Borstahusen statt Ven

10:00 Abfahrt aus Höganäs unter Motor, weil kaum Wind. Und das bisschen aus Süden, also von da, wo wir hin wollen. Nähert man sich dem Nordende des Öresunds, dann ist man auf der schwedischen Seite gezwungen, sich in einem schmalen Streifen zu bewegen. An Backbord wird´s flach, an Steuerbord liegt das Verkehrstrennungsgebiet. Und da man ja auf der Ostseite ist, fährt man gegen die Richtung, muss also deutlich außerhalb bleiben. Kreuzen ist da nicht möglich, also weiter unter Motor. (Auf der dänischen Seite wäre man zwar auf der richtigen Spur, aber mit einem Segler das VTG/TSS zu benutzen ist etwa so sinnvoll wie mit dem Rollator über die Autobahn zu preschen)

Schiffsverkehr bei Helsingör

Am Ende des VTG hatten wir uns dann geeinigt, dass wir, wegen hochsommerlicher Temperaturen, nicht wie geplant Landskrona besuchen, sondern Ven. Ven, dänisch Hven, ist die schwedische Insel im nördlichen Öresund. Die, wo einst Tycho Brahe sein Observatorium hatte. Und dort den Hafen an der Nordseite, Norreborg. Ven hat zwar die schöne Eigenschaft, ringsum von gutem Ankergrund umgeben zu sein. Aber wenn man ankert, kann man sich die Insel nur von außen anschauen. An der Hafeneinfahrt von Norreborg stand allerdings ein schönes, großes, rotes Schild mit der Aufschrift. ¨Fullt¨. Das haben wir verstanden, auch wenn wir kein Schwedisch oder Dänisch können.
Wenn um die Zeit dieser Hafen schon ¨fullt¨ ist, braucht man nicht damit zu rechnen, dass es bei den beiden anderen besser aussieht. Also haben wir die Ringsum-ankern-Option genutzt und auf der Seite mit ablandigem Wind geankert, und, wie man auf Neudeutsch sagt, gechillt. Altdeutsch wäre das ein Mittagsschläfchen. Über die Frage, ob der Platz zum Übernachten geeignet sei, konnte leider keine Einmütigkeit hergestellt werden, so so haben wir, unter Knurren des Skippers, den Anker wieder eingeholt und sind in den nächsten Hafen. Der auch wieder, siehe letzter Beitrag, reichlich voll war. Und die letzten freien Plätze liegen gegenüber der Einfahrt und sind, zumindest nach Meinung des Skippers, unruhiger als es vor Ven war und insbesondere Nachts wäre.

Zudem laufen hier possierliche Tierchen auf dem Steg auf und nieder. Nachdem ich das erste Huschen irrtümlich einer Ratte zugeordnet hatte, haben sich die zwei Tierchen noch mehrfach gezeigt und wurden von uns als Marderartige identifiziert. Ratten können nicht so geschmeidig über Treppenstufen fließen. Die beiden haben auch keine Scheu vor Menschen, laufen allerdings ziemlich planlos auf der Mole hin und her. Unser Vergleich mit den Bildern unterschiedlicher bei uns heimischer Marderarten hat nicht zur Erleuchtung geführt. Kann ein Kundiger uns mitteilen, um welche Art Marder (Stein-, Haus-, Baum-M., Wiesel, Iltis, Frettchen, …) es sich hier handelt? Sabine meint, es seien Jungtiere, man sehe, dass ihnen die Lebenserfahrung fehle. Mir ist nicht ganz klar, wonach man das bei einem Marder beurteilt.

Wir halten jedenfalls alle Öffnungen am Boot gut verschlossen, wenn wir nicht an Bord sind.

Der Marder von Borstahusen


Der Ort zum Hafen, ein ehemaliges Fischerdorf, besteht im Wesentlichen aus drei parallelen Straßen mit kleinen Häusern aus Stein. Das Ganze sieht weit mehr dänisch als schwedisch aus. War es ja früher auch. Stockholm ist weit weg, und bei klarer Sicht, so wie heute, kann man zumindest das Kraftwerk von Kopenhagen schon sehen.

