Chaos vorm Hafen

Im Allgemeinen bemühen wir uns, auf der Rückreise nicht die gleichen Häfen anzulaufen wie auf der Hinfahrt. Im Allgemeinen klappt das auch. Bei Anholt im Besonderen nicht, aber das kann man gut mehrfach besuchen. Ich kenne sogar Leute, die machen das jedes Jahr. Bei Grenaa könnte man es vermeiden, aber das liegt halt so günstig, und der Yachthafen ist so groß. Weiter über Öer und Stavns Fjord auf Samsö.
Im Detail: Auf Anholt Fete im Lokal am Hafen. Viel Beleuchtung, viel Tanzlärm. Der Berichtende hat Probleme, in diesem Zusammenhang den Begriff Musik zu benutzen. Der Tanzlärm ging etwa so: Dumm-dumm-dumm-dumm (Viertel) dub dub dub dub dub (Achtel) budubudubudubudubum (Sechzehntel). Mit der Technik des Schlagzeugspiels unvertraut fragt er sich, der Berichtende, ob man denn mit einer Bassdrum sechzehntel spielen kann. Und wenn ja, wie. Kann mir das mal ein Drummer vorführen ? Die oben beschriebene Figur war bis mindestens 4:30 Uhr laut und klar zu vernehmen.

Überfahrt nach Grenaa, leider ab Südwestecke Windpark ohne Wind. Grenaa nicht überfüllt. In Grenaa waren einige muntere Kinder für die Beschallung zuständig. Mit dem Schlauchboot durch das Hafenwasser pflügend sangen sie, laut und klar, und gar nicht schlecht, etwa: Tammtammtatarrrammtamm, tatarammtamm, tataraa. Nach mehrmaligem, kreativem Stutzen hatte der Berichtende auch die Zuordnung: Fluch der Karibik, Black Perl in voller Fahrt. Das passt doch. Allerdings hat der Berichtende jetzt einen Ohrwurm:“Tammtammtatarrrammtamm…“

Grenaa nach Öer. Wurde uns von unserem Nachbarn auf Anholt – Gedränge im Hafen fördert die Kommunikation – als Übernachtungshafen empfohlen. Nicht teuer und immer freie Plätze.
Beschallung auf dem Weg nach Öer: Kein Wind, Diesel an, „Ratatatata“.
Öer ist eine Ferienhausanlage mit Bootsliegeplätzen, die in eine aufgelassene Kiesgrube hineingebaut wurde. Durch einen Kanal mit Schleuse mit der See verbunden. Hat schon ein wenig Patina angesetzt. Das mit den Ferienhäusern scheint noch zu laufen, wenn auch einige zum Verkauf stehen. Liegeplätze gibt es mehr als genug. Und die Relaxations- und Bespaßungszentralen, die da mal vorgesehen waren, die haben es offenbar schon vor längerer Zeit aufgegeben. Wenn noch jemand ’ne Seglerkneipe pachten möchte …

Öer Maritime Ferieby
Öer Maritime Ferieby

Beschallung in Öer: Bunt gemischt, schön laut, aber nicht so lang in den nächsten Morgen. „Why she had to go, I don’t know, she didn’t say“.

Mit Südwest von Öer nach Stavns Fjord. Das liegt an der Ostseite von Samsö und ist eigentlich mehr eine Lagune als das, was sich unsereiner unter Fjord vorstellt. Ein Bereich flachen Wassers, durch eine lange Nehrung von der freien See abgeteilt. Darin etliche Inselchen, wovon die meisten unter Naturschutz stehen und nicht, oder zeitweise nicht, betreten werden dürfen. Und mit einer tiefen Rinne die zwischen diesen Inseln hindurchführt. Nicht markiert, was die Sache umso spannender macht. Man soll, laut schlauem Buch, die Wassertiefe aber an der Farbe erkennen können. Ein anderes, ebenfalls schlaues Buch sagt, dass man die gar nicht befahren kann. Oder, noch ’n schlaues Buch, nicht sollte, weil man bei Wetterverschlechterung im Dunkeln nicht, oder nur schwer, wieder heraus findet.
Auch die Meinungen innerhalb der Marthabesatzung gingen zu diesem Thema weit auseinander, und so hat sich der schlechte Kompromiss ergeben: Rein, aber nur ein kleines Stückchen. Dann Ankern. Auch hier gingen die Meinungen auseinander: Der Anker hält, hält nicht, hält doch. Anker wieder auf. Er hielt so gut, das man heftig ackern musste, um ihn wieder auszubrechen. Nochmal ankern. Wetterverschlechterung. Dann doch nach vorne, wo alle ankern, ist dort etwas geschützter. (Ganz hinten, wo ich eigentlich hin wollte, wär es noch geschützter gewesen) Also nach vorne, wo alle ankern. Zwei oder drei Versuche, bei denen der Anker nicht hielt, aber viel Biomasse geerntet hat. Ich hab inzwischen den Überblick über die Anzahl der Ankerversuche verloren, aber jetzt hält er. Und wir liegen da, wo alle anderen auch liegen. Also so, wie ich es eigentlich vermeiden wollte. Dumm gelaufen. Und das Wetter hat sich, zumindest vorläufig, wieder beruhigt.

