Alarm im Hafen

Immer noch Thema Wetter. Bovor es richtig losging, haben wir uns noch überlegt, wo wie dieses Tief abwettern wollten.
Norderney? War schon genug. Baltrum? Ist OK. Langeoog? zu weit ins Dorf, wenn’s regnet und schlecht geschützt bei SW. Oder richtiger, der Hafen ist so groß, dass zwar die Außenmole de Wellen abhält, aber sich innen schon wieder hinreichend lästige neu Wellen bilden können. Spiekeroog? Zeitweise ein etwas uncharmanter Hafenmeister. Wangerooge? Schlecht geschützt bei SW und noch weiter in den Ort.

Also liegen wir auf Baltrum. Etwas geschützt durch die hohe Westmole und etwas weniger durch die niedrige Südmole und das Watt, und auf der Leeseite des Stegs, so dass wir wenigstens nicht drauf gedrückt werden. Der Wind ist nach wie vor recht ausdrucksvoll und an den Klampen des Pontons sind schon einige Festmacher-Makramees entstanden.

Festmacher-Makramee

Ein aktueller Text vom Deutschen Wetterdienst:

Seewetterbericht für Nord- und Ostsee herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst, Seewetterdienst Hamburg am 29.07.2021, 03.06 UTC.

Wetterlage 29.07.2021 00 UTC : Ein Tief 992 zieht unter Vertiefung von der Südspitze Finnlands wenig nordwärts. Ein Tief 1000 über der Haltenbank vertieft sich. Ein Tief 998 zieht von Forties ostwärts und vertieft sich dabei. Freitagfrüh erreicht es den Raum Stockholm. Ein Azorenhochkeil 1016 reicht über Nordspanien zu den Alpen und ändert sich kaum. Am Donnerstagabend erreicht ein Sturmtief 1000 die Keltische See und zieht unter Vertiefung ostwärts.

Bis Freitag früh ist in folgenden Vorhersagegebieten mit Sturm zu rechnen: Engl. Kanal Westteil Engl. Kanal Ostteil Bis Freitag früh ist in folgenden Vorhersagegebieten mit Starkwind zu rechnen: Deutsche Bucht Südwestliche Nordsee Ijsselmeer Dogger Skagerrak Kattegat Belte und Sund Westliche Ostsee Südliche Ostsee Südöstliche Ostsee Zentrale Ostsee Nördliche Ostsee Rigaischer Meerbusen

Vorhersage gültig bis Freitag früh: Deutsche Bucht: Südwest 6, strichweise 7, etwas abnehmend, westdrehend, Gewitterböen, See 3 Meter.

Als wir das Boot für einen kurzen Gang verlassen wollen, werden wir darauf hingewiesen, das bei der großen Fähre,genau in Luv von uns, etwas nicht sitmmt. Offenbar ist das Ablegen etwas schief gegangen, das Schiff steht im rechten Winkel zur Pier und parallel zu einem kleinen Versatz in der Pier, etliche Streichpfähle liegen im Wasser und die Maschine läuft und schiebt den Bug gegen die Pier. So sollte das eigentlich nicht aussehen. Und wärend die Yachties noch zusehen, kommt der Hafenmeister zu uns und teilt uns mit, es habe eine kleine Havarie gegeben und wenn die Maschine ausfalle, müssten wir hier weg. Das führt zu unterschiedlichen Reaktionen. Sabine packt Logbuch, Portmonais und Handy ein, ich mache die Maschine, also unsere, klar. Muss mir aber sagen lassen, dass das Boot versichert sei und ich hier sowieso nicht weg käme. Seh‘ ich anders und wollte ggf. mit Boot raus, ist inzwischen aber egal. Die Fährenbesatzung hat ihr Schiff wieder in den Griff bekommen, dreht es um und fährt raus. Alle gucken zu. Alarm beendet.

Gehen zum Westende der Insel und schauen uns an, was der Wind im Seegat so veranstaltet.
Ein Segler, der über den Luxus eines Anemometers, vulgo Windmessgeräts, verfügt, hat Spitzenwerte von 42 Kn gemessen. Das ist schon eine ganze Menge. Bei 41 Kn fängt Bft 9, Sturm, an. Wir könnten das also als „stürmisch“ bezeichnen.