Der Kongress tanzt nicht

Auf dem Kullen, oder Kullaberg, versammeln sich alle Tiere, um einen Kongress abzuhalten und sich zu amüsieren. Steht jedenfalls so im Standardwerk über die Geografie Schwedens von Selma Lagerlöf. Besser bekannt unter ¨Nils Holgersons wunderbare Reise mit den Wildgänsen¨.
Der Kullaberg ist ein Gebirgszug, der mit seinem Westende ein Stück ins Kattegatt hinausragt und so eine Halbinsel bildet. Zu Zeiten der Wildgänse ein abgeschiedener Ort, heute ein Naturschutzgebiet. Am Rande des Kullen gibt es zwei Häfen, Arild im Süden und Mölle nördlich. Von Arild sagt das Hafenhandbuch, dass man als Ortsunkundiger nicht hinfahren soll, weil der Hafen klein und flach sei und wenig Platz biete. Von Mölle sagt es, dass es malerisch sei. Somit haben wir Mölle als Ziel gewählt. Wind gut, Stärke und Richtung OK. Zumindest bis vor die Spitze von Kullen. Dann mit Wind genau von hinten Richtung Mölle, was nicht jeder gut verträgt. Die Stützwirkung der Segel entfällt und das Boot rollt dann mehr.
Und Mölle? Vom Malerischen verschwindet leider ein großer Teil, wenn man in den Hafen einfährt und dieser einem überfüllten Campingplatz ähnelt. Vermutlich wollen die alle auf den Kullaberg. Da laufen heute 500 000 Leute pro Jahre rum und die Tiere haben sich vermutlich ein anderes Konferenzzentrum gesucht.

Mölle mit dem Kullaberg

Unseres Bleibens war dort nur kurz. Weiter Richtung Süden kommen noch zwei Häfen, von denen das Handbuch abrät. Der nächste empfohlene heißt Höganäs, der Service dort sei gut, aber es fehle an Charme. Stimmt teilweise. Zwei Klos für hunderte Schiffe und Duzende Wohnmobile ist zwar auch nicht ganz das, was man sich unter gutem Service vorstellt, aber man findet auch in der Urlaubssaison einen Platz.
Besser so, was hilft der malerischste Hafen, wenn man nicht rein kommt.

Die Containerbrücke von Höganäs

Offenbar hat der Welthafen Höganäs mal gemeint, am weltweiten Boom der Containerschifffahrt teilhaben zu können. Jedenfalls gibt es eine Containerkaje. Mit einer Containerbrücke, genau einer. Dieser Service hat die Reedereien wohl nicht überzeugen können. So ist hier auch im Containerhafen Platz.

Halmstad

Die Beschreibung im Begleitheft der Seekarten las sich gut. Der Liegeplatz nahe dem Zentrum von Halmstad wurde als gar lauschig, vor Bäumen und alten Häusern beschrieben. Wollten wir uns man ansehen. Wind war reichlich, von hinten, und wir waren richtig schnell – für unsere Verhältnisse. (Wenn man richtig schnell sein will, ist eine Segelfahrzeug eine sehr ungünstige Wahl. Und je kleiner, desto ungünstiger.)
Halmstad versteckt sich, wie auch andere schwedische Küstenorte, hinter seinem Hafen. Dafür liegt dann der Gästehafen dicht am Ortskern, ist aber doch nicht so malerisch wie die Beschreibung glauben machen will.
Halmstad ist Provinzhauptstadt, etwa dreimal so groß wie Helmstedt 😉 und offenbar stolz auf seine Geschichte, seine Skulpturen, sein Schloss und sein Stadtbild.

Eine der Halmstader Skulpturen

Um 1600 als Festung gegen die Schweden ausgebaut vom dänischen Christian IV. Dem eigentlich politisch glücklosen König, dessen Bauten man von Glückstadt bis hier überall findet, wo mal Dänemark war. Und das war vor C4 eben viel mehr als nach C4. (Die Abkürzung hat er selbst erfunden, steht in Schloß Helsingör an jeder zweiten Wand)
Von der Festung ist noch ein Tor erhalten,und das ganze Befestigen hat ja, wie man sieht, nur Geld gekostet und nichts gebracht. Heute gehört die Stadt trotzdem den Schweden.

