Das kleine Kliff

Der Plan mit dem Wind hat geklappt, im Wesentlichen. Mit Halbwind in die Köge-Bucht, und heute mit Halbwind wieder heraus. Die Vorhersage war vormittags südwest, ab Mittags sollte er, der Wind, auf West drehen und zulegen, bis 6 Bft. Da hätten wir nur noch ein kleines Stück am Wind gehabt. Leider hat sich der Wind nicht genau  an die Vorhersagen gehalten und kam immer noch aus Südwest, als wir um die Ecke kamen. Was uns ein paar Kreuzschläge extra beschert hat.

Track Köge-Rödvig

Die Ecke, das ist Stevns Klint, sozusagen das kleine Geschwister (man beachte das Neutrum!) von Möns Klint. Nicht so hoch und nicht so berühmt, dafür aber länger. Auch nicht weit davon entfernt, wenn die Sicht einigermaßen ist, kann man Möns Klint in der Ferne sehen. An Stevn Klint kann man an einigen Stellen die Sedimentschicht sehen, die den Faunenschnitt der Kreidezeit markiert, das Aussterben der Saurier. Was dazu geführt hat, das die Klippen zum Weltnaturerbe erklärt wurden. Einerseits. Anderseits wird das Kreidegestein, was ja auch nichts weiter als Kalk ist, bis heute wirtschaftlich genutzt. Sprich: Abgebaut und in Kalköfen in Mörtel-Grundstoff oder, ohne Öfen,  in Schul- und Malkreide, verwandelt.

Kreideabbau an Stevns Klint

Da Kreide ja nun mal kein sehr stabiles Material ist, wird das Kliff immer kleiner. Nicht nur in geologischen Zeiträumen, man kann das auch sehr schön an der Kirche von Höjerup sehen. Die stand zu nahe an der Kante, heute fehlt ein Stück. Das ist 1928 mit dem Kliff in die Ostsee gefallen. Der Rest scheint aber stabil zu sein, er wird noch genutzt.

Kirche von Höjerup

Die gleiche Formation, die Möns Klint und Stevns Klint bildet, setzt sich übrigens auch unter Kopenhagen fort. Was dort für den Ubahn-Bau durchaus vorteilhaft war.

Rödvig, unser Zielhafen, lebte früher von der Fischerei und vom Kalk Brennen. Heute auch noch von der Fischerei, ein großer Teil der Fischereihafens ist heute allerdings für Yachten freigegeben. Der schon vorher vorhandene Yachthafen hat wohl nicht mehr ausgereicht. Ganz schön so, mehr Hafen- und weniger Campingplatz-Ambiente.

Morgen soll es weiter aus Südwesten wehen. Da sich das Planen nach der Windvorhersage gestern und heute bewährt hat, wird´s vermutlich Richtung Klintholm gehen. Einerseits liegt das gut zur vorhergesagten Windrichtung, andererseits gibt es da ein vorzügliche Fischbuffet. Wenn´s denn noch auf hat, wenn wir kommen. Da haben da so merkwürdige, mehr Anbieter-orientierte Öffnungszeiten. Man muss da seinen Hunger an das Restaurant anpassen, sonst kriegt man nichts mehr.

Nachtrag: Wie der Chronister aus lokaler Quelle erfahren hat, ist der oben angeführte Steinbruch schon seit längerem nicht mehr im Betrieb. Zumindest werden keine Steine mehr gebrochen. Dafür darf man Fossilien sammeln. Aber nur sammeln, nicht heraus brechen. Das passt auch besser zum Welterbe-Status.

