Großstadt, halbtrocken

Zunächst zur Flakmoppe. Die gibt es hier auch in elektrischer Ausführung. Und das ist auf einer so kleinen Insel ja auch sinnvoll, weil, wenn es auch nur eine Lademöglichkeit gibt, dann ist die Infrastruktur ja schon voll ausgebaut. Andererseits ist der gemeinen Flakmoppe aber auch ein furchterregender Konkurrent entstanden: Das gemeine Quad mit einem Tablett vorne drauf. Und das verbreitet sich hier schon und ist den Moppen natürlich in den Fahrleistungen weit überlegen. Kann man die Flakmoppe unter Artenschutz stellen?

Ältere Flakmoppe
Ältere Flakmoppe

Heute hat es mal, im Gegensatz zu den letzten zwei Tagen, auch mal aufgehört zu regnen, und der Schiffsführer war auch nicht mehr fußkrank, was er leider auch die letzten zwei Tage war. Nachdem wir bemerkt hatten, dass es wirklich schon eine ganze Zeit nicht geregnet hatte, haben wir uns mutig entschlossen, nach Göteborg zu fahren. Nicht mit dem eigenen Boot, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Also ins richtige Göteborg, weil wir ja eigentlich schon in Göteborg sind. Es gibt etliche Schären, Holme und Inseln (Bezeichnungen nach aufsteigender Größe), die zum Stadtgebiet gehören. Und zwischen denen git es auch ÖPNV, also öffentlichen Personen-Nahverkehr.
An keinem anderen mir bekannten Ort ist der ÖPNV so spannend wie hier. Was die Fähren hier bieten, dagegen sind die venezianischen Vaporettos langweilig.

Schiff fast so breit wie die Durchfahrt!
Schiff fast so breit wie die Durchfahrt!

So manche Durchfahrt ist nur wenig breiter als die Fähren, und die Fahrt geht mitunter beängstigend nahe an Schären und Felswänden vorbei.
Göteborger Fähre an der Felskante
Göteborger Fähre an der Felskante

Wo Strecken ohne Hindernisse sind, wird der Hebel auch wirklich auf den Tisch gelegt. Da heute fast ein jeder einen GPS-Empfänger bei sich hat, in seinem Smartphone nämlich, kann man ja leicht nachmessen, war da so rauskommt beim Hebel-auf-den-Tisch-legen: 25 Knoten. Und das zwischen Felsen und, soweit ich weiß, bislang unfallfrei. Vielleicht sollten manche Kreuzfahrtreedereien ihre Schiffsführer in Göteborg anwerben, die können das!
Im Stadtzentrum, wir haben uns auf den Teil hinter den Wallanlagen beschränkt, war es dann nicht mehr ganz regenfrei, aber die letzten Tage haben uns da tolerant gemacht. Natürlich reichen ein paar Stunden nur für einen oberflächlichen Eindruck, mehr haben wir auch nicht erwartet. Und Jogis Tipp, die Markthallen zu besuchen, konnten wir auch folgen. Die Altstadt „Inom Vallgraven“ ist so klein, dass man sie in ein paar Stunden schon gut ablaufen kann.
Stora Saluhallen / Große Markthalle
Stora Saluhallen / Große Markthalle

Gen Abend dann mit der Fähre, auch eine der Attraktionen von Göteborg, zurück in den Schärengürtel, ebenfalls eine der Attraktionen von Göteborg.

Die Dunstinsel

Es ging nicht weiter. Zumindest der Wind war so, dass man hätte segeln können. Wenn es denn wirklich notwendig gewesen wäre. Aber wir müssen keine Fracht abliefern und können kein Geld mit Segeln verdienen – im Gegenteil. Dann muss man ja nicht los, wenn es keinen Spaß macht. Und es hätte keinen Spaß gemacht. Dies hier ist ja eine Westküste, und da ist dann bei Westwind schon ein bisschem mehr los auf dem Wasser. Mit Rücksicht auf die gute Laune und das Wohlbefinden, besonders im Magenbereich, sind wir noch einen Tag in unserem Versteck hinter Malö und zwischen Hestholm und Mönster geblieben.
Heute morgen war das Wetter dann deutlich ruhiger, wenn auch in der See noch etwas Bewegung war, und wir sind weiter Richtung Norden.
Obwohl unser Liegeplatz gut geschützt war und man ihn nur erreichen kann, indem man um etliche Schären und Inselchen herum fährt und dann von Osten kommt, kann man ihn vom Sund zwischen Malö und dem Festland sehen. Was man nicht sieht, ist, dass das Wasser stellenweise so flach ist, da noch nicht einmal die Wellen durchkommen.
Siehe Bild oben.
Heute also Richtung Göteborg, mit Westwind. War, für unsere Verhältnisse, richtig schnelles Segeln. Fast durchgehend 6 Knoten und mehr bis zur Einfahrt in den Göteborger Schärengürtel.