Das Festungstor von Halmstad

Das Schloss ist geblieben, auch von C4 und gut erhalten. Die Skulpturen bereichern das Stadtbild wirklich. Nur das Stadtbild selbst begeistert nicht so vollständig. Zumindest Nicht-Schweden nicht. Es gibt zwar einzelne interessante Altbauten, aber sie sind locker über die Innenstadt verstreut, so dass man keine zusammenhängende Bereiche findet. Was eine Besonderheit ausmacht, ist, dass es hier, nach dänischer Tradition, Fachwerkhäuser gibt. Die kommen, soweit wir es gesehen haben, in Schweden eher selten vor. Entweder Holz und Stein, nicht so eine seltsame Zwischenlösung.

Verstreute Altbauten

Und noch ein kleiner, aber ärgerlicher Unfall. Bei der Suche nach einem Standpunkt, von dem aus man das Schloss mit dem alten Segelschiff, aber ohne hässliche Motorboote fotografieren kann, hat der Bordfotograf leider die Kaikante übersehen. Die Fallhöhe auf den davor liegenden Steg war nur etwas kniehoch, hat aber ausgereicht, den Operateur umzuwerfen und die Kamera nachhaltig zu schädigen. Das ist ärgerlich, nachdem er endlich gelernt hatte, sie halbwegs ordentlich zu bedienen. Ab jetzt gibt´s nur noch Handy-Fotos.

Gen Süden

Der Rückweg hat nun auch gefühlt begonnen. Die Strecken werden länger. Was allerdings nach den teils sehr kurzen Etappen auf dem Göta-Kanal gar nicht ausbleiben konnte. Nach dem Verlassen des, oder vielleicht auch Abschied vom, Göteborger Schärengarten war das Ziel für die Nacht ein versteckter Steg, den wir von unserem letzten Besuch in diesem Gebiet kannten.
War leider besetzt. Über die Eignung der alternativen Ankerplätze in dessen Umgebung und über die Stabilität des Wetters konnte innerhalb der Besatzung keine Einigkeit hergestellt werden. Also haben wir die Bucht ohne Einigkeit wieder verlassen und sind weiter zum nächsten Hafen:
Bua. Der Ort ist nicht wirklich interessant, wenn auch nicht so schrecklich wie sein Name suggeriert. Ein ehemals großer Fischerhafen, heute immer noch ein Fischereihafen, aber mit weit mehr Sportbooten als Fischerbooten. Nur das Kernkraftwerk nebenan stört etwas. Noch mehr stört einen das Kraftwerk, wenn man die Liste seiner Störfälle gelesen hat: Bua!
Uns hat es in der Nacht nicht belästigt. Anscheinend hat man die Druckbehälter auch verkleidet, eine zylindrische Umbauung sorgt dafür, dass man die typische Form des Druckbehälters, das ¨Atom-Ei¨ erst auf den zweiten Blick erkennt.

KKW Ringhals bei Bua (oder umgekehrt)

Von Bua mit seinem Bua-Kraftwerk (richtiger Name: Ringhals) am nächsten Tag nach Falkenberg. Der, nach meiner Meinung, sehenswertere Teil dieses Ortes verbirgt sich etwas. Von See kommend sieht man erst viel Hafen mit Silos, Industriebetrieben, Werftanlagen und zwei Schwimmdocks.

Hafenanlagen Falkenberg

Nach einem Weg von etwa 20 Minuten kommt man über ein Brücke aus dem 18 Jahrhundert in eine typisch schwedische Kleinstadt: Quadratisch, sauber, aber nicht aufregend.
Und ganz an deren Rand, eingeklemmt zwischen Ortskern und Hafen, liegt der alte Ortskern, wie ein Museum. Mit einem Überbleibsel aus der Frühzeit von Falkenbergs Industriealisierung.

Falkenberg: Alte Häuser mit Hafertrocknungsanlage

Beim letzten Besuch haben wir nicht herausgefunden, was das ist. Jetzt wissen wir: Eine Anlage zum Trocknen von Hafer. Weiteres zu Falkenberg findet man hier.

Ein Tag, drei Inseln

Styrsö. Sabine hat schon früh am Tag einen Einheimischen getroffen, der, wie wohl die meisten Insulaner, von den Vorzügen seiner Insel zutiefst überzeugt war. Er hat sie auf eine Karte der Insel hingewiesen, an der er selbst mitgearbeitet hat. Die zeigt Wanderwege und Sehenswürdigkeiten von Styrsö. Zum Segeln sei heute auch zu wenig Wind, meint jedenfalls unser Lokalpatriot. Wir haben jedenfalls seine Anregung auf- und seine Karte mitgenommen und wesentliche Teile von Styrsö erwandert. Ortskenntnis hat der Mensch jedenfalls. Bei einem der in der Karte eingetragenen Wege waren wir uns nicht ganz sicher, ob das wirklich der gemeinte Weg war.
Er war es.