Völlig benebelt

Der Abend in Kopenhagen wurde durch periodisch wiederkehrende Geräusche geprägt. Die kamen aus unterschiedlichen Richtungen, auch übers Wasser, und hatten vermutlich den Zweck, Primaten zum Bewegen der Extremitäten zu veranlassen. Der Lärm erstreckte sich bis weit nach Mitternacht ohne das sich an dessen Ausprägung wesentliches geändert hätte. (Dumm-dumm-tatata-dumm o. ä.)
Am Morgen wurde die akustische Umgebung dann durch lange Töne tieferer Frequenz geprägt. Erst allmählich dämmerte dem Erwachenden, dass es sich um Nebelsignale der vorbeifahrenden Schiffe handeln könnte.
Frühmorgendliche Sichtkontrolle ergab: Meerjungfrau völlig benebelt, gegenüber liegendes Ufer und Schifffahrt komplett außer Sicht.

Unter solchen Umständen kann man sich Zeit mit dem Frühstück lassen. Kein vernünftiger Skipper fährt bei solchem Nebel los. Zeitweise wäre es schon schwierig gewesen, überhaupt die Ausfahrt zu finden. Ein großes Kreuzfahrtschiff dicht an unserem Liegeplatz fest gemacht,  war kurz sichtbar, nach 2 Minuten aber schon wieder im Nebel verschwunden. Gegen neun verließen einige Yachten den Hafen, gegen 10 nach neun fuhren einige in den Hafen. Es waren die gleichen.

Erst gegen 10 löste sich der Nebel auf, die Sammlung der Kreuzfahrtschiffe wurde sichtbar und die Yachties strömten auf´s Wasser. Wir auch.

Abfahrt aus Kopenhagen

In der Nähe der Wasseroberfläche noch diesig, die Pylone der Öresundbrücke aber schon gut erkennbar. Man fährt vor Kopenhagen im spitzen Winkel in das Hauptfahrwasser, das über den Tunnel zur Öresundbrücke Richtung Süden, zur Ostsee, führt. Vor uns die Brücke, rechts der Flughafen und hinter uns ein Frachter. Und dann, in weniger als einer Minute, alles weg. Alles im Nebel verschwunden. Nun kann man sich zwar heute dank GPS auch ohne Sicht außerhalb des Fahrwassers halten. Aber schön ist es trotzdem nicht, vor einem hupenden Frachter  durch den Nebel zu fahren. Das ist schon bei guter Sicht nicht schön.

Seenebel

Nächster Hafen: Dragör alter Hafen. Schon in der Einfahrt zu erkennen: Hier kreisen etliche, die hier Zuflucht gesucht haben. Also weiter, Dragör Marina. Das sind nur ein paar hundert Meter, und hier war Platz. Warten, dass der Nebel sich auflöst. Einmal auf die Festung, und siehe, bis man da oben ist, ist der Nebel schon deutlich weniger geworden. Also wieder an Bord. Inzwischen strahlender Sonnenschein.

Nur, es ist zu spät geworden für unseren Zielhafen. So beschließen wir, uns an die Windvorhersage anzupassen. Heute mit Südost nach Köge, morgen mit West wieder aus der Bucht und weiter.

Wir waren noch nie in Köge, wie wohl die meisten anderen nicht-dänischen Segler auch. Es liegt auf keiner normalen Route. Wenn man hier vorbeikommt, ist man entweder auf dem Weg nach Kopenhagen oder nach Mön. Jeder Segler kennt die Köge-Bucht, aber wenige kennen Köge. Auch wir haben erst im Hafen festgemacht und dann nachgesehen, wer oder was Köge eigentlich ist.

Köge

Und siehe, es wurde beschrieben als eine der Städte mit dem am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtbild in Dänemark. Wir können es bestätigen. Und ohne den Nebel wären wir nie hin gekommen.

Kopenhagen statt Malmö

Wie schon des Öfteren auf dieser Reise hatte der Plan wieder nur einen kurzen Bestand. Der Plan sah nämlich vor, Malmö zu besuchen. Weil Sabine da noch nicht war. Und ich, der ich schon mehrfach aus unterschiedlichen Gründen dort war, die Stadt durchaus sehenswert finde. Ist ja immerhin die drittgrößte Stadt Schwedens, auch wenn es aus dänischer Sicht mehr ein Vorort von Kopenhagen ist.

