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Calais gibt es nicht. Der Berichtende hat leichtfertig einen schweren Verstoß gegen die Verkehrsregeln begangen. Einen geharnischten, unfreundlichen und leider berechtigten Anschiss dafür kassiert. Und wartet jetzt auf die entsprechende Zahlungsaufforderung. Sein Selbstbewusstsein ist arg angeschlagen. Das hätte nicht passieren dürfen. Vorläufig jedenfalls will er das Wort Calais nicht mehr hören. Calais gibt es nicht mehr. So wie Bielefeld. Das gibt es ja auch nicht.
Der Weg von der Nordostspitze Frankreichs auf die große Insel führt über ein Verkehrstrennungsgebiet. Das muss man mit Kurs rechtwinklig zum Verlauf queren. Morgens war Starkwind angesagt, drum haben wir die Querung auf Nachmittags verschoben. Da standen dann allerdings 3 kn Strom Richtung Nordosten. Auf dem VTG war wenig los, einem einzigen Schiff mussten wir ausweichen. Rausgekommen sind wir allerdings dann weit östlich von Dover, noch östlich der Godwin Sands. Und auf dem Weg zurück, neben dem VTG, gings es dort zu wie auf der A6 um 17:00 am Freitag. Glück gehabt.
Der Hafen von Dover ist riesig, man wird aber freundlich in die richtige Ecke geleitet und liegt dann versteckt in einem der alten Docks. Noch. Davor breitet sich gerade eine Großbaustelle aus. Die ganze Westecke soll in einen modernen Handelshafen umgebaut werden, und die Marina kommt dann davor. Größtbaustelle. Irgendwann mal, aber vielleicht kriegen die Briten sowas ja auch besser hin als wir. Bis dahin werden Ohrstöpsel an die Gäste verteilt. Britisch-pragmatische Lösung. Der Wassersport im Hafen von Dover – sowas gibt es auch, Schwimmen verboten, Planschen erlaubt, Bootfahren und ähnliches auch, aber nur mit Auftriebshilfe – ist zur Zeit der Rammarbeiten eingeschränkt, sonst erlaubt. Andere Länder, andere Restriktionen. Bei und wäre vermutlich alles verboten bis zum Ende der Bauarbeiten und darüber hinaus.

Nich von Peyton!
Nicht von Peyton!

Die Stadt: Gar nicht mal so hässlich. Wirkt viel kleiner als ich es mir vorgestellt habe, birgt aber etliche interessante Ecken und Gebäude. Allen voran natürlich Dover Castle, das wir aber (noch) nicht besichtigt haben.

Und natürlich die Kliffs. Man könnte durchaus noch einen Tag dranhängen, aber morgen sieht es nach günstigem Wetter für Rye aus. Und das soll sich auf jeden Fall lohnen. Muss man ausnutzen,

Dover Castle
Dover Castle

mit gutem Wetter werden wir ja z.Z. nicht gerade verwöhnt. Man hört aber auch entsprechende Klagen aus der Heimat.

Küstenfahrt

Das Wetter war auch am nächsten Tag nicht besser. Der Berichterstatter hat auch noch eine temporäre Gehbehinderung durch die Pflastertreterei in Brügge. Und so sind aus der einen Übernachtung in Blankenberge leider 5 geworden. Ständig SW 5 mit Böen 6 angesagt, oder auch 6 mit Böen 7. Immer aus Südwest, da wollen wir hin. Und kalt war’s auch. Aus der Heimat wurde von Sturmschäden berichtet. Was mancht man da, wenn man zu alle dem auch nicht richtig laufen kann. Lesen. Wenn mit dem Buch fertig, noch ein’s anfangen. Dann hat Sabine den Vorschlag gemacht, mit der Kusttram (sprich Küst-Tram) die belgische Küste von der Landseite zu besichtigen. Sie hatte einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem der Teil, der direkt hinter dem Strand verläuft, besonders ausführlich dargestellt war.

Kusttram
Kusttram

Sie war dann etwas enttäuscht, weil das in Wirklichkeit nur einen kleinen Teil der Gesamtstrecke ausmacht. In den Orten ist es eben eine ganz normale Straßenbahn. Oder fast normal. Bei bis zu 70 Km/h, einem Meter Spurbreite und frischen Seewind schlingert das Ding mitunter doch ganz beträchtlich.
Also mit der Tram von Blankenberge bis De Panne Centrum. Dann bis De Pann Station, das ist die Endhaltestelle, dahinter ist auch Belgien zu Ende. In die leere Bahn zurück und wieder bis Blankenberge. Den anderen Teil der Strecke bis Knokke/Heist haben wir uns geschenkt. Vermutlich wird aber auch dort das Bid über weite Strecken von der typischen belgischen Bettenburg geprägt: 10 und mehrstöckige Badegast-Schließfächer. Und obwohl ein nicht unerheblicher Teil davon zum Verkauf steht, werden immer noch neue gebaut. Hier sieht man, wie idyllisch die Hotels an der Strandpromenade von Norderney sind.

Belgische Bettenburgen
Belgische Bettenburgen

Am sechsten Tage endlich dann war das Wetter so, das man weiter konnte. So gegen 4 Uhr morgens hörte das Geklapper in den Masten und das Schaukeln am Steg auf. Und mit nordwestlichem Wind, angenehmen Temperaturen und ein bisschen Restwelle sind wir bis Nieuwpoort gekommen.

Gevaarlike Verondieping im Havengeul
Gevaarlike Verondieping im Havengeul

So war auch der Plan, der Skipper lebte zwischenzeitlich in der irrigen Vorstellung, es bis Dunkerque/Dunkerk/Dünkirchen schaffen zu können, aber Wind, Strom und Manschaft wollten nicht. So sind wir also in Nieuwpoort. Spricht man nicht so kompliziert wie es aussieht. Ungefähr so wie Newport. Eine Gründung aus dem 11 Jahrhundert. Etliche Male abgebrannt und zusammengeschossen, zuletzt von unseren Vorfahren 1914-18, Worauf man an mehreren Stellen mit mehr oder minder eindrucksvollen Gedenktafeln und ¨Westfront¨-Mahnmalen erinnert wird.
Nieuwport liegt an einem Fluss der da heißt Yser (oder IJser), worin der auf die Wiederholungen europäischer Flußnamen getrimmte natürlich eine neue Version der ¨Weser/Werra/Isere/Wear¨-Reihe erkennt.

