Crescendo-Decrescendo

Nach der Nacht im teil-idyllischen Hafen unterhalb Bohus wieder zurück auf den Göta Älf/Trollhätte Kanal. Die Idylle wurde etwas getrübt durch die Beschallung. Auf dem Parkplatz von Bohus war Oldtimer-Treffen mit dutzenden amerikanischer Blechmonster und wenigen europäischen Autos der 50er und 60er Jahre, auch Saab ¨Blechtroll¨ alias ¨Nordkapschüssel¨, entsprechend untermalt mit Elvis und anderem Rock ´n´ Roll von Konserve. Im Hotel ein Stückchen weiter verdiente ein Tom-Jones-Imitator sein Geld. Immerhin hat er das ganz ordentlich gemacht. Ab 23:00 war Schluss und die Idylle dann viel idyllischer.

Ein großes Schiff?

Zu Bohus und seiner Geschichte haben wir noch ein Detail gefunden: Als das Ganze noch den Norwegern gehörte, haben die Schweden, so um 1570, einen Turm der Festung besetzt. Nicht wissend, dass dort die Munition der Festung gelagert war, oder zumindest ein größerer Teil davon. Den haben die Norweger dann gezündet. Damit hatten sie keinen Turm mehr, aber auch keine Schweden. Letztere sollen ¨wie die Krähen¨ durch die Luft geflogen sein. Konnten aber danach nichts mehr dazu berichten. Raue Sitten hier.

Boshus vom Göta Älf

Wieder zurück auf den Göta Älf – ich weiss nicht, wie man das korrekt schreibt, man findet´s mit großem und mit kleinem ¨Ä¨. Je weiter man sich seiner Mündung nähert, um so mehr Industrie und Verkehr zeigt sich an den Ufern, besonders am linken. Rechts teils ursprünglich wirkende Natur – zwischen Kanal und Autobahn, da kommt kaum einer hin, um zu müllen oder zu bauen.
Die Nähe zu Großstadt hat den Vorteil, dass die Brücken jetzt immer besetzt sind und auf Anruf auch geantwortet wird. Hilft aber nichts, denn wegen des Verkehrs wartet man genau so lang wie weiter oben. Man weiss jetzt aber immerhin, dass man zur Kenntnis genommen wurde.
Und dann, nach der letzten Eisenbahn-Drehbrücke die furiose Steigerung: Mit dem Boot mitten durch Göteborg. Welches vom Wasser aus einen beeindruckenden Anblick bietet.

Göteborg, vorwärts

 

Göteborg, rückwärts
Göteborg seitwärts: Ostindienfahrer-Replik

Auf Landgang haben wir verzichtet: Zu heiß zum Pflastertreten in der Großstadt. Wir waren vor drei Jahren das letztemal hier, das muss reichen. Link: symartha.de/grossstadt-halbtrocken

Da haben wir die Stadt allerdings nicht vom Wasser aus gesehn, das haben wir jetzt nachgeholt. Damals sind wir mit der Fähre nicht so weit hinauf gekommen, da steigt man weiter draußen in die Straßenbahn um.
Zu Göteborg gehören ja zahlreiche Inseln und Schären, und dort haben wir angelegt, in Styrsö. Was den Hamburgern die Elbchausse und den Bremern Oberneuland ist den Göteborgern ihr Schärengarten. Nur viiiel schöner. Und nach der Steigerung in der Stadt ein ruhiger Ausklang.

Schären bei Göteborg

Naja, nicht ganz so ruhig, viele Boote und Fähren, und dicht besiedelt. Eben Stadtgebiet.

Die Nähe zu den Großen

Kalt, windig aber trocken. Heute auf dem Kanal von Rendsburg nach Kiel. Dabei nutzt man die nicht ausgebaute Teilstrecke des Kanals. Also den Teil, der noch die Maße aus Kaisers Zeiten oder wenig danach aufweist. Und zudem etliche Kurven. Ist schon ganz schön eng, wenn einem dann so ein Frachtschiff in den Kurven entgegen kommt. Zumindest fühlt es sich von unten, aus der Froschperspektive des Yachties, so an. Wie das dann aus der erhabenen Position des Frachterkapitäns aussieht, kann man sich ja so ungefähr vorstellen. Da sind wir so`n lästiges Schwimmzeugs.