Von Borstahusen lag Malmö an diesem Tag allerdings fast genau in Windrichtung, was kreuzen erfordert. Ein schöner langer Kreuzschlag führte uns bis auf etwa sechs Seemeilen an Kopenhagen, dort drehte der Wind, so dass man Malmö fast anliegen konnte. So für 5 Minuten, dann gab`s fast gar keinen Wind mehr.

12 Meilen gegen fast gar keinen Wind nach Malmö oder 6 Meilen mit fast gar keinem Wind nach Kopenhagen. Wenn man hiet schon ist, kann man ja Kopenhagen nicht auslassen. Also noch eine Wende und ab Richtung Lynettelöb. Das ist die Einfahrt in das Hafengebiet, die Kleinfahrzeuge nehmen sollen. Die Großschifffahrt hat eine zweite, größere Einfahrt weiter nördlich, auf der anderen Seite der Lynette. Großes Schiffe großes Loch, kleine Schiffe kleines Loch. (Wasserflugzeuge auch kleines Loch.) Zwischen den Löchern liegt, was denn auch sonst, die Lynette. Die gibt es noch, wie vieles von Kopenhagens Befestigung.
Beim letzten Besuch in Kopenhagen hatten wir noch im Christians-Kanal gelegen. Das ist sehr zentrumsnah und geschützt. Leider, aus Sicht der Segler, liegt jetzt davor eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke. Die wird zwar geöffnet, aber nur zu festen Zeiten und mit Abständen von mindestens einer Stunde. Da wir außerdem inzwischen wissen, dass man hier um diese Zeit des Jahres besser damit rechnet, dass attraktive Häfen früh voll sind, sind wir gleich in den ersten innerstädtischen, den Langelinie-Hafen. Es gibt noch weiter draussen große Häfen im Industriegebiet. Da findet man wahrscheinlich immer einen Platz, aber es ist eben auch weit bis in die Stadt und nicht sonderlich schön.

Nyhavn, der alte Hafen von Kopenhagen, wie der Name schon sagt 😉

So liegen wir innenstadtnah, wenn auch nicht besonderes ruhig. Zum einen kommt ein bisschen Schwell hereingeschwappt, zum anderen ist die Umgebung etwas von fotografierenden Touristen überlaufen. Die kleine Meerjungfrau ist nur ein paar Schritte entfernt, wenn auch durch ein paar Bäume von hier aus verdeckt.

Kleine Meerjungfrau

Für Morgen ist wieder Schwachwind aus Südost angesagt. Entweder lassen wir Malmö aus – wir werden wohl nicht das letzte Mal hier gewesen sein, Ven steht ja auch noch auf der Liste – oder wir fahren mit der S-Bahn hin. 

Borstahusen statt Ven

10:00 Abfahrt aus Höganäs unter Motor, weil kaum Wind. Und das bisschen aus Süden, also von da, wo wir hin wollen. Nähert man sich dem Nordende des Öresunds, dann ist man auf der schwedischen Seite gezwungen, sich in einem schmalen Streifen zu bewegen. An Backbord wird´s flach, an Steuerbord liegt das Verkehrstrennungsgebiet. Und da man ja auf der Ostseite ist, fährt man gegen die Richtung, muss also deutlich außerhalb bleiben. Kreuzen ist da nicht möglich, also weiter unter Motor. (Auf der dänischen Seite wäre man zwar auf der richtigen Spur, aber mit einem Segler das VTG/TSS zu benutzen ist etwa so sinnvoll wie mit dem Rollator über die Autobahn zu preschen)

