Autobahn?

Norderney ist nicht nur das älteste Seebad an der ostfriesischen Küste, es ist auch so etwas wie das industrielle Zentrum. Was sicher daran liegt, das es von Norden (der Stadt) gut zu erreichen ist, einen tiefen Hafen hat und das Fahrwasser durch das Seegatt keine Barre hat. Das eine jedenfalls, es gibt hier deren zwei.
All das führt dazu, dass der Hafen von Norderney funktioniert, aber nicht über das Ambiente verfügt, das  Boatpeople oder Touristen im Allgemeinen mögen. So wurde ich denn auch um 3 Uhr nachts bei babylonischer Finsternis durch laute Geräusche geweckt. Sabine hat es nicht gestört. Ein mittelgroßer Frachter legte an. Offenbar voll beladen und mit so viel Tiefgang, das er mit dem Höchststand der Tide kommen musste. Den ganzen Vormittag hindurch wurde er dann entladen. Ein Bagger hat die Reste von, anscheinend, mehreren Kilometern abgerissener Betonautobahn, grob gesiebt, auf den Kai geschafft, wo ein Radlader sie nochmal zusammen geschoben hat. Ab und an ein lautes Poltern, wenn offenbar die Restberge im Laderaum eine neue Verteilung angenommen haben.
Wir haben uns dann bei halber Tide noch Norddeich davon gemacht. Es waren Gewitterböen von 8 Bft vorhergesagt. Wir wollten lieber in Norddeich sein, bevor es losgeht. Also 1 1/2 Stunden unter Motor, freiwillig. Mit dem bisschen Wind wären wir wahrscheinlich auch nicht  weit gekommen.
Nun liegen wir in Norddeich und es regnet sich richtig schön ein.

Norddeich

Nach dem Regen: Norddeich ist eigentlich ein Fähr- und Fischereihafen, bereichert um ein paar Windpark-Versorger, mit viel Beton und Asphalt. Aber wenn man an einem windigen Tag auf dem asphaltierten Deich oder am Ansatz der Mole steht und Richtung Watt schaut: Hat was!
Die Gewitterböen sind bis jetzt, 19:30 nicht gekommen. Der Nieselregen sieht auch nicht gewitterträchtig aus und der Nordostwind ist wieder da.

Segler quälen

Schließ-ab(1), Masken (Schnutenpulli, Putenschnulli ?) tragen, Abstand halten, kein Theater außer da, wo man keines haben will, kein Kino,(2) Reisebeschränkungen, all das war lästig, aber noch auszuhalten. Dass die Bigband danieder lag, war schon arg störend, damit musste man sich arrangieren. Aber dass man  bei 4-5 Bft und strahlend blauem Himmel im Hafen liegt und nicht spontan loslegen kann, weil einem der aktuelle Test für die „Einreise“ zum nächsten Hafen fehlt, DAS IST ZUVIEL! Das grenzt an Sadismus. Segler sind auch nur Menschen. Meinen sie jedenfalls von sich selber.

Sabine hat die Baltrumer Hafenwaschmaschine genutzt, um unsere ganze Wäsche aufzuarbeiten. Trocknen tut das alles an Bord trotz nur 17° Lufttemperatur erstaunlich schnell, dank des trockenen Ostwinds und der Sonne.

Trocknet gut im kalten NE-Wind

Wir haben dann doch das Beste daraus gemacht. Weil, unter normalen Umständen mag man um diese Jahreszeit nicht längere Zeit durch die braunen Düne von Baltrum wandern. Es wird dort im Sommer heiß, unangenehm heiß. Bei 16° Lufttemperatur und Sonnenschein gestaltet sich das ganz angenehm. Und obwohl wir schon oft auf der Insel waren und deren Größe überschaubar ist, waren wir uns einig: Hier waren wir noch nie. Vielleicht nur gefühlt, aber immerhin.

Dies ist nicht die Lüneburger Heide

Am Abend noch einmal zur Westspitze, wegen des Ostwinds bei Springtide 4 dm unter mittlerem Tide Niedrigwasser. Da kann man schön die Riffs vor der Wichter Ee sehen: Zum Gehen zu viel Wasser, für die Seefahrt zu viel Sand.

Wichter Ee bei MTN – 4dm,
Ey du, du kommst hier nicht durch!

So war es dann doch ein sehr schöner Tag.

(1) Lock down
(2) Konzerte, Ausstellungen, Lesungen,.. – du gaubst es nicht !

Nieselregen und Teststäbchen

Spiekeroog bei 16 Grad, bedeckt. Hatten Auftrag, nachzusehen, ob sich in der Lagune etwas verändert hat.  Soweit man das von Land aus sehen kann: Nein. Keine Gewähr für dieRichtigkeit. Ansonsten wenig sommerlich.
Weiter nach Langeoog. Zur „Einreise“ muss man einen negativen Corona-Test vorweisen – war bei Wangerooge auch schon so. Also wieder zur Teststelle, wie schon in Bremerhaven und auf Wangerooge. Sinnvoller Weise sollte man hier beim Test die Maske tragen, aber nach unten ziehen, damit die Nase frei ist. Wenn man also bei dem Gekitzel in der Nase einem Niesreiz erliegt, bitte die Keime durch den Mund verstreuen.

