Ganz normal

Giselaukanal raus, bis Holtenau. Subjektiv endlos, objektiv 1 1/2 Stunden warten, und dann, endlich unter Segeln, bis Strande. Eigentlich nichts berichtenswertes, wären da nicht immer wieder die ganz besonderen Mitmenschen: Vor der Schleuse vordrängeln, in der Schleuse – Neue Nord Holtenau, riesengroß – gleich vorn Fahrt weg, und alle Nachfolgenden dadurch behindern, und dann beim Festmachen Hafenkino vom Feinsten.

Muss auch mal erwähnt werden: Die Schleuser haben dann einen Frachter warten lassen, damit wir von der Freizeitfraktion auch mal dran kommen. Der gute Wille ist da, nur die Verhältnisse, die sind nicht so!

Und Abends noch Feuerwerk am Hafen.

 

Columbus heute, oder Früh übt sich, was ein Segler werden will.

Alle Termine abgearbeitet, Handoperationen, Zähne ziehen und so. Wetter wieder handhabbar, keine tieffliegenden Äste oder ähnliches mehr. Wir können los. Kindergeburtstag der Enkelin hat sich sowieso erledigt, die glücklichen Eltern sind mit Kind nach Spiekeroog, um Regatta zu segeln. Was aber aufgrund der Windverhältnisse ausgefallen ist, so’n 470er ist halt auch nur bedingt sturm- und hochseefest. Die jüngere Generation ist also auf dem Weg von Spiekeroog in die Weser, wir auf dem Weg von Bremen in Richtung Nord- und Ostsee. In Bremerhaven wollen wir uns treffen.
Abfahrt von der Ochtum bei Südwest 4-5. Kann man also schön segeln. So bis Vegesack, also etwa 2 Meilen. Dann müsste man kreuzen. Was zwar möglich ist, aber nicht unbedingt empfehlenswert, wenn man zu Niedrigwasser in Bremerhaven ankommen möchte. Also Motor an und bis Farge. Dort scheinbarer Wind nicht brauchbar. Für Nichtsegler: Ein brauchbarer scheinbarer Wind ist etwas ganz anderes als ein scheinbar brauchbarer Wind. Scheinbarer Wind ist der, den man auf dem fahrenden Schiff fühlt und/oder misst. Und danach bemisst sich, ob man segeln kann oder nicht.
Also kein brauchbarer scheinbarer Wind, und Motor bleibt an. Trotz aller Versuche, segeln geht bis Bremerhaven nicht, nicht nur scheinbar nicht, auch wirklich nicht.
Die Kinder sind schon da, das Enkelkind hat seine sprachlichen Möglichkeiten erheblich erweitert innerhalb der letzten Woche. Und bewegt sich an Bord erstaunlich sicher. Früh übt sich, was eine gute Seefrau (gibt es das Wort?) werden will.

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Am nächsten Morgen (Donnerstag) trennen wir uns wieder: Die jüngeren Leute Weser aufwärts mit auflaufendem Wasser. Wir warten noch bis nach Hochwasser wegen des Tidenstroms.
Nachdem Anna, Tom und Jonna Richtung Elsfleth/Bremen verlassen haben, kommt ein erstens ungewöhnliches, zweitens spanisches Schiff auf die Schleuse zu: Offenbar ein Nachbau der Santa Maria.
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Der Begriff Columbus-Center bekommt da gleich eine andere Bedeutung.
Abfahrt Richtung Elbe. Plan A: Mit ablaufendem Wasser durch den Wurster Arm bis zur Robinsbalje, dann die hoch ins Paddingsbüttler Tief. Dort die Nacht über Ankern – eine der wenigen Stellen, wo es noch nicht verboten ist – und morgen mit dem Mittagshochwasser über das Salenburger Watt zur Elbe. Unsere Variante des Elbe-Weser-Wattfahrwassers. Die “offizielle” Version durchs Bakenloch geht für uns nicht, weil, wenn wir mit ablaufendem Wasser in Bremerhaven starten ist dort schon nicht mehr genug Wasser, wenn wir ankommen. Ginge also nur an Tagen, an denen es sehr lange hell ist (trifft zur Zeit zu) und morgens und abends Hochwasser ist (trifft zur Zeit nicht zu).
Wettervorhersage 1: Umlaufend 1 – schlecht zum Segel, gut zum Ankern.
Unterwegs dann Wettervorhersage 2: Umlaufend 1, später Süd bis Südwest 4 – Immer noch schlecht zum Segeln, und nicht mehr gut zum Ankern dort, wo man bei Hochwasser wenig Schutz hat.
Wettervorhersage 3: Uml. 1, später Süd bis Südwest 4 -5
Wettervorhersage 4: wie 3, plus Böen 6 – Das ist es dann gar nicht mehr zum Ankern im Watt.
Also durch bis Cuxhaven. 8 Stunden unter Motor. Schnell, aber laut und öde. Bilanz: In 2 Tagen 2 Meilen gesegelt und so um die 80 unter Motor gefahren. Na ja, hm.
Freitag: Wunderbarer Segelwind, wenigstens von Cuxhaven bis Brunsbüttel. Auf dem NOK/Nordostseekanal/Kiel-Canal darf man sowieso nicht segeln. Man darf so tun, aber der Motor muss immer mitlaufen, it’s the law.
Nun sind wir im Giselau-Kanal, vor der zur Zeit funktionslosen Giselau-Schleuse. An den Stegen ist noch der eine oder andere Platz frei – genau genommen fast jeder. Waren nochmal 4 Stunden Ratatata, nu’ reichts auch mal fürs erste.
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Sehr ruhig hier, in der Ferne die Geräusche der Schiffe auf dem Kanal. Zu Fuß zur Eider. Idylle leicht getrübt durch geruchsintensive landwirtschaftliche Arbeiten. Mir würde das Gülle fahren ja stinken, aber wahrscheinlich riecht man das irgendwann selber nicht mehr. Und Geld stinkt ja bekanntlich sowieso nicht. Kommt Gülle eingentlich von Geld/Gold ?