Grenzüberschreitung

Trestövsläge lass ich mal aus. Netter Hafen, wenig Ort dahinter. Den vielgepriesenen Fischladen im Fischereihafen konnten wir nicht nutzen, weil er schon zu hatte. Und die ebenfalls vielgepriesenen Strände haben wir auch nicht genutzt. Überhaupt neigt die Fremdenverkehrsindustrie in diesem Lande dazu, die Strände herauszustellen. Wahrscheinlich, weil Schweden, bezogen auf die Länge der Küstenlinie, nicht allzu viele davon hat.
Also Falkenberg. Wie wollen nach Anholt, und es ist Südwestwind angesagt. Von Varberg oder Treslövsläge aus liegt Anholt dann ziemlich genau in Windrichtung, Falkenberg liegt da günstiger. Und die Beschreibung im schlauen Buch klingt nicht schlecht.
Wenn man von See her auf Falkenberg zu läuft, sieht man von der Stadt erstmal nichts. Nur Industrie, Silos, Frachtschiffe. Man läuft in den Hafen, der eine ausgebaute Flußmündung ist, ein und sieht immer noch keine Stadt. Festmachen beim örtichen Segelverein, gegenüber der Werft.

Falkenberg Hafen
Falkenberg Hafen

Immer noch keine Stadt zu sehen. Erst etwa 1 bis 1 1/2 Kilometer flußaufwärts kommt man nach Falkenberg. Eine Kleinstadt, die durchaus ihre Reize hat.
Eine der Attraktionen ist Tullbroen, eine steinerne Bogenbrücke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Wie so oft in Schweden wird man durch ein Schild über die Geschichte des Bauwerks aufgeklärt: Nachdem der hölzerne Vorgängerbau noch nicht einmal den damaligen Sicherheitsstandards entsprach, hat man bei von Krone die Erlaubnis und auch die Mittel zum Bau einer Steinbrücke erhalten. Interessanterweise war man damals, so um 1760, der Meinung, nur das Militär sei in der Lage, ein solches Bauwerk zu errichten. Und so ist diese Brücke im Wesentlichen von schwedischen Soldaten erbaut worden. Die meisten Häuser sind ja heute noch aus Holz, Festungsbauten immer aus Stein. Vielleicht ist das einer der Gründe. Wie auch immer, bis ins zwanzigste Jahrhundert wurde Brückenzoll erhoben. Daher der Name „Tullbroen“.
 Falkenberg, Tullbroen
Falkenberg, Tullbroen

Mitte des 20 Jahrhundert wurde ein Antrag gestellt, die Fahrbahn autogerecht zu verbreitern. Dem wurde zum Glück nicht statt gegeben, dafür aber die Brücke flugs unter Denkmalschutz gestellt und renoviert.
Abgesehen von der Brücke hat Falkenberg auch einige weitere malerische Ecken zu bieten. Und die Lage an einem naturnah belassenen Fluß.
Wasserwanderer, kommst du nach Falkenberg, lass dich nicht vom Hafen abschrecken.
Mit Falkenberg endet die schwedische Phase dieser Reise.
Weiter nach Anholt. Dass der Hafen von Anholt in den Ferien überfüllt ist, hatten wir schon gehört oder gelesen. Das er so voll ist …
Nun ja, es gibt nur diesen einen Hafen in der Mitte des Kattegats. Das lehrt den Nordseesegler ganz neue Anlegetechniken und fördert die Kommunikation unter Seglern. Muss aber nicht jeden Tag sein.
Anholter Anlegetechnik
Anholter Anlegetechnik

Die Motorbootfraktion hab‘ ich nicht vergessen. Die sind hier wirklich unterrepräsentiert. Wahrscheinlich nageln die gleich in eins rüber. Wenn kein Wind ist. Oder gar nicht, wenn Wind ist.
Für morgen ist West angesagt. Da werden wir uns wohl noch ein bisschen Anholt anschauen. Die Teile, in die wir beim letzten Mal nicht gekommen sind. So wir denn einen Platz finden, an dem man das Boot alleine lassen kann.

Outer Rim

Dabei fing alles ganz harmlos an. Auf der Parallelstrecke zur Sportbootautobahn durch die Schären vor Göteborg. Bisschen wenig Wind, und zwischdurch mussten wir schon mal unter Motor einem Todesstern (Stena-Line Fähre) ausweichen. Die kommen hier vor Götebborg so mit 17, 18 Knoten durch die Schären geschossen. Da ist es nicht so gut, wenn man in der Flaute im Fahrwasser dümpelt – außer lautem Hupen hat der Todesstern da nicht viel Reaktionsmöglichkeiten. Den X-Wing-Fighter (Schlauchboot) hatten wir schon aufs Mutterschiff (Martha) verladen.
Angedockt in Styrsö Bratten. Das schlaue Buch sagt, es sei mit etwas Schwell durch die Fähren zu rechnen. Die bittere Wahrheit: Es ist mit Dauerschwell durch rücksichtslose Motorbootfahrer zu rechnen, weil eine der Durchgangsruten der Südschären direkt am Hafen vorbei geht und kaum jemand den Hebel mal zurückzieht. Die Fähren fallen da kaum ins Gewicht.
Nach einer Stunde Gehüpfe Flucht und Suche nach einem Ankerplatz. Einen Platz im Hafen zu finden braucht man am Freitag Abend um diese Zeit gar nicht zu versuchen. Erster Platz: Anfahrt kompliziert, Besatzung uneinig, Stimmung schlecht, Ankerplatz überfüllt.
Zweiter Anlauf: Viel Platz, über 20 Ankerlieger, aber noch Platz für uns. Inzwischen völlige Windstille und nur wenige Motorboote. Dieser Platz liegt ganz im Süden, am äußersten Rand der Göteborger Schären.