Der nicht ausgebaute Teil des Kanals

Der Zustand des NOK ist ja bekanntlich eher kritisch, es fehlt deutlich an Geld und wohl auch an Ingenieurs-Kapazitäten. Beides hat man wohl für den sehr sinnvollen Rhein-Main-Donau-Kanal gebraucht, auf dem sowieso keiner fährt. Jedenfalls ist von den 4 Kammern der Schleuse in Holtenau nur eine in Betrieb, eine wird repariert, zwei sind stillgelegt. Entsprechend ist der Andrang an der letzten funktionsfähigen Kammer. Und entsprechend sind die Wartezeiten für die Sportboote, denn die Berufsschifffahrt hat natürlich Vorrang. Man kann sich also mental auf längere Wartezeiten vorbereiten. So hat uns denn auch die Durchsage an eines der Berufsschiffe, man müsse jetzt noch einen ganzen Pulk Sportboote mit in die Kammer nehmen, die warteten schon Stunden, bewogen, den Hebel ganz weit nach vorn zu schieben. Wir waren noch gar nicht in besagtem Pulk, wir kamen gerade erst um die Kurve. Mussten dann aber doch noch fast eine Stunde warten bis wir in der Kammer fest waren. Platz war genug, die großen haben meist auch einigen ¨Verschnitt¨. Bis allerdings ein Pulk Sportboote festgemacht und dann später auch wieder abgelegt hat, das dauert. Die Schleusenmannschaft war trotzem freundlich und sachlich. Was man  erwähnen sollte. Sie verwalten den Mangel und haben ihn nicht zu verantworten. Und die Yachten sind mehr oder weniger Gäste im Kanal, die Gebühren der Yachties sind wohl nicht entscheidend für den Unterhalt. (Der Autor kennt nur einen Kanal, der noch günstiger ist: Falsterbro-Kanal. Der kostet gar nichts. Allerdings kann man da bei der Einfahrt das Ende auch schon sehen.)

Halb so groß wie Delmenhorst …

Auch wenn es uns etwas gegen den Strich ging, die Entscheidung, in Brighton abzubrechen war wohl nicht ganz verkehrt. Entweder haben wir keinen Wind, zuviel Wind oder Ostwind. Mehr als die Hälfte der Zeit für die Rückfahrt vorzusehen scheint richtig gewesen zu sein. Nur nach der langjährigen Statistik herrscht überwiegend Westwind. Leider hält er sich aber nicht daran. So also die gleiche Streck zurück wie hin. Eigentlich hatte es ja England rauf, Frankreich runter werden sollen.
Vormittags aus Sovereign Harbour bei Eastbourne raus. Da gibt es nicht nur Martellos als Zeugen der Geschichte, sondern auch ein Wrack. Und ein Schild, das u.A. darauf hinweist, wer die Bösen waren, die das Schiff zum Wrack gemacht haben, am Anfang des 2. Weltkriegs. Das Wrack selbst ist weitgehend zerfallen, was noch dräut und auf unvorsichtige Sportbootfahrer wartet, sind die Dampfkessel. Direkt neben der Hafeneinfahrt. Einmal haben wir mitgehört, wie ein Hafenmitarbeiter einen Bootsführer freundlich aber nachdrücklich von der Gefahrenstelle weg geführt hat. Es hat auch Vorteile, dass die Häfen hier personel gut bestückt sind.

Sovereign Harbour, Eastbourne, Dampfkessel
Sovereign Harbour, Eastbourne, Dampfkessel

Mit Nordwind, durchaus kräftigem an Hastings vorbei und um Dungeness herum. Dungeness, das ist eine flache Halbinsel vor der südenglischen Küste, die sich durch Künstlerkolonien, eine spleenige Minieisenbahn, ein Kernkraftwerk im Naturschutzgebiet und durch die Tatsache, das der Tidenstrom östlich und westlich davon zeitweise entgegengesetz läuft, auszeichnet.