Seegat bei Starkwind


Update: Revierfunk meldet „Alte Weser“ 8 Bft.

Standortwechsel

Das Wetter ist zur Zeit unberechenbar oder, etwas meteorologischer, ist geprägt von einer feuchwarmen Luftmasse mit instabiler Schichtung. Hatten die Fahrräder schon verpackt, dann aber wegen des Wetterberichts doch noch den Plan geändert und sind einen weiteren Tag auf „Ney“ geblieben. „Ney“ scheint der neue Name der Insel zu werden. Bei allen möglichen Firmen, beim Restaurant „Ney’s Place“ am Hafen und sogar in der Email-Adresse des Hafenmeisters findet man nur noch „Ney“. Da die Insel ihren Name in ihrer kurzen Geschichte schon ein paar Mal geändert hat, warum nicht?
Das angekündigte Gewitter mit Böen kam tagsüber nicht. Erst am Abend, schon sehr dunkel, zog eine beeindruckende Böenwalze über die Insel. Statt der Angesagten Sturmböen dann 2 Minuten etwas Wind, und das war’s.

Gewitterfront mit Böenwalze

Nach so vielen Tagen Norderney zieht  es einen dann auch weiter. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter und ihr spezifisches Publikum. Die größen des hannöverschen König- und des wilhelminischen Kaiserreichs haben sich hier jedenfalls wohlgefühlt. Manchmal fühlt man sich dort halt heimischer als da. Lästern über Inseln darf man sowieso nicht. Der Heine Harry hat das bei Norderney gemacht und durfte dann nicht wiederkommen.

Am Montag dann, sowohl vorhergesagt als auch real, völlige Flaute. Da „Ney“ irgendwann langweilig zu werden beginnt, jedenfalls uns, unter Motor nach Baltrum. Mit kleiner Fahrt und bei wechselnder Sicht.


Auf Baltrum große Aufregung: Im Watt bei Norderney sei ein Flugzeug abgestürzt. Muss weniger als eine Stunde, nachdem wir an der Stelle waren, passiert sein. Alle Fahrzeuge, die etwas beobachtet haben, sollen sich melden. Wir haben nichts wahrgenommen. Später haben wir dann aus der Pressemitteilung der Polizei erfahren, was wirklich passiert ist. Vor zwei Tagen haben wir den Fallschirmspringern noch zugesehen.

Jetzt auf Baltrum. Nach „Ney“ doch recht ruhig und erholsam. Eine ganz andere Insel und ein ganz anderes Publikum. Auch ein anderer Altersdurchschnitt, mehr Kinder pro Gast.

Norderney, die Dritte

Gestern nach einer Rundfahrt durch den Yachthafen als dritte im Päckchen festgemacht. Heute morgen um 6 hat sich der innere nach Lauwersoog davon gemacht, wir haben dann den Innenplatz eingenommen, weil der mittlere auch am Vormittag weg wollte und ist, nur nicht so unchristlich früh. So ist das eben mit der Tide.
Da wir mit unseren knapp 9 Metern auf einem Platz liegen, der, mit Überhang, auch noch für 13 Meter ausreichend wäre, hätten wir uns gerne woanders hingelegt. Sonst hat man schnell vier solche Riesenteile an sich dran hängen, was dann zu sehr straffen Leinen und platten Fendern führen könnte. Und zu viel Durchgangsverkehr über das Vordeck. (Für die möglicherweise segelferne Leserschaft: Vorn geht man durch, hinten ist Privatbereich. So will es die Yachtetikette.) Mittags war immer noch nichts anderes frei und wir haben uns auf die Insel aufgemacht. Besuch beim Leuchtturm.
Sabine hat sich die zweihundertundnochwassechzig Stufen gespart, der Schreiber nicht. Der Blick lohnt sich. Der Leuchtapparat des Norderneyer Turms stammt übrigens aus Frankreich. Er wurde nach dem Krieg von 1870/71 als Reparationsleistung eingefordert und dreht als einziger deutscher Leuchtturm links herum. Die riesige Fresnel-Optik ist noch erhalten und auch noch in Betrieb. Obwohl man vermutlich heute die gleiche optische Leistung auf eine Frühstücksteller unterbringen könnte. 1870 musste die Optik so groß sein, weil auch die Lichtquelle, mehrere Lampen, so groß war.