Südrand Göteborger Schären
Südrand Göteborger Schären

Am nächsten Morgen: Das Nichts. Absolut kein Wind, das Wasser völlig bewegungslos. Die Kimm kaum zu erkennen. Eben das Nichts. Wir haben versucht, das Nichts zu fotografieren, auf dem Bild war nichts. Hinaus ins Nichts. Vorbei am Leuchtturm am Rande des Universums ins Nichts.
Leuchtturm am Rande des Universums
Leuchtturm am Rande des Universums

Inzwischen sind wir aus dem Nichts wieder aufgetaucht und ankern im Zentrum der Welt: An Steuerbord eine fast kahle Insel mit ein paar Schafen, vermutlich seit Jahrhunderten so. Am Backbord Schwedens größtes Kernkraftwerk. Mitten drin.

Gewimmel und Gelumpe

Liebe Leser, mittlerweile ist der nordische Sommer nicht nur verspätet ausgebrochen. Er hat auch alles nachgeholt, was wir in den vergangenen Wochen vermisst haben. Sehr warm, viel Sonne, wenig Wind. Hell bis spät in die Nacht. Was zum Faulenzen und Baden gut ist. Beim Segeln fehlt ein bisschen der Wind. Und zum Hacken auf der Tastatur etwas die Lust. Deshalb dieses Mal ein Bericht über mehrere Tage.
Ruhiger Ankerplatz hinter Orust. Blick über das Wasser hinter uns: Da liegt eine Robbe auf dem Wasser. Auf, nicht im. Wie geht das? Das Tier ist echt, es bewegt sich. Kein Gummitier, anscheinend eine weibliche Kegelrobbe. Offenbar liegt sie auf einem Felsen oder Stein, der bis dicht unter die Wasseroberfläche reicht.

Die schwebende Robbe
Die schwebende Robbe

Blick auf Papierkarte und elektronische Karte: Der Stein ist eingezeichnet und wir hatten ihn in der Planung auch berücksichtigt. Der Schreck war nicht notwendig. Zeigt aber, wie oft man hier doch in die Karten schauen muss.
Was gibt es noch hinter Orust: Etliches an Chemischer Industrie, was die großen Schiffe erklärt, die einem ab und an begegnen. Und vereinzelt auch Wasserfahrzeuge, bei denen man den Begriff „Schiff“ eigentlich nicht benutzen will.
Schwedisches Schwimmteil
Schwedisches Schwimmteil

Immerhin beweist diese Schwimmteil, wie geschützt es in diesem Teil des Skageraks ist.
Wir haben uns, der Windrichtung wegen, für den Weg zwischen Orust und Tjörn entschieden, Stigfjorden. Das musste ich jetzt nachsehen. Die Vielzahl an Ortsnamen überfordert eindeutig mein Gedächnis, und mit der Eindeutigkeit der Namen ist es auch nicht weit her. Alle paar Meilen kommt zum Beispiel ein Bockholm oder Hestholm. Das Fahrwasser zwischen Orust und Tjörn ist sehr vielgestaltig, mit Inseln, Holmen und Schären, engen Passagen und auch wieder weiten Wasserflächen, und vergleichsweise wenig Verkehr. Zumindest für hiesige Verhältnisse. Große Schiffe gibt es hier nicht. Die Brücke zwischen Orust und Tjörn ist mit 24 Metern zwar vielleicht hoch genug, aber die Durchfahrt für die meisten Berufsschiffe zu schmal. Und es geht ja auch einfacher, weiter nördlich oder südlich.
Brücke Orust-Tjörn
Brücke Orust-Tjörn

Zwischen den Holmen und Schären haben wir uns wieder einen Ankerplatz für die Nacht gesucht. Unsere Etmale tendieren mal wieder zum Minimalismus.
Stigfjorden
Stigfjorden

Nächster Morgen: Wir müssen uns mit Diesel ver- und etwas anderes entsorgen. Mollösund liegt nur 1 1/2 Meilen von unserem Kurs entfernt und hat, wir waren ja schon mal da, die benötigte Infrastruktur. Leider wissen das alle, und entsprechend ist das Gedränge an der Tanke. Die Absaugstation funktioniert nicht und muss erst freigespült werden. Und noch ein bisschen mehr Chaos. Fast eineinhalb Stunden haben wir damit zugebracht – da zeigen sich die Schattenseiten eines so beliebten Reviers.
Immerhin, es gibt etwas Wind zum Segeln. Die günstigsten Strecken durch das Gewirr der Schären sind in den Seekarten vorgezeichnet. Damit vermeidet man, das unbedarfte in irgendwelchen Sackgassen oder an gefährlichen Stellen landen. Leider berücksichtigen diese Tracks naturgemäß nicht die aktuelle Windrichtung. Wir sind also vom Pfade der Tugend abgewichen, haben die Sportbootautobahn verlassen und uns, bei sehr ruhigem Wetter, unseren Weg durch die Außenschären selbst zurecht gelegt und durchsegelt. Natürlich auf der Kreuz. Dafür aber eine wahrnehmbare Strecke durchs Wasser zurückgelegt: 21 Meilen. In diesem Gebiet schon viel, für unsere Verhältnisse.
Spannend ist das schon, so durch das „Gewimmel und Gelumpe“ zu kreuzen. Bei der Rückkehr in den wohlgeordneten Bereich der vorgezeichneten Fahrwege konnten wir dann auch sehen, wie schlurige Navigation hier ausgehen kann.
Navigationsfehler? Zu schnell?
Navigationsfehler? Zu schnell?