Nieuwpoort
Nieuwpoort

Wie man hier lesen kann, haben die Belgier im 1. Weltkrieg das Yser-Tal geflutet, indem sie die Entwässerungsschleusen bei Flut geöffnet und bei Ebbe geschlossen haben. Also die gleiche Taktik, die die Wassergeusen schon gegen die Spanier angewendet haben. Was da allerdings noch gegen unsere Altvorderen verteidigt wurde, ist mir nicht klar. Ein paar Kilometer weiter ist Belgien sowieso zu Ende.
Ansonsten hat Nieuwport einiges an malerischer Bausubstanz zu bieten. Was allerdings überwiegen rekonstruiert ist, siehe ¨Westfront¨. Und einen quadratisch-praktischen Stadtplan. Der allerdings ist echt, das ist schon seit 1426 so.

PS: In Blankenberge gibt es keine blanken Berge. Auch kein bedeckten oder sonstige Berge. Und Nieuwpoort ist auch nicht neu. Aber wenigstens Port.

Schärracholf und Brügge

Manchmal versteht man ganze Sätze des Niederländischen, öfter mal eher gar nichts. Das Fahrwasser, das ins Haringsvliet oder auch wieder hinaus führt, heisst Slijkgat. Bedeutet wohl nicht Schleichkatze. Die Tonnen, die es anzeigen und auch dringend benötigt werden, heißen konsequenterweise SG1, SG2 u.s.w.
Die Niederländer als Seefahrt betreibende Kulturnation senden über Seefunk regelmäßig Sicherheitsinformationen für die Seefahrt. Die haben ja auch eine Küstenwache, die sinnvolle Aufgaben erledigt.
Nur mit der Kommunikation mit nicht-Niederländern hapert es manchmal ein bisschen. Das internationale Buchstabieralphabet ist ja eigentlich so angelegt, das die Buchstabierwörter (Alpha, Bravo, Charly u.s.w.) von jedem etwa gleich ausgesprochen werden können. Leider waren die Niederlande in dem Gremium, das das festgelegt hat, wohl nicht vertreten. Jedenfalls haben wir mehrere Sendungen gebraucht, um die Aussage: ¨Charted depth unreliable between Schärracholf six and Schärracholf eight¨ unserer Umgebung zuzuordnen. Immerhin wir hatten die Stelle auch selbst erkannt und gemieden. Aber ¨unreliable¨ ist arg beschönigend. Da möchte man nicht hineingeraten.

Schärracholf six to Schärracholf eight
Schärracholf six to Schärracholf eight

Ansonsten war das Ziel Zeebrügge. Laut Wetterbericht der letzte Tag mit Ostwind. Sehr warm. Wegen der vielen Flachs, und die heißen nicht nur so, stellenweise ist das Wasser viele Meilen vor der Küste nur einen Meter Tief, wegen der vielen Flachs also in einem großen Bogen vom Haringsvliet nach Zeebrugge. Dabei quert man die Fahrwasser Richtung Antwerpen/Vlissingen. Was uns vor Rotterdam mit seinem Sportboot-Zwangsweg erspart geblieben ist, wurde vor Antwerpen nachgeholt. Die müssen hinter dem Horizont und in der Schelde gewartet haben bis Martha kommt. Die Querung des Fahrwassers erforderte jedenfalls aufmerksames Abschätzen. AIS hilft auch nur bedingt, wenn soviele Kontakte da sind, das die Zuordnung zu dem, was man sieht, unsicher wird. Bei der Annäherung an Zeebrugge haben wir dann angesichts der Tanks und Containerbrücken unser Ziel geändert und Blankenberge angesteuert. Passt besser zum heißen Wetter und liegt direkt nebenan.
Ansteuern ist in Ordnung, aber reinfahren ? Die Zufahrt ist eingefasst von zwei Holzmolen, die ins tiefe Wasser reichen sollen. Laut Handbuch wird die Einfahrt wärend der Saison auf 2.7 m gehalten. Unter Kartennull versteht sich. Sah aber recht unruhig aus zwischen den Molenköpfen. Und viel Wasserbauer-Arbeitsgerät im Kanal. Bei 50 cm Wasser unter den Kielen, Tendenz fallend, haben wir in einem mehr oder minder eleganten Dreh den Bereich wieder verlassen. Vor der Einfahrt, in sicherer Entfernung, haben zwei anscheinend ortskundige Segler gerade die Segel heruntergenommen. Einer davon hat uns dann sicher an allen Flachs, Spülern, Rohren und sonstigen Wasserbauer-Arbeitsgeräten vorbei in den Hafen geführt. Ist wohl nichts mit 2.7 m. Aber hier wird wenigstens daran gearbeitet, den Hafen nutzbar zu halten.

Follow me, Blankenberge Pilot
Follow me, Blankenberge Pilot

Der Hafen ist verwinkelt, gegen Wind von See durch die Hochhäuser geschützt, aber nicht wirklich schön. Mindestens 3 große Vereine liegen hier und nehmen Gäste auf. Duschen, Strom, Wasser, WLAN, alles da und in Ordnung. Aber Blankenberge zeigt, ähnlich Scheveningen, wo Badetourismus hin führt, wenn dem nicht natürliche Grenzen wie auf unseren Inseln gesetzt sind. Die erste Häuserreihe am Strand ist durchgehend 10-stöckig. Was die Unterbringung vieler zahlender Gäste ermöglicht, aber nicht unbedingt das Ambiente fördert. Der Strand ist mit allerlei Strandhütten, Restaurants und Kinderbelustigungsanlagen durchgestaltet.
England ist nicht weit, man merkt’s schon.
Es gibt auch eine Seebrücke, wenn auch nicht so aufwändig wie die in Scheveningen. Dafür kann man von der Seebrücke Zeebrügge gut sehen.