Schiffsverkehr bei Helsingör

Am Ende des VTG hatten wir uns dann geeinigt, dass wir, wegen hochsommerlicher Temperaturen, nicht wie geplant Landskrona besuchen, sondern Ven. Ven, dänisch Hven, ist die schwedische Insel im nördlichen Öresund. Die, wo einst Tycho Brahe sein Observatorium hatte. Und dort den Hafen an der Nordseite, Norreborg. Ven hat zwar die schöne Eigenschaft, ringsum von gutem Ankergrund umgeben zu sein. Aber wenn man ankert, kann man sich die Insel nur von außen anschauen. An der Hafeneinfahrt von Norreborg stand allerdings ein schönes, großes, rotes Schild mit der Aufschrift. ¨Fullt¨. Das haben wir verstanden, auch wenn wir kein Schwedisch oder Dänisch können.
Wenn um die Zeit dieser Hafen schon ¨fullt¨ ist, braucht man nicht damit zu rechnen, dass es bei den beiden anderen besser aussieht. Also haben wir die Ringsum-ankern-Option genutzt und auf der Seite mit ablandigem Wind geankert, und, wie man auf Neudeutsch sagt, gechillt. Altdeutsch wäre das ein Mittagsschläfchen. Über die Frage, ob der Platz zum Übernachten geeignet sei, konnte leider keine Einmütigkeit hergestellt werden, so so haben wir, unter Knurren des Skippers, den Anker wieder eingeholt und sind in den nächsten Hafen. Der auch wieder, siehe letzter Beitrag, reichlich voll war. Und die letzten freien Plätze liegen gegenüber der Einfahrt und sind, zumindest nach Meinung des Skippers, unruhiger als es vor Ven war und insbesondere Nachts wäre.

Zudem laufen hier possierliche Tierchen auf dem Steg auf und nieder. Nachdem ich das erste Huschen irrtümlich einer Ratte zugeordnet hatte, haben sich die zwei Tierchen noch mehrfach gezeigt und wurden von uns als Marderartige identifiziert. Ratten können nicht so geschmeidig über Treppenstufen fließen. Die beiden haben auch keine Scheu vor Menschen, laufen allerdings ziemlich planlos auf der Mole hin und her. Unser Vergleich mit den Bildern unterschiedlicher bei uns heimischer Marderarten hat nicht zur Erleuchtung geführt. Kann ein Kundiger uns mitteilen, um welche Art Marder (Stein-, Haus-, Baum-M., Wiesel, Iltis, Frettchen, …) es sich hier handelt? Sabine meint, es seien Jungtiere, man sehe, dass ihnen die Lebenserfahrung fehle. Mir ist nicht ganz klar, wonach man das bei einem Marder beurteilt.

Wir halten jedenfalls alle Öffnungen am Boot gut verschlossen, wenn wir nicht an Bord sind.

Der Marder von Borstahusen


Der Ort zum Hafen, ein ehemaliges Fischerdorf, besteht im Wesentlichen aus drei parallelen Straßen mit kleinen Häusern aus Stein. Das Ganze sieht weit mehr dänisch als schwedisch aus. War es ja früher auch. Stockholm ist weit weg, und bei klarer Sicht, so wie heute, kann man zumindest das Kraftwerk von Kopenhagen schon sehen.

Der Kongress tanzt nicht

Auf dem Kullen, oder Kullaberg, versammeln sich alle Tiere, um einen Kongress abzuhalten und sich zu amüsieren. Steht jedenfalls so im Standardwerk über die Geografie Schwedens von Selma Lagerlöf. Besser bekannt unter ¨Nils Holgersons wunderbare Reise mit den Wildgänsen¨.
Der Kullaberg ist ein Gebirgszug, der mit seinem Westende ein Stück ins Kattegatt hinausragt und so eine Halbinsel bildet. Zu Zeiten der Wildgänse ein abgeschiedener Ort, heute ein Naturschutzgebiet. Am Rande des Kullen gibt es zwei Häfen, Arild im Süden und Mölle nördlich. Von Arild sagt das Hafenhandbuch, dass man als Ortsunkundiger nicht hinfahren soll, weil der Hafen klein und flach sei und wenig Platz biete. Von Mölle sagt es, dass es malerisch sei. Somit haben wir Mölle als Ziel gewählt. Wind gut, Stärke und Richtung OK. Zumindest bis vor die Spitze von Kullen. Dann mit Wind genau von hinten Richtung Mölle, was nicht jeder gut verträgt. Die Stützwirkung der Segel entfällt und das Boot rollt dann mehr.
Und Mölle? Vom Malerischen verschwindet leider ein großer Teil, wenn man in den Hafen einfährt und dieser einem überfüllten Campingplatz ähnelt. Vermutlich wollen die alle auf den Kullaberg. Da laufen heute 500 000 Leute pro Jahre rum und die Tiere haben sich vermutlich ein anderes Konferenzzentrum gesucht.