Da uns nach zwei Ankernächten und drei duschlosen Tagen der Sinn nach Erfrischung stand, mußten wir einen Hafen anlaufen. Zur Auswahl standen Klädesholm, Astol, Dyrön Nord und Dyrön Süd. Wir finden, dass Dyron Süd der schönste davon ist – bei weniger strengen Maßstäben sind alle vier toll – und vermutlich nicht so voll. Nicht so voll war falsch, sehr voll. Vierter im Fünferpäckchen. Majestix war in Astol, auch sehr voll. Ist halt so, schwedischer Sommer, das ganze Land macht Urlaub. Verbleibende Resourcen werden von Norwegern belegt, manchmal auch von Deutschen.
Gewimmel-geschädigt, wie wir nach dieser Nacht nun mal waren, kam wieder eines unserer Minimal-Etmale zusammen: 9 Meilen. Zu einem der Holme südlich von Marstrand (Majestix ist heute in Marstrand, jetzt die mit Kleinkind).
Hier gibts Ringe am Fels. Hilft uns aber nicht viel, weil wir nur mühsam von Bord kommen würden, der Fels ist schräg und rutschig, und eine Leiter haben wir nicht. Den Heckanker müßte man erst zusammenbauen.
Katholisch in Schweden
Katholisch in Schweden

Wir haben uns für die einfachste Lösung entschieden: Wir liegen katholisch: Heckleine zum Ufer und Buganker. Im staatskirchlich-evangelischen Schweden zwar ungewöhnlich, aber was soll’s. Uns gefällt’s. Und bis jetzt haben wir noch keinen besseren Rundumblick über die Schärenlandschaft gefunden.
Vaxholm Panorama
Vaxholm Panorama

Hinterhof und vornehme Adressen

Der Wind war noch ein paar Tage so, dass wir in Kungshamn geblieben sind. Nur halb freiwillig. Erstens kommt eine bei Westwind relativ ungeschützte Teilstrecke gleich nach Verlassen des Hafens. Das ginge ja noch. Aber zweitens, ärgerlich, hat der Skipper bei Ankunft die erste freie Box angesteuert, wegen des Andrangs. Und sich gefreut, dass er eine hatte. Aber leider nicht darüber nachgedacht, wie er da bei Südwest wieder heraus kommt. Zudem wurde der Eingang in die Gasse von größeren Yachten so zugeparkt, dass das Auslaufen doch sehr erschwert wurde. Also haben wir uns entschlossen, bessere Windverhältnisse abzuwarten. Ein anderer Yachtie hat versucht, noch in die Gasse einzulaufen, und es bedurfte vieler helfender Hände, ihn wieder zu befreien. Muss man ja nicht nachmachen, birgt ja auch die Gefahr von Schäden an fremden und am eigenen Boot.
Die Attraktionen von Kungshamn sind leider recht schnell aufgebraucht, immer nur lesen wird auch langweilig. Also nochmal nach Smögen, dieses Mal zu Fuss, über die Straßenbrücke.
Also gewissermaßen durch die Hintertür.
Die Brücke, oder besser, der Blick von der Brücke oder auch vom benachbarten Parkplatz, kann durchaus zu den Highlights von Kungshamn/Smögen gerechnet werden. Siehe Bild oben.
Und Smögen hat tatsächlich nicht nur die Partymeile, sondern auch einen funktionierenden Fischereihafen. Und auch große Schiffe landen, direkt in der Verlängerung der Amüsiermeile, zumindest einen Teil der Fische und Schalentiere an, die hier ans Partyvolk verfüttert werden.

Fischerhafen,Smögen Rückseite
Fischerhafen,Smögen Rückseite

Wir haben uns mit Freunden getroffen, die auch in dieser Gegend unterwegs sind. Genau genommen uns überhaupt auf die Idee gebracht haben, dieses Jahr hierher zu fahren. Der Wind hat uns aus Kungshamn freigegeben und wir sind zum vereinbarten Treffpunkt, Henån, gesegelt. Wieder durch das schon beschriebene enge und sehr reizvolle Fahrwasser von Bassholmen. Und haben zusammen einen schönen Grillabend verbracht.
Majestix trifft Martha
Majestix trifft Martha

Ich hatte vorher noch nie etwas von Henån gehört. Was wohl mit daran liegt, dass ich normalerweise nicht zu den Käufern vornehmer schwedischer Qualitätsyachten gehöre und daher auch nicht weiss, wo die ganzen Halbergs, Najads, Malös und Vindös gebaut werden. Zumindes wusste ich es bislang nicht. Jetzt weiss ich es. Die Malös auf Malö. Wovon es allerdings viele gibt, aber dieses hier in der Gegend ist das richtige. Die Halbergs gleich in der Nähe auf Orust, in Ellös. Daran sind wir ignorant vorbei gefahren. Die haben aber jetzt sowieso Betriebsferien, wie die meisten schwedischen Firmen. Die Vindös ein bisschen weiter östlich auf Orust.
Vindö Werft
Vindö Werft

Und die Najads gar nicht mehr, weil pleite. Vorher in Henån, auf Orust.
Ex-Najad-Werft
Ex-Najad-Werft

Unsere Freunde sind weiter in die große Stadt Uddevalla, wir umrunden zur Zeit Orust. Unter Segeln und im Uhrzeigersinn. Auch hier wieder eine Landschaft wir ein Binnensee in den Bergen.
Mindestens fünf kurze Töne (Husten)
Mindestens fünf kurze Töne (Husten)

Nur dass sich ab und an ein Frachter den Weg durch das Segler- und Motorbootvolk frei hupt.