Seebrücke mit Zeebrügge
Seebrücke mit Zeebrügge

Als die Küsten dieser Welt verteilt wurden, hat Belgien nicht viel abbekommen. Und dieses Wenige ist vielfach wohl ähnlich gestaltet. Und bis auf Antwerpen, das ja aber nicht direkt an der Küste liegt, sind alle Orte durch eine Straßenbahn miteinander verbunden. Die Kusttram (sprich Küsttram), geht von Knokke bis De Panne.

Wenn man hier ist, muss man sich natürlich Brügge anschauen. In der Zeit ihrer wirtschaftliche Blüte hatte die Stadt ein Stapelrecht. Solche Sachen gab es in der Hanse: Alle Waren auf Schiffen, die Brügge anliefen, mussten zunächst den dortigen Kaufleuten angeboten werden. Daran, und am Handel mit flandrischen Tuchen hat sich Brügge eine goldene Nase verdient. So golden, dass der zur Schau gestellte mittelalterliche Reichtum noch heute beeindruckt. Wenn meine Mitbremer mitunter auf ihren hanseatischen Traditionen herum reiten, sollten sie mal Brügge besuchen, um die Bedeutung unserer Hansestädte im Rahmen dieser Institution richtiger einzuschätzen. Mancher Prunkbau, der bei uns Kategorie eins wäre, wird hier im Stadtführer gar nicht erwähnt.

Brügge, Belfried
Brügge, Belfried
Brügge, Rathaus
Brügge, Rathaus

Auch wenn wir eigentlich genug Boot fahren, eine Besichtigung der Wasserseite von Brügge sollte man sich hier auch gönnen.

Brügge vom Wasser aus
Brügge vom Wasser aus

Brügge hat sein mittelalterliches Stadtbild teils dem Verlust des Hafens durch Versandung zu verdanken. Und der Tatsache, dass die Niederlande das heutige Belgien im ¨Goldenen Zeitalter¨ der Niederlande wirtschaftlich ziemlich abgehängt haben. Auch niedergekämpft. Die hatten schließlich nicht den richtigen Glauben, den evangelischen. Sondern den richtigen, den katholischen.
Zurück in Blankenberge fand dann, rechtzeitig vor dem geplanten Ablegen, der schon sein drei Tagen angekündigte Wetterumschwung wirklich statt. Mit Blitz und Donner und viel Regen. Und der Frage des freundlichen Hafenmeisters: ¨Sie wollen doch jetzt wohl nicht mehr los?¨ Nein, wollen wir nicht. Morgen. So das Wettter und die Tide wollen. Auslaufen um Niedrigwasser herum ist ja wohl zur Zeit nicht drin.

Das solle 2.70 m sein ?
Das solle 2.70 m sein ?

Festungshaft

Rhein, Maas, Schelde
Leute gesetzeren Alters wie ich haben in der Schule noch gelernt, dass der Rhein in der Schweiz entspringt und in den Niederlanden in die Nordsee mündet. Und zwar als Delta mit den Armen Ijssel, Lek und Waal, von Ost nach West. Die ganz aufmerksamen wissen noch, dass es noch einen Arm gibt, der Alter Rhein heißt und der die Nordsee nie erreicht, sondern irgendwo bei Leiden im holländischen Kanalsystem verschwindet. Wenn man allerdings, wie wir es gerade tun, die niederländische Küste entlang fährt, entdeckt man vom Rhein nichts. Gut, die Ijssel fließt ins nach ihr benannte Meer, und das Wasser fließt im Wesentliche bei Kornwerdersand wieder ab. Aber das kann man eigentlich kaum als Mündung des Rheins ansehen. Danach kommen keine Flussmündungen mehr, den Nordzeekanaal kann man kaum als solche betrachten. Naja ein bisschen Wasser, das mal im Rhein war, kommt da vielleicht beim Schleusen mit raus, so über’s Markermeer.
Die nächste ernst zu nehmende Flussmündung bildet die Hafeneinfahrt von Rotterdam, die Neue Maas. Da die Maas westlich des Rheins verläuft, fragt man sich: Wo ist der Rhein geblieben? Das nächste Loch in der Küstenlinie heißt Haringsvliet und ist mit einer langen Reihe von Sieltoren verschlossen. Der besorgte Skipper forscht nach: Hier war mal die gemeinsame Mündung von Maas und Waal. Dient heute als ¨Überlauf¨, wenn Maas und Waal soviel Wasser führen, dass man es über die Neue Maas nicht los werden kann.
Zusammengefasst: Der Lek wird mit einem Teil der Maas gemischt zur Neuen Maas, die Waal wird mit dem anderen Teil verrührt und erreicht die See als Haringsvliet. Oder, je nach Wasserstand binnen, auch nicht. Der Rhein mündet gar nicht in die Nordsee, er wird vermischt und verrührt und ist am Schluss kaum noch zu erkennen.