Geschickt ausgenutzt hat man so mehr als 7 Stunden mitlaufende Tide. Ganz bis Dover hat es nicht gereicht, der Wind hat auf Ost gedreht und das letzte Stück musste dann Wind aus dem Tank herhalten.
Also wieder Dover. Rye geht nur bei Hochwasser, Folkstone hat einen sehr rustikalen Hafen, der zudem vor Ostwind nicht schützt. Und Hastings hat eigentlich gar keinen Hafen, obwohl es doch zu den Cique Ports gehört. Dafür eine Seebrücke, die aber deutlichst das Ende ihrer Lebenszeit

Hastings mit verschraddelter Seebrücke
Hastings mit verschraddelter Seebrücke

erreicht hat.
Und da der Skipper bei seinem ersten Besuch in Dover etwas fußkrank war, gibt’s in Dover noch genug zu besichtigen.

Die Stadt Dover kennt eigentlich jeder, zumindest vom Namen her. Was natürlich an ihrer besonderen Lage an der Südostecke der großen Insel liegt, die wir oft fälschlich als England bezeichnen.
Dover ist ungefähr halb so groß wie Delmenhorst, aber ein bisschen interessanter. Erstens, weil es landschaftlich schön liegt. Zweitens, weil es eine lange und bewegte Geschichte hat, von der noch etliches zu sehen ist. Schon die Römer hatten hier ein Kastell. Liegt heute unter der modernen Bebauung. Zu sehen ist heute nur der Rest eines römischen Hauses, das beim Bau des Kastells zugeschüttet wurde, was die antiken Wandmalereien konserviert hat. Heute das ¨Painted Roman House¨.
Als William the Conquerer, von Hastings kommend auf dem Weg nach London – auch nicht die kürzeste Strecke – hier vorbei kam, haben seine Soldaten die Burg – jetzt schon an der heutigen Stelle – angezündet und niedergebrannt. William hat den Schaden bezahlt und die Burg wieder aufgebaut. Offenbar hat man hier schon länger Probleme mit Vandalismus.

Einer seiner Nachfolger, Henry II, hat dann die heute noch erhaltene normannische Burg dort hingestellt. Eine der größten und am besten erhaltenen. Die hat man in jüngster Zeit auch innen so ausgestaltet, wie sie zu seiner Zeit ausgesehen haben könnte.

Raumgestaltung, 12. Jahrhundert
Raumgestaltung, 12. Jahrhundert

Heinrich der Zweite, das war der Vater von Richard Löwenherz und Johann Ohneland und noch weiteren problematischen Nachkommen. Den Darstellungen im Dover Castle zufolge hat er mehr Kriege gegen die Armeen seiner eigenen Kinder geführt als gegen äußere Feinde. Zerrüttete Familienverhältnisse.
Aber die Burg ist geblieben, immer weiter ausgebaut und bis nach dem 2. Weltkrieg militärisch genutzt worden.
Auf dem Gelände finden sich auch eine sächsische Kirche und ein römischer Leuchtturm. Beides natürlich nicht mehr im Urzustand. An der Kirche findet man noch eine zugemauerte Tür aus ihrer Anfangszeit. Alles andere ist dem Laien nicht sichtbar. Und der Turm ist normannisch aufgestockt, aber noch als römisch erkennbar. Siehe Bild ganz oben.
Das war der Ostturm, der Westturm ist einer weiteren Festung zum Opfer gefallen, die Napoleon fernhalten sollte. Der ist ja dann auch nicht gekommen.