Strandweg schwedisch, nicht barrierefrei

Ein sehr unorthodoxe, sehr schwedische Art des Wegebaus. Bei den hiesigen geologischen Verhältnissen aber wohl die einfachste Lösung.

Die Schären südlich Göteborgs sind der südlichste Teil des westlichen Schärengartens (eigentlich ja Schärenhofs), weiter südlich gibt es dann nur noch vereinzelte Schären. Ein bisschen fällt der Abschied von dieser Landschaft schwer. Wir haben den Tag als den letzten in den Schären genutzt. Tanken mussten wir auch, das geht auf Donsö. Und für die Nacht bleiben wir im Hafen von Vrangö. Den haben uns ein Freund und auch das Handbuch als besonders malerisch empfohlen. Nach Besuch mehrerer Orte auf den Südschären von Göteborg ist unser Favorit jetzt woanders. Das behalten wir aber für uns.

Das mit dem Individualtourismus ist auch so eine Sache. Besonders hier gibt es so viele Individuen, dass sie sich etwas ballen. Da verliert das individuelle Reisen schon sehr an individuellem.

Ganz viele Individualisten

Man kann sich zwar noch zwischen den Schären ein Plätzchen suchen.
Setzt aber geeignetes Wetter (haben wir gerade) und Ortskenntnis (haben wir hier leider nicht) voraus.

Man muss die Plätze finden!

So liegen wir heute, es ist Samstag und Gebiet einer Großstadt, nach einem schönen Tag in einem überfüllten Hafen. Hier sind wir aber wieder einer der Kleinen, und darum ganz hinten, wo nicht so viel los ist und die Großen gar nicht hin kommen.

Crescendo-Decrescendo

Nach der Nacht im teil-idyllischen Hafen unterhalb Bohus wieder zurück auf den Göta Älf/Trollhätte Kanal. Die Idylle wurde etwas getrübt durch die Beschallung. Auf dem Parkplatz von Bohus war Oldtimer-Treffen mit dutzenden amerikanischer Blechmonster und wenigen europäischen Autos der 50er und 60er Jahre, auch Saab ¨Blechtroll¨ alias ¨Nordkapschüssel¨, entsprechend untermalt mit Elvis und anderem Rock ´n´ Roll von Konserve. Im Hotel ein Stückchen weiter verdiente ein Tom-Jones-Imitator sein Geld. Immerhin hat er das ganz ordentlich gemacht. Ab 23:00 war Schluss und die Idylle dann viel idyllischer.

Ein großes Schiff?

Zu Bohus und seiner Geschichte haben wir noch ein Detail gefunden: Als das Ganze noch den Norwegern gehörte, haben die Schweden, so um 1570, einen Turm der Festung besetzt. Nicht wissend, dass dort die Munition der Festung gelagert war, oder zumindest ein größerer Teil davon. Den haben die Norweger dann gezündet. Damit hatten sie keinen Turm mehr, aber auch keine Schweden. Letztere sollen ¨wie die Krähen¨ durch die Luft geflogen sein. Konnten aber danach nichts mehr dazu berichten. Raue Sitten hier.

Boshus vom Göta Älf

Wieder zurück auf den Göta Älf – ich weiss nicht, wie man das korrekt schreibt, man findet´s mit großem und mit kleinem ¨Ä¨. Je weiter man sich seiner Mündung nähert, um so mehr Industrie und Verkehr zeigt sich an den Ufern, besonders am linken. Rechts teils ursprünglich wirkende Natur – zwischen Kanal und Autobahn, da kommt kaum einer hin, um zu müllen oder zu bauen.
Die Nähe zu Großstadt hat den Vorteil, dass die Brücken jetzt immer besetzt sind und auf Anruf auch geantwortet wird. Hilft aber nichts, denn wegen des Verkehrs wartet man genau so lang wie weiter oben. Man weiss jetzt aber immerhin, dass man zur Kenntnis genommen wurde.
Und dann, nach der letzten Eisenbahn-Drehbrücke die furiose Steigerung: Mit dem Boot mitten durch Göteborg. Welches vom Wasser aus einen beeindruckenden Anblick bietet.