Touristenkutter vor den Seehunden am Langeooger Ostende. Der darf das.


Ein Tag Langeoog, dort mit Freunden aus Bremen essen gegangen  – Wiederherstellen sozialer Kontakte heißt das jetzt. Um weiter nach Baltrum zu fahren und dort einreisen zu dürfen braucht es natürlich wieder einen Corona-Test, der nicht älter als …
Man hätte wirklich Testzentren aufmachen sollen, der Markt ist gesichert und  die Investitionen sind begrenzt. Wieder eine Chance verpasst, das große Geld zu machen.

Touristenkutter, offenbar mit Motorschaden südlich Langeoog. Der darf das eigentlich nicht, liefert aber Stoff zum Erzählen.

Laut Wetterbericht hätten wir nicht nach Baltrum segeln können, es war Flaute vorhergesagt. Stimmte aber nicht, so wurde es ein ruhiger, kalter und kurzer Törn – immer noch 16 Grad plus Nieselregen.


Und pünktlich zum Festmachen  hörte der Nieselregen auf und die Sonne kam raus. Geht doch!

Baltrum, Sonne

Sommer geht anders !

Nach einigen reichlich warmen Tagen haben wir es doch wieder recht norddeutsch. Für April wäre das so in Ordnung, Anfang Mai muss man mit solchen Temperaturen auch noch rechnen, aber als Ende Juni ist das so unbrauchbar. 14-16 Grad Tageshöchsttemperaturen bei Nordwind und reichlich Luftfeuchtigkeit. Und das soll ein Keil des Azorenhochs sein! Da finde ich manches Atlantik-Tief angenehmer.
Auf Wangerooge haben wir, Sabines Initiative folgend, den Strandspaziergang zum selektiven Einsammeln der faunaschädigenden Plastikrückstände genutzt. Selektiv, weil nur das, was sich zusammenknoten und tragen ließ.


Andere haben sich am Strand mit merkwürdigen Übungen unter Anleitung eines Feldherrn warm gehalten, der gegen den Lärm der Brandung seine Stimme geschult hat. Sah jedenfalls so aus.

Demostenes spricht gegen die Brandung


Da wir nun schon einige Tage hier sind und zum nächsten Monatsanfang in Norddeich sein möchten, haben wir zur nächsten Insel, nach Spiekeroog gewechselt. Ein kleiner Schritt für die Martha, und die Menschheit hat davon gar nichts. Das Harlesieler Wattfahrwasser gibt es nicht mehr, die Tonnen wurde eingezogen. Man muss jetzt durch  die Alte Harle (nördliches Fahrwasser), wenn man über das Watt von Wangerooge nach Spiekeroog will. Dort ist es bei Nordwest oder Nord immer ein spektakulärer Anblick, wenn man von hinten auf die Brandung zu fährt, um dann kurz vorher dem Fahrwasser folgend abzubiegen.

Bis ran und dann nach Bb!


Entsprechend der Witterung und der Nicht-Ferienzeit waren im Hafen noch reichlich Plätze.

Nix los.

Leider kommen auf das Liegegeld inzwischen so viele Zusatzabgaben, dass ich mich  schon an England als preiswertes Urlaubsland erinnere. (Kursverfall des Pfunds gar nicht mitgerechnet)

Granitberge und der kuriose Imperativ

Der ganze Westteil von Wangerooge Ist zur Zeit eine Baustelle. Völlig neue Gebirgsformationen erheben sich auf der Insel: Berge aus Granit. Nicht gewachsen, aufgeschüttet, um im Küstenschutz verbaut zu werden. Wangerooge hat bei den Stürmen der letzten Jahre Federn gelassen, oder besser Sand. Daher werden zur Zeit die Westseite und das westliche Ende der Nordseite mit großem Aufwand befestigt. Schließlich ist die Insel schon einmal durch Sturmfluten unbewohnbar geworden im 19. Jahrhundert. Der Sandhaken am Hafen und das Westwerk, alles nicht mehr zugänglich. Und wenn es wieder zugänglich sein wird, wird es wohl anders aussehen als der langjährige, treue Wangerooge-Besucher es kennt.

Wasserbau und Küstenschutz

Da es hier am Hafen keine Strand mehr gibt, sind wir mit dem Rad ins Dorf gefahren. Den dortigen, sozusagen den richtigen Strand gibt es noch. Auch dort sind an den Dünen deutliche Erosionsspuren zu sehen.

Und nach vielen Besuchen der Insel ist uns zum ersten Male aufgefallen, dass der eine oder andere auch schon zu Kaisers Zeiten Probleme mit dem Imperativ hatte. „Kehr wieder“ und „Kehre wieder“ sind doch nicht das Gleiche? Wollte da jemand besonders ordentlich sein? Hat der Besucher schon gekehrt, und das nicht ordentlich ? Oder muss man, der Baustelle wegen, mehrfach kehren?

