Wichter Ee – Hey du, du kommst hier nicht durch

Jede der Ostfriesischen Inseln hat ihr Seegatt. Eigentlich natürlich zwei, an jeder Seite eins, sonst wär´s ja keine eigene Insel. Aber das westliche ist der Insel immer ein bisschen mehr zugeordnet, weil die Orte, und damit auch die Häfen, alle im Westen liegen. Ist so, weil die Inseln dazu neigen, sich nach Osten zu verlagern und die Orte dazu neigen, ortsfest zu sein. Jede Insel hat also ihr Gatt, und durch das kann man sie von See kommend erreichen. Alle? Nein! Ein Seegatt leistet allen Bemühungen, es befahrbar zu machen, heldenhaft Widerstand. Ein kleines, unerschrockenes Loch zwischen Norderney und Baltrum ist nur bei bestem Wetter und ruhger See für gut informierte Einheimische befahrbar. Manchmal.

Wichter Ee bei Bft6, Böen 8

Der Chronist hat sich mal mit einem Baltrumer Kapitän unterhalten, der im Dunklen mit der Fähre von außen rein kam. Der macht das so, dass er vorher bei Niedrigwasser mit dem Schlauchboot raus fährt und die benötigten Wegpunkte selber vermisst.
Heute haben wir 6 Bft, mit Böen 8. Da kommst du hier nicht durch. Auch als Baltrumer nicht.

Das sieht sich der Skipper lieber von da an, wo die besten Kapitäne sind: Von Land

Ansonsten schaukelt´s immer noch, auch im Hafen. Und draussen ist es für die Jahreszeit erheblich zu kalt.

Baltrum – Nicht komfortabel

Für die nächsten 2 Tage sind westliche Winde um 6 Bft mit Böen von 8 Bft angesagt. Da tut sich hier nicht mehr viel in der Sportschifffahrt. Die Boote wackeln etwas am Steg, bei Hochwasser mehr, bei Niedrigwasser weniger. Nur noch die Fähren bewegen sich, und das auch nur bei Hochwasser. Das ist hier immer so, denn Niedrigwasser heißt für den Festlandshafen von Baltrum, Neßmersiel, soviel wie gar kein Wasser. Jedenfalls nicht genug, um darauf mit der Fähre fahren zu können. Die Baltrumer Motorboote sind noch in Betrieb, die sind ja auch ruck-zuck drüben und haben wenig Tiefgang.
Uns bringt das Wetter hier ein beeindruckendes Ambiente, das man sich gerne mit den Füßen auf festem Boden ansieht. (Fester Boden heißt hier eigentlich Sand, macht aber nichts) Die Kiter und die wenigen Windsurfer, die noch zwischen den Kitern zu sehen sind, haben ihre Freude am Wind. Und an Bord ist es auch ganz gemütlich, wenn´s schaukelt. Daran, dass immer etwas klappert, gewöhnt man sich.

Bft 6-7, schönes Wetter für Kiter und Surfer

Am Steg hat sich mittlerweile ein interessantes Geflecht aus Vor-, Achter-, Hilfsleinen und Springs gebildet, dekoriert mit den ortstypischen Kabelgeflechten – im Baltrumer Yachthafen herrscht seit Jahrzehnten ein chronischer Mangel an Steckdosen.

Wetterbedingte Macramé-Arbeiten

Das Elektro-Macrame hat nicht bis zum Abend durchgehalten.

Kinderheime und Kasernen

… oder ¨Die dunklen Seiten der Sonneninsel¨.

Die helle Seite

Jeder sieht Meer, Strand, Dünen. Badeort. Viel grüne Wiesen, glückliche Pferde. Ein Inselwäldchen. Die immer schön gepflegte Inselbahn. Vielleicht auch noch Lilli Marlen vor der Kaserne, deren Sängerin ja auch eine Beziehung zu Langeoog hatte. Und ein Haus hier. Und natürlich auch gar nicht Lale Andersen hieß, sondern Liese-Lotte Brunnenberg. Klingt aber nicht so gut, vor allem nicht so nordisch.