Mölle mit dem Kullaberg

Unseres Bleibens war dort nur kurz. Weiter Richtung Süden kommen noch zwei Häfen, von denen das Handbuch abrät. Der nächste empfohlene heißt Höganäs, der Service dort sei gut, aber es fehle an Charme. Stimmt teilweise. Zwei Klos für hunderte Schiffe und Duzende Wohnmobile ist zwar auch nicht ganz das, was man sich unter gutem Service vorstellt, aber man findet auch in der Urlaubssaison einen Platz.
Besser so, was hilft der malerischste Hafen, wenn man nicht rein kommt.

Die Containerbrücke von Höganäs

Offenbar hat der Welthafen Höganäs mal gemeint, am weltweiten Boom der Containerschifffahrt teilhaben zu können. Jedenfalls gibt es eine Containerkaje. Mit einer Containerbrücke, genau einer. Dieser Service hat die Reedereien wohl nicht überzeugen können. So ist hier auch im Containerhafen Platz.

Halmstad

Die Beschreibung im Begleitheft der Seekarten las sich gut. Der Liegeplatz nahe dem Zentrum von Halmstad wurde als gar lauschig, vor Bäumen und alten Häusern beschrieben. Wollten wir uns man ansehen. Wind war reichlich, von hinten, und wir waren richtig schnell – für unsere Verhältnisse. (Wenn man richtig schnell sein will, ist eine Segelfahrzeug eine sehr ungünstige Wahl. Und je kleiner, desto ungünstiger.)
Halmstad versteckt sich, wie auch andere schwedische Küstenorte, hinter seinem Hafen. Dafür liegt dann der Gästehafen dicht am Ortskern, ist aber doch nicht so malerisch wie die Beschreibung glauben machen will.
Halmstad ist Provinzhauptstadt, etwa dreimal so groß wie Helmstedt 😉 und offenbar stolz auf seine Geschichte, seine Skulpturen, sein Schloss und sein Stadtbild.

Eine der Halmstader Skulpturen

Um 1600 als Festung gegen die Schweden ausgebaut vom dänischen Christian IV. Dem eigentlich politisch glücklosen König, dessen Bauten man von Glückstadt bis hier überall findet, wo mal Dänemark war. Und das war vor C4 eben viel mehr als nach C4. (Die Abkürzung hat er selbst erfunden, steht in Schloß Helsingör an jeder zweiten Wand)
Von der Festung ist noch ein Tor erhalten,und das ganze Befestigen hat ja, wie man sieht, nur Geld gekostet und nichts gebracht. Heute gehört die Stadt trotzdem den Schweden.

Das Festungstor von Halmstad

Das Schloss ist geblieben, auch von C4 und gut erhalten. Die Skulpturen bereichern das Stadtbild wirklich. Nur das Stadtbild selbst begeistert nicht so vollständig. Zumindest Nicht-Schweden nicht. Es gibt zwar einzelne interessante Altbauten, aber sie sind locker über die Innenstadt verstreut, so dass man keine zusammenhängende Bereiche findet. Was eine Besonderheit ausmacht, ist, dass es hier, nach dänischer Tradition, Fachwerkhäuser gibt. Die kommen, soweit wir es gesehen haben, in Schweden eher selten vor. Entweder Holz und Stein, nicht so eine seltsame Zwischenlösung.