Der Leuchapparat des Norderneyer Leuchtturms
Blick von oben

Gang am Strand, auch durchs FKK-Gebiet. Freikörper-Kultur, so’n Quatsch. Kultur fing damit an, dass man sich was anzog. Wir Deutschen haben ja noch den Kulturbeutel. Vermutlich kann kein anderes Volk auf Erden die Kultur in Beuteln abpacken.

Viererpäckchen

Bei Rückkehr in den Hafen waren wir dann der innere im 3-er Päckchen. Zwischendurch waren es mal 4, jetzt sind’s wieder 3, aber der Abend ist ja noch nicht zu Ende.

Pearl Harbour

Schiermonnikoog raus und vor dem Hafen in angemessen tiefem Wasser erst etwas warten. Aus dem Hafen kommt man nur nahe Hochwasser, und im Seegat wollen wir den Strom mit uns haben. Das schenkt uns einige Meilen.

Warten auf den Ebbstrom
Het Riff – Engelmans Plaat: Als Insel zu flach, als Sandbank zu groß

Bis Höhe (eigentlich Länge) vom Rottumer Oog unter Segeln, dann wurde der Wind so dürftig, dass wir mit ein wenig Diesel nachhelfen mussten. Die Meinungen darüber, ob man schon nachhelfen muss, sind da nicht immer einhellig, aber irgendwie einigt man sich schon.

Schiermonnikoog sollte man besuchen, Norderney kann man, Borkum muss man. Wenn die Tide es erfordert, sonst eher nicht. Jede der Ost- und/oder Westfriesischen Inseln hat ihre Fangemeinde, auch Borkum.

Für Boat-People wie uns gibt es allerdings nur einen guten Grund, Borkum anzusteuern. Nämlich den, dass es da liegt, wo es liegt, und bei nahezu jeder Tide angesteuert werden kann. Es gibt zwei Häfen: Den Schutzhafen und den Jachthafen.
Letzterer ist nur um Hochwasser herum befahrbar und gehört zu den unansehnlichsten, die dieses unser Land so zu bieten hat. Einzig das Restaurant dort kann etwas mit dem morbiden Charme der Nachkriegsanlage versöhnen. Den Spruch „pearl harbour = alles in Trümmern“ für diese einzigartige Anlage hab‘ ich von einem Borkumer.

Der Schutzhafen ist ein eben solcher. Er bietet Schutz vor Wind und Seegang. Erst der kaiserlichen, dann den nachfolgenden deutschen Marinen. Und dafür ist er auch ausgelegt und geprägt. Er hat das Flair, das Marineschutzhäfen eben so haben: Keines. Ein und ein halber der ehemaligen Marinepontons werden, neben einer eigenen Steganlage, vom örtlichen Segelverein mitgenutzt. An den anderen liegen hier Versorger, Lotsen und die Gesellschaft mit dem langen Namen und sorgen dafür, dass ständig etwas los ist. Schön ist das nordwestliche Eingangstor zu Deutschland nicht, aber groß und tief.

Am nächsten Tag mit dem Hochwasser, jetzt schon wieder am Vormittag, über die Fischerbalje und das Memmertfahrwasser nach Norderney. Vor Juist wurden wir gewarnt, Hafen zu voll.

Norderneyer bei der Arbeit

Da sind wir jetzt schon zum dritten Mal in diesem Jahr: Vor der Corona-Impfung, nach der Corona-Impfung und jetzt „auf der Durchreise“. Aber jetzt sind Ferien, das merkt am auch daran, dass es jetzt voll wird im Hafen.