Göteborg, vorwärts

 

Göteborg, rückwärts
Göteborg seitwärts: Ostindienfahrer-Replik

Auf Landgang haben wir verzichtet: Zu heiß zum Pflastertreten in der Großstadt. Wir waren vor drei Jahren das letztemal hier, das muss reichen. Link: symartha.de/grossstadt-halbtrocken

Da haben wir die Stadt allerdings nicht vom Wasser aus gesehn, das haben wir jetzt nachgeholt. Damals sind wir mit der Fähre nicht so weit hinauf gekommen, da steigt man weiter draußen in die Straßenbahn um.
Zu Göteborg gehören ja zahlreiche Inseln und Schären, und dort haben wir angelegt, in Styrsö. Was den Hamburgern die Elbchausse und den Bremern Oberneuland ist den Göteborgern ihr Schärengarten. Nur viiiel schöner. Und nach der Steigerung in der Stadt ein ruhiger Ausklang.

Schären bei Göteborg

Naja, nicht ganz so ruhig, viele Boote und Fähren, und dicht besiedelt. Eben Stadtgebiet.

Der andere Kanal

Im Prinzip ist das Meiste vom Trollhättan Kanal der Fluß Göta älf. Die gegrabenen und gesprengten Teile beschränken sich auf die Einfahrt von Norden und die Umgehung der Wasserfälle.

Der Fluss hat so etwa die Breite der Mittelweser, vielleicht ein bisschen mehr. Nur stehen hier Häuser am Ufer, die nach Pippi Langstrumpf, Micha aus Löneberga oder Petterson und Findus aussehen. Und der Fluß/Kanal wird von Schiffen bis 5000 Tonnen befahren und ist entsprechend tief und dicht betonnt. Wobei die Betonnung allerdings so aussieht, das am Rand Dalben stehen, von denen Stangen waagerecht zur Flußmitte zeigen, und an deren Ende ist dann die eigentliche Markierung. Ein ebenso aufwändiges wie gewöhnungsbedürftiges System .Wahrscheinlich geht es aber bei dem felsigen Untergrund nicht anders.

Trollhättan Schleuse: Juno muss noch mit rein

Funktioniert hat das Unternehmen ¨Kanal¨ heute nur mittelgut. Mal war eine Brücke nicht anzusprechen, mal die Schleuse nicht. Das ist angesichts der hohen Gebühren schon ärgerlich.

Trollhättan Kanal

So sind wir nur bis Kungälf, bis dahin, wo der Göta älf sich in seine beiden Mündungsarme teilt. Der Hafen ist so klein, dass dort nur recht kleine Fahrzeuge hinein kommen. Wir sind hier ausnahmsweise einer der großen. Dafür liegen wir mal wieder historisch wertvoll: In unmittelbarer Nähe die Festung Bohus. Obwohl zeitweise schon als Steinbruch freigegeben steht noch viel und natürlich heute unter Denkmalschutz. Eigentlich mal von den Norwegern zum Schutz vor den Schweden gebaut. Später von den Schweden zum Schutz vor den Norwegern genutzt. Sie mögen sich halt, die Skandinavier.
Von Kungälf haben wir nur das kleine Stück gesehen, das in Richtung Festung reicht. Erst zu heiss, jetzt wird es dunkel und wir sind müde. Man kann nicht alles mitnehmen.

Trollhättan

Nachdem wir unseren gar königlichen Liegeplatz verlassen haben – schließlich hat schon Gustav II Adolf hier an- und abgelegt – sind wir in den Schären verschwunden. Bei strahlendem Sonnenschein und (laut Windfinder) 14° Lufttemperatur. Kann trotz der niedrigen Lufttemperatur ganz angenehm sein, wenn denn die Julisonne das ausgleicht.
Es gibt mehrere Wege durch den Schärengürtel, der den See teilt, je nach Schiffsgröße. Der südlichste ist selbst uns verwehrt, der wird von eine Brücke mit 2,7 m Durchfahrtshöhe überspannt. Aus der Zeit, als hier noch Landwirtschaft betrieben wurde. Etwa in der Mitte des Schärengürtels können auch 5000t-Schiffe durchfahren. Mit Verkehrstrennungsgebiet, obwohl es eigentlich nicht viel Verkehr zu trennen gibt.
Der Weg durch den Süßwasser-Schärengarten ist verwinkelt und daher spannend. Teils ging es sogar unter Segeln, wenn auch nur mit der Genua. Die kann man schnell mal einrollen ohne den Kurs ändern oder aufschießen zu müssen. Was ja unter Umständen nicht geht, weil eine der besagten 22000 Inseln im Weg ist.

