Stürme und Türme

Alles war fertig. Früh aufgestanden, um den ostwärts setzenden Strom auszunutzen. Den neusten Wetterbericht geholt und alles wieder abgeblasen. Wir sind immer noch in Eastbourne. Hier 5-6, in der Straße von Dover 7 Bft. Und zwar dann, wenn man dort ankäme. Vernunftige Ausweichhäfen gibt es nicht, denn Rye (siehe ¨Rye¨) ist nur bei Hochwasser anzulaufen, und Folkestone liegt so dicht an Dover, das es sich nicht lohnt. Von der sehr rustikalen Infrastruktur ganz abgesehen. Man muss also durch bis Dover, um Dungeness herum. Morgen Wettervorhersage mit 8 Bft. Die englische, detaillierte Küstenwettervorhersage.

Anderes Thema:

Die Briten hatten in ihrer Geschichte des öfteren mit Invasionen gerechnet. Bei einem Volk, das, wie man an der Sprache erkennt, zum Teil von erfolgreichen germanischen (Sachsen) und zum anderen Teil von ebenso erfolgreichen romanisierten (Normannen) Invasoren abstammt, nicht verwunderlich. Der Anteil der keltischen Wörte im englischen Vokabular liegt jedenfalls im Sub-Promillebereich. Ich kenne nur ¨galore¨.
Die letzte erwartete französische Invasion hat jedenfalls nicht statt gefunden. Aber man hatte sich darauf vorbereitet. Unter anderem mit ¨Martellos¨. Rund Türme mit Unterkünften für die Besatzung und einem Geschütz oben drauf. Angeblich haben zwei britische Schiffe in Italien einen solchen Turm drei Tage lang beschossen, bis die Besatzung sich ergab. Was die Briten so beeindruckt hat, dass sie ähnliche Türme gebaut haben, um Napoleons Truppen eine Landung zu vermiesen. Details findet man bei unser aller Lieblingsonlinelexikon.

Martello-Turm
Martello-Turm

Da die Martellos sehr solide gebaut sind, stehen sie hier immer noch rum. Überall da, wo die Küste für eine Landung geeignet gewesen wäre und die See sie noch nicht wieder abgeräumt hat. Und in Schussweite. Manche sind bewohnt – stabile Bauweise, unverbaubarer Seeblick, eigene Wasserversorgung. Andere als Antennen-, oder, wie hier an der Hafeneinfahrt, Kameraträger. Und manche einfach nur so, völlig zweckfrei. Auf dem Bild ganz oben kann man bei genauem Hinsehen ihrer drei entdecken.

Freunde dicker, eigentlich unübersetzbarer englischsprachiger Romane werden sich vielleicht erinnern, das ein dicker, eigentlich unübersetzbarer englischsprachiger Roman auf einem solchen Turm beginnt.

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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