Einfahrt in die Göteborger Schären
Einfahrt in die Göteborger Schären

Den Schärengürtel darf man sich nicht so vorstellen, dass es da nur einsame Schären gäbe. Den größten Teil der Landfläche machen recht große und auch dicht besiedelte Inseln aus. Die meisten sind durch Fährlinien, stellenweise auch durch Brücken, miteinander verbunden und gehören schon zum Randbereich der Großstadt Göteborg.
So auch Donsö, wo wir zur Zeit liegen. Der örtliche Prospekt legt Wert auf die Feststellung, das Donsö schon wichtig war als es Göteborg noch gar nicht gab. Was ja auch nicht verwunderlich ist, Göteborg ist ja eine Gründung aus dem 17. Jahrhundert und damit für eine so große Stadt relativ jung, für europäische Verhältnisse.
Donsö ist über eine Fähre an das Göteborger Straßenbahnnetz angeschlossen. Wir werden das morgen mal nutzen, unser Boot hier lassen und mit ¨Öffies¨ in die große Stadt fahren.
Donsö – der Name soll von Dunst abgeleitet sein, also die Dunstinsel – hat, wie sich das für eine ordentliche Insel gehört, ein paar Besonderheiten. Es ist die am meisten ¨industrialisierte¨ Insel in dieser Gegend. Wobei die Industrie wohl im wesentlichen aus Reedereien besteht. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der schwedischen Handelsflotte wird von hier aus bereedert. Wobei alle diese Tanker etc. Donsö natürlich nie anlaufen können. Dazu ist der Hafen zu klein
und sind die Fahrwasser zu eng.
So findet man denn im Hafen viele Sportboote, wenige Fischer und etliche große Trawler, die so sauber und aufgeräumt aussehen, dass man annehmen kann: Die sind zum Verkauf hübsch gemacht.
Donsö Hafen
Donsö Hafen

Ich finde die Mischung nicht schlecht: Man hat zumindest optisch nicht den Eindruck, im Yachtie-Ghetto zu liegen.
Weitere Besonderheiten der Insel: Mit maritimen Motiven bemalte Briefkästen an manchen Häusern. Keine, oder fast keine normalen Autos, dafür viele umgebaute Golf-Karts und viele dieser landestypischen Verkehrsmittel, deren Name ich nicht weiß: Dreirad, hinten Moped und vorne eine Ladefläche, die ggf. auch zum Personentransport genutzt wird. Wir nennen sie die rasenden Tablets, obwohl das vermutlich nicht die korrekte Bezeichnung in Schweden ist. Jedenfalls sind sie für die engen Straßen hier besser geeignet als normale Autos, von den heute überall zu findenden Blechblasen ganz zu schweigen.
Plan für Morgen: Siehe oben, in die Stadt, uns fehlt noch ein Hafenführer für die nördliche Hälfte des Reviers. Und den sollte es dort wohl geben. Und ohne das südliche Gegenstück hätten wir den Platz von vorgestern/gestern sicher nicht gefunden. Und die Lebenmittelvorräte sind mittlerweile auch schon ein wenig dezimiert.

PS: Der Autor dankt hiermit nochmal all denen, die ihn heute angemails, -smsst oder -gerufen haben.