Inselbahn und glückliche Pferde

Viel Strand, denn Langeoog ist eine der wenigen Inseln, deren Westseite nicht mit Beton und Basalt gegen die Erosion geschützt werden muss. Statt dessen gibt es dort einen schönen, unverbauten Strand. Vermutlich, weil Baltrum so klein ist, dass von da mit der Ebbe wenig Wasser kommt und der Strom schön weit von der Langeogger Seite weg bleibt.

Meinungsverstärker für Jungpiraten

Ist ja auch alles in Ordnung, und wir gönnen es den Langeoogern und ihren Gästen.

Die dunkle Seite

Die dunklen Seiten sieht man erst auf den zweiten Blick. Warum nur haben die Langerooger einen solch riesigen Hafen mit völlig überdimensionierten Molen, von dem dann nur ein kleiner Teil tief gehalten wird und der Rest zu einer Schlickwüste geworden ist? Ein Schlick, der im Bereich des Yachthafens übrigens so dünn und weich ist, dass die Boote fast genauso tief im Schlick schwimmen wie bei Hochwasser im Wasser. Nur fahren kann man darin wohl nicht. Durch die Klopumpe ginge er ja vielleicht noch, durch die Kühlwasserpumpe vermutlich nicht. Wir haben beides lieber nicht probiert.

Der riesige Hafen, von dem nur ein kleiner Teil nutzbar ist

Das ist ein Erbe der dunklen Zeiten. Der Hafen diente der Versorgung des Luftwaffenstützpunkts Langeoog. Ob er je in seiner vollen Größe genutzt wurde, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten. Aber Gigantomanie war damals ja auch Stil der Zeit. Heute haben Segler immerhin direkt jenseits der Molen sofort viel tiefes Wasser.

Vom Fliegerhorst oder wie das hieß ist auch noch einiges zu sehen. Nach dem Krieg wollten die Briten sowas hier verständlicherweise nicht mehr sehen. Ein Altlangeooger hat uns mal erzählt, dass alle Langeooger ran mußten und auf dem Flugfeld Bäume pflanzen. Heute wird das Ergebnis etwas schamhaft ¨Inselwäldchen¨ genannt und enthält, geschätzt, immer noch genug Beton für eine mittlere Kleinstadt. In die betonierte Ringstarße, die zu der Anlage gehörte, hat man schön abwechselnd rechts und links Löcher gesprengt, um sie unbrauchbar zu machen. Hat seinen Zweck erfüllt, heute wird ein Teil als Fahradstrecke genutzt, immer schön im Slalom um die mittlerweile entstandene Vegetation herum. Mit ein paar Bänken und Wartehäuschen aufgepeppt fällt die finstere Vergangenheit auch nicht mehr so auf.

Durch bepflanzen entwittmete Rollbahn

 

Segeln mit der Seuche

Lokalkolorit

Diese Jahr alles anders. Sonst bemühen wir uns, Mitte Mai aufzubrechen. Ohne Seuche. Dieses Jahr war es Mitte Juli. Einerseits wegen der Seuche, andererseits war der Skipper temporär gesundheitlich auch nicht so ganz beieinander. Jetzt ist er wieder beieinander. Die Seuche bleibt, und keiner weiß wie lang noch. Das schränkt die Auswahl an Zielen und Fahrtgebieten etwas ein – England geht gar nicht, Schweden ist grenzwertig.
Zudemhaben wir aus guten Gründen hin und wieder die Enkelinder (6 und 3) an Bord. Was bei der Zielwahl weitere Schwerpunkte setzt. Jüngstmatrosen sind erfahrungsgemäß für lange Törns sehr wenig, für Sandstrände leicht und für flache Schlammlöcher mit größter Begeisterung zu haben.