Nach dem Verlassen des Schärengartens war nach einer Stunde Schluss mit Wind.

Ehemalige Lotsenstation am Rande des Schärengürtels des Väner

Also unter Motor bis zum Südwestende des Vänern, nach Vänersborg. Und so ward aus Morgen und Abend ein weiterer Tag.
In Vänersborg hat man den Anfang des Trollhätte-Kanals erreicht. Der besteht aus dem ausgebauten natürliche Abfluss der Väner, dem Göta Älf. Wobei Ausbau hier etwas bescheidener klingt, als das ganze Unternehmen war.
Während der Göta-Kanal, mit ein paar Updates und Renovierungsmaßnahmen, noch den Zustand vom Anfang des 19 Jhd. bewahrt hat, ist der Trollhätte Kanal im Laufe der Jahre immer wieder erweitert und vergrößert worden. Heute können relativ große Schiffe auf ihm den Väner erreichen.
Der Ausbau hat an einigen Stellen allerdings Strukturen geschaffen, die für die Kleinschifffahrt gewöhnungsbedürftig sind. Die bislang einzige Schleuse, die wir passiert haben, ist aus dem Fels gesprengt. Vor dem Fels stehen Betonpfeiler, an denen die Schiffe auf und ab gleiten können. Wir mit unseren bescheidenen Maßen passen aber leider zwischen die Pfeiler, mussten uns also mit dem Bootshaken und ähnlichen Utensilien von der Felswand abhalten. Mal wieder ein neues Schleusengefühl.

Naturnahe Schleuse am Trollhätte Kanal

Haben in Trollhättan festgemacht. Bei bestem Hochsommerwetter. Der Ort hat nicht nur einen lustigen Namen, zumindest im Deutschen, er hat auch eine interessante Geschichte. Der Göta Alf hat vom Väner bis zur Mündung ein Gefälle von etwa 44 Metern. Von diesen 44 Metern werden aber 32 im Stadtgebiet von Trollhättan verbraucht. Und, im ursprünglichen Zustand, auf wenigen hundert Metern. Diese Stromschnellen oder Wasserfälle waren einerseits ein unpassierbares Hindernis für die Schifffahrt, andererseits aber Energiequelle für alle möglichen Betriebe. So entstand hier der Industriestandort Trollhättan.
Mit den Wassermühlen aller Art war es vorbei, als man nach 1900 anfing, im großen Stil elektrische Energie aus Wasserkraft zu gewinnen.
Die Betriebe, die dann für das Groß-Wasserkraftwerk umziehen mussten, hat man unter anderem mit kostenlosem Strom für alle Zeit abgefunden. Für den Verlust des Naturschauspiels der Katarakte hat die Betreiberfirma eine Kirche gespendet.
Das Wasserkraftwerk sollte den Strombedarf ganz Schwedens für alle Zeit decken. Musste allerdings nach wenigen Jahren erweitert werden. Und dann nochmal. Und dann kam noch ein zweites dazu. Heute können nicht mehr alle Turbinen betrieben werden, einige sind stillgelegt, weil man an der Grenze dessen angekommen ist, was der Fluss hergibt.
Und damit manchmal noch etwas von dem zu sehen ist, was der Wasserfall einmal war, lässt die Betreiberfirma einmal in der Woche, in der Ferienzeit sogar einmal am Tag, für einige Minuten das Wasser doch noch über die Fälle laufen. Zumindest etwa 40% dessen, was da ursprünglich mal durchging.

Trollhättan-Wasserfälle ohne Wasser

Bei Hochwasser am Vänern auch mal mehr, aber um die Jahreszeit ist unsereiner ja nicht hier.

