An Hoorn gescheitert

Amsterdam hatten wir hier schon des Öfteren. Natürlich kann man schlecht im Sixhafen auf besseres Wetter warten und nicht nach Amsterdam gehen/fahren. Als Stellvertreter etwas, was es vermutlich nur in Amsterdam gibt: Die Oude Kerk (gotisch), vermutlich die einzige der Welt, die im Zentrum eines Rotlichtviertels liegt. An der Südseite Kneipen, an der Nordseite Puffs. Aber die Kirche soll ja zu denen kommen, die sie bekehren will. Wenn ich denn das Konzept verstanden habe.

Oude Kerk Amsterdam
Oude Kerk Amsterdam, mitten im Rotlichtviertel

Wir sind uns nicht ganz sicher, ob der Rotlichtbetrieb nicht vom Fremdenverkehrsverband mit finanziert wird, um die Touristenströme in Gang zu halten. Aber vermutlich würden die auch so fließen.
Sixhafen: Da gibt es die schöne Regelung, dass man bis 12:00 nicht reinfahren darf und nach 12 nicht raus. Das wußten wir, und es ist bei der Enge auch sinnvoll. Nicht alle Fahrzeuge, die da manövrieren, sind so zierlich wie unsere kurze dicke Martha. Was wir noch nicht kannten, ist das geordnete, vom Hafenmeister koordinierte Auslaufen. Geht aber wohl nur so, ohne Plan würde sich der ganze Bootsbrei vermutlich hoffungslos verklemmen und bis 12 gar nicht aus dem Hafen kommen.
Mein Ziel wäre Hoorn gewesen, einfach, weil ich da lange nicht mehr war. Unser Stegnachbar hat uns vor den dort im Hafen üppig gedeienden Wasserpflanzen gewarnt. Sabine meinte, wir hätten jetzt genug Stadt. Und wollte gerne wieder in ihren Lieblingshafen am Markermeer. Außerdem wäre man bei dem steifen Südwind zwar gut nach Hoorn rein, aber schlecht wieder raus gekommen. Also nach Broekerhaven. Und dann mit dem Fahrrad Richtung Hoorn, 12 Km. Nach 3 oder 4 davon, siehe oben, steifer Südwind, haben wir festgestellt, das wir uns den Weg nach Hoorn nicht antun müssen. Am Hoorn sind schon ganz andere gescheitert.
Mit dem Wind nach Enkhuizen ging besser. Erstens nur 4 Kilometer, und auch nicht so offen. Zum erstenmal von Land aus gesehen: Den hier schon früher beschriebenen Naviduct. Jenes Wasserbauer-Wunderwerk, das gleichzeitig Autobahnbrücke und Schleuse ist. Sogar mit zwei Kammern. Und funktioniert, was ja bei Schleusen auch nicht mehr selbstverständlich ist.

Der, die oedr das Naviduct von Land aus
Der, die oder das Naviduct von Land aus. Unten Schnellstraße, oben Scheuse

Ab selbiger Schleuse dann vor dem Wind übers Ijsselmeer nach Makkum. Neben uns unter Anderem dort unterwegs: Ein Ostindienfahrer. Oder war’s der fliegende Holländer?

Sovereign oder der fliegende Holländer
Sovereign oder der fliegende Holländer

Übrigens trotz kräftigen Winds viel langsamer als erwartet.
Makkum ist viel sehenswerter als (von mir) erwartet. Liegt wahrscheinlich daran, dass man, wenn man über den Abschlussdeich fährt, von Makkum nur die klotzigen Werfthallen sieht. Die gibt’s da auch. Aber dahinter ein nett anzusehendes westfriesisches Städtchen.
Diverse Sportboothäfen und Marinas davor, aber man kann auch bis in den Ortskern mit dem Boot fahren. Durch eine Schleuse und eine oder mehrere Brücken, je nachdem, wo man hin will. Kassiert wird vom Hafenmeister/von der Hafenmeisterin mit dem landesüblichen Holzschuh, 5€. Bitte passend bereithalten.

Ortsübliche Inkasso-Methode: Holzschuh an der Angel
Ortsübliche Inkasso-Methode: Holzschuh an der Angel

 

cord

Autor: cord

Hat mal Physik studiert, aber fast alles wieder vergessen. Hat jetzt altersbedingt viel Freizeit und segelt gerne. Oder macht Musik. Verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Und inzwischen zwei Enkelkinder.

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