So haben wir Orte im näheren Umfeld besucht, in denen wir schon jahrelang nicht waren, oder auch überhaupt noch nicht:
Bremen-Bremerhaven, Kinder kommen an Bord.
Bremerhaven – Sandstedt. In Sandstedt gibts einen großen Spielplatz, einen Sandstrand und einen Kinderstrand. Letzterer liegt direkt am Bootshafen (gut), besteht oben aus Sand (gut), es geht flach ins Wasser (auch gut) und besteht weiter unten aus sehr feinkörnigem Sediment mit hohem Anteil an Biomasse (vulgo Schlick, Matsch, Gatsche, Pampe. Bewertung je nach Altersgruppe stark unterschiedlich).
Sandstedt-Bremerhaven mit Kindern, so der Plan. Sandstedt – Großensiel, so die Realität. Was nicht an den Kindern, sondern an einer Änderung der Windrichtung lag. Warum auch nicht, man kann ja mal seine engere Heimat besichtigen. zumal wir wirklich schon länger nicht hier waren.

Massentierhaltung

Mittagshochwasser. Da kommt man von Großensiel nicht so richtig gut weg. Nach Helgoland ok, aber da wollen wir nicht hin. Weser raus und bei den Inseln durch´s Seegat wieder rein geht nicht, weil´s dann schon dunkel wird, was auf dem Watt nicht so schön ist – man sieht die meist unbeleuchteten Seezeichen nicht mehr. Und über den Hohen Weg, das Flach zwischen Weser und Jade geht auch nicht, weil´s dann da für uns zu seicht ist – es sei denn, man/frau/schiff fährt stundenlang unter Motor gegen den Tidenstrom. Was wenig Freude macht und viel CO2 in die Atmosphäre bläst. Also Zwischenstop in Bhv.
Hier zeigt sich das ganze Ausmaß der modernen Massentierhaltung.

Iona: Massentierhaltung britisch

Pikanterweise heißt dieser Massentierhaltungskäfig ¨Iona¨. Was, wie man weiß, oder, wenn man es nicht weiß, in einer meiner früheren Berichte auch nachlesen kann, eine Hebrideninsel ist. Die als besonders ¨heilig¨ angesehen wird und auf der eine beträchtliche Anzahl schottischer und eine etwas geringere Anzahl norwegischer Könige begraben liegt. Eine nicht so beträchtliche Anzahl lebender Bewohner gibt´s dort auch. Nach gewöhnlich gut informierten Quellen so etwa 125. Was bei knapp 9 Km³ genügend Raum gibt, den in Zeiten der Seuche gebotenen Anstand zu wahren.
Auf der schwimmenden ¨Iona¨ teilen sich 1762 Besatzungsmitglieder und bis zu 5206 zahlende Passagiere 345x42m in mehreren Ebenen. Die teilen sie sich allerdings noch mit diversen Maschinen- und Bespaßungsanlagen. Muss das schön sein.

Massentierhaltung international

Gibt natürlich nicht nur britische schwimmende Massentierhaltungsanlagen. Und sie schwimmen zur Zeit überall küstennah herum. An der Bremerhavener Stromkaje großen, in den Häfen die kleineren, auf Wanderooge Reede die, deren Größe man schlecht schätzen kann. Wer´s braucht…
Sollte ich je überlegt haben, bei sowas mitzumachen, jetzt nicht mehr…

Regionalverkehr

So ein Boot ist ja alles mögliche gleichzeitig: Fahrzeug, Wohnort, Spielzeug (Segeln macht Spass!), Überlebensgerät (ohne Boot/Schiff lebt es sich auf See meist nicht sehr lang. Und wenn etwas länger, dann nicht sehr schön) und, neue Erkenntnis, hochwertige Quarantänestation. Selten ist man so weit von anderen Keim-schleudern entfernt wie dann, wenn man unterwegs ist. Im Hafen gewährt zumindest der Abstand der Liegeplätze einen gewissen Schutz.
Also raus, nach Westen.
In der Wesermündung begegnet uns eine neue Sorte Kardinaltonnen. Für Nichtsegler: Kardinaltonnen haben nichts mit kirchlichen hohen, wahlberechtigen Funktionsträgern zu tun, sie kennzeichnen ein Hindernis für die Schifffahrt durch Angabe der Richtung, in der dieses liegt. Man nennt sie auch einfach Kardinale, was wiederum auch nichts mit der Schauspielerei zu tun hat.