Das ältere der beiden Kraftwerke kann man heute im Betrieb besichtigen. Damit macht der Betreiber auch ein bisschen Publicity, darf er ja auch. Wir kaufen die Energie sowieso nicht direkt beim ¨Erzeuger¨(1).
Außer dem Wasserfall-EVU gab es hier bis vor wenigen Jahren eine weitere Firma, deren Produkte bei uns jeder kennt: Saab-Automobile. Aber dieser Zweig des Saab-Konzerns ist ja dahin gegangen. (Das der Saab 96 bei uns den Spitznamen ¨Blechtroll¨ hatte, erscheint mir jetzt in einem neuen Licht.)

Wasserfall heißt auf Schwedisch Vattenfall.


(1) Gänsefüßchen, weil man Energie natürlich nicht erzeugen, sondern nur umwandeln kann. Das weiß jeder aus dem Physikunterricht, nur die Werbeheinis nicht.

Läckö

Auf einer hinreichend genauen Karte sieht man, das der Väner durch zwei Halbinseln in einen westlichen und einen östlichen Teil geteilt wird. Auf einer noch größeren Karte kann man sehen, dass die südliche Halbinsel eigentlich keine ist, sondern ihrerseits aus zahlreichen Inseln besteht. Und auf der Seekarte sieht man dann, dass der Seeraum zwischen beiden, der Halbinsel und der Eigentlich-Nicht-Halbinsel mit zahlreichen Schären übersät ist. Und wo keine Schären liegen, liegen Untiefen. Für größere Schiffe gibt es nur eine einzige sichere Durchfahrt. Winzlinge wie wir können sich zwischen den Schären durchwinden, wenn sie die markierten Durchfahrten benutzen. Die beiden Hälften des Sees haben auch eigene Namen, Dalbosjön im Westen und Värmlandsjön im Osten. Zur südlichen Halbinsel, die keine ist, gehört die Insel Kållandsö (die eine ist), und auf der liegt das Schloss Läckö.

Schären und Inseln im Väner

Gegründet 1298 vom Bischoff von Skara als Burg. Bischöfe jener Zeit waren streitbare Herren, die zum Streiten nicht nur Worte benutzten, sondern auch handfestere Argumente. Das Bistum Skara, hier mitten in Schweden, war ein Ableger der Diezöse Hamburg/Bremen. Die Bremer Bischöfe hatten ja auch ihre Burgen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Burg zum Schloss gewandelt und hatte verschiedene geistliche und weltliche Besitzer. Einige davon mit viel Geld, wovon sie eine Menge in den Ausbau der Burg zum Schloss gesteckt haben. Besonders hervorgetan hat sich ein Herr Mangnus de la Gardie, nach dem Tode Karls X Regent, da der Thronfolger erst vier Jahre alt war. Herr Magnus hat wohl auch Mittel investiert, deren Ursprung nicht ganz sauber war. Jedenfalls war auf der Schlossführung zu hören, dass der rechtmäßige König, Karl XI, nach seinem Amtsantritt die Staatfinanzen einer Revision unterzogen hat.
Die dazu geführt hat, dass der Herr de la Gardie, der vorher etwa 1000 Häuser und Schlösser als sein Eigen betrachtete, hinterher nur noch 2 hatte. Und einen schweren Stand bei Hofe auch.
Dem Schloss hat solch zweifelhaftes Verhalten eher genützt. Danach ist es durch verschiedene Hände, einschließlich derer der Krone (hat eine Krone Hände?) gegangen. Nicht ohne Verschleiß, sodass es Mitte bis Ende des 19 Jahrhundert romantisch, oder etwas ehrlicher gesprochen, verfallen war. Was die Reedereien der Kanaldampfer, die hier zwischen Göteborg und Stockholm vorbeikamen, veranlasste, einen Anleger zu bauen. Damit man das romantische Dornröschen-Schloss anschauen konnte. Romantik war ¨in¨. Was aber dann die Besinnung auf das Erbe und damit den Wiederaufbau verursacht hat.
Da von Inventar vieles nicht mehr auffindbar war, gibt es heute eine Mischung aus Originalausstattung, aus anderen Schlössern beschafften Teilen und Nachbildungen.

Wer mehr zu Läckö wissen will, findet es hier: de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Läckö.

Eine Besonderheit, die Schloß Läckö wohl mit nur ganz wenigen anderen Schlössern teilt: Es hat einen Yachthafen. Was natürlich für uns sehr schön ist. Wo sonst kann man an einem Schloss anlegen.

Läckö mit Hafen

Oben auf dem Berge steht ..

