Outer Rim

Dabei fing alles ganz harmlos an. Auf der Parallelstrecke zur Sportbootautobahn durch die Schären vor Göteborg. Bisschen wenig Wind, und zwischdurch mussten wir schon mal unter Motor einem Todesstern (Stena-Line Fähre) ausweichen. Die kommen hier vor Götebborg so mit 17, 18 Knoten durch die Schären geschossen. Da ist es nicht so gut, wenn man in der Flaute im Fahrwasser dümpelt – außer lautem Hupen hat der Todesstern da nicht viel Reaktionsmöglichkeiten. Den X-Wing-Fighter (Schlauchboot) hatten wir schon aufs Mutterschiff (Martha) verladen.
Angedockt in Styrsö Bratten. Das schlaue Buch sagt, es sei mit etwas Schwell durch die Fähren zu rechnen. Die bittere Wahrheit: Es ist mit Dauerschwell durch rücksichtslose Motorbootfahrer zu rechnen, weil eine der Durchgangsruten der Südschären direkt am Hafen vorbei geht und kaum jemand den Hebel mal zurückzieht. Die Fähren fallen da kaum ins Gewicht.
Nach einer Stunde Gehüpfe Flucht und Suche nach einem Ankerplatz. Einen Platz im Hafen zu finden braucht man am Freitag Abend um diese Zeit gar nicht zu versuchen. Erster Platz: Anfahrt kompliziert, Besatzung uneinig, Stimmung schlecht, Ankerplatz überfüllt.
Zweiter Anlauf: Viel Platz, über 20 Ankerlieger, aber noch Platz für uns. Inzwischen völlige Windstille und nur wenige Motorboote. Dieser Platz liegt ganz im Süden, am äußersten Rand der Göteborger Schären.

Südrand Göteborger Schären
Südrand Göteborger Schären

Am nächsten Morgen: Das Nichts. Absolut kein Wind, das Wasser völlig bewegungslos. Die Kimm kaum zu erkennen. Eben das Nichts. Wir haben versucht, das Nichts zu fotografieren, auf dem Bild war nichts. Hinaus ins Nichts. Vorbei am Leuchtturm am Rande des Universums ins Nichts.
Leuchtturm am Rande des Universums
Leuchtturm am Rande des Universums

Inzwischen sind wir aus dem Nichts wieder aufgetaucht und ankern im Zentrum der Welt: An Steuerbord eine fast kahle Insel mit ein paar Schafen, vermutlich seit Jahrhunderten so. Am Backbord Schwedens größtes Kernkraftwerk. Mitten drin.

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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