Mönster und heulende Hütten

¨Es ist ja erst elf, da ist es ja noch früh am Tage!¨ So’n Quatsch, normale Arbeitnehmer bereiten sich ja schon fast seelisch auf die Mittagspause vor.
Wir kommen hier im Moment nicht raus, weil es mit der Stabilität der Atmosphäre doch nicht so weit her war.
In Bua waren wir gestern zweimal am Leuchtturm, um zu sehen, wie der Wind draußen wirklich ist. Der Hafen ist im Fjord nämlich so geschützt, dass man die wirklichen Windverhältnisse nicht abschätzen kann. Beim ersten Besuch haben wir eine auslauende Yacht (Halberg) beobachtet, die sich beim Einsetzen dauernd Wasser mit dem Bug auf Deck gelöffelt hat. Nachmittags nochmal, da ist eine (bayrisches Fabrikat) immer mit dem Vorschiff aufs Wasser geschlagen – auch nicht gut. Beide übrigens unter Motor und ohne Segel. Noch etwas gewartet und erst gegen halb vier ausgelaufen. Da ging’s, weder gelöffelt noch geklatscht, und auch mit gerefftem Groß.
Überall liegen hier Felsen im Weg, erfreulicherweise haben die Schweden viele davon mit Leuchttürmen oder Baken markiert. Einserseits gibt es wohl kaum irgendwo mehr Leuchttürme pro Quadratmeter als an den Schärenküsten, andererseits heißt ¨kein Leuchtturm¨ noch lange nicht ¨kein Felsen¨. Besonders nicht für die Kleinschifffahrt, die sich ja auch dort bewegen kann und will, wo große Schiffe nicht hinkommen.

Überhaupt hat sich mir die Verteilung der Leuchttürme nicht vollständig erschlossen. Warum, zum Beispiel, gibt es auf der winzgen Insel Nidingen nicht weniger als drei Leuchttürme, von denen anscheinend auch noch zwei völlig baugleich sind ? Natürlich leuchtet nur einer davon, was aber auch kein Beitrag zur Lösung dieses Rätsels ist.

Nidingen
Nidingen

Also von Bua bis zur Insel Malö an der Einfahrt zum Kungsbakka Fjord. Eine der Inseln, die so heißen. Angesichts der Vielzahl von Inseln, Holmen und Schären in Schweden wird der eine oder andere Name schon mal mehrfach benutzt. Sandö gibt es immer wieder, teils mit, teils ohne Sand drauf. (In Schottland, ehemaliges Kolonialgebiet der Norweger, gibt es ja auch jede Menge ‚Sanday’s)
Also Malö. Mit 5 Bft von hinten ging daß ganz flott. Mit 5 Bft von hinten zwischen die Inseln ist dann schon ein bisschen spannend. Und bis in unsere ausgeguckte Übernachtungsstelle war es dann selbst unter Motor noch interessant. Spitze zum Steg, Heck an die Boje. Unten fast Windstill, oben am Mast aber nicht: Wir haben dem einzigen anderen Boot dort eine schöne Hafenkino-Vorstellung gegeben, bis wir endlich friedlich nebeneinander lagen: Ein Däne, wir Deutschen und eine schwedische Flagge.
Mönster, Hesten Sund
Mönster, Hesten Sund

Auf der einen Seite ¨Hestholm¨, unbewohnt und trotz des Namens pferdefrei, auf der anderen ¨Mönster¨, viel Felsen und etliche der landestypischen Wochenendhäuser, in der Landessprache ¨Stuga¨.
Ganz oben auf der Felskuppe gibt es das ehemalige Lotsenhäuschen, von wo aus die Lotsen früher Ausschau nach Kundschaft gehalten haben. Sowieso schon an der höchsten Stelle, dann noch zur Verbesserung der Rundumsicht auf einem Steinhaufen, und damit das ganze nicht wegfliegt, mit Drahtseilen nach vier Seiten abgespannt. Scheint sinnvoll, wenn es hier im Sommer schon so pfeift.
Die 'heulende Hütte" von Mönster
Die ‚heulende Hütte“ von Mönster
Wir warten noch ein bisschen, vielleicht wird es ja am Nachmittag etwas ruhiger. Gestern hat das ja auch geklappt.

Stunden später: Halb fünf, und es kachelt immer noch. Und regnet jetzt auch noch. Zeitweise der Typ des „männchenmachenden“ Regens. Wenn`s so kleine Männchen gibt, da, wo die großen Tropfen auf Wasser aufschlagen.
Vielleicht geht es morgen weiter.

