Die Seemannschaft der See-Mannschaft

Immer noch Forsvik, jetzt ohne Sonntagstrubel. Die Schlange ohne Knoten war eine Ringelnatter (Natrix natrix natrix). Da sich kein Kundiger gemeldet hat, mussten wir das selbst herausfinden. Ringelnattern brauchen ein Habitat mit Wasser, Amphibien zum Fressen und Abwechslung, zum Sonnen, Verstecken und so weiter. Haben sie hier, genau wie wir.
Die Wetterfröschinnen und -frösche hatten für heute auch abwechslungsreiches Wetter vorhergesagt. So zwischen 5 Bft, in Böen 7 bis 15 m/s, was auch Bft 7 entspricht. Die Schweden geben die Windstärken in m/s an, was ja korrekt und SI-konform ist, dem nicht-schwedischen Seefahrer aber ungewohnt.
Der sehr böige Wind hat dazu geführt, dass beim Käpten die Lust auf´s Weiterfahren so im neutralen Bereich lag, bei der Dame des Schiffes eher im negativen. Und da es uns hier ganz gut gefällt, haben wir uns entschieden, noch einen Tag zu bleiben.
Das hat dazu geführt, das mein Wunsch, zu sehen, wie sich die Dampfer hier durch die Enge schieben, erfüllt wurde. Juno hat sich geschoben. Juno ist das angeblich älteste Fahrgastschiff weltweit. Durch kurze Suche im Netz habe ich Schiffe gefunden, die noch etwas älter sind und regelmäßig mit Fahrgästen verkehren. Die haben aber keine Kabinen, sind also nur Fahrgastschiffe zweiter Ordnung. Lassen wir also Juno den Ruhm, die älteste zu sein.
Nachdem sie sich seeehr vorsichtig durch den Zufahrtskanal geschoben hatte, wurde Juno mit Gesang und Beflaggung in der Schleuse begrüßt.

Begrüßung mit Flaggen und Gesang

Der Gesang war schwedisch, die Beflaggung einigermaßen international.
Nach dem Verlassen der Schleuse konnte der erstaunte Beobachter beobachten, dass die Besatzung nicht mehr vollständig war. Eine Seefahrende blieb an Land und ging dem Schiff voraus. Was die Neugier des Berichtenden weckte. Der wäre sowieso auch voraus gegangen, um ein paar Fotos von Juno aufzunehmen. Wie sie sich so im Schneckentempo durch den Kanal schiebt.

Durch den Kanal schieben, ..

Jetzt weiß ich: Der Schleusenkanal ist nicht das kniffligste, das schmale Ende kommt noch. Ein paar hundert Meter nach dem Ende des gegrabenen Kanals kommt eine Stelle, an der auf der Südseite der Treidelweg läuft und auf der Nordseite Felsen liegen.

Zu Zeiten der Treidelschifffahrt ging das gerade noch so. Ein Schiff mit Schraube steuert aber, indem das Heck zur Kurvenaußenseite geschwenkt wird. Propeller und Ruder sitzen nun mal hinten. Also braucht man in der Kurve mehr Breite. Die gibt es dort aber nicht, zumindest für Schiffe dieser Größe (Götmax ? 😉 ). Lösung: (1) Das Besatzungsmitglied an Land legt eine Vorspring auf einen Poller am Treidelpfad, der Dampfer fährt in die Spring, gibt dann Lose, die oder der Seefahrende an Land rennt mit der Leine zum nächsten Poller, weiter bei (1) bis man um die Kurve ist.

Vorspring legen, …
eindampfen, zurück zu (1)

 

Und dann muss der, die oder das Seefahrende wieder über eine Leiter an der Bordwand hoch.

zurück an Bord

Da das Verfahren offenbar schon seit 1874 funktioniert, gibt es wohl auch keinen Grund, es zu ändern und z.B. mit Bugstrahlern die Böschung zu lädieren. Das überlässt man den Freizeitskippern.
Den berichtenden bugstrahllosen Freizeitskipper hat das Verfahren durchaus beeindruckt. Und die Seemannschaft von Schiffsführung und Landmannschaft, äh, Landfrauschaft(?) auch.

Die Böen wackeln weiter am Schiff, und morgen soll´s auch noch kühl und regnerisch werden. ¨Ein ausgedehntes Tief über Skandinavien …¨

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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