Nordost-Kardinale

Bislang kannten wir die Geschmacksrichtungen nördlich, südlich, östlich, westlich und unten drunter. Anscheinend hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung jetzt auch nordöstlich und südöstlich eingeführt. Oder man hat sie beim Aussetzen verdengelt. Ein und wohlbekannter Mitarbeiter der WSV hat uns aber versichert, dass die sowas, also das Verdengeln, nicht machen.

Jetzt also von Bhv nach Fedderwardersiel. Ein Hafen, in den ich Sabine bislang nur mit großem Aufwand an Überzeugungsarbeit dirigieren konnte. Da liegt man ja schief (stimmt manchmal) oder fällt um (stimmt meiner Meinung nach nicht).

Die Überzeugungsarbeit hat diese Mal die Kombination aus Tide, Tageslicht und Wetter übernommen.
Weiter über Horumersiel/Wangersiel/Wangerland (das ist alles der gleich Ort, sowas können nicht nur Briten, gibt´s auch hier), Wangerooge nach Langeoog.

Wangerooge: Hinter der Tonne kommt gleich die Sandbank!

Die erste Etappe überwiegend unter Segeln, die zweite leider überwiegend unter Motor. Was nicht so schön ist, aber bei Westwind im Watt leider schwer zu vermeiden. Da freut man sich immer, wenn das Fahrwasser mal in eine Richtung geht, in die man auch segeln kann. Das ist nicht nur wesentlich leiser, sondern manchmal sogar schneller.

Diesmal ziemlich viele Tage auf einmal. Gelobe Besserung. Zumindest, wenn keine Kinder an Bord sind!

 

Rücksturz Phase 2

Die Frösche vom DWD waren die besseren, leider. Wenige Meilen westwärts des Scharhörnriffs wurde der Wind immer weniger. WIr haben Wangerooge trotzdem angelaufen, aber leider nicht ohne Rückgriff auf fossile Brennstoffe. Solang dümpeln bis wieder Wind kommt geht in der Nordsee ja schlecht, vor Elbe, Weser und Nordergründen gar nicht. Sonst ist man schnell da, wo man nicht hin will oder darf.
Zu unserem freudigen Erstaunen lag die Ansteuerungstonne für die Harle wirklich (wieder?) da, wo sie auf der Seekarte eingezeichnet ist. Was ja bei den Seegatten durchaus nicht selbstverständlich ist.
Das Nordsee-Gefühl stellt sich wieder ein: Planen mit der Tide und den Wattenhochs, aufstehen dann, wenn die Natur das will. Und tiefenentspannte Wartephasen, wenn sowieso kein Wasser da ist. Ständige Veränderungen. Das Fahrwasser am Minsener Oog hat sich in den letzten Jahren immer dichter an die Insel verlagert. Jetzt ist es so dicht am Südstrand, dass man den Seehunden fast über die Flossen fahren würde, wenn dort welche lägen. Tun sie aber nicht. Vermutlich ist ihnen der Priel zu schmal.

Ganz dicht am Minsener Oog

Es geht in kleinen Etappen weiter. Die Wetterberichte, zumindest die dort angegebenen Windrichtungen, stimmen nur bedingt. Gestern wollten wir mit SW die Jade hoch, also am Wind. Vorhergesagt war SW, W drehend. WIr hatten den Wind von hinten, bei 3 Knoten süd-setzendem Strom. Also eindeutig Nordnordwest.
Immnerhin gut zu gebrauchen, um bis Fed.-siel zu kommen.
Da stehen wir nun, hoch, trocken und ein bisschen schief und warten auf das Steigen des Wassers. Eben Navigation in Tidengewässern.

Hoch und trocken und ein bisschen schief

Rücksturz Phase 1

Damit die geschätzten Leser nicht anfangen, sich zu sorgen: Es ist nichts berichtenswertes vorgefallen. Enkelkinder sind wieder zu Hause. Boot nach Kiel gesegelt, nächsten Tag durch den NOK alias Kiel-Kanal bis Brunsbüttel. Man kann das machen, die knapp 100 km am Stück unter Motor.