Smögen mögen ?

Wir haben ein schönes Handbuch, das die Häfen und auch die Ankerplätze der Westschären beschreibt. Von Göteborg bis Svinesund, also bis zur schwedisch-norwegischen Grenze. Leider sind die Texte auf Norwegisch, zumindest nehme ich an, dass es Norwegisch ist, weil es von einem norwegischen Verlag stammt. Wenn’s Schwedisch sein sollte, macht das für uns keinen Unterschied, wir verstehen beides nicht.
Macht aber in der Regel nichts, das wichtigste sind die Fotos und die Kartenskitzen mit den eingezeichtneten Anker- und Festmachmöglichkeiten. Manchmal gibt es eine englische Zusammenfassung, oder auch nicht. Oder einen Verweise auf eine englisch-sprachige Internetseite. Was aber zwischen den Schären ohne Empfang auch nicht viel weiter hilft.
Warum ein Buch zu Ankerplätzen? Weil man die hier in diesem unübersichtlichen Gebiet selber schlecht findet. Es sei denn, da liegt schon jemand, aber dann helfen sie auch nicht viel. Es gibt natürlich auch hier Stellen, wo man ganz konventionel ankert, Grabbel raus, eingraben lassen und fertig. Aber häufig ist es so, das man den Bug an den Fels legt und das Heck mit dem Anker hält. Und die dazu geeigneten Plätze muss man halt wissen. Dazu ist das Buch da. Und die Stellen müssen auch frei sein, was in der schwedischen Ferienzeit leider meist nicht der Fall ist.
Wir haben uns in den letzten Tagen angewöhnt, uns die angegebenen Stellen anzusehen, auch wenn sie schon besetzt sind. Vielleicht können wir sie ja auf der Rückfahrt nutzen, falls das Wetter das endlich zuläßt.
Heute von Store Kornö nach Norden. Dabei kommt man automatisch an Lilla Kornö vorbei. Insel und Hafen sind noch kleiner – store heißt ja groß und lilla klein – und würden sich gut als Drehort für einen Agatha Christie oder Pater Brown-Film eignen: Abgeschlossen und sehr sehr übersichtlich. Und wahrlich fotogen.

Lilla Kornö
Lilla Kornö

Nach Begutachtung diverser Ankerplätze – wirklich gefallen hat uns nur einer davon – sind wir nach Kungshamn. Trotz des anspruchsvollen Namens nichts besonderes, ein Ort wie viele andere auch. Wohnen, arbeiten und auch ein Hafen. Sogar einer, in dem nicht nur Yachties liegen. Und es gibt eine Personenfähre nach Smögen. Oben erwähntes Buch, und auch andere Unterlagen, empfehlen minder Disko-begeisterten Menschen, Smögen nur in kleinen Dosen zu genießen und raten insbesondere von der Nutzung des Hafens ab.
Der Autor des vorliegenden Berichtes, der sich schon im fortgeschrittenen Lebensalter befindet, kann das nur bestätigen.
Ort der Unruhe: Smögen
Ort der Unruhe: Smögen

Wie es hier abends aussehen und sich anhören könnte, haben wir nicht persönlich in Erfahrung gebracht. Wollten wir auch nicht. Am Nachmittag jedenfalls ist es am Hafen voll, laut, lebhaft. Boote liegen im Sechserpäckchen, wie Helgoland zu Pfingsten – da fahren wir auch nicht hin.
Smögen, wie Helgoland zu Pfingsten
Smögen, wie Helgoland zu Pfingsten

Smögen ist dann doch mehr etwas für jüngere Semester.
Das Saint Tropez, Scarborough und Westerland der Westschären
– natürlich habe ich keinerlei Vorurteile gegen einen dieser Orte 😉
Smögen muss man mögen.
Smögen – oder Kungshamn – soll der nördlichste Ort dieser Reise werden oder bleiben. Sobald der angesagt und im Moment in den Masten schon deutlich zu hörende Trog durch ist, werden wir uns gen Süden wenden. Und hoffentlich unser Wissen aus den diversen Ankerplatzbesichtigungen auch nutzen können.
Nicht alle, die im schlauen Buch stehen, sind für uns auch nutzbar. Manches geht nur mit Motorbooten. Dafür geht offensichtlich auch manches, was nicht im schlauen Buch steht. Wenn man sich hier auskennt.

Last Exit Lysekil

Wir waren ja im Sund, der Orust im Norden vom Festland trennt. Die nördlichste Verbindung zurück zur See, Kärlingsund, gehört zu den engsten und kurvenreichsten Gewässern, durch die wir bislang gefahren sind. Und auch zu den schönsten. Man muss hier zwangsläufig langsam fahren. Trotzdem haben wir noch einen Zwischenhalt eingelegt, denn solche Landschaften sieht man wahrlich nicht alle Tage. Und wenn es auch manchmal so aussieht, als seien wir zu nahe an den Felsen vorbei gefahren: Das muss so sein, auf der anderen Seite stehen auch welche, auch wenn man sie nicht immer sieht.

