Von Tür zu Tür

Vlissingen ist nicht nur ein wichtiger Seehafen im Süden der Niederlande und Sitz der Verkehrslenkung für die Schelde. Was wichtig ist, denn da oben liegt mit Antwerpen einer der größten europäischen Häfen. Vlissingen ist auch Badeort. Ein bisschen abwechslungsreicher bebaut als das im Nachbarland so üblich ist, aber teils auch ganz schön hoch. Und der Strand von Vlissigen ist ein Südstrand. Der einzige in den Niederlanden. Ideal für Leute, die Schiffe gucken wollen. Denn eines der Fahrwasser der Schelde führt sehr dich am Strand vorbei.

Einziger Südstrand der Niederlande: Vlissingen
Einziger Südstrand der Niederlande: Vlissingen

Aus der richtigen, der Westerschelde raus und, Wetter, Tide und Entfernungen legen es so nahe, in die falsche, die Osterschelde, wieder rein. Die Osterschelde ist, ihrem Namen zum Trotz, gar kein Mündungsarm der Schelde mehr. Sie war es früher mal, heute ist es nur noch eine langgestreckte Bucht, die zudem mit einem Sperrwerk versehen ist und so bei Sturmfluten von der Nordsee getrennt werden kann. Das Sperrwerk besteht aus zwei Abschnitten, in der Mitte liegt eine künstliche Insel und auf der eine Schleuse. Roompotsluis. Angeblich weder ein Rum- noch ein Rahmtopf, sondern ein Rest von ¨romanorum portus¨, also der Römer Hafen. Die waren hier wohl, aber besonders glaubwürdig scheint mir die Erklärung eigentlich nicht.

Roompotsluis
Roompotsluis

Das waren jetzt Eingang 1 und 2.
Die Roompotsluis ist für unsereinen sehr nützlich, wenn die Tide und das Wetter bis hier reichen, und bei Niederländern, so hab‘ ich gelesen, auch beliebt als Ausgangshafen für Besuche an der englischen Ostküste. Ansonsten aber eher unspannend.
Nächster Abschnitt: Roompotsluis – Goereese Sluis. Oder auch Haringsvliet-Sluis. Oder Stellendam-Sluis. Wobei Goeree (Aussprache nach Auskunft HM Hellevoetsluis: ¨Chure-i¨) die Insel ist, auf der die Schleuse liegt, Stellendam der Ort bei der Schleuse und Haringsvliet das Gewässer, in das man kommt, wenn man durch die Schleuse fährt. Siehe hierzu auch unter: ¨Festungshaft¨.
Das war Eingang 3.
Hier hat uns das komplexe Tiefdrucksystem eingeholt, das, so konnten wir lesen, in Deutschland einiges an Schäden angerichtet hat. Was uns Gelegenheit gab, Stellendam zu besichtigen. Was schnell erledigt ist, da gibt’s nicht viel. Was wiederum die Versorgungsmöglichkeiten einschränkt. Was dazu geführt hat, dass wir wieder in Hellevoetsluis sind. Diesmal nicht im Stadthafen, sondern in der Marina.

Windmühle hinter Festungswällen: Hellefoetsluis
Windmühle hinter Festungswällen: Hellevoetsluis

Hier kennen wir auch schon vieles, aber es ist doch erheblich mehr da als in Stellendam. Und dem Wetterbericht nach werden wir noch mehr von Hellevoetsluis kennen lernen.
Über Eingang 4 haben wir als Ausgang nachgedacht. Das wäre der Nieuwe Waterweg gewesen, also der eigentliche Hauptmündungsarm des Rheins, der aber, bevor er Nieuwe Waterweg wird, Nieuwe Maas heißt, was aber nicht zu bedeuten hat, weil das meiste Wasser der Maas sowieso woanders fließt und er in Wirklichkeit eine Verlängerung des Lek ist, der eigentlich ein Rheinarm ist. Ganz einfach, oder?

Weil das ganze Gewässersystem hier doch etwas unübersichtlich ist, haben wir uns also ein Spezialkartenheft gekauft. Damit man weiss, wie man vom Haringsvliet über Spui oder Noord oder Merwede oder … und so weiter … über Dortrecht und die Alte oder Neue Maas zu Ein/Ausgang 4 (Nieuwe Waterweg, s.o.) kommt. Und dann das ganze Unternehmen aufgegeben, nachdem wir mit unserem ortskundigen Stegnachbarn darüber gesprochen haben. Das ist ein Projekt für sich, nicht mal eben eine Alternativroute bei schlechtem Wetter. Gleiches gilt wohl auch für den ganzen südlichen Teil der ¨Staande Mast Route¨. Immerhin haben wir jetzt schon mal die Karten dafür.

Viel Wasser in der Atmosphäre
Viel Wasser in der Atmosphäre

Bezüglich des Wetters halten sich hier die Verbesserungen noch in engen Grenzen.

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

2 Gedanken zu „Von Tür zu Tür“

  1. Hallo Sabine, hallo Cord,
    mit deinen Rheinarmen hast du es ja richtig schwer. Ja, die Holländer wollten wohl keinen (deutschen) Rhein an ihrer Küste und haben die Wasserläufe einfach umbenannt. Vielleicht haben sie den einzigen Rheinarm aber im Rahmen ihres riesigen Deltaprojekts auch einfach dicht gemacht, ihr wisst, die Nordsee hat da öfters richtig böse zugeschlagen. So seid ihr von Vlissingen nach Roompotsluis am letzten Teil des Deiches am Veersedamm vorbei gesegelt. Erst 1961 wurde diese Deichlücke geschlossen, das erste Teilstück. So entstand das Veersemeer dahinter. Die Geschichte der Städte Veere und Middelburg, alte Handelsplätze und wo sich die Franzosen mit den Engländern ordentlich geprügelt haben, hätte euch auch bestimmt interessiert, okay, das ist dann vielleicht etwas für die Wintermonate.
    Grüßt meine schwedische Familie, die machen da gerade Urlaub. Weiter viel Spaß mit Ausgang 4 oder auf den Kanälen und aufgepasst, bei einigen Brücken müsst ihr bezahlen.
    Bis denn, Jo

    1. Hey Joe,
      Deine schwedisch Familie können wir leider nicht grüßen, die erkennen wir ja nicht 😉
      Das mit dem Brückengeld stimmt nach meinen Informationen so nicht mehr. Gilt nur noch für Dokkum, Leeuwarden und Bolsward. Alles auf dem Nordteil. Dort auf der Hinfahrt selbst geprüft. Auch für den Nordteil der Staande Mast Route: In Leeuwarden kann man jetzt direkt vor’m Aldi anlegen. Östlich vom Zentrum. Im Südteil sind die Probleme mehr die Öffnungszeiten der Brücken. Wenn man die Autobahn quert kann das dauern. Eisenbahnbrücken dauern sowieso meist länger, weil man zwischen die Zugfolge passen muss. Und für die mit dem ganz großen Mast, die müssen an einer Stelle sogar die Freigabe vom Flughafen Schiepool einholen. Würde für uns zum Glück nicht gelten. Kleiner ist feiner;)

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