Eckig, praktisch, geradeaus

Gestern ist Hanö deutlich zu kurz gekommen. Eine Hälfte war nach anstrengender Seefahrt, wir haben uns am Schluss halbstündlich am Ruder abgewechselt, nicht mehr willens, noch weit zu laufen. Die andere Hälfte wollte nicht allein laufen. Nun waren wir schon vorher auf Hanö, und das meiste, was gut zu erreichen ist, haben wir schon besucht. Für heute war Regen vorhergesagt, und einige Dinge wurden an Bord langsam knapp. Vor allem die schwedischen Kronen, die man ja doch noch in materieller Form braucht. Also heute nur nach Karlshamn, der nächstgelegenen Stadt, die groß genug ist, auch einen Geldautomaten oder zumindest eine Bank zu beherbergen. Tut sie auch.
Im 17. Jahrhundert als Hafenstadt angelegt, natürlich von einem Karl, hier Karl X Gustav. Schwedische Könige tragen ja nach der Nummer noch den Namen des Vaters, ganz analog zum alten patronymischen Namenssystem. Familiennamen sind hier eine relativ neue Einrichtung.
Als systematisch geplante Stadt hat Karlshamn Ähnlichkeit mit Karlskrona – nicht gleicher Karl, aber gleicher Stadtplaner: Erik Dahlberg. Schnurgerade Straßen, die sich im rechten Winkel kreuzen, und ein überdimensionierter Platz im Zentrum, an dem auch Rathaus und Kirche stehen. In Karlshamn eine, gleich mit Friedhof. In Karlskrona zwei. Dahlberg war in Schweden etwa das, was Vauban in Frankreich war, der Meister der Festungsanlagen und Stadtpläne.(1)

Karlshamn, Stadtplan Dahlberg: Rechteckig, praktisch, geradeaus

Damals, im 17. Jahrhundert war Schweden ja noch eine Großmacht und konnte feste investieren. Später, im 19., haben viele das Land verlassen, das nun nicht mehr zu den wohlhabenden gehörte. Und von diesen vielen Emigranten sind wiederum viele über den Hafen Karlshamn emigriert.
Heute gibt es hier ein Auswandererdenkmal, und Karlshamn ist auch Endpunkt einer Auswandererstraße. Etwa eine Million Schweden ist aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert, etwa zwischen 1860 und 1930. Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass es heute etwa 10 Millionen gibt, damals werden es auch nicht mehr gewesen sein.
Der Stadthafen von Karlshamn ist heute bemerkenswert unattraktiv, so unattraktiv, das dort auch keiner lag. Dafür sind die kleinen Häfen vor der Stadt umso schöner. Bewertung natürlich aus der Sicht der Lustschifffahrt.

Einfahrt Vägga Fiskehamn bei Karlshamn

Karlshamn ist auch der westliche Eingang in den Schärengarten von Karlskrona. Da geht´s weiter, wenn das Wetter es erlaubt, bzw. wenn das Wetter so ist, dass es Spaß macht.


(1) Erik Dahlberg war auch für die Befestigungs von Bremen und sogar Nienburg/Weser verantwortlich.

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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