Mittsommernacht

Der Zustand der Atmosphäre hat sich wieder stabilisiert. Dem Netz konnte man entnehmen, das es auch in Deutschland geschüttet hat. Hier jedenfalls war sehr ergiebiger Starkregen und reichlich Wind in der Nacht. Am nächsten Morgen, dem des Freitag, herrschte dafür absolute Stille in den unteren Schichten. Kein Wind, warm und Seenebel. Also Auslaufen verschoben. Dann kein Nebel mehr, aber schwül. Fühlt sich nach Gewitter an. Immer noch kein Auslaufen. Und dann die große Müdigkeit, erst bei mir, dann bei Sabine. Und dann lohnt sich das Auslaufen eigentlich auch nicht mehr. Und das war auch gut so. Weil, wären wir auf See gewesen, hätten wir den höchsten Schwedischen Feiertag, de facto, das Mittsommer-Wochenende wohl nicht so deutlich miterleben können. Wir wusten, dass Sommeranfang war, und auch, dass das hier sehr intensiv gefeiert wird. Aber irgendwie war es doch ein wenig verdrängt.
Erst fing es ganz langsam an: Wir sind ein bisschen auf einer der Hafenmolen spazieren gegangen und hörten von dort aus martialisches Getrommel aus den Mauern der Festung. Unsere touristische Neugier ließ uns dann der Blaskapelle folgen, die aus der Festung „hervorbrach“. Ein uniformierter Haufen von Schülern (und – erinnen) mit Trommeln, Posaunen, Trompeten, Saxofonen, Flöten, Tuben, Klarinetten und sogar zwei Waldhörnern. Aus lauter Neugier hinterher bis in einen Park, woselbst die tapferen Musikanten (und -innen) Aufstellung nahmen und ihr Repertoire abarbeiteten (Ich kann keines der Stücke benennen, aber vermutlich alle mitpfeifen. Irgendwie sind das überall die Gleichen.)
Mehr und mehr Volks versammelte sich, und viele der Damen, vorwiegend, aber nicht ausschließlich jüngere, trugen das zu diesem Feste gehörige Dekor: Einen Blütenkranz im Haar. Ganz stilechte Version: Weißes Kleid dazu.
Es folgte dann eine längere gemeinsame tanzähnliche Aktion. Unter Anleitung eines Sängers, der von einem Akkordeonspieler begleitet wurde. Sabine meinte, das laufe unter Kinderbelustigung. Ich fand, die Eltern waren weit mehr belustigt, während mancher Jungschwede (und -in) gar nicht wusste, was da gespielt wurde. Wie auch immer, für Nichtschweden (und -innen) schon ein interessantes Schauspiel, sowas ist bei uns doch schwer vorstellbar.

Mittsommer-Feier in Varberg
Mittsommer-Feier in Varberg

Der Abend war dann noch lang und laut, und am nächsten Morgen waren dem einen oder anderen (ohne -innen) noch Spätfolgen des Alkohols anzusehen.
Da wir ja keine Schweden sind und daher selbstverständlich zur Mittsommernacht auch keinerlei Alkohol kosumieren (oder glaub das jemand nicht?), konnten wir dann am Sonnabend Morgen früh auslaufen – für unsere Ostseeverhältnisse jedenfalls früh. Ziel war Gottskär, oder ein Ankerplatz zwischen den Inseln davor, oder Bua. Ausgelaufen bei NW 2, eingelaufen in Bua bei NW5 oder auch etwas mehr. Jedenfalls nur noch mit gerefftem Groß, und auch das noch ziemlich flott.
„Bua“ ist keine Wertung, der Ort heißt wirklich so. Was hat er zu bieten? Einen Hafen für die Fischerei und Sportboote, eine landschaftlich eigentlich ganz nette Bucht, die guten Schutz bei viel Wind bietet, und Schwedens größtes Kernkraftwerk. Nicht so schön, aber wir wollen ja hier nur übernachten und nicht Urlaub machen.
Ach ja, einen Leuchtturm auf den Felsen neben der Einfahrt zur Bucht.
Leuchtturm an der Einfahrt nach Bua
Leuchtturm an der Einfahrt nach Bua