Festungshaft
Unser Weg führte also an Rotterdam vorbei zum Haringsvliet (siehe oben, läuft heute als küstennaher Binnensee). Über das Maasgeul, vor dem die Handbücher so warnen. Weil man da die Zufahrt zu Europas größtem Hafen quert. Gut, man muss sich anmelden, und das klappt evt. auch nicht gleich beim ersten Mal, weil der diensthabende Lotse seine Ohren vielleicht gerade für etwas anderes braucht. Man soll auf dem Arbeitskanal ¨stand by¨ bleiben. Aber ich finde das Queren der Elbe bei Cuxhafen oder Brunsbüttel wesentlich schwieriger. Vielleich haben wir aber auch nur Glück gehabt.
Zum Haringsvliet: Der tidenabhängige Teil wirkt wie ein ziemlich naturbelassener Fluss, der abgedeichte tatsächlich wie ein Binnensee.
Wir sind also, im Binnenteil, in die Marina Stellendam. Vom Ort nichts zu sehen, dafür guter Service und Blick auf die zwar nicht schönen, aber beeindruckenden Entwässerungstore. Siehe Bild oben.
Damals, als ich noch zum Bruttosozialprodukt beitrug, habe ich ab und an auf einem Schiff gearbeitet, das den Namen ¨Hellevoetsluis¨ trug. ¨Hellevoet-¨ kann ich einigermaßen aussprechen, aber mein ¨-sluis¨ wurde von den holländischen Gesprächspartnern nicht für gut befunden. Dialog: (1) ¨Sluis.¨ ¨Nee, Sluis!¨ ¨Sluis?¨ ¨Sluis!¨ ¨Sluis?¨ ¨Sluis¨! Zurück zu (1). Wir haben es dann aufgegeben. Soll aber auch mit ¨Scheveningen¨ funktionieren, da erkennen sie auch jeden Ausländer.
Also Hellevoetsluis. Nicht nur Zungenbrecher, sonderen auch ein Ort mit Geschichte. Hier war einst der größte Teil der niederländischen Marine stationiert. Als damals die Niederländer in den Englisch-Niederländischen Kriegen der Royal Navy eine blamable Niederlage beigebracht haben, siehe ¨Raid of the Medway¨, haben sie das erbeutete Flagschiff nach Hellevoetsluis gebracht. Was der englisch König nicht lustig gefunden haben soll, zumal es auch seinen Namen trug.
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Ursprünglich wollte ich mir Hellevoetsluis ( nee, -sluis) mal ansehen. Schon allein wegen der Mühe, die mich der Name gekostet hat. Dann hab‘ ich gelesen, dass die Zeit und unsere Vorfahren von der Stadt nicht viel übrig gelassen haben und habe H. wieder aus dem Plan gestrichen. Also am nächsten Tag zurück durch die Schleuse zur Nordsee. Nein! Ist nicht: Zweimal rot übereinander. Der Seefahrende weiß: Anlage außer Betrieb. Also nicht Nordsee, sondern H. besichtigen. Die historische Bausubstanz ist in der Tat schon etwas gelichtet. Aber der Dockhafen inklusive Trockendock, letzteres sogar noch in Betrieb, ist noch vorhanden. Enthält aber, bis auf museale Ausnahmen, keine Marineschiffe mehr, sondern Unmengen an ¨Plaisir-¨ und ¨Recreatie-¨Fahrzeugen. Und die Festungswälle und -mauern sind noch da. Sowas ist ja ziemlich unkaputtbar und kann jetzt touristisch verwertet werden. Und ein Leuchtturm. Und eine Windmühle.
In H. haben wir dann ein wenig im Netz geforscht und herausgefunden, das die Schleuse sogar drei Tage hintereinander gesperrt sein soll, wegen Austauschs von Schleusentoren. Unerfreulich, das gibt H. wirklich nicht her, Stellendam noch weniger. Der Skipper fühlt sich etwas eingesperrt. Festungshaft.

Festung Hellevoetsluis
Festung Hellevoetsluis

Am späten Nachmittag hatte ich dann eine Route hier raus gefunden, aber mit reichlich Schleusen, Brücken und auch Meilen. Dann an der Funke mitbekommen, das jemand mit der Schleuse eine Durchfahrt abspricht. Da ist also wieder jemand drauf, scheint wieder in Betrieb zu gehen.
Jetzt ist Abend, wir liegen im Außenhafen und wissen nicht wirklich, ob sie morgen wieder gesperrt ist – so steht es in der Veröffentlichung – oder morgen wieder normal arbeitet. Im Vorhafen ist es weder ruhig noch schön, aber dafür liegt auch keine Schleuse vor einem, die gesperrt werden kann.

Delft

Der Nachtrag zu Delft. Zwar, hab‘ ich gerade gelesen, das zweitwichtigste Touristenziel in den Niederlanden, und mit über 100000 Einwohnern auch nicht wirklich klein. Macht aber trotzdem einen etwas beschaulichen Eindruck. Und man sieht der Stadt an, das sie alt ist und mal sehr reich war. In keiner anderen Stadt der Niederlande haben wir so großzügig angelegte Plätze und Straßen in der Altstadt gesehen und so viele alte und ungewöhnlich große Kirchen. Die Sitte, seine Prosperität durch auffallende Hochbauten zu demonstrieren, gibt es schon länger.

Reichlich große Kirchenm in Delft
Reichlich große Kirchen in Delft

Heute ist Delft ein Industriestandort, was man als Touri aber nicht merkt. Es hat eine große Technische Hochschule, was man, zumindest im Sommer, im Stadtbild eigentlich auch nicht merkt. Willhelm von Oranien hat hier gelebt und wurde hier auch gestorben, was man kaum merkt. Und für Jan Vermeer gilt das gleiche, weil an jeder dritten Straßenecke ein künstlerisch gestaltetes Objekt steht, das darauf hinweist.
Geplant für heute: Weiter nach Stellendam. Temperatur sehr hoch, Wind sehr schlapp. und nicht zu früh da sein, weil bei Niedrigwasser das Wasser aus dem Haringsvliet abgelassen wird. Was der Tidenstrom nicht hergibt ersetzen hier im Delta die Entwässerungsschleusen. So steht es in der einschlägigen nautischen Literatur. Leider ist das wichtigste Büchlein in niederländisch, was uns das Lesen etwas erschwert.

