Rüber gemacht

Nach so viel Glowe wollten wir mal wieder weiter. Und da der schwierigste Teil unser Ostsee-Unternehmungen per Boot eigentlich immer das Stück aus der Elbe in die Weser ist, war und ist Mitte Juli die Zeit, zu der man anfangen muss, an den Rückweg zu denken. Wir haben schon des öfteren mehr Zeit in Cuxhaven verbracht als wir wollten, weil das Wetter nicht das machen wollte, was wir wollten.

Also langsam die Rückreise einleiten. Wettervorhersage: ein Tag schwachwindig, dann Südwest bis West und davon genug. Wenn man nach Westen will, ist Westwind minder praktisch. Der nächste sinnvolle Hafen an der deutschen Ostseeküste wäre Prerow, da waren wir vor kurzem schon und es liegt genau in Windrichtung. Alternative wäre Klintholm auf Mön, ist genauso weit, kann man aber anliegen, zumindest, wenn der Wind sich an die Vorhersage hält und man den Startpunkt ein bisschen nach Westen verlegt.

Wir haben also den schwachwindigen Tag genutzt, um auf die Westseite Rügens zu kommen. Wobei uns ein Regenschauer zwar verfolgt, aber nicht eingeholt hat.

Holt es uns ein?
Nein!

Schaprode: Klein, der Ortskern malerisch, der Hafen nett. Der Hafen für alle Fahrgastschiffe, die nach Hiddensee gehen, egal in welchen Hafen dort.

NG und ünG haben uns noch für ein Abschiedsessen besucht und sind dann gleich noch ein bisschen in Schaprode geblieben.

Von Schaprode nach Mön. Leider fast die Hälfte der Strecke unter Motor, weil der Wind kaum wahrnehmbar war. Dann aber, und wie. Und zum Schluss so, dass wir kreuzen mussten und die letzten Meilen nochmal den Motor dazugenommenn haben. Gegen Starkwind anzukreuzen, wenn man das Ziel schon vor Augen hat, macht weniger Spass. Und wir sind ein wenig entschuldigt: Die anderen haben es auch so gemacht.

Der Hafen von Klintholm ist so eine Art Drehscheibe für Sportboote. Ob man nach Kopenhagen, Südschweden oder Rügen will oder von dort kommt, Klintholm liegt immer günstig. Daher ist hier immer viel Betrieb. Auch wenn die ganze Anlage schon etwas in die Jahre gekommen ist und den Charme der 60er Jahre versprüht, die Leute kommen trotzdem.


Klintholm und damit auch der Hafen liegt im Gebiet der Gemeinde Vordingborg, obwohl Vordingborg, zumindest auf dem Wasserweg, ganz schön weit weg ist. Und der Hafen gehört der Gemeide. Die hat sich, vermutlich zur Belebung der nach Corona etwas nachgelassenen Tourismuswirtschaft, etwas ausgedacht: Wenn man drei Übernachtungen in den Häfen von Vordingborg bucht, muss man nur zwei bezahlen.

Das hat uns veranlasst, Hårbølle aufzusuchen. Eine Idee, auf die wir sonst wohl kaum gekommen wären. Der Hafen ist klein, aber nett. Teils auch nicht sehr tief, aber für uns mit unserem Nordseeschiff reichts allemal. Die Umgebung ist reizvoll, man kann ein kleines Stück nach Westen und ein größeres nach Osten direkt am Wasser entlang gehen.

Mit dem Revier vertraute Wassersportler erinnern sich wahrscheinlich an einen aufgegebenen Industriebetrieb, vorn rechts, wenn man von Osten in den Grønsund einfährt. Da kommt man hin, wenn man nach Osten läuft. Das, was heute auf Neu-/Dummdeutsch „Lost Place“ heißt.

Hier wurden anscheinend (oder offensichtlich) wohl mal Feuersteine (= Flint) verschifft. Wie man leicht sieht, steht die Ruine auch auf einem Strandwall, der fast ausschließlicu aus Flint besteht. Flüchtige Recherchen haben dem Autor nicht offenbart, wofür man im 19. oder 20. Jahrhundert wohl Feuersteine so dringend benötigt hat, dass man sie in großen Mengen kaufen musste. Abgesehen von der Fassadengestaltung auf der großen Insel zwischen Nordsee und Atlantik, aber die haben davon selbst mehr als genug. In Mittel- und Nordeuropa ist das Material wohl mit dem Ende der Jungsteinzeit mehr oder minder aus der Mode gekommen. Vermutlich ist die Firma Daneflint darum heute auch nicht mehr so richtig im Geschäft. (Wollte jemand wissen, was man mit Feuersteinen macht, bitte in den Kommentar schreiben. Feuer jedenfalls nicht, das Zeug heißt nur so und ist eine Cer/Eisen-Legierung.)

Im weit verbreiteten Kartenprogramm für Mobiltelefone steht an dieser Stelle übrigens „Kyst Batteri“. Was arglose Kommentatoren dazu veranlasst hat, die Ruine als Küstenbatterie zu kommentieren. Man muss aber mal 50 m weiter gehen und 5 m auf die nächste Düne/den nächsten Kugelfang steigen, um die Batterie zu sehen. Oder zumindest das bisschen, das man sehen kann ohne militärisches Gelände zu betreten. (Vor wem sollte die schützen? Böse Preussen, böse Schweden? Wir wissen es nicht.)

Von unten rauf

Das Wetter war nach wie vor so, das es die Besatzung nicht allzusehr aufs Wasser zog. Wellenhöhen von 1.6 Meter waren vorhergesagt, bei abnehmendem Wind. Das sind dann nur bedinget magenfreundliche Verhälnisse und wir stehen ja noch nicht unter Zeitdruck. Also ein Ausflug mit der nG und der ünG, und damit unter fachkundiger Führung, zum Kap Arkona in dessen Hinterland und noch ein bisschen weiter nach Dranske. NG und ünG kennen sich hier aus, weil sie schon mehrfach hier geurlaubt haben.

So sind wir von Süden, direkt am Wasser entlang, zum Kap. Ein Weg, den wir wahrscheinlich nicht gefunden und auch gar nicht gesucht hätten, der sich aber auf jeden Fall gelohnt hat.

Oben auf dem Kap einer der allseits beliebten pseudo-mittelalterlichen Märkte, wo man in malerischer, aber unauthentischer Kleidung allen möglichen Unfug an die Touristen, vorzugsweise solche mit Kindern, verkaufen kann. Wir konnten dem entkommen.

Im Dorf Vitt (sprich Fitt), dort, wo man den Strand, wenn man den schmalen Streifen unterhalb des Kliffs denn so nennen kann, erreichet, gab es offenbar früher Hausmarken. Das sind kryptische Zeichen, mit denen die Bewohner einst ihr Eigentum gekennzeichnet haben. Lesen und Schreiben waren ja früher weniger verbreitet.

Hausmarken im Fischerdorf Vitt (Rügen)

Auf Hiddensee gibts den Ort Vitte (sprich Fitte). Und dort gibt’s das auch.

Zurück ins Hinterland.

Die faulen Erwachsenen sind dann noch mit dem Auto nach Dranske, die Kinder und der fleißige Erwachsene mit dem Fahrrad. Was schon eine beachtliche Stecke war.

Abends waren alle ziemlich geschafft. Die einen zu Recht, die anderen auch.