Was denn ?

Und zum Beitragsbild oben: So leer sieht man den Bootshafen von Wangerooge eher selten.

Der Abend des (fast) längsten Tages

Zweiter Anlauf

So, die zweite Bigbandprobe nach Corona in der Notbesetzung war schon besser. 2 Trompeten, 0 Posaunen, 4 (vier!) Saxe und Klavier, Bass, Schlagzeug. Wird langsam was. Und nun macht sich der Baritöner rar, der böse. Der geht segeln.

Alle, oder fast alle vergessenen Utensilien eingesammelt. Bis auf die, die noch auf die Liste sollten, es aber nicht geschafft haben, weil: „Das merken wir uns so!“. Nein, tun wir nicht. Jetzt aber, mit gut ausgerüstetem Boot, aber immer noch ohne Badehose, der zweite Anlauf. Ochtum, Bremerhaven. Dort der Traditionelle Hafentag, weil Nordwestwind. Man kann die ganze Außenweser runter kreuzen, soweit es der Berufsverkehr zulässt. Muss man aber nicht, und wir sind auch nicht auf der Flucht.

Hafentag in Bremerhaven

Hafentag in Bremerhaven, sommerlich warm. Die Betreiber des „Mediterraneums“, der Einkaufspassage an der Unterweser, haben jetzt den Namen etwas angepasst. Der kommt jetzt, wie die Äpfel und Kohlköpfe, auch aus der Region: „Moin Outlet“. Naja, wenigsten der erste Teil. Den „outlet“ ins regionale Idiom zu übertragen hat man sich wohl nicht getraut. Und ein bisschen denglisch muss schon sein, wenn man Werbung machen will. Mediterran ist ja aber auch nicht unbedingt das Erste, was einem zu Bremerhaven einfällt.

Nach vorn geht der Blick, zurück darf kein Seemann schau’n ..

Samstag, SW 4-5 vorhergesagt. Sehr schön mit dem Strom die Außenweser runter, bis zu einem der bekanntesten Leuchttürme in diesem unserem Lande. Im Zuge allgegenwärtiger Bierreklame musste der den Titel des bekanntesten wohl inzwischen gefühlt an Westerheversand abgeben. Obwohl der, im Gegensatz zur Biermarke, gar nicht ostfriesisch ist.

.. oder doch ?

Und von dort gegen den Strom und den Wind nach Westen, was etwas mühsam wird weil man a) den Strom vom Wind schon mal abziehen muss und dann auch noch der Wind weniger wurde. Und mit 3 ½ kn Fahrt über Grund kreuzen bringt einen gegen 1 – 1 ½ kn Strom nicht so wirklich voran. So war es denn schon fast wieder Hochwasser, als wir in Wangrooge ankamen. Und gegen Ende haben wir noch mit etwas Wind aus dem Tank nachhelfen müssen. Angesagt waren 5 Bft. Wären die ordentlich geliefert worden, hätte es auch ohne Diesel funktioniert. Ergo: Da machst du einen Plan, und das klappt auch nicht. Denn die Verhältnisse, sie sind nicht so.

Jetzt liegen wir im Hafen von Wangerooge. Die Windrichtung entspricht nicht unbedingt den Vorhersagen, aber die Windstärke dürfte stimmen: Beaufort 5-6. Kann man noch weiter, muss man aber nicht.

Planlos

Normalerweise fängt der Sommertörn damit an, das man einen Plan macht, wo man hin möchte, wann´s los gehen soll, wann man wieder zurück sein sollte. Und dann geht´s los und das Lebensgefühl wird auf Bordbetrieb umgeschaltet. Normalerweie haben wir aber auch nicht so ´ne blöde Seuche mit all ihren Einschränkungen und Unwägbarkeiten. Deshalb fahren wir dieses Jahr auch nur ein bisschen los, so zwischen den Terminen, die wir zu Hause noch haben.
So kommt`s, dass wir es gerade mal bis Berne geschafft haben. (Für nicht ortskundige: Da wo das rechte Ufer der Weser noch gerade so zu Bremen gehört, wenn man Richtung See fährt, aber gegenüber in Niedersachsen. Oder ¨im Oldenburgischen¨, für die Lokalpatrioten)
Statt unsere neuen Segel jetzt endlich mal ordentlich auszuprobieren, machen wir nur ganz kleine Schläge. Zu den kleinen Sielhäfen u.ä. an der Unterweser, denn Mittwoch ist wieder Kinder hüten, Musik machen und all das von zu Hause holen, was wir vergessen haben. Eben ein bisschen planlos.


So kommt man mal an Orte vor der eigenen Haustür (Heimathafen), an die man sonst eher selten kommt. Weil man etwas anderes vor hat, oder die Tide nicht stimmt, oder es schlicht nicht auf dem Plan stand. Planlosigkeit kann auch mal Vorteile haben.

¨Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum¨