschen Halbschlaf.

Egå liegt etwas nördlich von Aarhus1. Es gibt dort Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf und auch Yachtausrüstung. Wir sind auf Egå gekommen, weil es anscheinend der einzige Ort in und bei Aarhus ist, wo wir Ersatz für die Gaspatrone der Rettungsweste bekommen haben, die der Skipper versehentlich ausgelöst hat. Nicht das erste Mal, aber immer wieder ärgerlich.

Die Marina von Egaa, äh Egå, erwies sich als groß, nüchtern, mit allem nötigen ausgestattet, aber langweilig. Offensichtlich kein Ziel für herumirrende Gastsegler. Zumindest im Kontrast: Wenn man, wie wir, mit dem Bus von der engen Marina Marelisborg in Aarhus kommt, wirkt Egå gar nicht  so schlecht. Wenn man mit dem Boot aus dem schönen Norsminde kommt, eben ein Parkplatz für Boote.

Also zurück nach Norsminde. Zitat: „Das ist, wie wenn man nach Hause kommt.“ Wir werden Nosminde in die kurze Liste userer Liebingshäfen aufnehmen, haben es  aber versäumt das auch in’s Gästebuch zu schreiben. Liebe Norsminder, wir bitten um Entschuldigung.

Opa’s Geburtstag. Im Ballon Bremer Luft aus Grolland.

Nach Opas Geburtstag Abfahrt der Kinder samt Eltern zum nächsten Geburtstag nach Årø. Und Abfahrt der Standard-Martha-Crew Richung Ost, Ziel Sjællands Odde.

Sjællands Odde ist eine lange, schmale Halbinsel, die von Sjælland aus etwa 15 km ins Kattegat recht, aber teils nur ein paar hundert Meter breit ist. In der Verlängerung gibt es unter Wasser noch Sjællands Rev mit dem Leuchtturm Sjællands Rev auf der Spitze, der vor Sjællands Rev warnt. Und ein Stück davor noch den wesentlich markanteren  Leuchtturm Sjællands Rev Nord, der dann von Sjællands Rev (Riff) und damit auch vor Sjællands Rev (Turm) warnt.

Damit Kleinfahrzeuge wie das unsere nicht den ganzen langen Weg um Sjællands Rev nehmen müssen, hat die Natur auf etwa einem Drittel der Strecke von Sjællands Odde (Gniben) bis Sjællands Rev (Turm) ein Loch gelassen. Und die dänische Wasserstraßenverwaltung zwei Tonnen gesetzt. Eine grüne auf der NW-Seite, die man an Backbord und eine rote auf der SE-Seite, die man an Steuerbord lassen muss. (Dass entspricht so zwar nicht der Erwartungshaltung des mitteleuropäischen Seglers, der gelernt hat, dass Fahrwasser A: Richtung Hafen, B: von West nach Ost, C: von Nord nach Süd betonnt werden, ist aber trotzdem außerordenlich hilfreich. Übrigens gibt es die „dänische Betonnung“ z.B. auch am Langelands-Rev, wo sie uns genauso verwirrt hat.)

Das Loch im Rev heißt Snekkeløb, warum auch immer, hat eine garantierte Wassertiefe von 3,8 m und da durch sind wir in den Hafen auf der Odde gelangt, der auch Odde heißt.

Soweit man das als durchreisender Bootstourist erkennen kann, lebt Odde  (Ort und Hafen)
A: Vom Fischfang. Es gibt hier noch etliche funktionsfähige Fischereifahrzeuge und auch etliche andere, die den ganzen hinteren Teil des Hafens einnehmen.
B: Im Sommer vom Tourismus, insbesondere von mehreren fischlastigen Restaurants.
C: Vom Holzbootsbau. Es gibt hier eine Werft, die hölzerne Kutter repariert und auch den Neubau von Holzbooten anbietet.
D: Vom Lotsenwesen. Es sind hier mehrere Lotsenboote stationiert. Allerdings fahren die so selten raus und rein, dass das wohl nicht die einzige Lotsenstation in dieser Gegend sein kann.

Alles zusammen gibt Ort und Hafen ein durchaus ansprechendes Ambiete: Genug Infrastruktur, um sich zu versorgen, aber eben nicht nur Touristenort (mit solchen Leute wie uns, die nichts zum Bruttosozialprodukt beitragen)

Im Moment liegen wir im Hafen von Sj Odde (hier oft gesehene Abkürzung) fest, weil draußen die Verlängerung des Wetters stattfindet, das gestern die EM-Spiele in Deutschland unterbrochen hat. Es regnet anhaltend, wenn auch nicht so ergiebig, wie es er Wetterbericht vorhergesagt hat. Und im Hafen seht ein leichter Schwell, der Sabine leider gar nicht bekommt.


  1. Die Stadt Aarhus hat freundlicherweise entschieden, dass man sie mit „Aa“ schreibt, was dem Nicht-Eigner einer dænischen Tastatur sehr entgegen kommt! Die machen mich irre mit ihren ø’s und å’s (Asterix). Und æ’s! ↩︎