Lückenspringer

Das Wetter nimmt unübersehbar herbstliche Züge an. Und das, obwohl wir erst Mitte August haben. Die diversen, lustig benannten Tiefs ziehen auch noch den einen oder anderen Trog mit sich durch die Gegend. Zur Zeit ärgert uns Luciano, der hat gleich drei Tröge und macht uns das seglerische Leben schwer. Und dafür, dass auch sonst ausreichend Luftdruckgegensätze da sind, sorgt Hoch Fridoline. (Gibt es wirklich Menschen die solche Namen tragen und auch noch dafür bezahlen, dass Hochs und Tiefs nach ihnen benannt werden? Anscheinend ja.)

Auf Wangerooge drängen sich im Hafen etwas die Boote, die auf eine Lücke im Wettergeschehen warten, um in Jade, Weser, Elbe einzulaufen oder, deutlich schwieriger, zurück in die Niederlande zu fahren.

Warten auf das richtige Wetter

Mit Genua, nur Genua, und Wind von hinten über das Watt in die Jade. Die aufgezeichnete Geschwindigkeit über Grund war die höchste, die wir je aufgezeichnet haben – na gut, wir zeichnen ja nicht immer auf(11.1 kn). Und von Horumersiel an der Jade dann in einer Lücke zwischen zwei Starkwind-Perioden über’s Watt nach Bremerhafen. Bei Windstille losgefahren, bei gutem Segelwind angekommen.

Die Ruhe zwischen den Stürmen

Fern der Welt, wie der Skipper manchmal ist, hat er nicht mitbekommen, dass in Bremerhaven gerade „Lütte Sail“ ist. Allerdings letzter Tag, so dass zwar etliche Großsegler noch da waren, das Fetengeschehen aber schon langsam ausklang. Und erfreulich viele Liegeplätze frei waren.

Lütte Sail in den letzten Zügen

Das es dann am nächsten Tag schon wieder gekachelt hat, hat uns weniger gestört. Auf der Unterweser kann sich ja kein Seegang aufbauen. Also mit kleinstmöglicher Beseglung weiter. Weiter innen war dass dann einerseits zu wenig, andererseits war es aber so böig, dass wir auch nicht mehr raus holen wollten. Und dank moderner Kommunikationstechnik haben wir recht genau den Zeitraum für die Rückfahrt genutzt, an dem es nicht geregnet hat. Oder doch fast nicht.

Von den ganzen wilden Ritten mit NW 6 und NW 7 gibt es leider fast keine Bilder. Da hat man einfach etwas anderes zu tun als die Kamera nass zu machen. Zum Glück haben das aber andere für uns getan.

Viel Wind, wenig Segel
Die letzten Meilen

Und jetzt kommt Ausräumen, Boot sauber machen und all sowas. Eben Herbst, wenn auch etwas zu früh.

Sendepause

Liebe treue Leser dieses Blogs, nein, wir sind nicht untergegangen. Wir haben uns auch nicht in die Südsee davon gemacht. Wir hatten schlicht zwei sehr junge Damen, 4 und 7, an Bord. Bei Wetter, das nicht unbedingt dazu einlud, an den Strand und baden zu gehen. Ergo mussten die Damen beschäftigt werden, erst auf Langeoog und dann auf Spiekeroog. Was dann den Großeltern wenig Zeit für andere, nicht lebensnotwendige Beschäftigungen ließ.
Bei den meisten (Oma,Oma, Omaa) Kinderbeschäftigungs- (Oma!) und -belustigungsaktionen (Omma, Oma, Omaaa!) muss ja mindestens ein Erwachsener in der Nähe sein und ist damit mehr oder weniger gebunden. (Omma, Omma, Ooma!)


Jetzt wurden die Kleinen wieder abgeholt, um mit den Eltern Urlaub zu machen.
Es ist wie bei jedem Besuch: Es ist schön, wenn er kommt, aber die Ruhe, die eintritt, wenn er wieder weg ist, ist auch schön. Wäre es jedenfalls, wenn wir nicht in Neuharlingersiel neben dem Liegeplatz der „Spiekeroog IV“ festgemacht hätten. Das ist das Fährschiff, das neben Fahrgästen auch die ganzen Versorgungs-Collies von und nach Spiekeroog transportiert. Die hier zu tidenbedingten und damit unmöglichen Zeiten mit großem Radau ein- und ausgeladen werden.
Immerhin bei Niedrigwasser ist es hier wirklich schön ruhig, dann liegt auch die Fähre hoch, wenn auch nicht wirklich trocken, im Schlick.

