Segeln ist ja so vielseitig, Teil 3

Jetzt ist wirklich Frühling. Warm, etwa 25 Grad, Südostwind. Tide stimmt, am Freitag am späten Nachmittag, am Sonntag am frühen Abend Hochwasser. Rentner könnten ja die ganze Woche Zeit haben, haben sie aber nicht. Weil Ehrenämter, Enkelkinder, Hobbies und ab und an auch andere Termine immer wieder den Tagesablauf stören.

Freitag Nachmittags: Noch Sachen einräumen. Klare Rollenverteilung, ich schleppe ran, Sabine staut. Angeblich geht dieses Jahr weniger rein ins Boot als letztes Jahr. Was mich nicht ganz überzeugt.
Freitags, später Nachmittag. Wasser läuft ab, Einräumen ist fertig, zumindest soweit, wie es die mitgebrachten Utensilien betrifft. Kann also los gehen. Eine Spring schon mal weg, Motor an. Piept. Da man im Freien die Kontrolllämpchen kaum sieht, wenn die Sonne scheint, hat das Motorpanel klugerweise eine Hupe, die ertönt, wenn irgendwas nicht in Ordung zu sein scheint.
Noch kein Öldruck? Etwas Gas. Piept wieder. Riecht brenzlig. Motor aus. Rauch kommt unter dem Backskistendeckel hervor. Vorsichtiges Öffnen des Deckels: Viel Rauch. Motor aus, Skipper runter. Feuerlöscher in die Hand, den großen, Motorklappe etwas auf. Viel Rauch, viel Gestank. Wieder zu. Etwas warten, nochmal auf. Wird weniger. Keine Flammen, nur viel Rauch und Gestank.
Betten raus – da liegen die Batterien drunter, und Batteriekabel abgenommen.
Nach kurzem Warten: Inspektion des Motorraums. Zwei Kabel, Plus-Seite zur Funke und zum Solarpanel verkokelt. Und einige Meter Kupfer, die ich zwar mitgekauft, aber nie verstanden hatte. Viel Dreck, viel blankes Kupfer.
Die genaue Ursache wissen wir nicht, aber die Elektrik in unserem Motorraum ist jetzt deutlich übersichtlicher geworden. und die Übersicht über den Sinn und Zweck der diversen Leitungen deutlich besser.
Das Wochenende war dann eines am Steg, und bis Sonnabend Abend mit emsigem Tun gefüllt.
Aber besser hier als unterwegs. Und am Freitag, so das man am Sonnabend noch ein paar zehn Meter Kabel und andere Kleinteile kaufen konnte.
Die Anzahl der Sicherungen, die schon vor dem ¨Hauptschaltkasten¨ liegen, hat dabei übrigens deutlich zugenommen. Und weitere sind in Planung, aber da muss ich noch Fremdleistungen in Anspruch nehmen. Die Auswahl an Bordwerkzeug ist halt begrenzt.

Segeln ist ja so vielseitig.

Bilder von dem ganzen Drama gibt es natürlich nicht. Wenn`s brennt brennen einem andere Dinge auf den Nägeln.

Verschmorte Leitung, ehemals rot
Verschmorte Leitung, ehemals rot

Segeln ist ja so vielseitig, Teil 2

Winterlager ist die Zeit, in der man das abarbeitet, was man im Sommer in seine Listen „Muss repariert werden“, „Geht bald kaputt“, „Braucht Wartung“ , „Hat mir so noch nie gefallen“ oder „Sollte man mal ändern“ geschrieben hat. Was leider im Umkehrschluss bedeutet, das alles, was nicht in obigen Listen steht, eben nicht gemacht wird.

Gegen Ende der letzten Saison kam der begründete Verdacht auf, das unser Solarpanel nicht mehr arbeitet, und sicherheitshalber habe ich es abgeklemmt, um nicht die Batterie über ein defektes Gerät zu entladen. Und dann leider das Ganze vergessen. Erst kurz bevor das Boot ins Wasser gehen sollte,  fiel die lose Leitung auf.

Nun gibt es an einem Solarpaneel ja nicht gar so sehr viele Bauteile. Nur, man kommt nicht ran. Es sollte ja alles witterungsfest versiegelt sein.  Sollte. Offensichtlich sind die Anschlüsse so gestaltet, das man nicht heran kommt, als Mensch. Aber sehr wohl als Seewasser. Denn nach brutalst möglicher, spanabhebender Demontage zeigte sich, das einer der Anschlüsse weg gerottet war.

Das Paneel selber gibt noch Spannung ab, mal sehen, wie man das ganze dauerhaft, belastbar und seewasserfest wieder zusammen bekommt. Segeln ist ja so vielseitig, auch Löten gehört dazu.

Und immer alles schön aufschreiben. Dann hätte ich den ganzen Winter Zeit dafür gehabt.