Die Insel der grauen Mönche

Die Insel

Da sind wir, auf der Insel der grauen Mönche. Das bedeutet der Name: Schier = grau (westfriesisch), Monnik = Mönch, Oog = Insel. Siehe auch Lange-, Spieker-, Wange-, Old- und Minsener Oog bei uns. Und das kam so: Im Mittelalter gab es hier ein Kloster, zu dem die ganze Insel gehörte. Nach der Reformation hat man das Ganze dann säkularisiert, sprich vertickert. Wurde damit Kapitalanlage (soll ja schon immer Leute gegeben haben, die nicht wussten, wohin mit dem Geld) und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach weiterverkauft. Bis die Insel als Privatbesitz bei einer deutschen Adelsfamilie landete, der sie bis zum Ende des 2. Weltkriegs gehörte. Wer das detailierter lesen möchte, findet es hier.

Die Mönche

Die grauen Mönche treten immer noch an diversen Stellen im Ortsbild des einen und einzigen Ortes auf, der wie die Insel selbst auch Schiermonnikoog heißt. Nicht als Personen, aber als Denkmal und als Verzierung von Straßenschildern oder des alte Leuchturms. Einen neuen gibt es auch, der hat aber eine Radar-Antenne oben drauf, da war kein Platz für einen Mönch. Oder es hätte wohl zu albern ausgesehen, wenn er sich immer hätte mitdrehen müssen.

Der Hafen

„Der Werner“ (siehe unten) sagt, dass man beim Hafen von Schiermonnikoog schon mal damit rechnen müsse, dass er wegen Überfüllung gesperrt sein könne, zumindest in der Ferienzeit. Wir sind, glaub ich, zum ersten Mal während der Sommerferien hier. Gesperrt ist er nicht. Der Hafenmeister beweist aber großes Geschick darin, die in der Tat begrenzte Wasserfläche optimal auszunutzen. Ganz kommt man nicht trocken von einer Seite zur anderen, aber stellenweise kommt man diesem Zustand schon recht nah. Ein bisschen Platz für Schlauchboot oder SUP-Board bewegende Kinder bleibt aber noch. Und die meiste Zeit des Tages bewegt sich auch sonst nichts. Es ist sowieso nicht genug Wasser da. Bei Niedrigwasser liegt der Hafen hoch über der trockenen Wattlandschaft.

We are sailing, we are ..

Hochwasser heute so, dass man entweder ganz früh raus muss oder erst am späten Nachmittag raus kann. Unser Nachbar im Päckchen, natürlich weiter innen, hat sich für ganz früh entschieden. Will nach Vlieland – das verstehe ich – mit 1.70 Tiefgang – das verstehe ich nicht so ganz. Wie kann man in diesem Revier mit einem Boot unterwegs sein, das 1,70 Tiefgang hat. Auch noch ’ne Moody – die können doch auch anders. Wir lassen ihn raus und legen uns wieder hin.

Zu humanen Zeiten dann erst Frühstück und dann an den Strand. Von weitem sieht es dort so aus, als hätten da die Bagger gewütet. Wenn man näher heran kommt, merkt man, dass das kein Sand ist, sondern Reste von Algen. Vielleicht auch Pflanzen. Jedenfalls alles gleich, alles gelb und alles tot. Angeblich seit 3 Tagen wird das hier angespült. Dergleichen haben wir nie vorher gesehen. Solang es in dünnen Schichten am Stand liegt, kann man drüber laufen. An Stellen, wo die Schicht dicker sind, fängt das Zeug anscheinend an zu gammeln und riecht dann nach Tang. Ungefähr so, wir man das von dem Ostsee kennt. (Oder doch die Ostsee?)

Dubiose Biomasse

Zurück von Strand und Tang in den Ort mit den 3 Buchstaben. Viele Häuser hier tragen das Baujahr in eisernen
Buchstaben an der Fassade. Das ist eigentlich nichts besonderes. Bemerkenswertfinde ich, das die Häuser von 1688 (ältester Fund) und die von 2020 (neuster Fund) sich zumindest von außen nicht sehr unterscheiden. Die aus dem 17 Jht. haben manchmal etwas kleinere Fenster, aber sonst?