Murphys Gesetz

So schwer wie dieses Jahr haben wir uns noch nie getan, aus dem Heimathafen zu kommen. Erst musste sich Sabine an der Hand operieren lassen. Dann der Kabelbrand. Dann wollten wir noch den Geburtstag des Enkelkindes mitfeiern. Die glücklichen Eltern sind mit dem Kind nach Spiekeroog, auch um dort zu segeln. Wir sind zu Hause. Das Wetter ist so dass man nicht unbedingt segeln muss: 6-7 Bft aus Nordwest, Wellenhöhe in der Deutschen Bucht bis zu 4 Metern. Ein halbwegs zurechnungsfähiger Mensch kommt also mit dem Boot gar nicht nach Spiekeroog. Vermutlich wird auch bei Spiekeroog nicht allzu viel gesegelt. Zu allem Ärger hab` ich mir auch noch einen Zahn abgebrochen – ja gut, mit dem war sowieso nicht mehr viel los.

Sollten sich die Trümmer ¨zeitnah¨ entfernen lassen, und sollte sich das Wetter bessern, dann ist jetzt Mittagshochwasser in Bremerhaven. Also die ungünstigste Tide, um von der Weser in die Elbe zu kommen. Entweder im Dunkeln raus oder im Dunkeln rein. Und im Dunkeln raus heißt natürlich auch, in aller Frühe im Dunklen aufstehen zu müssen.

Whenever something can go wrong, it will.
It did.

Segeln ist ja so vielseitig, Teil 3

Jetzt ist wirklich Frühling. Warm, etwa 25 Grad, Südostwind. Tide stimmt, am Freitag am späten Nachmittag, am Sonntag am frühen Abend Hochwasser. Rentner könnten ja die ganze Woche Zeit haben, haben sie aber nicht. Weil Ehrenämter, Enkelkinder, Hobbies und ab und an auch andere Termine immer wieder den Tagesablauf stören.

Freitag Nachmittags: Noch Sachen einräumen. Klare Rollenverteilung, ich schleppe ran, Sabine staut. Angeblich geht dieses Jahr weniger rein ins Boot als letztes Jahr. Was mich nicht ganz überzeugt.
Freitags, später Nachmittag. Wasser läuft ab, Einräumen ist fertig, zumindest soweit, wie es die mitgebrachten Utensilien betrifft. Kann also los gehen. Eine Spring schon mal weg, Motor an. Piept. Da man im Freien die Kontrolllämpchen kaum sieht, wenn die Sonne scheint, hat das Motorpanel klugerweise eine Hupe, die ertönt, wenn irgendwas nicht in Ordung zu sein scheint.
Noch kein Öldruck? Etwas Gas. Piept wieder. Riecht brenzlig. Motor aus. Rauch kommt unter dem Backskistendeckel hervor. Vorsichtiges Öffnen des Deckels: Viel Rauch. Motor aus, Skipper runter. Feuerlöscher in die Hand, den großen, Motorklappe etwas auf. Viel Rauch, viel Gestank. Wieder zu. Etwas warten, nochmal auf. Wird weniger. Keine Flammen, nur viel Rauch und Gestank.
Betten raus – da liegen die Batterien drunter, und Batteriekabel abgenommen.
Nach kurzem Warten: Inspektion des Motorraums. Zwei Kabel, Plus-Seite zur Funke und zum Solarpanel verkokelt. Und einige Meter Kupfer, die ich zwar mitgekauft, aber nie verstanden hatte. Viel Dreck, viel blankes Kupfer.
Die genaue Ursache wissen wir nicht, aber die Elektrik in unserem Motorraum ist jetzt deutlich übersichtlicher geworden. und die Übersicht über den Sinn und Zweck der diversen Leitungen deutlich besser.
Das Wochenende war dann eines am Steg, und bis Sonnabend Abend mit emsigem Tun gefüllt.
Aber besser hier als unterwegs. Und am Freitag, so das man am Sonnabend noch ein paar zehn Meter Kabel und andere Kleinteile kaufen konnte.
Die Anzahl der Sicherungen, die schon vor dem ¨Hauptschaltkasten¨ liegen, hat dabei übrigens deutlich zugenommen. Und weitere sind in Planung, aber da muss ich noch Fremdleistungen in Anspruch nehmen. Die Auswahl an Bordwerkzeug ist halt begrenzt.

Segeln ist ja so vielseitig.

Bilder von dem ganzen Drama gibt es natürlich nicht. Wenn`s brennt brennen einem andere Dinge auf den Nägeln.

Verschmorte Leitung, ehemals rot
Verschmorte Leitung, ehemals rot

Meteorologischer Frühling, Teil 2

Als Student hatte ich mal einen Kommilitonen, der die These vertrat, dass Gegenden jenseits des 50. Breitengrades nicht nur für den Weinbau, sondern auch für die Besiedlung im Allgemeinen nicht geeignet seien. Er kam aus Venezuela und hatte einen ungarischen Namen.

Manchmal glaube ich, er hatte recht. Heute zum Beispiel.

April an der Ochtum, ..
April an der Ochtum, ..
.. kurz vor dem Ansegeln.
.. kurz vor dem Ansegeln.