Die Ruhe danach


Und zur eingeschränkten Kommunikation: Der Skipper hat auch noch sein Handy geschrottet. Eigentlich hat nur das Glas einen Sprung, der sich immer weiter ausgeweitet hat. Zwei Handyladenbetreiber in Leuuwarden und Harlingen hatten nur mitleidig gelächelt, als ich nach einer Ersatzscheibe gefragt habe. Für die kommt alles, was älter als 2 Jahre ist, aus der Steinzeit.

Flachwassermatrosen

Tagelang Spiekeroog. Nichts gegen Spiekeroog, aber wer ein Segelboot hat, will es auch segeln. Das kommt dieses Jahr etwas kurz.
Da die Logge deutlich weniger anzeigt, als nach Windstärke und Kurs oder auch nach Motordrehzahl zu erwarten wäre, kommt der Verdacht auf, dass da unter Wasser schon wieder jemand mitfährt, der da nichts zu suchen hat. Daher die Pause zwischen zwei Tiefs genutzt und im Watt etwas trocken fallen lassen. Nur etwas, weil ich zu spät auf die Idee gekommen bin und der Rest-Tidenhub nicht mehr gereicht hat, um die Kiele ganz trocken zu legen. Außerdem haben wir eine Stelle erwischt, an der der Sand so weich war, das die Kiele ein Stück eingesunken sind. Gefunden haben wir nichts. Dafür war das Wasser angenehm warm.

Flachwasser-Navigation

Bei wieder auflaufendem Wasser deutlich zu früh los gefahren – war aber, wegen Ostwinds, auch deutlich weniger Wasser und wir wollten natürlich im Hellen ankommen.  Nach kurzer Strecke wieder auf Grund. Anker raus hat sich nicht mehr gelohnt, Ankerball aufhängen auch nicht. Den hat Sabine mit der Hand dem einen und einzigen Boot, das vorbei kam, gezeigt.

.. einen schwarzen Ball oder etwas, das einem Ball ähnlich sieht, da, wo es am besten zu sehen ist.

Als es wieder tief genug war dann unter Segeln nach Langeoog, in die untergehende Sonne. Wenn man schon wenig segelt, dann wenigstens stilvoll. I’m a poor lonesome sailor. (Leider kann von „lonesome“ hier zur Zeit überhaupt nicht die Rede sein. Im Päckchen liegen ist normal.)
Von Langeoog Zwecks Einsammeln der Enkelkinder nach Bensersiel. Sabine hat alles mögliche umgeräumt, um Platz zu schaffen.
Der Schreiberling hat den Loggengeber ausgebaut und nach bestem Vermögen gereinigt. Vielleicht fährt ja auch da jemand mit. So langsam, wie es die Logge angezeigt hat, hat es sich eigentlich nicht angefühlt.
Man könnte die Geschwindigkeit als Weg durch Zeit bestimmen, aber leider weiß man im Watt nie den Wert des Stroms. Weshalb das Kalibrieren der Logge etwas knifflig ist.

Ferdinand

Ferdinand, Guido, Henry, Elinor 1 und Elinor 2, sie können mir langsam … In einer Pause zwischen den einander ablösenden Tiefdruckgebieten wollten wir von Baltrum nach Spiekeroog segeln. Im Baltrumer Watt mit Wind von hinten nur mit Genua – die kriegt man besser runter, wenn man fest kommt – und danach „mit alles“. Alles rauf, und nach 10 Minuten hat dann Elinor 1 (oder war das noch Ferdinand oder schon Guido ?) den Wind abgestellt.

Unterwegs einem Kutter begegnet, auf dem offenbar der Fang sortiert wurde. Da geht ja dann doch einiges zurück in die See. Die Möwen wissen das und bilden einen rollierenden Teppich hinter dem Schiff. Vorne ein paar Konkurrenten verscheuchen, schlucken, verdauen, hinten ankommen und wieder ab nach vorne. Gepflegtes Speisen nach Möwenart.

Meins, meins, meins!

Und auf Spiekeroog: Lesen, spazieren gehen, mehr lesen.
Ferdinand und seine Kollegen könnten sich endlich mal zurückziehen. Gestern nachmittag überlegt, in die Lagune zu wechseln, heute morgen gar nicht erst aufgestanden: Kalt, Nieselregen.