Verstreute Altbauten

Und noch ein kleiner, aber ärgerlicher Unfall. Bei der Suche nach einem Standpunkt, von dem aus man das Schloss mit dem alten Segelschiff, aber ohne hässliche Motorboote fotografieren kann, hat der Bordfotograf leider die Kaikante übersehen. Die Fallhöhe auf den davor liegenden Steg war nur etwas kniehoch, hat aber ausgereicht, den Operateur umzuwerfen und die Kamera nachhaltig zu schädigen. Das ist ärgerlich, nachdem er endlich gelernt hatte, sie halbwegs ordentlich zu bedienen. Ab jetzt gibt´s nur noch Handy-Fotos.

Gen Süden

Der Rückweg hat nun auch gefühlt begonnen. Die Strecken werden länger. Was allerdings nach den teils sehr kurzen Etappen auf dem Göta-Kanal gar nicht ausbleiben konnte. Nach dem Verlassen des, oder vielleicht auch Abschied vom, Göteborger Schärengarten war das Ziel für die Nacht ein versteckter Steg, den wir von unserem letzten Besuch in diesem Gebiet kannten.
War leider besetzt. Über die Eignung der alternativen Ankerplätze in dessen Umgebung und über die Stabilität des Wetters konnte innerhalb der Besatzung keine Einigkeit hergestellt werden. Also haben wir die Bucht ohne Einigkeit wieder verlassen und sind weiter zum nächsten Hafen:
Bua. Der Ort ist nicht wirklich interessant, wenn auch nicht so schrecklich wie sein Name suggeriert. Ein ehemals großer Fischerhafen, heute immer noch ein Fischereihafen, aber mit weit mehr Sportbooten als Fischerbooten. Nur das Kernkraftwerk nebenan stört etwas. Noch mehr stört einen das Kraftwerk, wenn man die Liste seiner Störfälle gelesen hat: Bua!
Uns hat es in der Nacht nicht belästigt. Anscheinend hat man die Druckbehälter auch verkleidet, eine zylindrische Umbauung sorgt dafür, dass man die typische Form des Druckbehälters, das ¨Atom-Ei¨ erst auf den zweiten Blick erkennt.

KKW Ringhals bei Bua (oder umgekehrt)

Von Bua mit seinem Bua-Kraftwerk (richtiger Name: Ringhals) am nächsten Tag nach Falkenberg. Der, nach meiner Meinung, sehenswertere Teil dieses Ortes verbirgt sich etwas. Von See kommend sieht man erst viel Hafen mit Silos, Industriebetrieben, Werftanlagen und zwei Schwimmdocks.

Hafenanlagen Falkenberg

Nach einem Weg von etwa 20 Minuten kommt man über ein Brücke aus dem 18 Jahrhundert in eine typisch schwedische Kleinstadt: Quadratisch, sauber, aber nicht aufregend.
Und ganz an deren Rand, eingeklemmt zwischen Ortskern und Hafen, liegt der alte Ortskern, wie ein Museum. Mit einem Überbleibsel aus der Frühzeit von Falkenbergs Industriealisierung.

Falkenberg: Alte Häuser mit Hafertrocknungsanlage

Beim letzten Besuch haben wir nicht herausgefunden, was das ist. Jetzt wissen wir: Eine Anlage zum Trocknen von Hafer. Weiteres zu Falkenberg findet man hier.

Ein Tag, drei Inseln

Styrsö. Sabine hat schon früh am Tag einen Einheimischen getroffen, der, wie wohl die meisten Insulaner, von den Vorzügen seiner Insel zutiefst überzeugt war. Er hat sie auf eine Karte der Insel hingewiesen, an der er selbst mitgearbeitet hat. Die zeigt Wanderwege und Sehenswürdigkeiten von Styrsö. Zum Segeln sei heute auch zu wenig Wind, meint jedenfalls unser Lokalpatriot. Wir haben jedenfalls seine Anregung auf- und seine Karte mitgenommen und wesentliche Teile von Styrsö erwandert. Ortskenntnis hat der Mensch jedenfalls. Bei einem der in der Karte eingetragenen Wege waren wir uns nicht ganz sicher, ob das wirklich der gemeinte Weg war.
Er war es.