Seebrücke und fliegende Fußgänger

Broekerhaven – Amsterdam in Rekordzeit. Für ein Segelboot jedenfalls, mit dem Bus geht es wahrscheinlich noch wesentlich schneller. Aber so mit Nordwest 5 vor der Küste des Ijsselmeers mit ablandigem Wind südwärts, das läuft schon recht flott. Natürlich nicht ganz durch, denn das Fahrwasser dreht ja immer mehr nach Westen, und etwa am Stadtrand von Amsterdam ist dann Schluss mit Segeln. Kann man aber verschmerzen, denn dann kommt eine bewegliche Brücke und die Oranje-Schleuse, da ist nix mehr mit Segeln. Danach die letzte Meile bis zum Hafen schafft man dann auch noch unter Motor, stehen sowieso Häuser rum, die den Wind abschatten.
Amsterdam lassen wir mal weg. Wir natürlich nicht, wenn man schon hier ist, muss man auch in die Altstadt. Und sei es nur, um Essen zu gehen und die Verrückten und die anderen Besucher zu sehen. Aber da wir Amsterdam schon früher ausführlich behandelt haben, verzichten wir dieses Mal. Es hat sich an der Altstadt nichts wesentliches verändert. Drum ist sie ja ’ne Altstadt.

Amsterdam: Oh weh, wo ist mein Fahrrad?
Amsterdam: Oh weh, wo ist mein Fahrrad?

Wenn man etwas bestimmtes sucht, sagen wir mal eine Ergänzung seines Seekartenbestandes oder Saxofonblätter, ist man übrigens in der Amsterdamer Altstadt meist schlecht beraten. Da gibt es nur bestimmte Produktgruppen: Anziehen, Essen, Kosmetik, Schuhe, Andenken, Sex. Vielleicht ab und an noch CDs, Platten und Bücher. Alles andere scheint in die Außenbereiche verbannt. Museen aller Kategorien, vom Rijksmuseum bis zum Sex- (beim letzten Besuch entdeckt) und Foltermuseum (bei diesem Besuch entdeckt). Und der Bahnhof ist jetzt wirklich vorläufig fertig. Auch bei diesem Besuch entdeckt.
Nächster Morgen, Abfahrt Amsterdam über Nordzeekanaal Richtung Ijmuiden, um von dort weiter nach Scheveningen zu segeln. Im Sixhaven wollten wir noch den Tank leeren, ihr wisst schon welchen. Ging aber nicht, weil der Gummikonus am Saugschlauch fehlte. Haben wir dann auf Marina Ijmuiden verschoben. Da wollten wir ohnehin rein, weil’s da ’ne Tanke gibt. Diesel gab’s, Pumpe hat nicht funktioniert, weil offenbar der Schlauch irgendwo ein Leck hat. Luft lässt sich halt leichter ansaugen als Schwarzwasser.
Mit der Tidenvorhersage hat es nicht ganz so grandios geklappt. Festzustellen, wann Hoch- und Niedrigwasser sein sollen ist leicht und auch recht genau. Das mit dem Strom klappt leider nicht so gut, weil der Maßstab der Tidenkarten doch sehr papiersparend ist und man sich schon mal um ’ne Stund verhauen kann, einfach wegen des Maßstabs. Ist ja leider nicht so wie am Ende der Deutschen Bucht, wo die Aussage einfach ist: Wenn das Wasser steigt geht der Strom nach Osten und wenn es fällt nach Westen. Was übrigens in der Elbmündung auch schon nicht stimmt.
Also Ijmuiden – Scheveningen unter Segeln. Von der Südmole Ijmuiden bis kurz vor die Einfahrt nach Scheveningen gibt es nichts, dem man ausweichen muss. Außer anderen Wasserfahrzeugen natürlich.
Scheveningen ist eines der großen Seebäder an der Nordholländischen Küste. Die besteht eigentlich nur aus einem riesig langen Strand von Den Helder bis Hook van Holland, nur unterbrochen durch die Einfahrten von Ijmuiden und Scheveningen.
In Scheveningen war Fete, der Hafen proppevoll und die Musik brüllend laut. Dem Berichtenden ist es, obwohl alle Gastlieger sich in 3-er Päckchen arrangiert hatten, gelungen, seine Luxusyacht direkt am Steg anzubinden. Liegt daran, dass, zumindest nach der Zeitschrift ¨Die Yacht¨, 10m-Boote der Einstieg ins Yachtsegeln sind. Plätze, in die die nicht reinpassen, werden offenbar vom Yachtie von heute als Verschnitt angesehen. Wir passen da aber noch rein. Schööön!
Lückenfüller
Lückenfüller

Erkundung von Sch. zu Fuß. Viel Strand, viel wasserferne Bespaßung. Nicht so Jahmarktmäßig wie an der Gegenküste, aber für die, die die Ostfriesen als maßstab nehmen, doch ein wenig exotisch. Großzügig gestaltete Promenade, aber wenig Menschen im Wasser. Allerlei Kunstwerke auf der Promenade, darunter einiges was uns sehr erfreut hat.
Kunst am Strand
Kunst am Strand

Und eine Seebrücke. Das waren ja ursprünglich mal Anleger für die Bäderdampfer, die dann dem Ausbau des Eisenbahnnetzes zum Opfer gefallen sind. Dann hat man eine neue Nutzung gesucht und gefunden. Heute neu erbaute sind reine Bespaßungszentren, die ursprüngliche Nutzung ist gar nicht mehr möglich. Die von Scheveningen steigt Richtung Wasser immer mehr an, da könnten nur noch Luftschiffe anlegen. Wenn da nicht sowieso soviel Gedöns drauf stünde.
Auf dem Weg über die Seebrücke begegnen einem immer wieder tieffliegende Fußgänger. Man kennt ja von heimischen Spielplätzen die Seilbahnen, die an einem hohen Dreibein o.ä. anfangen und an einem niedrigeren enden. Hier beginnen sie eine einem funkturmähnlichen Gebäude und enden am landseitigen Ende der Seebrücke. (Bild fliegende Menschen).
Scheveningen (S-cheveninge) hat noch so’n Vorort, der heißt Den Haag und ist zufällig der Regierungsitz und manchmal auch der Wohnsitz der Familie Oranje-Nassau. Den haben wir uns am Tag darauf angesehen. War vielleicht nicht so wahnsinnig weise, bei 28°C mit dem Fahrrad in die Großstadt, aber nun ja. Den Haag ist zwar die drittgrößte Stadt der Niederlande, aber gar keine Stadt. Hat nämlich nie in seiner Geschichte Stadtrechte bekommen, und heute interessiert es keine Sau mehr. Heißt auch nicht richtig Den Haag, weil, die Anwohner haben als Wohnort im Ausweis ¨’s Gravenhagen¨ stehen, auf der Bahnfahrkarte allerdings ¨Den Haag¨. Wenn man in Den Haag was zu tun hat ist man nicht in Den Haag, sondern im Haag. Offiziell hat man sich aus Gründen der internationalen Verständlichkeit auf ¨Den Haag¨ geeinigt, ¨’s Gravenhagen¨ soll aber vornehmer klingen. Wobei sich mir als nicht-Niederländer die Vornehmheit allerdings nicht erschließt.
Die spinnen, die Holländer.
Den Haag, Rittersaal
Den Haag, Rittersaal