Seitenwechsel

Weil wir Anholt so schön fanden, haben wir uns dort noch einen Tag gegönnt. Den dann allerdings überwiegend lesend unter Deck verbracht. Anholt ist natürlich auch schön, wenn es regnet. Aber da man ja anerkanntermaßen nass wird, wenn es regnt, und man dann die Sachen unter Deck schlecht wieder trocken bekommt, habe wir das Ende des Regens lieber abgewartet. Und sind daher erst am späten Nachmittag hervor gekrochen gekommen. Hat dann nur noch für einen Gang am Weststrand – diese Insel hat eigentlich auf allen Seiten Strände – bis zum Südberg gereicht. (Anmerkung der Lektorin: Wir waren 3/4 hoch!) Und da hinauf hat dann die Kombination von Lust, Schuhwerk und Motivation nicht mehr gereicht. Ein „Berg“ ist ja auch für uns Flachländler eigentlich genug!
Heute also zur anderen Seite, zur schwedischen. Ganz undramatisch, alles unter Segeln und ohne Kreuzen.
Auf dieser Strecke, Anholt – Varberg, merkt man schon an der Landschaft, wo man ist: Anholt Sand, Varberg Felsen. Mit Leuchttürmen, Stugas (Schwedisch für Wochenendhaus ohne Strom und mit Plumsklo) und der zugehörigen rustikalen Infrastruktur.

Die ersten Westschären vor Varberg
Die ersten Westschären vor Varberg

Eben so, wie es in einem Reiseprospekt über Schweden auch stehen würde. (Das mit dem Klo steht natürlich nicht drin.)
Wenn man auf Varberg zufährt, fällt vor allem die Festung auf. Im 14. Jahrhundert gegründet, und um 1830 „aus der Liste der königlichen befestigten Orte gestrichen“. Was hieß, man durfte die Steine als Baumaterial anderweitig verwenden. Tatsächlich ist die Feste im Verhältnis zum Ort so groß, dass gar nicht auffällt, dass da etwas fehlt. Auch nachdem einiges davon Hafenmole geworden ist, ist immer noch reichlich Festung da. Und heute leben sie in friedlicher Koexistenz, der Hafen und die Festung.
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Wärend dieser Bericht zu Bildschirm gebracht wird, geht draussen gerade die Welt unter. Was wir morgen machen werden, ist vom Zustand der Atmosphäre abhängig. Und der ist im Moment hochgradig instabil – blitz, donner, schütt.

Eine Insel mit zwei Bergen ..

.. und dem weiten blauen Meer.
Ohne Tunnel, ohne Geleise, ohne Eisenbahnverkehr …
Das Wetter hat nicht nur nicht gehalten, was der Wetterbericht am Sonntag Morgen versprochen hat, es war sogar noch gruseliger als es der Wetterbericht vom Sonntag Abend vorhergesagt hatte. Den Montag haben wir überwiegend an Bord verbracht, gelesen, in den Regenpausen mal auf die Hafenmole geschaut. Mehr war nicht drin: Kalt, Regen, viel zu viel Wind zum Segeln. Sogar ein Fischerboot hat Schutz im Hafen gesucht, und die sind ja sonst schon hart im Nehmen.
Heute dann nur noch 4 Bft aus West, ab nach Anholt. Zwischen Grenaa und Anholt liegt der größte Offshore-Windpark Dänemarks und einer der größten überhaupt. Aus den Karten (1 mal Papier, 2 mal elektronisch) ging nur hervor, dass man da nicht ankern und keine Dinge über den Boden schleifen lassen darf. Daraus haben wir geschlossen, das man hindurch fahren darf. Ob sich das nun gelohnt hat, ist eine andere Frage, vielleich wären wir außen herum mit ungestörtem Windfeld auch nicht länger unterwegs gewesen.