.. eine Kirche. Die kriegen wir später.
Den Göta-Kanal haben wir verlassen. Das ist zwar schade, aber irgendwann ist es halt vorbei. Das schwedische Jahrhundertbauwerk (nicht dieses Jahrhundert) hat uns so gut gefallen, dass wir schon überlegen, die ganze Tour in zwei, drei Jahren nochmal zu machen. Nur anders herum, und vielleicht auch, zumindest auf Teilstrecken mit Enkelkindern.

Göta-Kanal Westende

Der Kanal endet am Väner, dem größten aller schwedischen Seen. Auch der größte der EU und der größte Europas, der nicht in Russland liegt. Auch heute, wie schon in den letzten Tagen auf dem Kanal, haben wir unsere Fahrzeiten auf das instabile Wetter abgestimmt und uns nur eine kurze Strecke bis Mariestad vorgenommen. Nachmittags sollte es regnen und gewittern. Die Vorhersage war nicht ganz zutreffend. Wir haben zwar viele hoch aufgetürmte Wolken gesehen, aber alle waren über Land. Über dem See war mehr oder weniger blauer Himmel. Es scheint, als sei der Väner groß genug, um im Binnenland einen Seewindzyklus aufzubauen.
Von der Größe des Vänern haben wir noch nicht viel mitbekommen, denn der See ist nicht nur groß, er ist auch reich an Inseln und Schären. Es sollen etwa 22000 (in Worten: Zweiundzwanzigtausend) sein. Wie man das wohl zählt? Und was unterscheidet eine sehr kleine Schäre von einem sehr großen Stein, der aus dem Wasser guckt? Diesen Schären- und Inselgürtel haben wir heute nicht verlassen.

Mariestad, unser Tagesziel, liegt direkt am Vänern und hinter den Schären, man legt als Gast direkt an der Altstadt an. Die Stadt ist, wie viele, die wir besucht haben, planmäßig angelegt. Das Straßenmuster ist, was auch sonst, rechtwinklig. Richtung Norden, Richtung Seeufer, gibt es aber noch zwei straßen, die je einen Halbkreis bilden. Somit sieht der Straßenplan auch aus wie ein Kirchenfenster. Ob das gewollt war, haben wir nicht herausgefunden. Jedenfalls hat die Stadt in den Nachwehen der Reformation eine gewisse Rolle gespielt. Die Schweden waren zu der Zeit wohl noch nicht so recht von der neuen Konfession überzeugt, die evangelische Obrigkeit wollte etwas nachhelfen und hat hier bereits ein Jahr nach der Gründung einen Bischofssitz eingerichtet. Zu dem gehört natürlich eine ordentliche Kathedrale. Diese steht auf einer Anhöhe, beherrscht bis heute das Ortsbild und ist schon von weit draußen auf dem See zu sehen. Sie hat gerade 400-Jahr Feier. Eigentlich war der Bau einer gotischen Kathedrale um 1619 ja schon ein Anachronismus. Außer in Schweden(Mariestad) und Spanien (Segovia).
Altar und Kanzel sind barock und aufwändig gestaltet, also eher schein-katholisch. Einen Bischoff hat das Bistum nie gehabt. Es wurde komissarisch von einem Superintendenten geführt und nach 50 Jahren wieder aufgelöst. Die Stadt und die Kirche sind geblieben. Heute lebt Mariestad im Sommer vom Tourismus und den Rest des Jahres von der Industrie, die es hier gibt, die man aber von der Altstadt aus nicht wahr nimmt.

Kanaldampfer und Kathedrale

Außer im Stadtplan, und dort besonders am Gleisplan der Eisenbahn. Jeder Modellbahn-Freund müsste an einem solchen Gleisplan seine helle Freude haben. Solch ein Gewusel gibt es im Rest der Welt wohl nur in H0.

Stadt- und Gleisplan Mariestad

Mariestad ist auch End- bzw. Ausgangshafen der Wilhelm Tham, der wir ja schon am Anfang unserer Kanalreise begegnet sind. Die hat hier heute Nachmittag ihre Fahrgäste samt Gepäck ausgespuckt und wartet offenbar auf neue Gäste. Ein Blick in die offenen Türen zeigt, dass man da in edlem Ambiente, aber sehr beengt reist. Dafür aber wahrscheinlich nicht billig.

Der angesagte große Regen ist bis jetzt ausgeblieben. Wir hoffen, dass das auch so bleibt.