Auf der anderen Seite sind auch Felsen
Auf der anderen Seite sind auch Felsen
Segeln ist hier schlicht nicht möglich, aber hier ist sogar das Fahren unter Motor ein Erlebnis.
Rot an Steuerbord !
Rot an Steuerbord !

Die Fahrwasser in den Schären vor der Küste erscheinen danach richtig weiträumig, die Sonne kam heraus, der Himmel wurde blau und der Wind war sanft, aber ausreichend. Wirkt richtig wie Sommer. Geht also doch.

Sommer geht also doch
Sommer geht also doch

Unser eigentlich geplantes Tagesziel, einer der Ankerplätze bei Kungshamn, entgültige Wahl nach Besichtigung, haben wir wieder nicht erreicht. Wir sind auf der Insel Store Kornö hängen geblieben. Lilla Kornö sah zwar noch netter aus, war aber nichts mehr frei, außer mit Heckanker, und den wollten wir nicht wieder aufbauen. Die Insel ist schön, der Ort auch, und die kleine ¨lilla¨ Schwesterinsel schauen wir uns vielleicht morgen noch an. Sind ja nur ein paar hundert Meter übers Wasser von hier.
Die Hafengebüren auf S. Kornö sind ortstypisch, wie schon gesagt, Norwegen ist nah. Die Infrastruktur eher naturnah, back gto the roots.
Ansonsten kann man auf dieser Insel als Besucher nicht viel Geld ausgeben, außer Eis und Süßigkeiten haben wir keine käuflichen Dinge gefunden. Dafür viel Landschaft.
Store Kornö
Store Kornö

Und wir haben heute mal wieder ein zweistelliges Etmal erreicht: 12 Meilen. Für diese Gegend ist das schon fast Raserei.

Die Ruhe während des Sturms

Unsere Schärenanker oder -bolzen liegen immer noch unbenutzt in der Kiste. Allerdings war das Wetter der letzten Tage auch nicht so, das man neue seemännische Techniken und Tricks erlernen wollte. In unserer Ankerbucht sind wir zwei Tage lang geblieben, einfach, weil es geregnet und geweht hat. So sehr, dass auch passionierte Segler sich lieber mit einem guten Buch als mit Ruder und Schot beschäftigt haben.

Bäckevik Panorama
Bäckevik Panorama

Am dritten Tage musste dann mal etwas passieren, und wir sind weiter Richtung Norden. Man kann, wenn der Wind zur eigenen generellen Fahrtrichtung passt, gut innerhalb des Schärengürtels segeln. Schön geschützt, nur an wenigen Stellen machen sich auch mal Wind und See von draussen bemerkbar. Da sich die ganzen Boote auf den wenigen Strecken sammeln, ist dort auch allerhand los.
Unser Weg führte um Lyr herum vor Orust weiter nach Norden, Ziel Gullhamn.
Orust ist eine der großen Inseln vor der Westküste, nach Gotland und Öland die drittgrößte Insel Schwedens. Työrn ist die Nummer 5, südlich davon. Lyr (oder Lyrö) liegt zwischen den beiden, geografisch. In der Rangfolge kommt’s viel weiter hinten. Und alle zusammen fügen sich so schön in die Küste ein, dass man bei großem Kartenmaßstab kaum sieht, dass da große Inseln vor der schwedischen Westküste liegen.
Also vor dem Wind zwischen den Schären, Holmen und Inseln nach Norden. Manchmal recht eng, aber auch das macht ja den Reiz des Reviers aus. Auf der Strecke ein Ort namens Mollösund. Sicher auch besuchenswert, aber erstens kann man nicht jeden Ort ansehen – unsere Tagesetappen, wenn sie denn überaupt stattfinden, sind erstaunlich kurz, und der ursprüngliche Plan, bis zum Oslofjord zu segeln, reizt gar nicht mehr – und zweitens kommt ja noch die Rückfahrt.
Ein Besuch von Mollösund ist also verschoben, aber der Ort hat Bootstankstellen, gleich zwei. Eine an der Steuerbord- und eine an der Backbordseite der Hafeneinfahrt. Konkurenz belebt das Geschäft, und es scheint sich ja für beide zu lohnen. Wir haben also getankt, das erste Mal seit Kiel, und auch unseren ¨Grauwasser¨-tank leergepumpt. Und einen schweren Fehler begangen, siehe unten.
Weiter Richtung Norden durch die Schärenfahrwasser. 6 Bft. Wind von Südwesten und nur kleine Fock. Reicht völlig für 5 Knoten, und 5 Knoten reichen auch völlig in den engen Durchfahrten, die die Fahrt hier immer wieder spannend machen. Oder auch zu spannend, wenn nämlich plötzlich, bei Gegenverkehr und Felsen auf beiden Seiten, das Ruder nicht mehr, oder nur noch mit großem Kraftaufwand zu bewegen ist. Da kommt Freude auf. Fahrtensegeln ist ja immer eine Tätigkeit, bei der sich lange Phasen der Ruhe mit kurzen Phasen der Betriebsamkeit abwechseln. Hier wurde es sehr betriebsam, denn leider kann man ja mit einem Boot nicht mal eben rechts ran fahren, wenn etwas zu reparieren ist. Der Fehler war schnell gefunden, die Schleppleine für’s Schlauchboot kam an der falschen Seite unter den Ruder hervor und hatte sich offensichtlich irgendwo zwischen Rumpf und Ruder eingeklemmt. Gemeinsam – einer passt auf, was so an Boote und Felsen im Weg ist (Sabine), und der andere (ich) zerrt solange an der Leine rum, bis sie wieder frei ist – haben wir das wieder klar gekriegt. Anderswo wäre das gar nicht erwähnenswert, aber in diesem Revier wird in so einer Situation schon etwas Adrenalin freigesetzt. Alles gut gegangen, Blick auf den Kompass, wo geht’s hier wieder raus, und weiter.