Auch wenn man sich nicht auf den richtigen Namen einigen kann, es ist jedenfalls schon Jahrhunderte lang Regierungssitz und Sitz des Parlaments.
Abgeordneter nach unerwünschtem Abstimmungsergebnis
Abgeordneter nach unerwünschtem Abstimmungsergebnis

Hat auch den durchreisenden Touristen viel Interessantes zu bieten und ist nicht ganz so überfüllt und hektisch wie Amsterdam.
WIr haben uns durch die Nachmittagshitze wieder in den Hafen von Den Haag gestrampelt – Scheveningen. Ich glaube, so rum ist doch richtiger.
Unseren Plan, auch noch Delft zu besuchen, haben wir etwas abgeändert und sind mit der Den Haager (oder Haager?) Straßenbahn dorthin gefahren. Die geht durch, von Scheveningen bis Delft. Aber das kriegen wir später.

Hamsterrad

Broekerhaven. Kennt nicht jeder. Wir bis heute auch nicht. Aber jetzt. Und das kam so: Wetterberich Ost 2-3, süddrehend 4-5, später West drehend. Also bei Ostwind, recht wenig davon, aus Lemmer raus Richtung Enkhuizen. Um 13:00 wollte Sabine mit einer Ehrenamts-Kollegin telefonieren um irgendetwas buchhalterisches zu klären, online. Also um 13:00 da sein, wo man Handy-Empfang hat, z.B. Enkhuizen. Soweit so gut, die Kollegin hatte schon vorher angefangen und ist mit ihrer Aufgabe wohl nicht zurecht gekommen, was zu diversen SMS-en und Telefongesprächen geführt hat. Zu schlechter Stimmung an Bord, weil wir nun nicht an einem ruhigen Platz lagen um 13:00, sondern gerade im Navidukt, jenem Wasserbau-Wunderwerk , das oberirdisch Schleuse, unterirdisch Schnellstraße und im Nebenamt noch Teil des Dammes zwischen Ijssel- und Markermeer ist. Nach der Schleusung Sabine wieder unter Deck und weitertelefoniert. Aus Schleuse raus, Wind inzwischen Süd 5, Sabine (an Deck): Zuviel Wind, ich: Schöner Wind, hab schon gerefft (stimmt nicht, habe das Reffen nur vorbereitet, das Segel liegt ja noch auf dem Baum, Zeisinge sind aber schon raus), Sabine: ich will nicht bei dem Wind. C.: Na gut, was willst du. S.:Fahren wir in den Hafen da. C.: (Unwillig) Na gut. Martha und C.: (Kursänderung. Wind kommt von der Seite, Segel liegt nicht mehr auf dem Baum) (M.,S. und C. in den kleinen Hafen.) (M.,S. und C. liefern Hafenkino) Weil nämlich der Hafen eng ist, die Boxen auch, und offensichtlich aus Platzgründen auch schräg stehen, wodurch sich natürlich der nutzbare Raum zwischen den Heckpfählen verringert.
Fest.
So haben wir Broekerhaven kennengelernt.
Wenige, aber freundliche Vereinsmitglieder. Durch die Enge ist man relativ sicher vor Chartercrews. Und nachdem wir herausgefunden haben, wie man, wenn man das Gelände verlassen hat, auch wieder herein kommt, haben wir auch den Ort Broekerhaven besucht. Dort gibt es ein bemerkenswertes Bauwerk, wie man dergleichen vermutlich nur in den Niederlanden findet. Und dort auch nur einmal, zumindest nur einmal in der elektrischen Ausführung. Das Ding heisst Overhaal und dient dazu, Wasserfahrzeuge von einem Gewässer in ein anderes zu bringen, wobei die beiden auf unterschiedlichen Höhen liegen. Hier beträgt der Unterschied etwa 2.5m Meter. Normalerweise baut man dazu eine Schleuse.

Overhaal in Broekerhaven
Overhaal in Broekerhaven

Hier hat man im späten Mittelalter eine Art Kran gebaut, mit dem kleine Frachtkähne aus dem einen Gewässer gehoben und im anderen wieder abgesetzt wurden. Angetrieben durch zwei Menschen in so einer Art Hamsterrad. Für jeden eines. Und Ende des 19. Jahrhunderts hat man das Ganze mit elektrischem Antrieb nochmal gebaut. Ob der Platz oder das Geld für eine Schleuse nicht gereicht hat oder man das mühsam hochgepumpte Wasser nicht wieder mit einer Schleuse zurück laufen lassen wollte, ist uns nicht klar geworden. Jedenfalls gehört das Ding jetzt zu den technischen Denkmälern der Niederlande.

Overhaal Broekerhaven
Overhaal Broekerhaven

Und das hätten wir ohne den Hickhack am Mittag nie erfahren.