Dover Castle Hintereingang
Dover Castle Hintereingang

Alternative Fakten

Alles erledigt, Ersatzteile eingebaut, Fenster wieder abgedichtet. Auch die elektronische Seekarte so aktuell, wie sie geliefert werden konnte. Also leider nicht wirklich aktuell. Weil, zwischen Wangerooge und Harlesiel sieht die Welt neuerdings anders aus. So, wie wir die Welt an dieser Stelle der Welt kannten, gab es ein Fahrwasser von der Nordsee nach Harlesiel. Da war die Harle, die Tonnen dazu hießen Hxx (mit xx aus der Menge der natürlichen Zahlen) und führte dicht an Wangerooge vorbei. Der kurze Abstecher zum Hafen war mit den Tonnen W2 und W4 bezeichnet.
Mit diesem Wissen und einem, zugegeben, kurzen Blick in die Karte sind wir also von Wangerooge nach Harlesiel gestartet. Die Tonne vor dem Hafen haben wir nicht allzu intensiv betrachtet, schließlich liegt da schon ewig eine. Dem gewohnten Wege gefolgt und ….
Überraschung!!! Die Tonne, die eigentlich Hxx heißen sollte, hieß plötzlich W3! Die nächste dann W5. Verwirrung macht sich breit. Wo gehts hier hin? Nachdem der Vorrat an W-Tonnen aufgebraucht ist dann ganz vorsichtig zur nächst gelegenen. Ziemlich flach hier! Die hat dann wenigstens ein H im Namen und die Welt ist wieder halbwegs in Ordnung.
In der Schleuse in Harlesiel werden wir dann aufgeklärt, dass die Fahrwasser verlegt sind, was nicht so schlimm ist, und die Bezeichnungen geändert, was schon eher verwirrt. Information ist in der Seefahrt eine Holschuld, aber man muss ja erstmal auf den Trichter kommen.
Also, zusammengefasst: W heißt jetzt DH und führt vom Harle-Fahrwasser in den Wangerooger Hafen. W ist jetzt das, was ein Teil von H war, H ist jetzt da, wo vorher ein Teil von OB (Otzumer Balje) war. Raider ist jetzt Twix, und Lügen sind alternative Fakten. Und Negerküsse jetzt Schokoschaumgebäck mit Migrationshintergrund. Und neue Karten sind nicht unbedingt richtige Karten.

Gewitterballett

Das Wetter hatte sich wirklich nur vorübergehend beruhigt. Es ist wieder ganz unruhig. Insbesondere hält es sich überhaupt nicht an die Vorgaben, die die diversen Wetterweisen so machen. Wir haben darum Samsö ausfallen lassen und sind mit West 5, da stimmte die Vorhersage, flott zum Nordende des Großen Belts. Um dann allerdings eine halbe oder dreiviertel Stunde davor herum zu kreuzen, um einem Gewitter die Chance zu geben, von uns unbehelligt nach Seeland abzuziehen.

Gewitterballett
Gewitterballett

Hat es auch ordentlich gemacht. Also weiter nach Kerteminde. Da lag dann über der Bucht ein weiteres Gewitter, an dem wir uns mit kurzen Kreuzschlägen vorbei geschummelt haben. So haben wir viel Zeit damit verbracht, den diversen Gewittern und Regenschauern auszuweichen.
Kerteminde, ehemals der Hafen von Odense. Im ¨Werner¨, soll heißen, in dem Buch von Jan Werner, kommt die Stadt nicht gut davon. Na ja , unseres ist die vierte Auflage und aus den 90er Jahren. Da kann sich schon etwas verändert haben. Wir finden, das das Städtchen durchaus sein Ambiente hat, sowohl am Hafen als auch in der, allerdings überschaubaren Altstadt.
Kerteminde
Kerteminde

Am nächsten Tag weiter im Großen Belt nach Süden. Unter der Brücke durch, der kleinen, der Westbrücke, bis zu eine Orte der da heißt Lundsborg. Ganz wenig Ort, aber viel Hafen, und auch mit Ambiente.
Für Morgen können wir verschiedene Wetter aussuchen, je nach Anbieter der Prognose. Aber keines davon sagt uns wirklich zu.

Last Exit Lysekil

Wir waren ja im Sund, der Orust im Norden vom Festland trennt. Die nördlichste Verbindung zurück zur See, Kärlingsund, gehört zu den engsten und kurvenreichsten Gewässern, durch die wir bislang gefahren sind. Und auch zu den schönsten. Man muss hier zwangsläufig langsam fahren. Trotzdem haben wir noch einen Zwischenhalt eingelegt, denn solche Landschaften sieht man wahrlich nicht alle Tage. Und wenn es auch manchmal so aussieht, als seien wir zu nahe an den Felsen vorbei gefahren: Das muss so sein, auf der anderen Seite stehen auch welche, auch wenn man sie nicht immer sieht.