Alarm im Hafen

Immer noch Thema Wetter. Bovor es richtig losging, haben wir uns noch überlegt, wo wie dieses Tief abwettern wollten.
Norderney? War schon genug. Baltrum? Ist OK. Langeoog? zu weit ins Dorf, wenn’s regnet und schlecht geschützt bei SW. Oder richtiger, der Hafen ist so groß, dass zwar die Außenmole de Wellen abhält, aber sich innen schon wieder hinreichend lästige neu Wellen bilden können. Spiekeroog? Zeitweise ein etwas uncharmanter Hafenmeister. Wangerooge? Schlecht geschützt bei SW und noch weiter in den Ort.

Also liegen wir auf Baltrum. Etwas geschützt durch die hohe Westmole und etwas weniger durch die niedrige Südmole und das Watt, und auf der Leeseite des Stegs, so dass wir wenigstens nicht drauf gedrückt werden. Der Wind ist nach wie vor recht ausdrucksvoll und an den Klampen des Pontons sind schon einige Festmacher-Makramees entstanden.

Festmacher-Makramee

Ein aktueller Text vom Deutschen Wetterdienst:

Seewetterbericht für Nord- und Ostsee herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst, Seewetterdienst Hamburg am 29.07.2021, 03.06 UTC.

Wetterlage 29.07.2021 00 UTC : Ein Tief 992 zieht unter Vertiefung von der Südspitze Finnlands wenig nordwärts. Ein Tief 1000 über der Haltenbank vertieft sich. Ein Tief 998 zieht von Forties ostwärts und vertieft sich dabei. Freitagfrüh erreicht es den Raum Stockholm. Ein Azorenhochkeil 1016 reicht über Nordspanien zu den Alpen und ändert sich kaum. Am Donnerstagabend erreicht ein Sturmtief 1000 die Keltische See und zieht unter Vertiefung ostwärts.

Bis Freitag früh ist in folgenden Vorhersagegebieten mit Sturm zu rechnen: Engl. Kanal Westteil Engl. Kanal Ostteil Bis Freitag früh ist in folgenden Vorhersagegebieten mit Starkwind zu rechnen: Deutsche Bucht Südwestliche Nordsee Ijsselmeer Dogger Skagerrak Kattegat Belte und Sund Westliche Ostsee Südliche Ostsee Südöstliche Ostsee Zentrale Ostsee Nördliche Ostsee Rigaischer Meerbusen

Vorhersage gültig bis Freitag früh: Deutsche Bucht: Südwest 6, strichweise 7, etwas abnehmend, westdrehend, Gewitterböen, See 3 Meter.

Als wir das Boot für einen kurzen Gang verlassen wollen, werden wir darauf hingewiesen, das bei der großen Fähre,genau in Luv von uns, etwas nicht sitmmt. Offenbar ist das Ablegen etwas schief gegangen, das Schiff steht im rechten Winkel zur Pier und parallel zu einem kleinen Versatz in der Pier, etliche Streichpfähle liegen im Wasser und die Maschine läuft und schiebt den Bug gegen die Pier. So sollte das eigentlich nicht aussehen. Und wärend die Yachties noch zusehen, kommt der Hafenmeister zu uns und teilt uns mit, es habe eine kleine Havarie gegeben und wenn die Maschine ausfalle, müssten wir hier weg. Das führt zu unterschiedlichen Reaktionen. Sabine packt Logbuch, Portmonais und Handy ein, ich mache die Maschine, also unsere, klar. Muss mir aber sagen lassen, dass das Boot versichert sei und ich hier sowieso nicht weg käme. Seh‘ ich anders und wollte ggf. mit Boot raus, ist inzwischen aber egal. Die Fährenbesatzung hat ihr Schiff wieder in den Griff bekommen, dreht es um und fährt raus. Alle gucken zu. Alarm beendet.

Gehen zum Westende der Insel und schauen uns an, was der Wind im Seegat so veranstaltet.
Ein Segler, der über den Luxus eines Anemometers, vulgo Windmessgeräts, verfügt, hat Spitzenwerte von 42 Kn gemessen. Das ist schon eine ganze Menge. Bei 41 Kn fängt Bft 9, Sturm, an. Wir könnten das also als „stürmisch“ bezeichnen.

Seegat bei Starkwind


Update: Revierfunk meldet „Alte Weser“ 8 Bft.