Ein Boot, zwei Tage, drei Städte

Eine Bauernnacht, siehe Bild oben. Nachdem uns der Wind von der Nordsee ins friesische Binnenland vertrieben hat, hat er sich jetzt wieder beruhigt. Also viel Motoren. Viel Segeln wäre aber sowieso nicht drin gewesen, weil man in den Kanälen wegen der Brücken und der vielen Abdeckung nur schlecht segeln kann, vor allem nicht gegen die Windrichtung. Und es teils auch gar nicht darf. Und die Seen sind zwar schön, aber doch so klein, dass man, wenn man alles oben und richtig getrimmt hat, man schon am anderen Ende angekommen ist. Also Motorboot fahren.
Leeuwarden haben wir zügig durchquert. Wirklich zügig, denn um diese Jahreszeit sind die Wartezeiten vor den Brücken noch kurz. Natürlich lohnt Leeuwarden einen Aufenthalt, aber das haben wir vor zwei und vier Jahren schon getan. Neu in L.: Es gibt jetzt, wen man die Innenstadt Richtung Harlingen/Sneek verlässt, einen Einkaufsbereich 76mit z.B. Feinkost-Albrecht und ähnlichen einschlägigen Versorgungseinrichtungen direkt am Kanal. Und einen Anleger davor. Bei bootfahrenden Volke der Niederländer eine nahliegende Geschäftsidee und für uns sehr praktisch. Nicht so praktisch: Wir sind praktisch die ganze Strecke bis Sneek unter Motor gefahren, obwohl sogar Wind war. Wegen der Enge des Kanals nur mit der Genua, die kriegt an schneller weg wenn es nötig wird. Aber sobald das Segel stand, kam entweder eine Kurve direkt in die Windrichtung, oder eine Kurve mit Brücke direkt dahinter, oder sonst ein Hindernis. Wir haben es aufgegeben und Diesel verfeuert.
Sneek, oder Snits, die Stadt im Herzen der Friesischen Seen. Wichtiger Sitz dessen, was vom niederländischen Yachtbau noch übrig geblieben ist. Und mit sehenswerter Altstadt. Sneek war wohl in seiner Glanzzeit recht reich und als einzige friesische Stadt auch ummauert. Wobei, sagt uns der Fremdenverkehrsprospekt, die Mauer und die zahlreichen Tore gar keinen militärischen Zweck hatten. Sie dienten nur der Disziplinierung der Einwohner – um 8 geht das Tor zu – und der Darstellung nach aussen. Von der Mauzer ist nicht erhalten, von den zahlreichen Stadttoren nur eines, eines der ursprünglich 2 Wassertore.

Wassertor Sneek
Wassertor Sneek

Wehrhaft sieht es nicht aus. Was noch? Ein großes Textil-Handelsunternehmen, im Deutschland mitunter als Clotten-August bezeichnet, wurde hier gegründet. Ein bekannter niederländischer Kräuterschnaps, Beerenburg (sprich -bürch) wurde hier erfunden und verkauft. Wir haben ein Fläschchen in dem noch existierenden Laden erstanden. Oben, unter dem Dachboden gibt es ein kleines Museum – oder ist das eine Werbeabteilung. Man darf, theoretisch, alle Produkte probieren. Praktisch geht das selbst dann nicht, wenn man spät damit anfängt. Man würde den Laden wohl nicht mehr aufrechten Ganges verlassen können. Wir waren kurz nach Ladenöffnung dort, weil wir ja noch weiter wollten. So haben wir denn auf die Probierstunde verzichten müssen, Fahnen gehören an den Mast oder ans Heck und nicht ins Gesicht der Besatzung.
Vom unseeligen Wirken unserer Vorfahren in Sneek sagt der Fremdenverkehrsprospekt nichts. Das kann man aber in Wikipedia nachlesen.
Weiter unter Motor auf den Kanälen bis Lemmer.
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Wichtiges Zentrum der Ijsselmeer-Tourismusindustrie und Heimathafen viele Charterboote. Leider einige dabei, bei denen es mir schon unangenehm ist, das die Besatzung meine Sprache spricht. Ich kann es nicht ändern, aber es war gerade mal wieder so. Im Moment würde ich mir sehr wünschen, dass die niederländische Polizei mehr Alkoholkontrollen macht. Besonders bei deutschen Charterern großer Motorboote.

Innen durch

Die Wettervorhersage wurde nächtens nochmal aktualisiert. Von SW 6 auf SW 6 mit Böen 8. Nun haben wir kein Windometer, wir benutzen immer noch den Nasensensor mit Beaufort-Skala. Da gibt es solch präzise Kriterien wie ¨deutliche Erschwernis beim Gehen¨. Die Erschwernis beim Gehen war auf dem ¨oude Veerdam¨, heute Teil des Yachthafens von Schiermonnikoog, heute morgen immer noch sehr deutlich. Schon gestern abend war’s deutlich, ein einsamer Eider-Erpel auf dem Veerdamm hat verzweifelt, aber erfolglos versucht, sein Gefieder zu ordnen. Menschen liefen mit etwa 10° Krängung nach Luv, um nicht vom Damm zu stolpern.