NOK: Falscher Dampfer trifft echten Dampfer

Normalerweise machen wir das nicht so, dieses Mal hat es sich aus Tide und Langfrist-Wetterbericht so ergeben. Ein wenig klingeln da schon die Ohren, wenn man in Brunsbüttel ankommt.

Liegen jetzt in Cuxhafen. Wenn das Wetter so sein wird wie Windfinder es voraussagt, geht es morgen nach Wangerooge. Leider sind die Wetterfröschinnen und -frösche sich wieder sehr uneins. Falls, wie die Frösche des Deutschen Wetterdienstes annehmen, morgen Nachmittag nur noch Schwachwind ist, gleich unter Motor in die Weser. Diesel haben wir genug, Lust dazu aber keine.

Malbücher, Milchfläschchen, Meteorologen

Um mit den Letzeren anzufangen, die Fröschinnen und Frösche haben hier zur Zeit einen schweren Stand. Die Atmosphäre ist instabil und voll Wasser. Wann allerdings das Wasser runter kommt, hängt stark davon ab, welche der Fröschinnen und Frösche man fragt. Und, im Falle Windfinder, welches froscheigene Rechenmodell man befragt. So vorteilhaft generell kleinräumige Vorhersagemodelle besonders für Segler sind, unter diesen meteorologischen Gegebenheiten tragen sie nur zur Verwirrung bei. Man kann auf die Stunde genau sehen, wann der Wolkenbruch kommen wird. Er tut´s aber nie. Die beste Kurzfristvorhersage ist offensichtlich immer noch der Blick auf den Himmel.
Wir haben Tochter Anna mit den zwei Enkelinnen an Bord und haben die kindergerechte Langstrecke von Maasholm bis Schleimünde Lotseninsel unter Motor zurückgelegt. Wind kam genau von vorn.
Von dem von uns angedachten Kinderbespaßungsprogramm ist das Meiste in der gedanklichen Schublade geblieben. Baden und Schlauchbootfahren werden offenbar nicht gebraucht. Krebsangeln ist das Thema. Gestern Krebsangeln, heute Krebsangeln. Krebse angeln, Würstchen mit Kartoffelbrei. Krebse angeln, Steine sammeln, Krebse angeln. Steinen anmalen, Krebse angeln.


Die einzigen, die hier Stress haben, sind die Krebse. Manchmal der Skipper, wenn er etwas sucht, was von Kinderkleidung oder Malbüchern verdeckt ist.


Was sich die Verkaufsleute von Westerly (und die Leute von Lloyds) wohl gedacht haben, als sie dieses Boot als für 7 (sieben!!) Personen zugelassen erklärt haben? Wir sind fünf, drei Erwachsene, zwei Kinder. Und das Boot ist voll. Obwohl wir nur am Steg liegen.