Standortwechsel

Das Wetter ist zur Zeit unberechenbar oder, etwas meteorologischer, ist geprägt von einer feuchwarmen Luftmasse mit instabiler Schichtung. Hatten die Fahrräder schon verpackt, dann aber wegen des Wetterberichts doch noch den Plan geändert und sind einen weiteren Tag auf „Ney“ geblieben. „Ney“ scheint der neue Name der Insel zu werden. Bei allen möglichen Firmen, beim Restaurant „Ney’s Place“ am Hafen und sogar in der Email-Adresse des Hafenmeisters findet man nur noch „Ney“. Da die Insel ihren Name in ihrer kurzen Geschichte schon ein paar Mal geändert hat, warum nicht?
Das angekündigte Gewitter mit Böen kam tagsüber nicht. Erst am Abend, schon sehr dunkel, zog eine beeindruckende Böenwalze über die Insel. Statt der Angesagten Sturmböen dann 2 Minuten etwas Wind, und das war’s.

Gewitterfront mit Böenwalze

Nach so vielen Tagen Norderney zieht  es einen dann auch weiter. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter und ihr spezifisches Publikum. Die größen des hannöverschen König- und des wilhelminischen Kaiserreichs haben sich hier jedenfalls wohlgefühlt. Manchmal fühlt man sich dort halt heimischer als da. Lästern über Inseln darf man sowieso nicht. Der Heine Harry hat das bei Norderney gemacht und durfte dann nicht wiederkommen.

Am Montag dann, sowohl vorhergesagt als auch real, völlige Flaute. Da „Ney“ irgendwann langweilig zu werden beginnt, jedenfalls uns, unter Motor nach Baltrum. Mit kleiner Fahrt und bei wechselnder Sicht.


Auf Baltrum große Aufregung: Im Watt bei Norderney sei ein Flugzeug abgestürzt. Muss weniger als eine Stunde, nachdem wir an der Stelle waren, passiert sein. Alle Fahrzeuge, die etwas beobachtet haben, sollen sich melden. Wir haben nichts wahrgenommen. Später haben wir dann aus der Pressemitteilung der Polizei erfahren, was wirklich passiert ist. Vor zwei Tagen haben wir den Fallschirmspringern noch zugesehen.

Jetzt auf Baltrum. Nach „Ney“ doch recht ruhig und erholsam. Eine ganz andere Insel und ein ganz anderes Publikum. Auch ein anderer Altersdurchschnitt, mehr Kinder pro Gast.

Norderney, die Dritte

Gestern nach einer Rundfahrt durch den Yachthafen als dritte im Päckchen festgemacht. Heute morgen um 6 hat sich der innere nach Lauwersoog davon gemacht, wir haben dann den Innenplatz eingenommen, weil der mittlere auch am Vormittag weg wollte und ist, nur nicht so unchristlich früh. So ist das eben mit der Tide.
Da wir mit unseren knapp 9 Metern auf einem Platz liegen, der, mit Überhang, auch noch für 13 Meter ausreichend wäre, hätten wir uns gerne woanders hingelegt. Sonst hat man schnell vier solche Riesenteile an sich dran hängen, was dann zu sehr straffen Leinen und platten Fendern führen könnte. Und zu viel Durchgangsverkehr über das Vordeck. (Für die möglicherweise segelferne Leserschaft: Vorn geht man durch, hinten ist Privatbereich. So will es die Yachtetikette.) Mittags war immer noch nichts anderes frei und wir haben uns auf die Insel aufgemacht. Besuch beim Leuchtturm.
Sabine hat sich die zweihundertundnochwassechzig Stufen gespart, der Schreiber nicht. Der Blick lohnt sich. Der Leuchtapparat des Norderneyer Turms stammt übrigens aus Frankreich. Er wurde nach dem Krieg von 1870/71 als Reparationsleistung eingefordert und dreht als einziger deutscher Leuchtturm links herum. Die riesige Fresnel-Optik ist noch erhalten und auch noch in Betrieb. Obwohl man vermutlich heute die gleiche optische Leistung auf eine Frühstücksteller unterbringen könnte. 1870 musste die Optik so groß sein, weil auch die Lichtquelle, mehrere Lampen, so groß war.

Der Leuchapparat des Norderneyer Leuchtturms
Blick von oben

Gang am Strand, auch durchs FKK-Gebiet. Freikörper-Kultur, so’n Quatsch. Kultur fing damit an, dass man sich was anzog. Wir Deutschen haben ja noch den Kulturbeutel. Vermutlich kann kein anderes Volk auf Erden die Kultur in Beuteln abpacken.

