Es hoppelt

Von Bogense nach Endelave. 3-4 Bft waren angesagt, 0 wurden von uns beobachtet. Anfangs spiegelglatte See, wie man sie an der Nordsee eigentlich nie findet.


Endelave liegt im Kattegat, so etwa in der Mitte zwischen dem Südteil von Samsö und der jütländischen Küste. Um Endelave erstrecken sich ausgedehnte Flachs, weshalb man als segelndes Volk ein paar Umwege machen muss.
Endelave ist ca. 12 Quadratkilometer groß und hat etwa 160 Einwohner. Zum Vergleich: Norderney ist etwa doppelt so groß, hat aber 6000 Einwohner. Es gibt hier also noch viel Platz für die Landwirtschaft.
Da es hier noch Tide gibt, wenn auch nur ein paar Dezimeter, fallen Teile der umgebenden Flächen trocken. Für ein richtiges Watt reicht es nicht, aber immerhin „tidal area“ unter Naturschutz. Der segelnde oder anderweitig Boot fahrende Mensch merkt es auch daran, dass es manchmal vom Steg zum Boot rauf und manchmal runter geht. Kattegat ist eben nicht richtig Ostsee und nicht richtig Nordsee. Im deutschen Seewetterbericht heißt es „Aussichten für die Ostsee einschließlich Sagerak und Kattegat“, für die Schweden ist es die Westsee. Und hier eben das Kattegat (sprich „Käddegät“).
Übrigens scheint auch Endelave an den notgedrungenen technischen Neuerungen der 40er Jahre teilgehabt zu haben, denn auch hier gibt es einen Betonturm, der genauso aussieht wie der in Bogense. Nur ohne erklärendes Schild, dafür aber mit reichtlich Antennen bestückt.
Und dann die Kaninchen. Irgend ein Ahnungsloser soll irgenwann mal zwei Kaninchen verschiedenen Geschlechts auf die Insel gebracht haben. Ganz offensichtlich haben die hier keine natürlichen Feinde, außer dem Waffen tragenden Menschen. Wie wir lesen konnten, werden auf Endelave mehr Kaninchen „dem Bestand entnommen“ als im gesamten Rest des dänischen Königreichs. Und trotzdem sind sie überall. An Stellen, wo man wirklich keine sieht, werden dann auch schon mal Blechschilder in Kaninchenform aufgestellt. Die Rundwanderwege sind den auch als blauer, grüner und roter Kaninchenweg ausgewiesen.
Da könnte die eine oder andere heimische Insel doch auch aus der Not eine Tugend machen und ihre Kaninchen auch entsprechend vermarkten, oder?

Bei der Anfahrt über die Flachs vor dem Hafen folgte uns übrigens ein Segelboot, das noch kleiner war als unseres – gibt’s noch. Am Abend haben wir uns dann unterhalten. Die meinten, wenn wir durch kämen, kämen sie auch durch. Mussten aber dann feststellen, das wir als Nordseeschiff 30 cm weniger Tiefgang haben. Macht aber nichts, die Fähre kommt auch durch, die geht bei ihrer Größe vermutlich noch tiefer.


Glaskugel schauen?

Kolding, 16.6.2024
Von Kolding nach Bogense.
Alle Wetterpropheten, die wir zu Rate gezogen haben (Windfinder, Yr, DWD), waren sich einig: Morgens freundlich (endlich!), ab spätem Vormittag bedeckt mit leichtem Regen, ab 15:00 Uhr Starkregen.
Die Freundlichkeit des Wetters reichte so etwa bis zum Ende des Frühstücks, dann zog es sich zu und es begann ein sanfter, aber ausdauernder Landregen. So fast bis Middelfahrt. Dafür aber Wind aus SO, mit dem wir fast die ganze Strecke von Kolding bis Bogense segeln konnten. Ausgenommen das kurze Stück vor Middelfahrt(siehecBeitragsbild oben), wo man erstens nach Südost muss und zweitens der Wind wegen der Bäume und Bebauung oben sowieso nur sporadisch unten, wo die Segler segeln, ankommt. Ab Middelfahrt entwickelte sich so etwas wie Sommer und war dann in Bogense deutlich als solcher zu erkennen. Da war’s dann etwa 15:00 Uhr.
Bogense liegt an der Nordküste Fünens und ist mit etwas mehr als 4000 Einwohnern die kleinste Stadt der Insel. Dafür gibt es aber einen Lystbadehavn mit ca. 750 Liegeplätzen. Und dazu noch den alten Hafen, von dem unser Hafenhandbuch sagt, es sei so eng, dass man darin nicht umdrehen könne. Hab’s kontrolliert, stimmt nicht. Allerdings wurde das Handbuch von einem norwegischen Verlag herausgegeben. Und anscheinend läuft ja bei Norwegern alles unter 44 Fuss als Dinghy.


Sonst bietet Bogense eine malerische Altstadt, Kirche, Rathaus, Wasserturm. Letzerer auch zu besteigen. Eine Replik des Männeke Piss und die Reste der ältesten Windkraftanlage Dänemarks. In dem Sinne, dass mit dieser Windmühle ausschließlich Strom erzeugt wurde. Ein Maßnahme aus der Zeit der deutschen Besetzung, als Brennstoff knapp war. Laut Beschilderung war das Teil laut, unzuverlässig und erzeugte Gleichstrom. Als dann „richtiger“ Strom nach Bogense kam, in den 50er Jahren, wurde die Anlage stillgelegt und die Flügel wurden demontiert. So steht sie hier heute noch als technisches Denkmal.