Auf der anderen Seite sind auch Felsen
Auf der anderen Seite sind auch Felsen
Segeln ist hier schlicht nicht möglich, aber hier ist sogar das Fahren unter Motor ein Erlebnis.
Rot an Steuerbord !
Rot an Steuerbord !

Die Fahrwasser in den Schären vor der Küste erscheinen danach richtig weiträumig, die Sonne kam heraus, der Himmel wurde blau und der Wind war sanft, aber ausreichend. Wirkt richtig wie Sommer. Geht also doch.

Sommer geht also doch
Sommer geht also doch

Unser eigentlich geplantes Tagesziel, einer der Ankerplätze bei Kungshamn, entgültige Wahl nach Besichtigung, haben wir wieder nicht erreicht. Wir sind auf der Insel Store Kornö hängen geblieben. Lilla Kornö sah zwar noch netter aus, war aber nichts mehr frei, außer mit Heckanker, und den wollten wir nicht wieder aufbauen. Die Insel ist schön, der Ort auch, und die kleine ¨lilla¨ Schwesterinsel schauen wir uns vielleicht morgen noch an. Sind ja nur ein paar hundert Meter übers Wasser von hier.
Die Hafengebüren auf S. Kornö sind ortstypisch, wie schon gesagt, Norwegen ist nah. Die Infrastruktur eher naturnah, back gto the roots.
Ansonsten kann man auf dieser Insel als Besucher nicht viel Geld ausgeben, außer Eis und Süßigkeiten haben wir keine käuflichen Dinge gefunden. Dafür viel Landschaft.
Store Kornö
Store Kornö

Und wir haben heute mal wieder ein zweistelliges Etmal erreicht: 12 Meilen. Für diese Gegend ist das schon fast Raserei.

Pielpatz und Mulle

Die junge Familie ist wieder abgereist. Eine Woche sollte es werden, 5 Tage mit An- und Abreisetag sind es wirklich geworden. Davon haben die Großeltern das Kind zwei Tage allein bei sich gehabt, und einmal hat es an Bord übernachtet. Also nicht ganz so wie geplant.
Und was macht man in Skärhamn, wenn man etwas mehr als zwei Jahre alt ist? Jedenfalls nicht segeln.
Fische fangen. Oder, weil das noch nicht so richtig funktioniert, größeren Kindern zusehen, wie sie Seesterne, Krebse und Fische fangen und wieder ins Wasser werfen. Geht gut im Gästehafen von Skärhamn, am besten vor dem Klohäuschen.

Man kann malen. Bei Oma und Opa an Bord mit den mitgebrachten Bundstiften.

Malen mit Bundstiften
Malen mit Bundstiften

Wenn man Glück hat, kann man an einer Malveranstaltung für Kinder teilnehmen, die das Nordische Aquarellmuseum hier veranstaltet.
Aquarell nordisch abstrakt
Aquarell nordisch abstrakt

Oder einfach auf der Straße malen.
Wachsstifte
Wachsstifte

„Pielplas“ gibt es auch. Wenn auch sehr übersichtlich, aus der Sicht der Erwachsenen jedenfalls. Man könnte die Füße ins das Wasser des Skageraks halten, am kleinen Strand. Aber das ist viel zu kalt, um sich länger darin aufzuhalten.
Bei Oma und Opa Maiskolben vernichten.
Mais vernichten
Mais vernichten

Sich ein Eis erquengeln. Aber man kann von der, zugegebenermaßen sehr großen, schwedischen Eiskugel nur ein kleines Häpschen nehmen und Oma und Opa den Rest lassen.
Und man kann den Erwachsenen Denkaufgaben stellen, die sich auf den Bereich der verbalen Kommunikation beziehen.
„Meie Mulle“ = „Mein Schnuller“
„Mulle äääää“ = „Ich möchte bitte meinen Schnuller“
„Titze“ = „Kitzel-“ gleich Mineralwasser
Als ob wir alten Leute nicht mit Schwedisch schon genug Probleme hätten. Verstehen können wir das noch weniger, aber da gibt es öfter mal was schriftliches, mit dem man sich dann etwas länger beschäftigen kann. Und auch des Öfteren zu besseren, sprich einleuchtenderen Ergebnissen kommt als so manches Übersetzungsprogramm. Wer’s nicht glaubt, hier mal wieder ein schönes Beispiel:
„www.tjornbilder.com/tysk/kartval/kyrkesund.html“
www.tjornbilder.com
Haben lange über den Satz „Kalhuved ist ein alter Zug Ölheizkessel vom 1800. Jahrhundert.“ nachgedacht. Hat sich mir noch nicht vollständig erschlossen. Aber immerhin, es wird auch in 178000 Jahren noch Heizkessel geben. Das ist ja schon mal ’ne Aussage.
Und sonst noch? Es gab eine Folkeboot-Regatta in Skärhamn, mit Teilnehmern aus allen möglichen Gegenden Schwedens. Wir wissen jetzt, wie die trotz der großen Entfernungen hier zusammenkommen konnten. Hier sieht man’s:
Drei auf einen Streich
Drei auf einen Streich