Enge Fahrwasser
Enge Fahrwasser

Der Fehler war wohl schon an der Tankstelle passiert: Leine vom Schlauchi nicht kurz gebunden, beim Liegen abgesunken und dann bein Weiterfahren hinter dem Ruderblatt wieder hochgekommen. Das soll uns eine Lehre sein, Schlauchi bleibt jetzt immer kurz, sch. auf die zehntel Knoten Fahrt.
Tagesziel Gullholm auf Härmansö.
Ein kleiner Ort auf einer Insel, der seinerseits noch zwei Inseln aufweist: Eine größere, auf der ein Teil der Altstadt liegt, und eine kleine mit nur einem Hotel/Restaurant drauf. Die ¨große¨ist über eine Fußgängerbrücke, die kleine über einen Schwimmsteg mit dem Rest verbunden. Zusammen bilden diese Teile den Hafen.
Gullholme, ¨die¨ Brücke
Gullholme, ¨die¨ Brücke

Der aber leider während der Hauptsaison zu klein ist, und wer zu spät kommt, muß draußen am Sund liegen.
Gullholmen Hafen
Gullholmen Hafen

Wir kommen zu spät und dürfen uns den ganzen Abend an Motorbooten erfreuen, die die Geschwindigkeitbeschränkung ignorieren. Denen hupt der Hafenmeister zwar hinterher, aber das hilft relativ wenig, wenn nicht kassiert werden kann.
Appropos kassieren: Wir nähern uns erkennbar der Norwegischen Grenze, und das merkt man an den Preisen. Die Hafengebüren haben sich seit Varberg fast verdoppelt.
Der Starkwind hat uns ein wenig ins ¨Landesinnere¨ verdrängt. Natürlich nicht wirklich, es sind nur wenige Meilen Luftlinie bis zum offenen Skagerak, aber hier drinnen hat man kaum noch den Eindruck, auf Meerwasser zu fahren. Wären nicht der Seetang und ein bisschen Tidenhub, könnte das als Binnensee durchgehen. Nur in den Baumwipfeln rauscht es.
Skagerak bei Koljön, könnte auch als Binnensee durchgehen
Skagerak bei Koljön, könnte auch als Binnensee durchgehen

Für Morgen ist mal etwas weniger Wind angesagt, vielleicht nach Lysekil. Oder noch ein bisschen hierdrin bleiben. Wir werden es berichten.

Pielpatz und Mulle

Die junge Familie ist wieder abgereist. Eine Woche sollte es werden, 5 Tage mit An- und Abreisetag sind es wirklich geworden. Davon haben die Großeltern das Kind zwei Tage allein bei sich gehabt, und einmal hat es an Bord übernachtet. Also nicht ganz so wie geplant.
Und was macht man in Skärhamn, wenn man etwas mehr als zwei Jahre alt ist? Jedenfalls nicht segeln.
Fische fangen. Oder, weil das noch nicht so richtig funktioniert, größeren Kindern zusehen, wie sie Seesterne, Krebse und Fische fangen und wieder ins Wasser werfen. Geht gut im Gästehafen von Skärhamn, am besten vor dem Klohäuschen.

Man kann malen. Bei Oma und Opa an Bord mit den mitgebrachten Bundstiften.

Malen mit Bundstiften
Malen mit Bundstiften

Wenn man Glück hat, kann man an einer Malveranstaltung für Kinder teilnehmen, die das Nordische Aquarellmuseum hier veranstaltet.
Aquarell nordisch abstrakt
Aquarell nordisch abstrakt

Oder einfach auf der Straße malen.
Wachsstifte
Wachsstifte

„Pielplas“ gibt es auch. Wenn auch sehr übersichtlich, aus der Sicht der Erwachsenen jedenfalls. Man könnte die Füße ins das Wasser des Skageraks halten, am kleinen Strand. Aber das ist viel zu kalt, um sich länger darin aufzuhalten.
Bei Oma und Opa Maiskolben vernichten.
Mais vernichten
Mais vernichten

