Columbus heute, oder Früh übt sich, was ein Segler werden will.

Alle Termine abgearbeitet, Handoperationen, Zähne ziehen und so. Wetter wieder handhabbar, keine tieffliegenden Äste oder ähnliches mehr. Wir können los. Kindergeburtstag der Enkelin hat sich sowieso erledigt, die glücklichen Eltern sind mit Kind nach Spiekeroog, um Regatta zu segeln. Was aber aufgrund der Windverhältnisse ausgefallen ist, so’n 470er ist halt auch nur bedingt sturm- und hochseefest. Die jüngere Generation ist also auf dem Weg von Spiekeroog in die Weser, wir auf dem Weg von Bremen in Richtung Nord- und Ostsee. In Bremerhaven wollen wir uns treffen.
Abfahrt von der Ochtum bei Südwest 4-5. Kann man also schön segeln. So bis Vegesack, also etwa 2 Meilen. Dann müsste man kreuzen. Was zwar möglich ist, aber nicht unbedingt empfehlenswert, wenn man zu Niedrigwasser in Bremerhaven ankommen möchte. Also Motor an und bis Farge. Dort scheinbarer Wind nicht brauchbar. Für Nichtsegler: Ein brauchbarer scheinbarer Wind ist etwas ganz anderes als ein scheinbar brauchbarer Wind. Scheinbarer Wind ist der, den man auf dem fahrenden Schiff fühlt und/oder misst. Und danach bemisst sich, ob man segeln kann oder nicht.
Also kein brauchbarer scheinbarer Wind, und Motor bleibt an. Trotz aller Versuche, segeln geht bis Bremerhaven nicht, nicht nur scheinbar nicht, auch wirklich nicht.
Die Kinder sind schon da, das Enkelkind hat seine sprachlichen Möglichkeiten erheblich erweitert innerhalb der letzten Woche. Und bewegt sich an Bord erstaunlich sicher. Früh übt sich, was eine gute Seefrau (gibt es das Wort?) werden will.

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Am nächsten Morgen (Donnerstag) trennen wir uns wieder: Die jüngeren Leute Weser aufwärts mit auflaufendem Wasser. Wir warten noch bis nach Hochwasser wegen des Tidenstroms.
Nachdem Anna, Tom und Jonna Richtung Elsfleth/Bremen verlassen haben, kommt ein erstens ungewöhnliches, zweitens spanisches Schiff auf die Schleuse zu: Offenbar ein Nachbau der Santa Maria.
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Der Begriff Columbus-Center bekommt da gleich eine andere Bedeutung.
Abfahrt Richtung Elbe. Plan A: Mit ablaufendem Wasser durch den Wurster Arm bis zur Robinsbalje, dann die hoch ins Paddingsbüttler Tief. Dort die Nacht über Ankern – eine der wenigen Stellen, wo es noch nicht verboten ist – und morgen mit dem Mittagshochwasser über das Salenburger Watt zur Elbe. Unsere Variante des Elbe-Weser-Wattfahrwassers. Die „offizielle“ Version durchs Bakenloch geht für uns nicht, weil, wenn wir mit ablaufendem Wasser in Bremerhaven starten ist dort schon nicht mehr genug Wasser, wenn wir ankommen. Ginge also nur an Tagen, an denen es sehr lange hell ist (trifft zur Zeit zu) und morgens und abends Hochwasser ist (trifft zur Zeit nicht zu).
Wettervorhersage 1: Umlaufend 1 – schlecht zum Segel, gut zum Ankern.
Unterwegs dann Wettervorhersage 2: Umlaufend 1, später Süd bis Südwest 4 – Immer noch schlecht zum Segeln, und nicht mehr gut zum Ankern dort, wo man bei Hochwasser wenig Schutz hat.
Wettervorhersage 3: Uml. 1, später Süd bis Südwest 4 -5
Wettervorhersage 4: wie 3, plus Böen 6 – Das ist es dann gar nicht mehr zum Ankern im Watt.
Also durch bis Cuxhaven. 8 Stunden unter Motor. Schnell, aber laut und öde. Bilanz: In 2 Tagen 2 Meilen gesegelt und so um die 80 unter Motor gefahren. Na ja, hm.
Freitag: Wunderbarer Segelwind, wenigstens von Cuxhaven bis Brunsbüttel. Auf dem NOK/Nordostseekanal/Kiel-Canal darf man sowieso nicht segeln. Man darf so tun, aber der Motor muss immer mitlaufen, it’s the law.
Nun sind wir im Giselau-Kanal, vor der zur Zeit funktionslosen Giselau-Schleuse. An den Stegen ist noch der eine oder andere Platz frei – genau genommen fast jeder. Waren nochmal 4 Stunden Ratatata, nu‘ reichts auch mal fürs erste.
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Sehr ruhig hier, in der Ferne die Geräusche der Schiffe auf dem Kanal. Zu Fuß zur Eider. Idylle leicht getrübt durch geruchsintensive landwirtschaftliche Arbeiten. Mir würde das Gülle fahren ja stinken, aber wahrscheinlich riecht man das irgendwann selber nicht mehr. Und Geld stinkt ja bekanntlich sowieso nicht. Kommt Gülle eingentlich von Geld/Gold ?

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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