Eidererpel bei Bft 7
Eidererpel bei Bft 7

Wir haben es, wie schon geplant, vorgezogen, den Weg über die ¨Staande Mast Route¨ (ich hoffe, man schreibt das so) fort zu setzen.
Das seglerisch spannendste war eigentlich, aus dem Hafen zu kommen. Wie kommt man bei dem Wind vom Steg und um die Ecke, und wann ist genug Wasser da? Hat aber alles geklappt, und die paar Meilen von Schiermonnikoog nach Lauwersoog waren in etwa einer Stunde erledigt. Auch wenn es subjektiv länger erschien, wegen des Gehoppels. An der zweiten Schleuse, der vom Lauwersmeer zum ¨Dokkumer Nieuwe Zijlen¨ – das musste ich jetzt nachsehen – also dem Kanal Richtung Dokkum, haben wir erstaunt festgestellt, das in den Niederlanden sogar das Unkraut in den richtigen Farben wächst. Siehe Foto.
Wiesenblumen in korrekter niederländischer Farbgebung
Wiesenblumen in korrekter niederländischer Farbgebung

Dokkum haben wir ausgelassen, hier haben wir schon früher etliche Tage verbracht – zusammengenommen. Die Schleuserei und das Öffnen der Brücken hat wieder hervorragend geklappt. Man fährt auf die Brücke zu, es wird mit rot-grün angezeigt, dass man wahrgenommen wurde, die Schranken an der Straße gehen zu, die Brücke geht auf und durch. Und bitte durchfahren so bald es geht. Nicht auf grün warten. Was in Deutschland fast zwangsläufig zu einem Anraunzer führen würde, ist hier ein Gebot der Höflichkeit gegenüber dem Straßenverkehr. Andere Länder, andere Sitten an den Zugbrücken. Allerdings hat ja hier auch jede mittlere Gemeinde mehr bewegliche Brücken als die ganze Bundesrepublik zusammen. Da hat man sich halt schon auf die Dinger eingestellt. Und es ist noch nicht Saison, also auch noch nicht so viel Verkehr auf dem Wasser.
So sind wir flott, aber entspannt durch Friesland bis kurz vor Leeuwarden gekommen und haben an einem öffentlichen Liegeplatz festgemacht. Von dem wir dann nach dem Festmachen erfahren haben, dass es auch der letzte vor der Stadt ist. Elegant war das Anlegen wegen des kräftigen Windes (das soll nur 6 sein ?) nicht gerade, und wir haben Hilfe von einem dort schon liegenden Plattbodenschiff bekommen. Und den Kommentar, das es bei ihnen auch nicht eleganter ausgesehen habe. Was glaubwürdig ist, denn der dritte im Bund stand ebenfalls quer zum Kanal. Man hat hier halt kaum Windschutz. Und gemeinsame Uneleganz verbindet auch irgendwie.
Eine schauklige Nach liegt also vor uns. Internet gibt es hier nicht, aber Kühe, Ziegen, Wiesen und viel Wind. Und in der Ferne die Hochhäuser von Leeuwarden.

Örlei in se Morning

Norderney hat uns dann einen Tag länger gesehen als wir wollten. Weil Böen von 9 Bft angesagt waren, auch wenn die dann, zumindest hier, nicht statt gefunden haben. Muss man ja aber nicht riskieren, kommt keine Freude auf.
Sonnabend Norderney Borkum, bei ungefähr halber Tide raus und etwa eine Stunde nach Hochwasser in Borkum. Unsere Karten sind neu, großes Ehrenwort, und in diesem Falle auch berichtigt. Geholfen hat das allerdings auch nur bedingt. Zwischen Norderney und Juist laufen die Fahrwasser schon wieder anders. Und am Ostende von Borkum gibt es einen Prickenweg, der in der Karte gar nicht verzeichnet ist.
Auf Borkum einen Platz am Vereinststeg bekommen. Unserer Meinung nach besser als im ¨alten¨ Jachthafen und auf jeden Fall besser als an den ex-Bundeswehr-Pontons. Bei Westwind hört man die Windturbinen. Hatten wir. Bei Südwind hört man auch die Windturbinen. Hatten wir auch. Bei Ostwind hört man die Wellen ans Heck klatschen, weil das Hafenbecken so groß ist, und die Windturbinen hört man trotzdem. Nordwind hatten wir nicht, aber vermutlich hört man die Windturbinen. Um Borkum kommt man als Segler mitunter nicht herum, aber wirklich schön ist es im Hafen nirgendwo.
Der große, der Burkanahafen, hat für das segelnde Volk den großen Vorzug, dass man ihn zu, je nach Tiefgang, fast jeder Tide verlassen kann. Das gilt für den anderen leider nicht, da kommt man nur nahe Hochwasser rein und raus.
Raus aus Borkum: Da das Hochwasser gerade in die Mittagszeit fällt und wir nach Westen wollen, sind wir mit Tagesanbruch los. Heißt, wir haben aus der Sonnenaufgangszeit geschätzt, wann genug Licht ist, um die Tonnen erkennen zu können, und danach unsere Abfahrtszeit geplant: 5:00. Wie ein einheimischer Segler sagte: Hauptsache mit ablaufend Wasser hier raus, Rest ist egal. Ganz egal ja nun auch nicht. Wenn man das Hubertusgat nimmt, das im wesentlichen der Sportschifffahrt vorbehaltene Tief, durch das das Wasser aus Ems und Dollart seinen Weg in die Nordsee findet, dann sind da so etwa 2 Knoten Strom. Ob man z.B. 5 kn Eigengeschwindigkeit + 2 kn oder -2 kn hat, das ist schon ein wesentlicher Unterschied auf 20 Meilen Strecke.
Zumindest den größten Teil der Strecke hatten wir den Strom jedenfalls mit uns. Und auch den Wind, erst aus Süd, später aus Südwest. Bisschen holprig, aber für unsere Verhältnisse flott.
Kurz vor dem Ziel noch eine Planänderung: Statt ins verkehrsgünstige, aber öde (gilt nur für den Außenbereich, wenn man nicht schleusen möchte) Lauwersoog ins verkehrsungünstige (fällt hoch trocken) aber schöne Schiermonnikoog.

Zufahrt Schiermonnikoog bei Niedrigwasser
Zufahrt Schiermonnikoog bei Niedrigwasser

Und hier, nach dem abendlichen Wetterbericht (West 6, Gewitterböen) vermutlich noch eine Planänderung: Nicht übers Watt nach Ameland/Terschelling/Vlieland/Texel – waren wir überall schon mal -, sondern binnen über die ¨stehende Mast Route¨. Dokkum, Leeuwarden, Sneek, Lemmer. Waren wir, oder wenigstens ich, zwar auch schon, aber zumindest in den letzten beiden noch nicht mit dem Boot.