Sich ein Eis erquengeln. Aber man kann von der, zugegebenermaßen sehr großen, schwedischen Eiskugel nur ein kleines Häpschen nehmen und Oma und Opa den Rest lassen.
Und man kann den Erwachsenen Denkaufgaben stellen, die sich auf den Bereich der verbalen Kommunikation beziehen.
„Meie Mulle“ = „Mein Schnuller“
„Mulle äääää“ = „Ich möchte bitte meinen Schnuller“
„Titze“ = „Kitzel-“ gleich Mineralwasser
Als ob wir alten Leute nicht mit Schwedisch schon genug Probleme hätten. Verstehen können wir das noch weniger, aber da gibt es öfter mal was schriftliches, mit dem man sich dann etwas länger beschäftigen kann. Und auch des Öfteren zu besseren, sprich einleuchtenderen Ergebnissen kommt als so manches Übersetzungsprogramm. Wer’s nicht glaubt, hier mal wieder ein schönes Beispiel:
„www.tjornbilder.com/tysk/kartval/kyrkesund.html“
www.tjornbilder.com
Haben lange über den Satz „Kalhuved ist ein alter Zug Ölheizkessel vom 1800. Jahrhundert.“ nachgedacht. Hat sich mir noch nicht vollständig erschlossen. Aber immerhin, es wird auch in 178000 Jahren noch Heizkessel geben. Das ist ja schon mal ’ne Aussage.
Und sonst noch? Es gab eine Folkeboot-Regatta in Skärhamn, mit Teilnehmern aus allen möglichen Gegenden Schwedens. Wir wissen jetzt, wie die trotz der großen Entfernungen hier zusammenkommen konnten. Hier sieht man’s:
Drei auf einen Streich
Drei auf einen Streich

Jetzt haben wir Skärhamn wieder verlassen und uns verschiedene Ankerplätze in den Schären angesehen. Das Wetter war allerdings auch nur begrenzt sommerlich heute. Eigentlich gar nicht. Und so haben wir heute wieder einen ganz konventionellen Ankerplatz, ganz unschwedisch, mit Wasser auf allen Seiten. Die richtig abenteuerlichen, die wir uns angesehen haben, waren entweder schon besetzt, oder der Wind und die Welle standen drauf. Das mit den Schärenankern und Ringen im Fels müssen wir noch üben. Hoffentlich mehr dazu in den nächsten Tagen.
Die Bild zu diesem Beitrag kommen später, wegen der Bandbreite.

Durch diese hohle Gasse …

Gleich zur Frühstückszeit hat uns ein Autotransporter demonstriert, dass man auch mit großen Schiffen flott zwischen den Schären unterwegs sein kann. Siehe oben, aufgenommen direkt vor dem Südhafen von Dyrön.
Zu den diversen Anforderungen, die an die Navigationsplanung gestellt werden, kommt jetzt noch eine schwierige dazu: Wir brauchen Kinderbespaßungsmöglichkeiten. Åstol bietet da so gut wie nichts, Dyrön wenig. Daher unser Plan für heute: Klädesholmen, und wenn da nichts geeignetes ist weiter nach Skärhamn. Klädesholmen ist ein Naturhafen, der zwischen drei kleinen Inseln liegt, von denen zwei durch einen Damm verbunden wurden und zwei durch eine Brücke. Bleibt nur eine Öffnung, die als Einfahrt dient. Der Weg dorthin führt durch einen Kanal zwischen Felsen. Durchaus nicht unspannend, und für uns, die wir ja aus einer relativ flachen Gegend kommen, ein Landschaftserlebnis.

Kanal nach Rönnang/Klädesholmen
Kanal nach Rönnang/Klädesholmen

Klädesholmen hält durchaus, was die Handbücher versprechen. Ohne die oben angeführte Zusatzanforderungen wären wir hier wohl einen Tag geblieben, aber leider gibt es nichts für Kleinkinder. Also haben wir uns auf eine Mittagspause beschränkt und sind dann weiter Richtung Skärhamn.
Klädesholm
Klädesholm

Es gibt zwei Möglichkeien, mit dem Boot von Klädesholm nach Skärhamn zu kommen. Zwei naheliegende, Umwege kann man natürlich immer machen. Entweder raus aufs Kattegatt und in Skärhamn wieder rein, oder durch die Schären. Da es draußen immer noch sehr windig ist – das will zur Zeit auch nicht weniger werden mit dem Starkwind – haben wir uns für Weg durch die Schären entschieden. Auf der Karte sieht der schon recht abenteuerlich aus. Wenn man sich das auf dem Kartenplotter ansieht, nimmt die Abenteuerlichkeit nicht merklich ab. Insbesondere die ganz engen Stellen werden auch durch zoomen nicht breiter. Fährt man die Strecke dann im wirklichen Leben, nimmt die gefühlte Abenteuerlichkeit keineswegs ab, im Gegenteil.
Enge Durchfahrt
Enge Durchfahrt

Die Nähe der Felswände und Untiefen ist für uns Weser- und Ostfrieseninselnsegler doch schon ungewohnt, malerisch und manchmal auch adrenalinfördernd. Was die Sache deutlich erleichtert: Es gibt kaum Strom. So konnten wir es uns auch nicht verkneifen, den größten Teil der Strecke unter Segel, wenn auch nur mit der kleinstmöglichen Beseglung, zu durchfahren.
Durch diese hohle Gasse muss er kommen ..
Durch diese hohle Gasse muss er kommen ..

An ein paar Stellen ging es einfach nicht ohne Motor, dazu ist es zu eng zum Kreuzen.
Und Skärhamn ? Hier gibt es viele Kinder, auch ein bisschen Bespaßungsinfrastruktur. Und leider einen proppevollen Hafen. So mit Reinschieben zwischen die anderen Boote, nach Anweisung vom Hafenmeister und mit Heckmooring.
Der Käptn ist von dem Gedränge nicht so begeistert, aber was tut man nicht alles für die lieben Kleinen.
Trubel in Skärhamn
Trubel in Skärhamn