Viererpäckchen

Bei Rückkehr in den Hafen waren wir dann der innere im 3-er Päckchen. Zwischendurch waren es mal 4, jetzt sind’s wieder 3, aber der Abend ist ja noch nicht zu Ende.

Pearl Harbour

Schiermonnikoog raus und vor dem Hafen in angemessen tiefem Wasser erst etwas warten. Aus dem Hafen kommt man nur nahe Hochwasser, und im Seegat wollen wir den Strom mit uns haben. Das schenkt uns einige Meilen.

Warten auf den Ebbstrom
Het Riff – Engelmans Plaat: Als Insel zu flach, als Sandbank zu groß

Bis Höhe (eigentlich Länge) vom Rottumer Oog unter Segeln, dann wurde der Wind so dürftig, dass wir mit ein wenig Diesel nachhelfen mussten. Die Meinungen darüber, ob man schon nachhelfen muss, sind da nicht immer einhellig, aber irgendwie einigt man sich schon.

Schiermonnikoog sollte man besuchen, Norderney kann man, Borkum muss man. Wenn die Tide es erfordert, sonst eher nicht. Jede der Ost- und/oder Westfriesischen Inseln hat ihre Fangemeinde, auch Borkum.

Für Boat-People wie uns gibt es allerdings nur einen guten Grund, Borkum anzusteuern. Nämlich den, dass es da liegt, wo es liegt, und bei nahezu jeder Tide angesteuert werden kann. Es gibt zwei Häfen: Den Schutzhafen und den Jachthafen.
Letzterer ist nur um Hochwasser herum befahrbar und gehört zu den unansehnlichsten, die dieses unser Land so zu bieten hat. Einzig das Restaurant dort kann etwas mit dem morbiden Charme der Nachkriegsanlage versöhnen. Den Spruch „pearl harbour = alles in Trümmern“ für diese einzigartige Anlage hab‘ ich von einem Borkumer.

Der Schutzhafen ist ein eben solcher. Er bietet Schutz vor Wind und Seegang. Erst der kaiserlichen, dann den nachfolgenden deutschen Marinen. Und dafür ist er auch ausgelegt und geprägt. Er hat das Flair, das Marineschutzhäfen eben so haben: Keines. Ein und ein halber der ehemaligen Marinepontons werden, neben einer eigenen Steganlage, vom örtlichen Segelverein mitgenutzt. An den anderen liegen hier Versorger, Lotsen und die Gesellschaft mit dem langen Namen und sorgen dafür, dass ständig etwas los ist. Schön ist das nordwestliche Eingangstor zu Deutschland nicht, aber groß und tief.

Am nächsten Tag mit dem Hochwasser, jetzt schon wieder am Vormittag, über die Fischerbalje und das Memmertfahrwasser nach Norderney. Vor Juist wurden wir gewarnt, Hafen zu voll.

Norderneyer bei der Arbeit

Da sind wir jetzt schon zum dritten Mal in diesem Jahr: Vor der Corona-Impfung, nach der Corona-Impfung und jetzt „auf der Durchreise“. Aber jetzt sind Ferien, das merkt am auch daran, dass es jetzt voll wird im Hafen.

Die Insel der grauen Mönche

Die Insel

Da sind wir, auf der Insel der grauen Mönche. Das bedeutet der Name: Schier = grau (westfriesisch), Monnik = Mönch, Oog = Insel. Siehe auch Lange-, Spieker-, Wange-, Old- und Minsener Oog bei uns. Und das kam so: Im Mittelalter gab es hier ein Kloster, zu dem die ganze Insel gehörte. Nach der Reformation hat man das Ganze dann säkularisiert, sprich vertickert. Wurde damit Kapitalanlage (soll ja schon immer Leute gegeben haben, die nicht wussten, wohin mit dem Geld) und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach weiterverkauft. Bis die Insel als Privatbesitz bei einer deutschen Adelsfamilie landete, der sie bis zum Ende des 2. Weltkriegs gehörte. Wer das detailierter lesen möchte, findet es hier.