Windpark Anholt
Windpark Anholt

Die einschlägigen Handbücher – wir haben natürlich nur einschlägige an Bord, andere kennen wir gar nicht – schlagen alle einhellig vor, auf Anholt früh anzukommen, da der Hafen oft überfüllt sei. Was einleuchtet, schließlich liegt die Insel so schön zentral in der Mitte des Kattegats, dass man hier einfach einlaufen muss. Außerdem soll Anholt landschaftlich sehr schön sein.
Hafen Anholt in der Vorsaison
Hafen Anholt in der Vorsaison

Nun sind wir hier. Erstens: Anholt ist nicht überlaufen. Jedenfalls jetzt nicht, außerhalb der Ferien.
Zweitens: Die Insel ist sehr schön. Es gibt einen hohen Teil, dessen höchsten Punkte von den Eingeborenen Nordberg und Südberg genannt werden. Und es gibt einen niedrigen Teil, der hier unter ¨Wüste¨ läuft. Diese Wüste soll entstanden sein, weil im Laufe der Anholter Geschichte alle Bäume verbraucht wurden, um ein Warnfeuer für die Seefahrt zu unterhalten. Brennendes Holz als Lichtquelle hat ja nun auch wirklich keinen besonders guten Wirkungsgrad.
Heute leben die Anholter, es gibt ihrer nur etwas mehr als 160, im Wesentlichen vom Tourismus. Und das zu Recht, denn die Landschaft, die Vegetation und die langen Strände sind schon etwas besonderes.
Anholts Ostseite
Anholts Ostseite

Anholt sei jedem Segler empfohlen, vorzugsweise außerhalb der dänischen und schwedischen Ferienzeit – es ist von hier aus nach Schweden kaum weiter als nach Dänemark.
Wir werden wohl einen zusätzlichen Anholt-Tag einlegen, schießlich kommt man nicht so oft hierher.

Haie, Schweine und ein Schwarzes Loch

Sonntag in Grenaa
Als Freizeitkapitän läuft man Grenaa nicht unbedingt wegen der Stadt an. Das für unsereinen Interessanteste an Grenaa ist, dass es da liegt, wo es liegt: An der Ostspitze von Djursland, mithin also am dichtesten an Anholt. Und Anholt wiederum ist ein guter Zwischenstop, um das Kattegat zu überqueren.
Nach Grenaa also sind wir bei Schwachwind mit Motorhilfe gekommen. Dann hat der Wind es sich anders überlegt: Zwei Tage lang war kräftiger Wind mit ausdrucksstarken Böen. Angegebene Windstärke sind 10 m/s, was etwa 5 Bft entspricht. Die Böen allerdings liegen deutlich darüber, auch am Steg schaukelt Martha. Und immer, wenn man meint, die Böen hörten auf, kommt eine und zeigt, dass dem nicht so ist.
Also 2 Tage im Hafen von Grenaa. Strandgang, Stadtgang. Die Stadt ist nicht wirklich spannend, wenn auch nicht ganz so verlassen wie andere Orte gleicher Größe (Gruß nach Delmenhorst).
Mit Bremen hat sie gemein, eine Hafenstadt zu sein und ein Schweinedenkmal zu haben. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Größe in Grenaa allerdings mit nur einem Schwein.

Das Schweinedenkmal von Grenaa
Das Schweinedenkmal von Grenaa

Am Hafen, der mehrere Kilometer von der Stadt entfernt liegt – Fluss ¨Grenaaen¨ versandet, neuen Hafen weiter unten gebaut, kennen wir Bremer ja auch – gibt es ein ¨Kattegat-Center¨, in dem kleinen und großen Kindern und Erwachsenen diverse Meeresbewohner gezeigt werden. Beileibe nicht nur einheimische, denn wenn die vielen Haie, die man dort sehen kann, alle hier rumschwämmen, würde ich mich dem Wasser nur noch mit großer Vorsicht nähern. Auch wenn die Haifütterungsdame aus dem Aquarium demonstriert hat, das man mit Wathose im hüfttiefen Wasser stehen und Haie füttern kann – wenn man sich auskennt.
Einer der vielen Kattegat-Haie
Einer der vielen Kattegat-Haie