Strandweg schwedisch, nicht barrierefrei

Ein sehr unorthodoxe, sehr schwedische Art des Wegebaus. Bei den hiesigen geologischen Verhältnissen aber wohl die einfachste Lösung.

Die Schären südlich Göteborgs sind der südlichste Teil des westlichen Schärengartens (eigentlich ja Schärenhofs), weiter südlich gibt es dann nur noch vereinzelte Schären. Ein bisschen fällt der Abschied von dieser Landschaft schwer. Wir haben den Tag als den letzten in den Schären genutzt. Tanken mussten wir auch, das geht auf Donsö. Und für die Nacht bleiben wir im Hafen von Vrangö. Den haben uns ein Freund und auch das Handbuch als besonders malerisch empfohlen. Nach Besuch mehrerer Orte auf den Südschären von Göteborg ist unser Favorit jetzt woanders. Das behalten wir aber für uns.

Das mit dem Individualtourismus ist auch so eine Sache. Besonders hier gibt es so viele Individuen, dass sie sich etwas ballen. Da verliert das individuelle Reisen schon sehr an individuellem.

Ganz viele Individualisten

Man kann sich zwar noch zwischen den Schären ein Plätzchen suchen.
Setzt aber geeignetes Wetter (haben wir gerade) und Ortskenntnis (haben wir hier leider nicht) voraus.

Man muss die Plätze finden!

So liegen wir heute, es ist Samstag und Gebiet einer Großstadt, nach einem schönen Tag in einem überfüllten Hafen. Hier sind wir aber wieder einer der Kleinen, und darum ganz hinten, wo nicht so viel los ist und die Großen gar nicht hin kommen.

Crescendo-Decrescendo

Nach der Nacht im teil-idyllischen Hafen unterhalb Bohus wieder zurück auf den Göta Älf/Trollhätte Kanal. Die Idylle wurde etwas getrübt durch die Beschallung. Auf dem Parkplatz von Bohus war Oldtimer-Treffen mit dutzenden amerikanischer Blechmonster und wenigen europäischen Autos der 50er und 60er Jahre, auch Saab ¨Blechtroll¨ alias ¨Nordkapschüssel¨, entsprechend untermalt mit Elvis und anderem Rock ´n´ Roll von Konserve. Im Hotel ein Stückchen weiter verdiente ein Tom-Jones-Imitator sein Geld. Immerhin hat er das ganz ordentlich gemacht. Ab 23:00 war Schluss und die Idylle dann viel idyllischer.

Ein großes Schiff?

Zu Bohus und seiner Geschichte haben wir noch ein Detail gefunden: Als das Ganze noch den Norwegern gehörte, haben die Schweden, so um 1570, einen Turm der Festung besetzt. Nicht wissend, dass dort die Munition der Festung gelagert war, oder zumindest ein größerer Teil davon. Den haben die Norweger dann gezündet. Damit hatten sie keinen Turm mehr, aber auch keine Schweden. Letztere sollen ¨wie die Krähen¨ durch die Luft geflogen sein. Konnten aber danach nichts mehr dazu berichten. Raue Sitten hier.