Das Nichts

Viel zu gemütlich. Gestern morgen wegen zuviel Wind im Hafen geblieben, nachmittags wegen zuviel Betrieb(s). Heute, für unsere Verhältnisse, früh aufgebrochen, um bis 14 Uhr an der Schlei zu sein. Von Ärösköbing bis vor Marstal noch gesegelt und dabei zufriedenstellend vorangekommen. Das Fahrwasser führt direkt an der Hafeneinfahrt Marstal vorbei und der Skipper hat stur auf seiner Meinung bestanden, das ein Segelboot unter Segeln zu bewegen ist, wann immer es möglich ist. (Über die Frage, ob es gerade möglich ist, herrscht nicht immer Einigkeit unter der Besatzung.) Es war noch möglich, den Strom der aus dem Hafen brechenden (!) Fahrzeuge zu kreuzen, um sich in das Fahrwasser, das aus der dänischen Südsee hinaus führt einzureihen. Und dann sehr gemütlich, umgeben von anderen, ebenfalls sehr gemütlich sich fortbewegenden Seglern die ¨offene See¨ zu erreichen.
Dort, auf der offenen See – die ¨dänische Südsee¨ ist nach dieser Definition dann die geschlossene – neigte der Wind stark zum Verschwinden. (Motor an) Um sich dann als Hauch von West wieder zu materialisieren. (Diskussion, Motor bleibt an). Dann weiter nach NW zu drehen. (Motor aus, Segeln, aber 30° vom Kurs ab) und wieder schwächer zu werden. (Motor an, Motor rattert, Motor stinkt) Ein Hauch von Wind. (Diskussion, Motor aus, Segeln, Kursabweichung 30°+-5°) Wind schwächelt noch mehr, Wolken werden finsterer. Wetterbericht spricht von strichweise Gewittern und Böen von 8 Bft. (Motor an) So haben wir uns, leider unter Absonderung einiger Kilogramm Kohlendioxid, bis Maasholm gequält. Durch das Nichts in der ostseetypischen Form: Kein Wind, See und Himmel in der gleichen Farbe und Dunst, so dass man die Kimm kaum sehen kann. Man hört nur den Radau des Motors und hat das Gefühl, sich nicht zu bewegen. Es ändert sich ja nichts.
Natürlich sagen die Instumente etwas anderes, und irgendwann, nach einer Ewigkeit, kommt man sogar an. Die Ewigkeit und das Nichts gehören ja auch irgendwie zusammen.

Schleimünde, die Lotseninsel

Hier in Maasholm liegt in der Nähe ein Segler Namens ¨Nirwana¨. Ich nehme an, der ist hier öfters im Sommer unterwegs.
Nächster Tag: Morgens ein wenig frischer Wind, Mittags schon wieder schawühl. Immer noch kein Gewitter. Die Mehrzahl aller Gewitter, die im Seewetterbericht angedroht werden, finden nicht statt. Oder zumindest woanders.
Warten auf Tochter und Enkelkinder. Schiff umgeräumt, um etwas mehr Platz zu schaffen.
Funke ist an, es wird schon wieder vor Gewitterböen von 8 Bft gewarnt.

Scharfer Ausguck

Eigentlich wollten wir heute das kleine Stück von Ärösköping nach Marstal, damit die Etappe zur Schlei kürzer wird. Und weil Marstal als die Seefahrerstadt von Ärö auch einen Vesuch lohnt. Eigentlich. Am Morgen war es immer noch windig, immer noch warm, und es sah nach Gewitter aus. Strichweise Gewitter war im Wetterbericht angesagt. Nur weiß man damit ja nicht, wo die Striche liegen. Also besser warten, wie das Wetter sich entwickelt.

Wird das nun ein Gewitter?

In der Zeit kann man auch mal mit dem Bus nach Söby, dann haben wir alle Städte auf Ärö durch. Söby gibt allerdings, vom Hafen abgesehen, als Sightseeing-Ziel nicht allzu viel her. Kirche, Windmühle, Hafen, alles schnell durch. Am Hafen eine Plastik aus Schiffbau-Schrott, die anscheinend einen Seemann beim ¨scharfen Ausguck¨ darstellt.

Windmühle Söby

Sabine und ich haben von allen möglichen Standpunkten aus und in allen möglichen Körperhaltungen versucht, die Galeriewindmühle vollständig aufs Bild zu bekommen. Geht nicht, das Grundstück ist einfach zu klein, die Mühle zu groß oder der Weitwinkel nicht weit genug.
Die Gewitterwoken sind inzwischen verschwunden. Zurück mit dem Bus nach Ärösköping. Dort läuft das Hafenkino, ständig kommen Boote herein und suchen einen Platz. Dabei ist der Stadthafen der kleinere der beiden Häfen. Wenn aber hier schon so ein Betrieb ist, hat es wenig Sinn, nach Marstal zu fahren und dort selbst zum Suchenden zu werden. Also den Rest des Tages hier verbracht und morgen etwas früher los zur Schlei. Da soll der Wind auch etwas gemütlicher werden. Hoffentlich nicht zu gemütlich.