Besonders reichhaltig chronologisch bestimmt ist der Dorfturm, wieder so ein kirchenloser Kirchturm. Der hat gleich drei Jahreszahlen angeschrieben: 1664 (unterer Teil) 1732 (oberer Teil) und 2017 (Uhr).

Am Nachmittag dann raus und unter Segeln über’s Watt nach Osten, Ziel Schiermonnikoog. Das Wetter ist so, dass ziemlich alles, was Segel hat, raus geht und die Segel auch benutzt. Weil das Revier der niederländischen Watten so seine Besonderheiten hat – es ist häufig sehr flach und die Entfernungen sind deutlich größer als in unseren Watten – ist der Anteil traditionelle Flach- und Rundbodenschiffe recht hoch. Die haben sich in den letzten paar Jahrhunderten auch nicht sehr geändert. Außer dass da Dieselmotoren rein gekommen sind und moderne Navigationsgeräte. Das hat dem optischen Eindruck aber keinen Abbruch getan.

Gegen Abend dann Ansteuerung von Schiermonnikoog. Das letzte Stück ist eng, flach und kurvenreich. Und gegen die tiefstehende Sonne sind leider alle Tonnen schwarz. Man lernt zu schätzen, das es auch Regeln zur Form der Tonnen gibt.

Gegen die Sonne sind alle Tonnen schwarz

Ort mit drei Buchstaben

Nordwest 4 sagt der Wetterbericht. Das wäre gut, um über’s Watt nach Ameland zu segeln. 3 Stunden vor HW raus, noch ’ne halbe Stunde Zugabe für die Schleuse. Man weiß ja nicht so ganz genau, wie lang man da warten muss.
Wir mussten gar nicht warten, die Schleuse war auf, als wir um die Ecke kamen. Und dann ging es wirklich flott bis dahin, wo’s flach wird.


Da mussten wir ein bisschen ankern, weil noch nicht genug Wasser da war. Als es weiter ging, konnten wir leider die Höhe nicht mehr laufen, die wir gebraucht hätten. Und das bleib dann leider so bis zum Westende von Ameland. Aus dem NW war leider ein NNO geworden. Hinterher hat Windfinder seine Anzeige an die Realität angepasst, aber hinterher sind wir auch selbst schlauer.

Im Hafen von Nes (Ort auf Ameland, 3 Buchstaben), dem fast einzigen auf der Insel, wird ordentlich diskriminiert: Einheimische innen, dann Rund- und Plattbodenschiffe, dann langweilige moderne Jachten.

Und dann gibt es noch das Flach östlich des Hafens. Da dürfen die hin, die sich trocken fallen lassen können und wollen. Zahlen müssen die aber auch, wenn auch weniger. Was ja auch berechtigt ist, weil sie einen Teil der Infrastruktur ja mit benutzen. Oder das zumindest sollten.

Anders als unsere  Ostfrieseninseln leben die meisten Westfriesischen nicht nur vom Tourismus, sondern auch von der Landwirtschaft. Sie sind  ja auch größer, und Teile von Ameland sind Polder mit Viehhaltung.

Mit den Fahrrädern zum Westende. Auf Ameland gibt es 4 Orte. Den Hauptort mit den 3 Buchstaben aus dem Kreuzworträtsel, Buren im Osten, Hollum und Ballum westlich.  Zu Ballum gehört der andere Hafen, von dem „der Werner“ (1) sagt, er sei im Wesentlichen eine Betonplatte, auf der Sand verladen werde, der furchtbar staubt, und man solle da als Yacht nicht hineinfahren. Unser „Werner“ stammt aus den 80-ern, hat aber an Aktualität zumindest für diesen Hafen nichts verloren.