Boshus vom Göta Älf

Wieder zurück auf den Göta Älf – ich weiss nicht, wie man das korrekt schreibt, man findet´s mit großem und mit kleinem ¨Ä¨. Je weiter man sich seiner Mündung nähert, um so mehr Industrie und Verkehr zeigt sich an den Ufern, besonders am linken. Rechts teils ursprünglich wirkende Natur – zwischen Kanal und Autobahn, da kommt kaum einer hin, um zu müllen oder zu bauen.
Die Nähe zu Großstadt hat den Vorteil, dass die Brücken jetzt immer besetzt sind und auf Anruf auch geantwortet wird. Hilft aber nichts, denn wegen des Verkehrs wartet man genau so lang wie weiter oben. Man weiss jetzt aber immerhin, dass man zur Kenntnis genommen wurde.
Und dann, nach der letzten Eisenbahn-Drehbrücke die furiose Steigerung: Mit dem Boot mitten durch Göteborg. Welches vom Wasser aus einen beeindruckenden Anblick bietet.

Göteborg, vorwärts

 

Göteborg, rückwärts
Göteborg seitwärts: Ostindienfahrer-Replik

Auf Landgang haben wir verzichtet: Zu heiß zum Pflastertreten in der Großstadt. Wir waren vor drei Jahren das letztemal hier, das muss reichen. Link: symartha.de/grossstadt-halbtrocken

Da haben wir die Stadt allerdings nicht vom Wasser aus gesehn, das haben wir jetzt nachgeholt. Damals sind wir mit der Fähre nicht so weit hinauf gekommen, da steigt man weiter draußen in die Straßenbahn um.
Zu Göteborg gehören ja zahlreiche Inseln und Schären, und dort haben wir angelegt, in Styrsö. Was den Hamburgern die Elbchausse und den Bremern Oberneuland ist den Göteborgern ihr Schärengarten. Nur viiiel schöner. Und nach der Steigerung in der Stadt ein ruhiger Ausklang.

Schären bei Göteborg

Naja, nicht ganz so ruhig, viele Boote und Fähren, und dicht besiedelt. Eben Stadtgebiet.

Der andere Kanal

Im Prinzip ist das Meiste vom Trollhättan Kanal der Fluß Göta älf. Die gegrabenen und gesprengten Teile beschränken sich auf die Einfahrt von Norden und die Umgehung der Wasserfälle.

Der Fluss hat so etwa die Breite der Mittelweser, vielleicht ein bisschen mehr. Nur stehen hier Häuser am Ufer, die nach Pippi Langstrumpf, Micha aus Löneberga oder Petterson und Findus aussehen. Und der Fluß/Kanal wird von Schiffen bis 5000 Tonnen befahren und ist entsprechend tief und dicht betonnt. Wobei die Betonnung allerdings so aussieht, das am Rand Dalben stehen, von denen Stangen waagerecht zur Flußmitte zeigen, und an deren Ende ist dann die eigentliche Markierung. Ein ebenso aufwändiges wie gewöhnungsbedürftiges System .Wahrscheinlich geht es aber bei dem felsigen Untergrund nicht anders.

Trollhättan Schleuse: Juno muss noch mit rein

Funktioniert hat das Unternehmen ¨Kanal¨ heute nur mittelgut. Mal war eine Brücke nicht anzusprechen, mal die Schleuse nicht. Das ist angesichts der hohen Gebühren schon ärgerlich.

Trollhättan Kanal

So sind wir nur bis Kungälf, bis dahin, wo der Göta älf sich in seine beiden Mündungsarme teilt. Der Hafen ist so klein, dass dort nur recht kleine Fahrzeuge hinein kommen. Wir sind hier ausnahmsweise einer der großen. Dafür liegen wir mal wieder historisch wertvoll: In unmittelbarer Nähe die Festung Bohus. Obwohl zeitweise schon als Steinbruch freigegeben steht noch viel und natürlich heute unter Denkmalschutz. Eigentlich mal von den Norwegern zum Schutz vor den Schweden gebaut. Später von den Schweden zum Schutz vor den Norwegern genutzt. Sie mögen sich halt, die Skandinavier.
Von Kungälf haben wir nur das kleine Stück gesehen, das in Richtung Festung reicht. Erst zu heiss, jetzt wird es dunkel und wir sind müde. Man kann nicht alles mitnehmen.