Und wir haben gelernt, oder besser, wir wurden darauf hingewiesen, das es pro Jahr etwa 5 Unfälle mit Haien gibt, bei denen Menschen zu Schaden kommen. Aber sehr sehr viele Haie pro Jahr durch Menschen umkommen. Die angegebene Zahl scheint mir unplausibel, da müssen ein paar Nullen zuviel gewesen sein, so viele Haie wie da standen, gibt es gar nicht gleichzeitig auf dieser Erde. Immerhin, die Tendenz ist wohl richtig, Menschen sind für Haie weit gefährlicher als umgekehrt.
Was gibt es noch in Grenaa: Einen Fähr- und Handelshafen, einen großen Sportboothafen und ein schwarzes Loch. Es fahren nämlich mehr Schiffe in den Hafen von Grenaa hinein als herauskommen.
Was daran liegt, dass es hier eine große Abwrackwerft gibt. Wenn man nach der Zahl der Fahrzeuge geht, sogar die größte der Welt. Allerdings sind das überwiegend Fischereifahrzeuge, was den Superlativ etwas einschränkt. Wer also unbedingt eine gebrauchte Maschine, Netzwinde oder veraltete Bordelektronik kaufen will, hier in Grenaa ist er richtig. Details unter ¨www.fornaes.dk¨. Ein geeignetes Arbeitsboot für den Verein war leider nicht dabei.
Morgen soll es nach Anholt gehen. Falls die Wettervorhersage stimmt.

Toft-Toft

Heute ¨Erholung auf See¨
Wovon allerdings sollen wir uns erholen? Auf Kreuzfahrtschiffen heißen ja die Tage ohne Landgang so – wir waren also heute unterwegs, von Ebeltoft nach Grenaa. Und haben dafür, 29 Meilen, fast den ganzen Tag verbraten. Denn meist war kaum Wind, und wenn, dann von vorn. Also ist vom heutigen Tag wenig zu berichten. Vielleicht, dass der Yachthafen von Grenaa groß, leer, weit vom Ort und vergeichsweise teuer ist. Falls das jemanden interessiert.
Gestern also nochmal Ebeltoft. Die ¨Jylland¨ besucht. Eines der Schiffe, die 1864 in der Seeschlacht vor Helgoland gekämpft haben. Völlig sinnlos übrigens, der Krieg war sowieso schon entschieden, zu Ungunsten Dänemarks.

Fregatte Jylland
Fregatte Jylland

Die letzte Seeschlacht mit hölzernen Segelschiffen. Wobei die Jylland ja schon kein reines Segelschiff mehr war, sie hatte eine Maschinenanlage und konnte auch mit Dampfkraft fahren, wenn auch nicht so schnell wie unter Segeln. Eigentlich war sie schon ein Anachronismus, als sie ins Wasser kam: Segelschiffe waren durch Dampfschiffe überholt, Vorderlader-Kanonen durch Hinterlader ersetzt. Auch damals schon war wohl die Zeit zwischen Pflichtenheft und Abnahme wohl manchmal länger als erwartet.
Für das segelnde Volk interessant: Die Schraube hatte nur zwei Flügel und konnte beim Segeln in den Rumpf eingezogen werden. Das lässt sich heute noch gut erkennen. Innen im Schiff ist leider nicht viel erhalten. Was heute zu sehen ist, ist zum großen Teil nachgebaut.
Die einziehbare Schraube der Jylland
Die einziehbare Schraube der Jylland

Als Kriegsschiff ist sie wohl nur einmal zum Einsatz gekommen, später war sie so eine Art Staatyacht XXL, mit der der König nach Island und Russland gereist ist.
Dem Ebeltofter Nachtwächter sind wir leider nicht begegnet, unser Verdacht ist, dass er außerhalb der Urlaubssaison nicht wacht.
Der Name Ebeltoft soll sich von Äppeln herleiten, was auch durch eine große Plastik eines Apfels unterstrichen wird. Was das „-toft“ bedeutet, hab‘ ich bislang nicht raus gefunden. Dafür, das die Endung ¨-toft¨ auch anderswo vorkommt, z.B. im Danelag, dem damals von den Wikingern geärgerten Teil Englands: Im Hafen von Ebeltoft lagen zwei etwas heruntergekommene Schiffe aus Lowestoft, dem Hafen, in dem wir 2013 und 2015 britischen Boden erstmals betreten haben. Toft-Toft. Was heißt denn nun ¨-toft¨ ?
Andere Tofter in Ebeltoft
Andere Tofter in Ebeltoft