Jetzt haben wir Skärhamn wieder verlassen und uns verschiedene Ankerplätze in den Schären angesehen. Das Wetter war allerdings auch nur begrenzt sommerlich heute. Eigentlich gar nicht. Und so haben wir heute wieder einen ganz konventionellen Ankerplatz, ganz unschwedisch, mit Wasser auf allen Seiten. Die richtig abenteuerlichen, die wir uns angesehen haben, waren entweder schon besetzt, oder der Wind und die Welle standen drauf. Das mit den Schärenankern und Ringen im Fels müssen wir noch üben. Hoffentlich mehr dazu in den nächsten Tagen.
Die Bild zu diesem Beitrag kommen später, wegen der Bandbreite.

Durch diese hohle Gasse …

Gleich zur Frühstückszeit hat uns ein Autotransporter demonstriert, dass man auch mit großen Schiffen flott zwischen den Schären unterwegs sein kann. Siehe oben, aufgenommen direkt vor dem Südhafen von Dyrön.
Zu den diversen Anforderungen, die an die Navigationsplanung gestellt werden, kommt jetzt noch eine schwierige dazu: Wir brauchen Kinderbespaßungsmöglichkeiten. Åstol bietet da so gut wie nichts, Dyrön wenig. Daher unser Plan für heute: Klädesholmen, und wenn da nichts geeignetes ist weiter nach Skärhamn. Klädesholmen ist ein Naturhafen, der zwischen drei kleinen Inseln liegt, von denen zwei durch einen Damm verbunden wurden und zwei durch eine Brücke. Bleibt nur eine Öffnung, die als Einfahrt dient. Der Weg dorthin führt durch einen Kanal zwischen Felsen. Durchaus nicht unspannend, und für uns, die wir ja aus einer relativ flachen Gegend kommen, ein Landschaftserlebnis.

Kanal nach Rönnang/Klädesholmen
Kanal nach Rönnang/Klädesholmen

Klädesholmen hält durchaus, was die Handbücher versprechen. Ohne die oben angeführte Zusatzanforderungen wären wir hier wohl einen Tag geblieben, aber leider gibt es nichts für Kleinkinder. Also haben wir uns auf eine Mittagspause beschränkt und sind dann weiter Richtung Skärhamn.
Klädesholm
Klädesholm

Es gibt zwei Möglichkeien, mit dem Boot von Klädesholm nach Skärhamn zu kommen. Zwei naheliegende, Umwege kann man natürlich immer machen. Entweder raus aufs Kattegatt und in Skärhamn wieder rein, oder durch die Schären. Da es draußen immer noch sehr windig ist – das will zur Zeit auch nicht weniger werden mit dem Starkwind – haben wir uns für Weg durch die Schären entschieden. Auf der Karte sieht der schon recht abenteuerlich aus. Wenn man sich das auf dem Kartenplotter ansieht, nimmt die Abenteuerlichkeit nicht merklich ab. Insbesondere die ganz engen Stellen werden auch durch zoomen nicht breiter. Fährt man die Strecke dann im wirklichen Leben, nimmt die gefühlte Abenteuerlichkeit keineswegs ab, im Gegenteil.
Enge Durchfahrt
Enge Durchfahrt

Die Nähe der Felswände und Untiefen ist für uns Weser- und Ostfrieseninselnsegler doch schon ungewohnt, malerisch und manchmal auch adrenalinfördernd. Was die Sache deutlich erleichtert: Es gibt kaum Strom. So konnten wir es uns auch nicht verkneifen, den größten Teil der Strecke unter Segel, wenn auch nur mit der kleinstmöglichen Beseglung, zu durchfahren.
Durch diese hohle Gasse muss er kommen ..
Durch diese hohle Gasse muss er kommen ..