Diejenigen meiner geschætzten Leserschaft, die des dænischen mæchtig sind, møgen mir verzeihen, daß ich mich der deutschen Sonderzeichen bediene. Sonst krieg ich mit der deutschen Tastatur ´n Hørnchen!

Vom Winde verweht ..

Für Dienstag hat sich Bersuch der nächsten und übernächsten Generation angekündigt. Das freut Oma und Opa sehr, bringt aber auch Anforderungen mit sich. Weil man kleine und nicht mehr ganz so kleine Kinder ja nicht allzu lange in ein Auto einsperren kann. Also müssen Oma und Opa mit dem Boot dahin kommen, wo man auch mit dem Auto von Bremen aus schnell hin kommt. Dänische Inseln sind da nicht ganz die optimale Wahl. Unser Ansatz ist, an die Schlei zu kommen. Halbwegs auf unserem Weg, kinderfreundlich, mit dem
Auto gut zu erreichen.
Das Wetter ist allerdings zur Zeit so, dass man seine Navigationsplanung schon etwas verstärkt darauf einstellen muss: Ost bis Nordost 5 bis 7 Bft. Wobei die 7 nicht wirklich Böen sind, jedenfalls bis jetzt. Es bläst einfach mal etwas weniger, mal etwas mehr. Insgesamt aber schon recht ausdrucksvoll. Plan also: Durch
den Langeland-Sund (Schutz durch Langeland) in den Svendborg-Sund (Schutz durch Land in Luv), dann je nach Windlage einen Hafen suchen..

Svendborg

Am Westausgang des Sundes haben wir dann festgestellt, dass es mit gerefftem Vorsegel vor dem Wind ganz gut geht und haben das Ziel auf Ärösköping geändert (Schutz durch die Inseln und Flachs der ¨dänischen Südsee¨).
Der kräftige Ostwind hat uns ermöglicht, auf das Verbrennen von Dieselöl weitestgehend zu verzichten. Mit Diesel: Vom Liegeplatz Lundeborg zur Hafenmole Lundeborg. Ohne Diesel Hafenmole Lundeborg bis Hafeneinfahrt Yachthafen Ärösköping. Mit Diesel in den Yachthafen von Ärösköping, durch den Yachthafen von Ärösköping, raus aus dem Yachthafen von Ärösköping und
rein in den Stadthafen von Ärösköping. Yachthafen war uns zu voll und zu eng.
Wir waren uns unschlüssig, wann wir hier zum letzten Mal waren. Es könnten schon 20 Jahre oder mehr sein, und es hat sich nicht viel geändert. Dass sich hier nicht viel ändert ist überhaupt das Charakteristische an Ärösköping. Hier hat sich in den letzten mindestens 250 Jahren nichts geändert.

Ärösköping

Ehemals war hier das Zentrum der Insel Ärö, die Wirtschaft – Werften, Fischerei, Schifffahrt samt Zulieferern – hat sich nach Marstal und Söby verlagert. Ärösköping ist das malerische Stadtbild geblieben und der Anspruch, eine Stadt zu sein.

Marktplatz Ärösköping

Einwohnerzahl dieser Stadt, Stand 1.1.2019: 948.
Heute lebt der Ort vom Tourismus und gilt als einer der malerischsten
Dänemarks. Es kann auch von Vorteil sein, von der Geschichte vergessen zu werden. Was man hier im Winter macht wissen wir nicht. Immerhin sind die Fährverbindungen nach Svendborg gut.
Eine Besonderheit des Hafens von Ärösköping ist das Kochhäuschen: Zu Zeiten der hölzernen Schiffe mit den eisernen Matrosen war im Hafen kochen an Bord verboten. Wegen des Brandschutzes.

Das Kochhäuschen

Da mussten die Schiffsköche ins Kochhäuschen an Land umziehen. Ein solches Häuschen, das zusätzlich auch noch ein Leuchtfeuer
beherbergte, ist hier erhalten. Dient heute allerdings als überdachter Grillplatz, ohne Leuchtfeuer. Und steht unter Schutz, aber das gilt fast für den ganzen Ort.