To sail or not to sail …

Seit Sonntag Abend ist der Skipper, also ich, wieder an Bord. Nachdem er sich eine Woche lang in fremden Gewässern herumgetrieben hat. Sabine hat indessen, bis auf eines, alle Aarhuser Museen besucht. Am Montag kurze Dikussion, ob man bei diesem Wetter weitersegeln will. Will man nicht. Der Wetterbericht sagt Ost 5, mit Böen 6, bei Windfinder zweitweise auch 7. Das reale Wetter sagt 6 bis 7 Bft, außerdem viel zu kalt. Ein Trimaran versucht auszulaufen und liefert Hafenkino von Feinsten. Einmal quer zur eigentlichen Schiffslängsachse von einem Hafenbecken ins nächste. Am Dienstag keine Diskussion, schließlich hat sich die Lage ja auch nicht merklich geändert. Um die wetterbedingte Faulheit wenigstens kurz zu durchbrechen Besuch ihrer Majestät Margarethe II von Dänemark. Natürlich nicht bei ihr persönlich, sie wird uns wohl kaum einladen, aber wenn sie sich denn nicht auf ihrem Sommersitz Marselisborg aufhält, darf der Normalsterbliche die Parkanlagen um das Schloss besichtigen. Und das ist vom Hafen aus gut zu Fuß zu erreichen und lohnt sich auch.
Am Mittwoch dann wieder Seefahrt, wenn auch nur kleine. Aarhus nach Ebeltoft. Wer Ebeltoft auf der Karte nicht gleich findet: Wenn Djursland die tropfende Nase von Jütland ist, dann liegt Ebeltoft an der Wurzel des vorderen Tropfen. (Das Bild ist nicht von mir!) Wenig Wind, daher fast ein ganzer Segeltag. Ebeltoft ist ein Städtchen, das seine ursprüngliche Wirtschaft wohl verloren hat. Dafür ist viel malerische alte Bausubstanz erhalten, und der Ort lebt heute vom Tourismus. Und das zu Recht.

Rathaus von Ebeltoft
Rathaus von Ebeltoft

In einem unserer schlauen Bücher ist zu lesen, dass man hier, vermutlich aus fremdenverkehrstechnischen Gründen, das here Amt des Nachtwächters wieder eingeführt hat. Können wir bislang weder bestätigen noch dementieren. Ist ja noch nicht Saison, vermutlich auch nicht für Nachtwächter.
Außerdem liegt hier die Fregatte Jylland, restauriert. Nachdem sie wohl jahrzehntelang hier als vergessene Hulk vor sich hin gerottet war. Ein hölzernes Kriegsschiff aus der Übergangszeit: Zwar noch Segler mit Geschützen auf Batteriedecks, aber schon mit einer Maschinenanlage. Dazu hoffentlich später mehr.

Pause

Käptn geht vorübergehend von Bord. Nächster Bericht nicht vor Sonntag in einer Woche.

Auch wenn der Käptn jetzt im Zug nach Hause sitzt, möchte er doch noch etwas nachtragen.
Früher, als er, der Käptn noch eine 1 oder 2 vorne an der Zahl seiner Jahre stehen hatten, waren die Dänen, die er kannte, nette Leute, die häufig ganz gut Deutsch, fast immer gut Englisch, und, wenn beides nicht zutraf, hervorragend mit Händen und Füßen sprachen. Heute benutzen viele ein Übersetzungsprogramm, was aber nicht unbedingt den Informationsaustausch erleichtert. Wer versteht schon auf Anhieb, was uns der Satz:
„Wir begrüßen dich mit vier Rollen!“
Überschlägt sich hier der Hafenmeister, weil endlich mal ein zahlender Gast einläuft? Nein!
Übersetzungsprogramm Dänisch -> Englisch -> Deutsch ! rundstykke(DA) => roll(EN) => Brötchen (DE)
Gegen die Quittung vom Hafen gibt es im Supermarkt Preisnachlass auf 4 Brötchen. Bis wir das allerdings verstanden hatten, gab es keine Brötchen mehr.
Weiterer Nachtrag: Nur der Käptn (und LI) gehen vorübergehend von Bord. Die übrigen Offiziere, Funktionsträger etc. dürfen weiter die frische Seeluft des Kattegatt genießen. (Hier in Bremen ist es zur Zeit unangenehm schwül)