An ein paar Stellen ging es einfach nicht ohne Motor, dazu ist es zu eng zum Kreuzen.
Und Skärhamn ? Hier gibt es viele Kinder, auch ein bisschen Bespaßungsinfrastruktur. Und leider einen proppevollen Hafen. So mit Reinschieben zwischen die anderen Boote, nach Anweisung vom Hafenmeister und mit Heckmooring.
Der Käptn ist von dem Gedränge nicht so begeistert, aber was tut man nicht alles für die lieben Kleinen.
Trubel in Skärhamn
Trubel in Skärhamn

Mittsommernacht

Der Zustand der Atmosphäre hat sich wieder stabilisiert. Dem Netz konnte man entnehmen, das es auch in Deutschland geschüttet hat. Hier jedenfalls war sehr ergiebiger Starkregen und reichlich Wind in der Nacht. Am nächsten Morgen, dem des Freitag, herrschte dafür absolute Stille in den unteren Schichten. Kein Wind, warm und Seenebel. Also Auslaufen verschoben. Dann kein Nebel mehr, aber schwül. Fühlt sich nach Gewitter an. Immer noch kein Auslaufen. Und dann die große Müdigkeit, erst bei mir, dann bei Sabine. Und dann lohnt sich das Auslaufen eigentlich auch nicht mehr. Und das war auch gut so. Weil, wären wir auf See gewesen, hätten wir den höchsten Schwedischen Feiertag, de facto, das Mittsommer-Wochenende wohl nicht so deutlich miterleben können. Wir wusten, dass Sommeranfang war, und auch, dass das hier sehr intensiv gefeiert wird. Aber irgendwie war es doch ein wenig verdrängt.
Erst fing es ganz langsam an: Wir sind ein bisschen auf einer der Hafenmolen spazieren gegangen und hörten von dort aus martialisches Getrommel aus den Mauern der Festung. Unsere touristische Neugier ließ uns dann der Blaskapelle folgen, die aus der Festung „hervorbrach“. Ein uniformierter Haufen von Schülern (und – erinnen) mit Trommeln, Posaunen, Trompeten, Saxofonen, Flöten, Tuben, Klarinetten und sogar zwei Waldhörnern. Aus lauter Neugier hinterher bis in einen Park, woselbst die tapferen Musikanten (und -innen) Aufstellung nahmen und ihr Repertoire abarbeiteten (Ich kann keines der Stücke benennen, aber vermutlich alle mitpfeifen. Irgendwie sind das überall die Gleichen.)
Mehr und mehr Volks versammelte sich, und viele der Damen, vorwiegend, aber nicht ausschließlich jüngere, trugen das zu diesem Feste gehörige Dekor: Einen Blütenkranz im Haar. Ganz stilechte Version: Weißes Kleid dazu.
Es folgte dann eine längere gemeinsame tanzähnliche Aktion. Unter Anleitung eines Sängers, der von einem Akkordeonspieler begleitet wurde. Sabine meinte, das laufe unter Kinderbelustigung. Ich fand, die Eltern waren weit mehr belustigt, während mancher Jungschwede (und -in) gar nicht wusste, was da gespielt wurde. Wie auch immer, für Nichtschweden (und -innen) schon ein interessantes Schauspiel, sowas ist bei uns doch schwer vorstellbar.