Die Mönche

Die grauen Mönche treten immer noch an diversen Stellen im Ortsbild des einen und einzigen Ortes auf, der wie die Insel selbst auch Schiermonnikoog heißt. Nicht als Personen, aber als Denkmal und als Verzierung von Straßenschildern oder des alte Leuchturms. Einen neuen gibt es auch, der hat aber eine Radar-Antenne oben drauf, da war kein Platz für einen Mönch. Oder es hätte wohl zu albern ausgesehen, wenn er sich immer hätte mitdrehen müssen.

Der Hafen

„Der Werner“ (siehe unten) sagt, dass man beim Hafen von Schiermonnikoog schon mal damit rechnen müsse, dass er wegen Überfüllung gesperrt sein könne, zumindest in der Ferienzeit. Wir sind, glaub ich, zum ersten Mal während der Sommerferien hier. Gesperrt ist er nicht. Der Hafenmeister beweist aber großes Geschick darin, die in der Tat begrenzte Wasserfläche optimal auszunutzen. Ganz kommt man nicht trocken von einer Seite zur anderen, aber stellenweise kommt man diesem Zustand schon recht nah. Ein bisschen Platz für Schlauchboot oder SUP-Board bewegende Kinder bleibt aber noch. Und die meiste Zeit des Tages bewegt sich auch sonst nichts. Es ist sowieso nicht genug Wasser da. Bei Niedrigwasser liegt der Hafen hoch über der trockenen Wattlandschaft.

We are sailing, we are ..

Hochwasser heute so, dass man entweder ganz früh raus muss oder erst am späten Nachmittag raus kann. Unser Nachbar im Päckchen, natürlich weiter innen, hat sich für ganz früh entschieden. Will nach Vlieland – das verstehe ich – mit 1.70 Tiefgang – das verstehe ich nicht so ganz. Wie kann man in diesem Revier mit einem Boot unterwegs sein, das 1,70 Tiefgang hat. Auch noch ’ne Moody – die können doch auch anders. Wir lassen ihn raus und legen uns wieder hin.

Zu humanen Zeiten dann erst Frühstück und dann an den Strand. Von weitem sieht es dort so aus, als hätten da die Bagger gewütet. Wenn man näher heran kommt, merkt man, dass das kein Sand ist, sondern Reste von Algen. Vielleicht auch Pflanzen. Jedenfalls alles gleich, alles gelb und alles tot. Angeblich seit 3 Tagen wird das hier angespült. Dergleichen haben wir nie vorher gesehen. Solang es in dünnen Schichten am Stand liegt, kann man drüber laufen. An Stellen, wo die Schicht dicker sind, fängt das Zeug anscheinend an zu gammeln und riecht dann nach Tang. Ungefähr so, wir man das von dem Ostsee kennt. (Oder doch die Ostsee?)

Dubiose Biomasse

Zurück von Strand und Tang in den Ort mit den 3 Buchstaben. Viele Häuser hier tragen das Baujahr in eisernen
Buchstaben an der Fassade. Das ist eigentlich nichts besonderes. Bemerkenswertfinde ich, das die Häuser von 1688 (ältester Fund) und die von 2020 (neuster Fund) sich zumindest von außen nicht sehr unterscheiden. Die aus dem 17 Jht. haben manchmal etwas kleinere Fenster, aber sonst?

Besonders reichhaltig chronologisch bestimmt ist der Dorfturm, wieder so ein kirchenloser Kirchturm. Der hat gleich drei Jahreszahlen angeschrieben: 1664 (unterer Teil) 1732 (oberer Teil) und 2017 (Uhr).

Am Nachmittag dann raus und unter Segeln über’s Watt nach Osten, Ziel Schiermonnikoog. Das Wetter ist so, dass ziemlich alles, was Segel hat, raus geht und die Segel auch benutzt. Weil das Revier der niederländischen Watten so seine Besonderheiten hat – es ist häufig sehr flach und die Entfernungen sind deutlich größer als in unseren Watten – ist der Anteil traditionelle Flach- und Rundbodenschiffe recht hoch. Die haben sich in den letzten paar Jahrhunderten auch nicht sehr geändert. Außer dass da Dieselmotoren rein gekommen sind und moderne Navigationsgeräte. Das hat dem optischen Eindruck aber keinen Abbruch getan.

Gegen Abend dann Ansteuerung von Schiermonnikoog. Das letzte Stück ist eng, flach und kurvenreich. Und gegen die tiefstehende Sonne sind leider alle Tonnen schwarz. Man lernt zu schätzen, das es auch Regeln zur Form der Tonnen gibt.

Gegen die Sonne sind alle Tonnen schwarz