Ballum Bocht

Nur das sich mittlerweile, siehe unten, die KNRM (2) dort angesiedelt hat.
In Hollum hat Sabine das „Maritime Center Abraham Fock“ (3) ausfindig gemacht. Ein sehr empfehlenswertes Museum zum Thema Seenotrettung. Diese wurde hier sehr lange Zeit mit einem Rettungsboot betrieben, das mit Pferden (10) über 2 Kilometer zum Wasser gezogen werden musste. Dort wurde dann umgespannt und 8 Pferde, 4 an Backbord, 4 an Steubord, brachten den Wagen mit dem Boot dann ins Wasser.  Auch das Aufslippen auf den Wagen ging mit Pferdekraft. Die Pferde haben die Landwirte des Ortes gestellt. Das Boot und den Slipwagen gibt es noch, die bilden heute den Kern des „Maritime(n) Center“.
Noch 1978 war das Boot im Einsatz, da ist es zu einem Unfall gekommen: Wer Wagen ist in eine tiefe Stelle gesunken und hat die angeschirrten Pferde unter Wasser gezogen.

Ende der Radtour: Der Leuchtturm von Ameland. Hier saß noch lange Zeit ein Leuchtturmwärter, der auch die Einsätze der KNRM bei Einsätzen unterstützt hat. Wenn er denn gute Sicht hatte. Heute ist auch dieser Leuchtturm automatisiert und fernbedient. Und man darf auch rauf, gegen eine Obulus und z.Z. nur mit Registrierung und mit Schnutenpulli.

Hollum von oben

(1) Für ältere Nordseesegler das, was das „schlaue Buch“ für Tick, Trick und Track ist.
(2) Macht in den Niederlanden das, was bei uns die DGzRS macht.
(3) Für die KNRM das, was z.B. Arwed Eminghaus für die DGzRS ist.

Leeuwarden – Harlingen

Ein schwerer Verlust für das segelnde und auch Motorboot fahrende Volk. Den Aldi in Leeuwarden, den, vor dem man direkt anlegen konnte, gibt es nicht mehr. In den Gemäuern wird jetzt nur noch Tierbedarf verkauft. Wenn man sich nicht unbedingt von Chappy ernähren will, muss man sich jetzt also etwas anderes suchen.
Leeuwarden verdient eigentlich einer eingehenden Würdigung, das haben wir schon früher mal getan, wenn auch nicht im Rahmen dieses Blogs. Den gab es damals noch nicht in dieser Form. Gleiches gilt für Harlingen. Darum hier ein paar Eindrücke von dazwischen und drum rum.

Die fiese Brücke von Leeuwarden wurde hier, und nur hier, so bezeichnet, weil sie, wenn man von Osten kommt, hinter einer engen Kurve liegt. Wenn man Glück hat, ist sie zu. Wenn man Pech hat, schiebt sich gerade ein 19m-Schiff durch und braucht genau die Stelle zu drehen, auf der man gerade aufstoppt.

Außerdem ist der Autor gerade schreibunwillig, weil nach Batteriewechsel der Tastatur sich die App, die die selbige mit dem Tablet verbinden soll, sich standhaft und bösartig weigert, die deutsche Tastenbelegung zu akzeptieren. An die Satzeichen kann man sich ja gewoehnen, aber die Umlaute sind eine Quaelerei.

Unsre Fa-ha-ha-hane nicht

„Wir sind schon der Meere so viele gezogen ..“
Über Deutschland tobt Bernd das Tief, und sorgt für Katastrophenmeldungen. Hier kommt nur der Wind an, seit gestern ist es durchgehend sehr windig, aber kaum ein Tropfen Regen ist bislang gefallen. „Eiskalte Winde“ nicht, „rauhes Gesicht“ schon. Raus auf See oder auch nur aufs Watt wollten wir wegen des Starkwinds nicht. Da es auch noch mindestens einen weiteren Tag so bleiben soll, haben wir uns in die friesischen Kanäle verkrochen. Wir entfernen uns von der Zee und fahren übers (Lauwers-)Meer

Nicht, dass wir nicht schon mehrfach dort gewesen wären. Ist aber auch beim n-ten Male immer noch reizvoll.

Das Restaurant am Ende des Universums
Jedes Mal ein kleines bisschen mehr ..

Und bei soviel Wind kann man, zumindest streckenweise sogar auf dem Tief segeln. Wenn auch nur mit Rollgenua, weil es zum Aufschießen zu eng ist und alle paar Kilometer eine bewegliche Brücke liegt, an der es kurze Wartezeiten gibt. Und ohne Aufschießer kriegen wir das Groß nicht runter.