Mittsommer-Feier in Varberg
Mittsommer-Feier in Varberg

Der Abend war dann noch lang und laut, und am nächsten Morgen waren dem einen oder anderen (ohne -innen) noch Spätfolgen des Alkohols anzusehen.
Da wir ja keine Schweden sind und daher selbstverständlich zur Mittsommernacht auch keinerlei Alkohol kosumieren (oder glaub das jemand nicht?), konnten wir dann am Sonnabend Morgen früh auslaufen – für unsere Ostseeverhältnisse jedenfalls früh. Ziel war Gottskär, oder ein Ankerplatz zwischen den Inseln davor, oder Bua. Ausgelaufen bei NW 2, eingelaufen in Bua bei NW5 oder auch etwas mehr. Jedenfalls nur noch mit gerefftem Groß, und auch das noch ziemlich flott.
„Bua“ ist keine Wertung, der Ort heißt wirklich so. Was hat er zu bieten? Einen Hafen für die Fischerei und Sportboote, eine landschaftlich eigentlich ganz nette Bucht, die guten Schutz bei viel Wind bietet, und Schwedens größtes Kernkraftwerk. Nicht so schön, aber wir wollen ja hier nur übernachten und nicht Urlaub machen.
Ach ja, einen Leuchtturm auf den Felsen neben der Einfahrt zur Bucht.
Leuchtturm an der Einfahrt nach Bua
Leuchtturm an der Einfahrt nach Bua

Eine Insel mit zwei Bergen ..

.. und dem weiten blauen Meer.
Ohne Tunnel, ohne Geleise, ohne Eisenbahnverkehr …
Das Wetter hat nicht nur nicht gehalten, was der Wetterbericht am Sonntag Morgen versprochen hat, es war sogar noch gruseliger als es der Wetterbericht vom Sonntag Abend vorhergesagt hatte. Den Montag haben wir überwiegend an Bord verbracht, gelesen, in den Regenpausen mal auf die Hafenmole geschaut. Mehr war nicht drin: Kalt, Regen, viel zu viel Wind zum Segeln. Sogar ein Fischerboot hat Schutz im Hafen gesucht, und die sind ja sonst schon hart im Nehmen.
Heute dann nur noch 4 Bft aus West, ab nach Anholt. Zwischen Grenaa und Anholt liegt der größte Offshore-Windpark Dänemarks und einer der größten überhaupt. Aus den Karten (1 mal Papier, 2 mal elektronisch) ging nur hervor, dass man da nicht ankern und keine Dinge über den Boden schleifen lassen darf. Daraus haben wir geschlossen, das man hindurch fahren darf. Ob sich das nun gelohnt hat, ist eine andere Frage, vielleich wären wir außen herum mit ungestörtem Windfeld auch nicht länger unterwegs gewesen.

Windpark Anholt
Windpark Anholt

Die einschlägigen Handbücher – wir haben natürlich nur einschlägige an Bord, andere kennen wir gar nicht – schlagen alle einhellig vor, auf Anholt früh anzukommen, da der Hafen oft überfüllt sei. Was einleuchtet, schließlich liegt die Insel so schön zentral in der Mitte des Kattegats, dass man hier einfach einlaufen muss. Außerdem soll Anholt landschaftlich sehr schön sein.
Hafen Anholt in der Vorsaison
Hafen Anholt in der Vorsaison

Nun sind wir hier. Erstens: Anholt ist nicht überlaufen. Jedenfalls jetzt nicht, außerhalb der Ferien.
Zweitens: Die Insel ist sehr schön. Es gibt einen hohen Teil, dessen höchsten Punkte von den Eingeborenen Nordberg und Südberg genannt werden. Und es gibt einen niedrigen Teil, der hier unter ¨Wüste¨ läuft. Diese Wüste soll entstanden sein, weil im Laufe der Anholter Geschichte alle Bäume verbraucht wurden, um ein Warnfeuer für die Seefahrt zu unterhalten. Brennendes Holz als Lichtquelle hat ja nun auch wirklich keinen besonders guten Wirkungsgrad.
Heute leben die Anholter, es gibt ihrer nur etwas mehr als 160, im Wesentlichen vom Tourismus. Und das zu Recht, denn die Landschaft, die Vegetation und die langen Strände sind schon etwas besonderes.
Anholts Ostseite
Anholts Ostseite

Anholt sei jedem Segler empfohlen, vorzugsweise außerhalb der dänischen und schwedischen Ferienzeit – es ist von hier aus nach Schweden kaum weiter als nach Dänemark.
Wir werden wohl einen zusätzlichen Anholt-Tag einlegen, schießlich kommt man nicht so oft hierher.