Durchs Lauwersmeer und das Dokkumer Sieltief nach Dokkum. Der Ort, an dem man Bonifazius erschlagen hat.
Obwohl der Schreiber eine gesunde Abneigung gegen religiöse Eiferer und Missionare nicht leugnen kann, hat es letztlich nichts gebracht.

Dokkum

Heute sind die Dokkumer Fremden gegenüber jedenfalls deutlich toleranter und verkaufen ihnen lieber Kaffee, Kuchen und Käse.

Luftschiff

Nach dem recht harmlosen Gewitter eine ruhige Nacht, am nächsten Morgen dann ganz ruhiges Wetter – kaum Wind und diiiesig, wie der Delta-Papa sagen würde. Was an Wind da war, kam auch noch genau aus Norden, so dass wir die ganze Strecke nach Lauwersoog mit „Wind aus dem Tank“ zurückgelegt haben. Dafür konnten wir dann in Lauwersoog wieder „Wind in den Tank“ einfüllen. Den guten, der nicht stinkt und nicht rußt und in dem man keine Antibiotika hinzu fügen muss. Dafür allerdings zusätzliche Euros in die Tankstelle.

Lauwersmeer diiiiiesig

Nach unserer Seepocken-Entfernungs-Aktion lief Martha zwar wieder so schnell, wie sie das sollte und auch kann, allerdings mit einer deutlichen Tendenz nach Backbord. Nach längerer Diskussion haben wir uns entschieden, mal bei einer Werft oder einem Marineservice anzufragen, was es kosten würde, das Schiff aus dem Wasser zu nehmen und wieder hinein zu setzen. Eine Stunde sollte genügen, um schlau zu werden und evt. übersehene Pocken zu entfernen. Die Werft in Zoutkamp konnte das nicht, weil deren Lift zwar große Fischereifahrzeuge, aber keine kleinen Segler heben kann. Der Mast ist im Weg oder die Traverse zu tief, wie man will. Die haben uns aber den Hafen von Lauwersoog empfohlen, dort sei man auf Segler eingestellt. Die konnten das auch und waren zudem vergleichsweise günstig. Wobei wir selbst ja gar keinen Vergleich haben, wir haben das ja noch nie machen lassen. Andere freundliche Wassersportkollegen haben das so gesagt. Grob gerechnet hätte man auch mit 2 – 3 Personen dafür essen gehen können.

Luftschiff, Martha mit Mast schwebend über festem Land

Das Ergebnis war doch recht verblüffend: Ganz offensichtlich hatten wir vor Juist 97.531% der Seepocken entfernt. Das die verbleibenden 2,469 % soviel Unsinn machen können! (Bekanntlich liefern 88.54321 % aller Statistiken nicht die Genauigkeit, die sie vorgeben!)

Der Hafenmeister wird sich auch fragen: „Was wollten die Moffen eigentlich im Travellift?“ Natürlich auf Niederländisch. Na ja, wir wissen jetzt jedenfalls, wie’s unten aussieht.

Für die nächsten Tage sind Gewitterböen und viel Wind angesagt. Wir bleiben noch einen Tag hier und schauen uns an, wie sich das Wetter wirklich entwickelt. Die Wetterberichte ändern sich zur Zeit stündlich, das Wetter auch. Einig sind sie sich nur darin, dass das Böse aus dem Osten kommt. So wie wir hier auch.

Lauwersoog besteht aus zwei Teilen, dem inneren mit Süßwasser, der so gut wie ausschließlich der Freizeitindustrie gewidmet ist, und dem äußeren, der einen ganz wesentlichen Teil der Niederländischen Fischereiflotte beherbergt. Der hat den Charme einer Betonplatte mit Pollern zum Anbinden von Fischereifahrzeugen. Ein paar Fischlokale, die Fähre nach Schiermonnikoog, ein Ausrüster und viele Fisch verarbeitende Betriebe. Und dann gibt’s noch die Schleuse „Robbengat“ und in der Nähe die Entwässerungsschleusen des Lauwersmeers.